Quiz
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Los, gib deinen Senf dazu! Woher stammen diese Redewendungen?

Bild: watson



Ist es nicht wieder mal Zeit, sich mit rhetorischen Stilmitteln herumzuschlagen und die Wurzeln und Geschichten hinter unseren hübschen deutschen Redewendungen auszugraben?

Unbedingt!

Nun denn ...

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1.Die Katze im Sack kaufen bedeutet ja, etwas zu kaufen, ohne es vorher zu prüfen. Doch wie kommt man auf sowas?
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Katzen gelten als unberechenbare Tiere. Wenn du den Sack aufmachst, fauchen und kratzen sie. Der Sack birgt also eine böse Überraschung, genauso wie sich etwas zuzulegen, ohne vorher die Bewertungen zu lesen.
Früher stopften die gerissensten Markthändler eben lieber eine wertlose Katze statt des ausgemachten Ferkels oder Kaninchens in einen Sack, um ihre unachtsamen Kunden zu betrügen.
Die Redewendung rührt daher, dass sich Katzen aus unerklärlichen Gründen in jede herumstehende Tüte, jede Kiste und jeden Karton setzen. Entdeckt man eine dann in seinem Sack, kann man schon mal erschrecken – so wie über den blind getätigten Einkauf.
Das Wort «Katze» in der Redewendung stammt nicht etwa von Katzentieren, sondern tatsächlich vom italienischen «Cazzo» (Penis). Im 19. Jahrhundert litten männliche Prostituierte (Stricher) im Piemont oft an Syphilis – oder wie sie zu sagen pflegten – am «Cazzo rotto» (kaputter Penis). Sie verkauften also nicht nur ihre Dienste an die Freier, sondern gleich noch ihre Geschlechtskrankheit dazu.
2.Meist ungefragt seine Meinung kundtun oder eben seinen Senf dazugeben – wieso nur dieser Senf?
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Der abschätzige englische Begriff «retard» (Zurückgebliebener) wurde gern verballhornt zum harmloseren «mustard» (engl. Senf). Wenn man also den Satz «You utter mustard!» zu hören bekam, so war man der, der ohne Wissen zum Thema gerade sein Urteil abgegeben hatte.
Tatsächlich hat dieses Sprichwort einen schweizerischen, genauer einen St.Gallischen Ursprung. Als sich die OLMA in den 50er Jahren zunehmender Beliebtheit erfreute, wurden auch zunehmend die Sitten ausserkantonaler Besucher beobachtet: Da sie ihre qualitativ eher minderwertigen Würste stets mit Senf zu essen pflegten, den aber zur OLMA-Bratwurst nicht gereicht bekamen, nahmen sie ihn eben selbst von zuhause mit.
Im 17. Jahrhundert galt Senf als ein Gewürz, das jede Mahlzeit aufpeppt. Und so begannen sämtliche Wirte jener Zeit damit, ihren Gästen ungefragt zu jeder nur erdenklichen Speise Senf aufzutischen.
3.«Was soll das bedeuten? Ich verstehe nur Bahnhof.» Was ist damit wohl ursprünglich gemeint?
Zürich, Bahnhofplatz ca. 1910
Das kommt daher, dass die ausgebrannten Soldaten des Ersten Weltkriegs nach Wochen trostlosester Grabenkämpfe nur noch nach Hause wollten. Der Bahnhof wurde dabei zum Symbol der baldigen Heimkehr und alle Gespräche, die ein anderes Thema zum Inhalt hatten, wurden mit dem Satz «Ich verstehe nur Bahnhof» abgebrochen.
Bahnhof war oder ist noch immer stets das Wort, das man in der Sprache der nächsten Feriendestination als eines der ersten lernt, weil man sich von dort aus stets neu orientieren kann, falls man sich in der fremden Stadt verirrt. Weil ein solches Touristen-Vokabular aber oft nicht mehr als ein paar kümmerliche Wörter umfasst, haben die Deutschen für dieses Phänomen die Phrase «Ich verstehe nur Bahnhof» geprägt.
«Banoff» bedeutet im Russischen «Dummkopf» und so manch deutscher Tourist wird damit in Russland auf den Arm genommen.
Die Redewendung entstammt Hermann Hesses Roman «Das Glasperlenspiel» (1943) und nimmt Bezug auf die scheppernden Lautsprecher in Bahnhöfen.
4.«Aus dem Stegreif hat er den Vortrag gehalten!» Meint: einen ziemlich spontanen Menschen, der ohne zu üben etwas vorträgt. Was hat es mit dieser Redewendung auf sich?
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Das schreibt man mit «h», «Stehgreif», weil man, noch bevor man sich hinsetzt, also im Stehen, nach Worten greift – bildlich gesprochen.
Blödsinn, das hat rein gar nichts mit Stehen zu tun. Stegreif ist das alte Wort für Steigbügel. Das Ding, das am Pferdesattel baumelt, die Fusshilfe für den Reiter. Aus dem nämlich stieg der Bote schon gar nicht, wenn er dem Volk schlechte Nachrichten vom König zu verkünden hatte. Für eine saftige Steuererhöhung wurde jener nämlich ganz gern mal zünftig vermöbelt.
Nette Geschichte, nur stimmt sie nicht. Der Reif – also die hübschen kleinen Eiskristalle bei frostigem Wetter – auf einem hölzernen Steg, wo Boote vertäut werden. Da die Fischer am frühen Morgen gern darauf ausrutschten, rief man sich zur Warnung gegenseitig «Aus dem Stegreif!» zu. Eine gefährliche Situation also, aus der man sich schnell retten muss, damit man sich nicht verletzt.
Wie erfinderisch ihr alle seid. Die Herkunft dieser Redewendung ist leider weit unspektakulärer. Walter Stegreif (1634–1690) war ein begnadeter Redner, der dafür berühmt war, sich vor seinen Auftritten nicht die kleinste Notiz zu machen.
5.Den Kern einer Sache nennen wir auch den springenden Punkt. Woher aber kommt er?
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Aus der Physik! Er meint dort die Oszillation, welche die genaue Amplitude angibt – oder eben «den springenden Punkt.»
Physik ja, genauer allerdings aus der Kernphysik: Die Spaltung eines Atomkerns lässt sich im Tröpfchenmodell besonders anschaulich darstellen, da schwingt – oder eben springt – der Kern erst, bevor er dann schliesslich zerreisst.
Aus der Biologie! Gemeint ist damit der pulsierende rote Fleck einer befruchteten Eizelle, also das erste sichtbare Zeichen von Leben, das Herz des Embryos.
Aus dem Militär! Er war ein Ausdruck der deutschen Flugabwehr im Ersten Weltkrieg und stand für ein bewegliches Ziel in der Luft.
6.Wenn etwas nach Schema F abläuft, dann wirkt es bürokratisch-routinemässig, stereotyp, mechanisch oder gar gedankenlos.
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Der Begriff «Schema F» stammt aus der frühen Arithmetik, die Aufzeichnungen darüber wurden aber vermutlich zerstört, als die Bibliothek von Alexandria in Flammen aufging.
«Schema F» leitet sich vom Namen der ukrainischen Spionin Ewa Fokin ab. Die im Kalten Krieg tätige Agentin war dafür berühmt, ihre hypnotischen Fähigkeiten zur Informationsbeschaffung einzusetzen.
Der Ausdruck geht zurück auf die sogenannten Frontrapporte – abgekürzt mit dem Buchstaben F – des preussischen Heeres, mit denen ab 1861 in regelmässigen Abständen die wichtigen Daten bezüglich Ausrüstungsstand und Mannschaftsstärke der Einheiten an das Kriegsministerium zu melden waren.
7.Wenn einer kein Blatt vor den Mund nimmt, dann sagt er frei heraus, was er denkt, ohne Beschönigung ...
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... Das kommt daher, dass Adam und Eva während ihres Paradies-Aufenthaltes noch nackt und ohne irgendwelche Scham durch den Garten Eden streiften. Sie redeten und benahmen sich noch völlig frei von gesellschaftlichen Zwängen und Moralvorstellungen, was sich mit ihrem Rauswurf schlagartig änderte. Fortan trugen sie Feigenblätter, die das sittenstrenge 19. Jahrhundert nicht nur dem Geschlecht, sondern ebenso dem Mundwerk angedeihen liess.
... Ein alter Theaterbrauch verlangte vom Schauspieler, die besonders obszönen und anstössigen Partien seiner Rolle durch ein Blatt Papier hindurch zu sprechen. So konnten sie für ihre Aussprüche auch nicht zur Verantwortung gezogen werden.
... Im Mittelalter galten Menschen mit einer Missbildung als Monster (von lat. monstrare = zeigen, hinweisen). Sie kündigten Unheil an oder wurden als die Ausgeburt eines sündiges Lebens betrachtet. Die Redewendung bezieht sich auf Menschen, die an einer Fehlbildung im Bereich des Mundes (Hasenscharte oder ähnliches) litten, diese aber, selbst wenn sie das Wort an einen Edelmann richteten, ohne sie zu verdecken, offen zur Schau trugen.
... Eine Arme-Leute-Phrase. Diese konnten sich keine Tischwäsche leisten, benutzten als Servietten also Pflanzenblätter, um sich den Mund zu putzen. Wer dies unterliess, galt als ungehobelt.
8.Wer nichts mehr zu sagen hat, von der Öffentlichkeit abgeschrieben und nicht mehr beachtet wird, ist «weg vom Fenster» – warum eigentlich?
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«Weg vom Fenster» entstand um die Jahrhundertwende in psychiatrischen Kliniken. Litt ein Patient an einem schweren psychopathologisch bedingten Anfall und stellte damit eine Gefahr für sich und andere dar, schloss man ihn in die fensterlose Gummizelle (früher auch als Tobzelle bezeichnet) – Er war weg vom Fenster.
Die Redensart leitet sich vom Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 ab, an dem eine über die vom König verletzte Religionsfreiheit aufgebrachte protestantische Meute von 200 Männern die königlichen Statthalter und den Kanzleisekretär aus dem Fenster der Prager Burg 17 Meter tief in den Graben schmissen. Damit waren sie buchstäblich weg vom Fenster.
Ursprünglich stammt die Redewendung aus dem englischen «gone from Windows» und bezieht sich auf die in den 1990ern geplatzte Internet-Blase, die unzählige arbeitslose IT-Fachleute hinterliess. Sie waren nun weg von (Microsoft) Windows.
Die Phrase kommt aus dem Bergbau: Die Männer, die unter Tage arbeiteten, genossen am Feierabend die letzten Sonnenstrahlen am Fenster. War einer von ihnen nicht mehr am Fenster zu sehen, war er entweder krank oder tot.
9.Ein Brett vor dem Kopf haben, also etwas Offensichtliches nicht verstehen, begriffsstutzig sein – welche Geschichte verbirgt sich hinter dieser Phrase?
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Sie stammt aus den frühen 1980er-Jahren, als fernöstliche Kampfsportarten in Hollywood einen Boom erlebten. In Kampfsport-Shows werden immer gerne Holzbretter zerschlagen und die Person, die es dem Kämpfer hinhalten muss, steht oft etwas dümmlich da.
Zum Schutz vor Pferdedung und anderem Dreck montierte manch ein Kutscher für längere Strecken ein Brett auf Kopfhöhe an seinem Fuhrwerk, was seine Sicht erheblich einschränkte und nicht immer gut endete.
Der Kutscher hängte das Brett natürlich nicht vor seinen eigenen Kopf, sondern vor den seiner besonders dummen Ochsen, damit diese nicht erschreckten oder abgelenkt wurden. Wenn sie nämlich einmal scheuen, na dann gute Nacht.
10.Wer heiser ist, eine belegte Stimme hat und nur unter Beschwerden reden kann, der hat einen Frosch im Hals. Wie kommt's?
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Der medizinische Begriff Ranula (lat. für Fröschlein) bezeichnet wegen deren Ähnlichkeit mit einem Frosch die unterhalb der Zunge gelegene, mit eingedicktem Speichel gefüllte Froschgeschwulst oder Mundbodenzyste.
Einem Hochzeits-Ritual der Maya zufolge legte man der Braut eine leicht giftige Kröte in den Mund, um ihre Zunge zu betäuben. Eine lahmgelegte Zunge als Symbol dafür, dass sie fortan keine Widerworte an ihren Mann richte.
Ein Sprichwort, das sich einer reinigenden Medizinpraktik aus dem Amazonasgebiet anlehnt: Dabei wird am Rücken des Riesenmakifroschs geleckt, wo sein Gift (Kambo oder Sapo genannt) durch die Drüsen austritt und den Konsumenten erst benebelt und dann zum Erbrechen bringt. Übertreibt man es mit dem Froschsekret, kann es auf die Stimmbänder gehen und einen heiser machen.
Geboren wurde diese Redensart in der deutschen Vorstellung von Frösche verputzenden Franzosen während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870: Die Deutschen wünschten sich ihrem Feind dabei gern den Erstickungstod durch einen quer im Halse stecken bleibenden Froschschenkel. Mit der Zeit verlor das Sprichwort seinen böswilligen Sinn und stand nunmehr bloss für eine harmlose Heiserkeit.

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