Zwei Spieler drängen sich auf – die Gewinner und Verlierer nach dem Test gegen Australien
Die Gewinner
Sie sind schnell gefunden: Johan Manzambi und Michel Aebischer, die in der Qualifikation nicht immer gesetzt waren, standen in beiden Tests in der Startaufstellung. Manzambi durfte dabei im Zentrum spielen, also auf der Position, die er auch vom Klub kennt. Der 20-Jährige zeigte, dass er mit seiner Physis und seinem Zug zum Tor starke Qualitäten mitbringt. Vor allem gegen Jordanien war der Spieler des SC Freiburg auf dem ganzen Platz anzutreffen.
Michel Aebischer spielte zweimal auf der Seite, wobei er gegen Jordanien, als er die defensivere Rolle einnahm, etwas sicherer wirkte. Der Spieler des Serie-A-Absteigers Pisa kann vor allem glänzen, wenn er von aussen in die Mitte zieht und so für eine Überzahlsituation sorgt. Als Vorbereiter ist er wertvoll, wenn es darum geht, selbst über die Seite Tempo zu machen, scheinen andere geeigneter.
Zu den Gewinnern ist auch Dan Ndoye zu zählen, der im Nationalteam seine Qualitäten besser ausspielen kann als im Klub. Dass Ndoye an der WM spielen wird, scheint gegeben. Die Frage ist nur noch, ob er wie gegen Jordanien die defensivere oder wie gegen Australien die offensivere Rolle einnimmt. Angesichts seiner Torquote spricht einiges für Letzteres.
Die Verlierer
Dazu sind jene zu zählen, die aufgrund von Verletzungen gebremst wurden. Allen voran Fabian Rieder, der in der Qualifikation und bei den Tests im März noch die erste Wahl war, wenn es um die Position hinter der Sturmspitze ging. Nun verpasste er das erste Testspiel wegen eines Schlags auf den Knöchel und wurde beim zweiten eingewechselt. Mit Manzambi hat er einen starken Konkurrenten im Zentrum. Spielt Yakin mit drei Innenverteidigern, könnte Rieder aber auch als Aussenläufer eingesetzt werden.
Auch Ruben Vargas konnte wenige Akzente setzen. Gegen Jordanien war er einer der Unauffälligeren, die Partie gegen Australien verpasste er angeschlagen. Es wäre die Chance für Noah Okafor gewesen, sich im Nationalteam für eine grössere Rolle aufzudrängen. Auch er kämpfte jedoch mit einer noch im Klub zugezogenen Blessur und kam nur kurz zum Einsatz. So dürfte Yakin vorerst weiter auf Vargas setzen.
Breel Embolos Probleme mit der ESTA-Einreisebewilligung haben dazu geführt, dass er verspätet ins Camp in San Diego einrücken konnte und nun weniger Zeit hat, sich vor Ort einzugewöhnen. Trotzdem muss er keine Angst haben, sein Platz im Sturmzentrum ist unbestritten.
Die Systemfrage
In den beiden letzten Turnieren hatte sich Yakin im Vorfeld für ein System entschieden, an dem er auch mehrheitlich festhielt. An der WM in Katar war es die Viererkette in der Abwehr, an der EM in Deutschland setzte er auf drei Innenverteidiger. Nun hat er wie im März je einmal im 3-4-3 und im 4-2-3-1 spielen lassen. Der Nationaltrainer hielt auch immer wieder fest, wie wichtig ihm die Variabilität sei.
Mit der Abwehr-Dreierkette wirken die Schweizer oft etwas unberechenbarer. Das sah man gegen Jordanien vor allem auf der rechten Seite, auf der sich auch Denis Zakaria immer wieder nach vorne einschaltete. Die Gefahr besteht vor allem darin, die Ordnung zu verlieren. So schafften es die offensiv limitierten Jordanier einige Male, von Stellungsfehlern der Schweizer zu profitieren.
Mit der Viererkette in der Verteidigung wirkt das Nationalteam grundsätzlich stabiler, wobei es auch die Australier schafften, die Schweizer mit nur einem hohen Pass zu überwinden. Trotzdem: Es war die Formation, auf die Yakin in der Qualifikation fast durchgehend setzte. Entsprechend eingespielt ist das Team. Allerdings ist die Angriffsauslösung oft weniger dynamisch. Gegen Australien mussten sich die Spieler zeitweise vorwerfen lassen, einen statischen Fussball zu zeigen.
Ob sich Yakin dieses Mal für ein Turniersystem entscheiden wird, ist offen. Der Trainer hat mehrmals angedeutet, das System an den jeweiligen Gegner anzupassen. (riz/sda)
