Willkommen im Jahr 2026! Wenn ein 100-jähriger Film unseren Alltag widerspiegelt
Das Jahr 2026 taucht in einer Reihe von Filmen als Kulisse für eine mehr oder weniger ferne Zukunft auf. Da wäre etwa «Dawn of the Planet of the Apes» (2014), der mit Abstand abstrakteste und düsterste Film der Reboot-Serie. Des Weiteren wäre da auch noch etwas Marvel-Zeugs, das laut diverser Wikis im Jahr 2026 stattfinden soll. Und in der Videogame-Verfilmung «Doom» (2005) ist 2026 das Jahr, in dem die Menschheit ein Portal zu einer alten Zivilisation auf dem Mars entdeckt. Doch die mit Abstand prominenteste Darstellung des Jahres 2026 im Kino stammt aus einem Film, der bald sein hundertjähriges Jubiläum feiert: der Stummfilmklassiker «Metropolis» aus dem Jahr 1927.
Unter der Regie von Fritz Lang, 1927 in Deutschland während der Weimarer Republik gedreht, spielt «Metropolis» in einer Megastadt einer dystopischen Zukunft. Darin herrschen die überreichen Wirtschaftsbosse in glitzernden Wolkenkratzern, während Arbeiter an den Maschinen schuften, die alles am Laufen halten.
Der reiche Oberflächenbewohner Freder, Nachkomme des Herrschers über Metropolis, erfährt von diesen massiven sozialen Unterschieden, als er sich in Maria verliebt, eine Untergrundaktivistin, die die Vereinigung der beiden Hälften von Metropolis predigt.
Derweil hat der radikale Wissenschaftler C.A. Rotwang ganz andere Pläne. Er erschafft den Maschinenmensch – einen Maria nachempfundenen Roboter – in der Absicht, ganz Metropolis in Flammen aufgehen zu lassen.
«Metropolis» ist weithin anerkannt als der erste Film, der sich mit dem Thema KI und den damit einhergehenden Implikationen intelligenter Androiden befasst – erneut eine künstlerische Vorausahnung unserer sehr realen Welt im Jahr 2026. Doch in «Metropolis» ist ein Roboter, der Menschen imitieren soll, kein Werkzeug der herrschenden CEO-Schicht, sondern eins, das deren Zerstörung anstrebt. Somit ist Langs Maschinenmensch ein subversives Element einer fiktiven Zukunft – einer Zukunft, aber, die uns heute in vielen Belangen beunruhigend vertraut vorkommt.
«Metropolis» stellt sich ein 2026 vor, in der die Technologie der Eliten von harter körperlicher Arbeit der Büezerschaft abhängt. Heute widerspiegelt sich das stark in der logischen Verbindung zwischen der Verachtung der Rechten für «ungelernte Arbeitskräfte» und der Begeisterung der Wirtschaft für die KI-Blase.
Das kniffligere, schwieriger vorstellbare Kunststück ist das Ende des Films, in dem die Kluft zwischen den Habenden und den Habenichtsen letztendlich mit Liebe überbrückt wird und weniger mit konkreten politischen Massnahmen.
Der Film plädiert für Koexistenz. Und er scheint optimistisch zu sein, dass eine solche in einer fernen Zukunft im Jahr 2026 möglich sein könnte. Heute, angesichts der Reaktion unserer Milliardärsklasse auf jeden noch so zaghaften Vorschlag, sich den Bedürfnissen der weniger Glücklichen anzunähern, erscheint die Vorstellung fantastisch, dass gemeinschaftliche, koexistente Philosophien sie besänftigen könnten.
Langs Menschmaschine, die Arbeitshöhlen, die glitzernden Wolkenkratzer – all das kennen wir. Zumindest metaphorisch. Die Wahrscheinlichkeit einer Neugewichtung der wirtschaftlichen Unterschiede scheint für unser reales 2026 indes als Fiktion.
