Leben
Forschung

Forscher entdecken Nutzen von Espresso für die Mikroskopie

Forscher entdecken Nutzen von Espresso für die Mikroskopie

08.01.2026, 13:4808.01.2026, 13:48

Bei der Untersuchung biologischer Proben mit dem Elektronenmikroskop wird das hochgiftige und radioaktive Uranylacetat eingesetzt. Forschende aus Österreich haben eine harmlose und günstige Alternative gesucht und gefunden: gewöhnlichen Espresso.

Bilder der damit untersuchten Proben hätten eine ebenso gute Qualität, teilweise sogar besser, teilte die Technische Universität Graz (TU Graz) am Donnerstag mit. Ihre Erkenntnisse haben die Forschenden im Fachmagazin «Methods» publiziert.

In this Thursday, Aug. 14, 2008 photo, espresso flows into a cup at a coffee house in Overland Park, Kan. A large U.S. federal study concludes people who drink coffee seem to live a little longer. Res ...
Der Kaffee wird als Kontrastmittel verwendet.Bild: AP

Kaffee ist nicht nur ein belebendes Getränk, es hinterlässt auch farbliche Spuren – in Kaffeetassen und -kannen, auf Zähnen und in Ultradünnschnitten von biologischem Gewebe. Auf Letzteres ist Claudia Mayrhofer vom Institut für Elektronenmikroskopie und Nanoanalytik der TU Graz (FELMI-ZFE) aufmerksam geworden. Sie hat in ihrer jüngsten Studie die Wirkung von Kaffee als Färbemittel zur Kontrastverstärkung in der Transmissions-Elektronenmikroskopie untersucht.

«Auf die Idee, Espresso als Kontrastmittel zu verwenden, haben mich die kreisrunden eingetrockneten Flecken in vergessenen Kaffeetassen gebracht», schilderte Mayrhofer.

Umweltfreundliche Alternativen

Das Kontrastieren der hochdünnen Gewebeproben, die von sich aus nur einen geringen Kontrast innerhalb der Zellstrukturen aufweisen, erfolgt als letzter Schritt vor der Untersuchung im Elektronenmikroskop.

Eines der seit Jahrzehnten am häufigsten verwendeten Färbemittel ist Uranylacetat, welches aber toxisch und radioaktiv ist. Forschende suchen daher schon länger nach möglichst umweltfreundlichen Alternativen.

Der Vorschlag des Bundesrates, die Pflichtlager für Kaffee aufzuheben, stösst in der Schweizer Kaffeebranche sauer auf. (Themenbild)
Der Einsatz des Kaffees ist eine harmlose und günstige Alternative.Bild: KEYSTONE

Mayrhofer hat gemeinsam mit ihrer Teamleiterin Ilse Letofsky-Papst die färbenden Eigenschaften von Kaffee in ersten Experimenten mit ultradünnen Gewebeschnitten von Zebrafischen untersucht. Sie konzentrierte sich auf die Mitochondrien-Membranen. Für diese ersten Experimente wurde eine zehnprozentige Lösung aus frischem Kaffeesatz hergestellt und 30 Minuten lang gekocht. Die Färbefähigkeit von Kaffee im Vergleich zu handelsüblichen Färbemitteln sowie Uranylacetat wurde anhand des Interferenzkontrasts zwischen Membranen und ihrer Umgebung bewertet.

«Espresso hat im Vergleich für sehr gute Kontrastwerte gesorgt, teilweise waren sie sogar besser als beim Uranylacetat», berichtete Mayrhofer. Für eine breite Anwendung in der biologischen Elektronenmikroskopie seien jedoch noch weitere Untersuchungen an unterschiedlichen Gewebearten erforderlich. (sda/apa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Traurige Tassen? Kein bisschen! Diese Büro-Beautys kennst auch du
1 / 34
Traurige Tassen? Kein bisschen! Diese Büro-Beautys kennst auch du
Aus Hunden trinken.
quelle: tumblr
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Was wissen Influencer über Kaffeedomanie?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6
Retro, Rentner oder Rookie: So klappt der James-Bond-Reboot. Gern geschehen!
Kreative Krise bei James Bond: Wie schaffen MGM und Amazon den Relaunch? Bitte sehr: Wir hätten hier drei Vorschläge.
Es ist bereits gut ein Jahr her, seit Amazon die Rechte an der James-Bond-Franchise erworben hat, und bis heute wissen wir noch sehr wenig über den bevorstehenden 26. Film der Reihe. Keine Ahnung, wie die Handlung aussehen wird, und wir warten immer noch auf eine Ankündigung, welcher Schauspieler 007 spielen wird.
Zur Story