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Leben
Film

100 Jahre Nosferatu – 13 Fun Facts zum Horror-Klassiker

«Symphonie des Grauens» – 13 Fun Facts zu 100 Jahren «Nosferatu»

Bild: wikicommons/imdb
Stilgerecht zur Halloween-Saison lohnt es sich, sich einen der ikonischsten Horrorfilme der Geschichte wieder mal zu Gemüte zu führen.
24.10.2022, 19:4627.10.2022, 17:17
Oliver Baroni
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Ein volles Jahrhundert (!) ist es her, seit «Nosferatu – eine Symphonie des Grauens» erstmals öffentlich gezeigt wurde. Während dieser Stummfilm nach heutigen Massstäben vielleicht nicht so arg furchteinflössend ist wie für das Publikum von 1922, bleibt er aufgrund seiner düsteren expressionistischen Ästhetik einer der ikonischsten Streifen der Filmgeschichte und hat sich in das kollektive Gedächtnis von Filmfans weltweit eingenistet.

Nosferatu - eine Symphonie des Grauens 1922 vampirfilm dracula https://en.wikipedia.org/wiki/Nosferatu
Willkommen in Wisborg, Graf Orlok!Bild: wikicommons/imdb

Grund genug, ein paar spannende Fakten zu diesem Meisterwerk Revue passieren zu lassen!

«Nosferatu» klaut schamlos von Bram Stokers «Dracula»

dracula bram stoker titelblatt der ausgabe von 1919 vampir https://www.bl.uk/britishlibrary/~/media/bl/global/dl%20romantics%20and%20victorians/collection-items-manual/s/t/o/stoker-bram-front-b20137-2 ...
Titelblatt der Ausgabe von 1919.Bild: British Library

Filmproduzent Albin Grau behauptete stets, die Idee für «Nosferatu» sei während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg entstanden, als er einen serbischen Bauern kennenlernte, der behauptete, Sohn eines Vampirs zu sein. Doch es war zweifelsohne Bram Stokers Roman «Dracula» (1897), der für das Drehbuch Pate stand. Aus welchen Gründen auch immer war Graus Filmproduktionsgesellschaft Prana-Film nicht willens oder in der Lage, sich die erforderlichen Rechte für die Verfilmung zu sichern. Etwas naiv glaubte man, dass ein Rechtsstreit vermieden werden konnte, indem man die Handlung von «Dracula» an ein paar wichtigen Stellen abänderte: Der Schauplatz wurde vom viktorianischen London ins Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts verlegt. Aus der englischen Hafenstadt Whitby wurde die fiktive deutsche Stadt Wisborg. Aus Jonathan Harker wurde Thomas Hutter. Graf Dracula wurde zu Graf Orlok. Der Filmtitel indes wurde von einem Begriff inspiriert, der zweimal im Roman vorkommt: Stoker dachte fälschlicherweise, «Nosferatu» bedeute «Vampir» auf Rumänisch.

Bram Stokers Witwe verklagte das Studio

Florence Balcombe, Bram Stoker's wife Ehefrau Dracula https://en.wikipedia.org/wiki/Florence_Balcombe
Florence Stoker, 1880.Bild: wikicommons

Kurz nach der Premiere von «Nosferatu» in Berlin 1922 erhielt Florence Stoker – die Witwe des Romanautors – ein anonymes Paket mit einem der Werbeplakate des Films, auf dem mit den Worten «Frei nach Bram Stoker's ‹Dracula›» geworben wurde. Florence wandte sich an die Schriftstellergewerkschaft British Incorporated Society of Authors, die einen deutschen Anwalt damit beauftragte, gegen Prana-Film vorzugehen. Zunächst war geplant, die Firma wegen Urheberrechtsverletzung zu verklagen. Doch eine Reihe schlechter Geschäftsentscheidungen Graus (nicht zuletzt die rücksichtslos teure Marketingkampagne für den Film; siehe unten) hatte das Studio bereits kurze Zeit nach Veröffentlichung in den Ruin getrieben. Somit wurde evident, dass an «Nosferatu» kein Geld zu verdienen war, weshalb man juristisch darauf abzielte, alle Kopien des Films vernichten zu lassen. Im Jahr 1925 gab ein deutsches Gericht der Klägerin recht und ordnete an, dass alle Kopien in Deutschland verbrannt werden sollten. Doch im Laufe der Jahre gelangten überlebende Kopien in die USA, nach Frankreich und nach Grossbritannien, wo sie mitunter auch öffentlich vorgeführt wurden.

Bram Stoker 1906 Autor von Dracula (1897)
https://en.wikipedia.org/wiki/Bram_Stoker#/media/File:Bram_Stoker_1906.jpg
Bram Stoker, 1906.Bild: wikicommons

Der Roman «Dracula», obwohl gut rezensiert, machte den Autor nie zu einem wohlhabenden Mann. Obwohl sich das Buch in den nächsten drei Jahrzehnten nach seiner Veröffentlichung rund 30'000 Mal pro Jahr verkaufte, ging der grösste Teil des Gewinns direkt an Stokers Verleger. Die langjährigen Schulden und der schlechte Gesundheitszustand des Schriftstellers brachten ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1912 in finanzielle Schwierigkeiten. Florence Stoker bemühte sich in der Folge deshalb um einen angemessenen Deal für die Filmrechte. Dies dauerte einige Zeit – erst 1931 erschien mit Regisseur Tod Brownings «Dracula» aus dem Hause der Universal Studios und mit Bela Lugosi in der Hauptrolle die erste offizielle Filmadaption.

Dies war aber nicht der erste Film, der auf Stokers «Dracula» basiert

Drakula halála (Draculas Tod) Ungarn 1921 - erster Dracula-Film der Filmgeschichte https://de.wikipedia.org/wiki/Drakula_hal%C3%A1la
Eines der wenigen noch existierenden Filmstills von «Drakula halála».Bild: wikicommons

Knapp ein Jahr vor «Nosferatu» erschien der in Ungarn gedrehte und von Karoly Latjay inszenierte Film «Drakula halála» («Draculas Tod») mit dem Österreicher Paul Askonas in der Titelrolle. Er war, milde ausgedrückt, eine sehr lose Adaption und erzählte die Geschichte einer jungen Frau, die einen schrecklichen Albtraum erlebt, nachdem sie dem gleichnamigen Bösewicht begegnet ist. Seltsamerweise ist Dracula in dieser Version ein verrückter Musiker und kein exzentrischer Aristokrat. Von dem Stummfilm sind heute keine Kopien mehr erhalten, denn, anders als bei Nosferatu, war Florence Stokers Gerichtsklage hier erfolgreich. Gäbe es nicht einige wiedergefundene Werbefotos und Zeitungsberichte, wüssten Filmhistoriker vielleicht nicht, dass er jemals existiert hat.

Nosferatus Look war aber von einem anderen Horror-Roman inspiriert

Gustav Menrink Der Golem - Vorlage für Nosferatus Aussehen https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Golem#/media/Datei:Wiki_Loves_Jules_Verne_Gustav_Meyrink_Der_Golem_1915_(Gerd_Kueveler).jpg
Hugo Steiner-Prags Illustration des Golem, 1915.Bild: wikicommons

Für die Regie von «Nosferatu» wählte Prana-Film F.W. Murnau, einen für seinen expressionistischen Stil bekannten Filmemacher. Ihm zur Seite stand Albin Grau, der als künstlerischer Produzent und Designer des Films fungierte. In dieser Funktion entwarf Grau alles, von den Kulissen über die Kostüme bis hin zu Orloks Make-up. Sein Leitmotiv war dabei «Der Golem», eine klassische Horrorgeschichte von Gustav Meyrink, basierend auf der jüdischen Fabelgeschichte. Ursprünglich 1914 als Fortsetzungsroman veröffentlicht, wurde die Geschichte im folgenden Jahr in Romanform herausgegeben. Diese zweite Auflage enthielt 18 von Hugo Steiner-Prag geschaffene Illustrationen, die offenbar einen grossen Einfluss auf Graus Konzeptkunst und die Storyboards für «Nosferatu» hatten.

Der Hauptdarsteller von «Nosferatu» hat ja den besten Namen ever

Gestatten, Max Schreck:

Max Schreck, Hauptdarsteller von Nosferatu 1922 https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Schreck
Schreck by name, ...Bild: wikicommons

Sohn von Gustav Ferdinand Schreck und Auguste Wilhelmine Pauline Schreck aus Berlin und somit, nein: Das ist kein Künstlername.

Max Schreck, Hauptdarsteller von Nosferatu 1922 https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Schreck
... Schreck by nature.Bild: wikicommons

Über das Leben des Theater- und Filmschauspielers ist erstaunlich wenig bekannt. Laut seinem Biografen Stefan Eickhoff galt Max Schreck bei seinen Kollegen als «loyal und gewissenhaft» und als «Einzelgänger mit schrägem Humor und dem Talent, das Groteske zu spielen». Obwohl Schreck in über 40 Filmen mitspielte, ist heute vor allem seine ikonische Darstellung des Grafen Orlok in «Nosferatu» bekannt. Dabei soll Schreck während der gesamten Dreharbeiten in seiner Rolle geblieben sein und blieb beim restlichen Ensemble auf Distanz.

In «Nosferatu» sind einige der allerersten filmischen Spezialeffekte zu sehen

Nosferatu 1922 Horrofilm Dracula Vampir https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Schreck
Bild: imdb

In einer Szene schliesst sich Orloks Sarg von selbst, nachdem sich der Deckel vom Boden gelöst hat. Dies war durch eine frühe Form der Stop-Motion-Animation möglich. Indem Murnau eine schnelle Abfolge von Standbildern zeigte, in denen sich der Deckel immer näher an seine endgültige Ruhestätte bewegte, konnte er dem Zuschauer vorgaukeln, dass das leblose Objekt aus eigener Kraft herumfliegt. Dieselbe Technik wurde auch in der Szene verwendet, in der Orlok seine Magie einsetzt, um die Luke eines Schiffes zu öffnen.

«Nosferatu» begründete ein heute kanonisiertes Vampirfilm-Gesetz

Nosferatu Vampir Vampirfilm 1922 https://festival.ilcinemaritrovato.it/en/nosferatu-max-schreck-era-davvero-un-vampiro/
Tod eines Vampirs.Bild: ilcinemaritrovato.it

Das Konzept, dass Vampire in Flammen aufgehen, wenn sie direktem Sonnenlicht ausgesetzt sind, geht auf diesen Film zurück. Im Roman läuft Graf Dracula am helllichten Tag im Freien herum. Dem Buch zufolge können Sonnenstrahlen einen Vampir leicht schwächen, aber Stoker deutet nie an, dass sie ihn töten könnten. Um einen visuell überzeugenden Höhepunkt zu erreichen, beschlossen Grau und Drehbuchautor Henrik Galeen jedoch, das Sonnenlicht für den armen Grafen Orlok tödlich zu machen, der in einer Rauchwolke verschwindet, wenn er in einen gut beleuchteten Raum gelockt wird. Damit war ein Ur-Klischee des Horrorfilm-Genres geboren.

Die Premiere war eine riesige Cosplay-Party

filmplakate für nosferatu 1922 vampirfilm expressionismus
Deutscher Expressionismus: «Nosferatu»-Filmplakate.

Am Ende gab Prana-Film mehr Geld für die Werbung aus als für die FIlmproduktion selbst. Grau startete eine ehrgeizige Marketingkampagne, die Zeitungsanzeigen, expressionistische Plakate und eine unaufhaltbare Flut von Presseberichten umfasste. Nach monatelangem Hype wurde der Film am 4. März 1922 im schicken Marmorsaal des Berliner Zoologischen Gartens uraufgeführt. Der Vorführung selbst ging eine kurze Bühnenshow voraus, die aus einem von einem Redner vorgetragenen Prolog und einer grossen Tanznummer bestand. Nach dem Ende von Murnaus Film fand ein pompöser Kostümball statt, wobei das Erscheinen der Gäste in Biedermeierkostümen erwünscht war. Viele der Reporter, die der «Nosferatu»-Premiere beiwohnten, schrieben später ausführlicher über diese grosse, rauschende Party als über den Film selbst.

«Nosferatu» wurde ein finanzieller Misserfolg

Bereits einen Monat nach der Premiere kamen Gerüchte auf, die Prana-Film habe sich finanziell übernommen. Als Gründe wurden die exorbitanten Werbeausgaben, zu denen die rauschende Premieren-Party zählte, genannt, sowie das verschwenderische Ausgabeverhalten des Produzententeams Enrico Dieckmann und Albin Grau. Hinzu kam, dass der Marktführer UFA sich weigerte, den Film in das Programm seiner grossen Lichtspielhäuser aufzunehmen, und so lief «Nosferatu» nur in wenigen kleineren, unabhängigen Kinos. Im August 1922 wurde das Konkursverfahren gegen die Prana eröffnet und der Film wurde gepfändet.

In Schweden war der Film bis 1972 verboten

Der Film wurde in Schweden wegen «übertriebenen Horrors» verboten. Dieses Verbot wurde erst 1972 aufgehoben. Im heimischen Deutschland war der Film im Fernsehen erstmals am 23. Juni 1969 in der ARD zu sehen.

Nosferatu hatte einen Auftritt bei «SpongeBob»

Schräge Gags und zusammenhanglose Witze sind in der Kultserie «SpongeBob SquarePants» gewiss keine Seltenheit. Doch Graf Orloks Cameo in der Folge «Graveyard Shift» aus Staffel 2 ist besonders bizarr.

Es gab einen Remake – mit Schweizer Beteiligung

Nosferatu - eine Symphonie des Grauens 1922 vampirfilm dracula https://en.wikipedia.org/wiki/Nosferatu
Bruno Ganz (l.) und Klaus Kinski, 1979.Bild: wikicommons

Der Regisseur und Schauspieler Werner Herzog bezeichnet «Nosferatu» als «den grössten deutschen Film aller Zeiten». 1979 führte Herzog beim Remake «Nosferatu – Phantom der Nacht» Regie. Bei diesem Film handelt es sich erklärtermassen um eine Hommage an den 1922er-Film. Allerdings verwendete Herzog die Namen aus Bram Stokers Roman. Klaus Kinski spielt den Grafen Dracula, der schweizerische spätere Hitler-Darsteller Bruno Ganz spielt Jonathan Harker, die französische Schauspielerin Isabelle Adjani dessen Ehefrau Mina Harker.

Und noch eine Fiktionalisierung der Entstehungsgeschichte des Films

Shadow of the Vampire (2000) willem dafoe nosferatu max schreck
Willem Dafoe als Max Schreck als Graf Orlok.Bild: imdb

Eine weitere Hommage an den Ur-Film ist «Shadow of the Vampire» aus dem Jahr 2000. Dies ist eine fiktionale Darstellung der Ereignisse rund um die Produktion des Films, die auf der unterhaltsamen urbanen Legende von 1922 beruht, dass der Hauptdarsteller Max Schreck auch im echten Leben ein Vampir war. Schreck wird in diesem Film von Willem Dafoe gespielt; John Malkovich spielt «Nosferatu»-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, Udo Kier spielt den Produzenten Albin Grau.

Hier kannst du die Filme online schauen!

- «Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens» (1922): Den ganzen Film gibt's gratis auf Wikipedia zu schauen. Ausserdem auf Filmbox, Cultpix und Pluto TV zu streamen.
- «Dracula» (1931) mit Bela Lugosi gibt's auf Apple TV zu leihen oder kaufen.
- «Nosferatu - Phantom der Nacht» (1979) gibt's auf Apple TV oder Rakuten zu leihen oder kaufen.
- «Shadow of the Vampire» (2000) kann man auf Apple TV sehen.
(Und mit VPN kann man das meiste eh streamen, aber das wisst ihr bereits ...)​
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15 Kommentare
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Warum ist Ausgang als Paar halt so, wie Ausgang als Paar ist?
Bevor Sandro und ich ein Paar wurden, haben wir locker 500 Nächte lang zusammen Party gemacht. Jede endete mit Sex. Und war super. Jetzt ist alles etwas anders. Warum eigentlich?

Die Vergangenheit kann ich kurz zusammenfassen: Sandro und ich waren ein sehr geiles Nicht-Paar-Paar. In Sachen Party machen konnte uns niemand toppen. Wir tanzten und knutschten nächtelang auf den Dancefloors dieser Stadt, bevor wir dann irgendwo so gut wie eigentlich immer super Sex hatten.

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