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Wie dieser Dozent rechtsextreme Störer bei seinem Vortrag blamierte

26.11.2018, 09:2327.11.2018, 04:48
Gunda Windmüller / watson.de

Dies ist die Geschichte einer Inszenierung. Einer absurden Inszenierung. Es ist die Geschichte einer Blamage. Und die Geschichte einer smarten Reaktion. 

Sie beginnt mit Eric Wallis.

Wallis ist Kampagnenmanager und Experte für politisches Framing. Er hielt am 17. November an der Uni Greifswald einen Vortrag zum Thema «Gehirne waschen – Framing gegen Fremdenfeinde».

Wer Wallis bei diesem Thema also herausfordern will, sollte das gut bedenken.

Oder es so machen wie Vertreter der Identitären Bewegung. Und sich dabei gründlichst blamieren.

Was war passiert?

Während Wallis seinen Vortrag hielt, unterbrach ihn plötzlich ein Mann, der in der ersten Reihe sass. Er sprach von «Opfern von Terror und Multikulti». Wallis bot ihm eine Diskussion zu dem Thema an.

Und dann wurde es absurd.

Mehrere Identitäre liefen in den Hörsaal und entrollten ein Banner mit dem Spruch «Man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen.» Der Ursprungs-Störer wurde von als «Gedankenpolizei» verkleideten Identitären abgeführt. Dabei hatte Wallis explizit ein Diskussionsangebot ausgesprochen.

Aber es wurde noch absurder.

Denn auch den anderen Identitären bot Wallis umgehend eine Diskussion an, er lud sie ein, Platz zu nehmen und bat die anderen Anwesenden Ruhe zu bewahren.

Denn wie gesagt: Wallis kennt sich mit rechtem Framing aus. Der Dozent  wusste also, was die Identitären planten: sich als Opfer stilisieren. Sie wollten wohl provozieren, ausgebuht und rausgeschmissen zu werden. Um dann, denn die Aktion wurde von den Identitären auch gefilmt, in Videoschnipseln zeigen zu können, wie ihre Meinung unterdrückt werde.

Das durchschaute Wallis umgehend, wie er watson sagte:

«In meinen Vorträgen geht es genau darum, mittels kommunikativer Methoden die neurechten Framings erkennen und kontern zu können. Ich habe der IB einfach nicht gegönnt als Opfer von dannen zu ziehen, um dann vor ihrer Zielgruppe als Sieger dazustehen.»

Sein Angebot, mit den Identitären zu diskutieren, zeigte daher auch umgehend Wirkung: Die Rechtsextremen verliessen gesammelt den Saal. 

Noch nicht absurd genug? Es geht weiter!

Die Identitäre Bewegung ist als rechtsextreme Bewegung bekannt, sie richtet sich gegen den sogenannten «Multikulti-Wahn» und «unkontrollierte Massenzuwanderung». Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Und sie inszenieren Aktionen, mit denen öffentlichkeitswirksam auf ihre Anliegen hingewiesen werden soll. Wie die Aktion in Greifswald.

Doch als der erhoffte Rauswurf ausblieb, mussten schnell andere Bilder her. Und da die nicht durch Provokation geliefert werden konnten, wurde künstlich nachgeholfen, wie folgender Post zeigt:

Diese Bilder wurden wohl ausserhalb des Hörsaals aufgenommen. Sie sollen zeigen, wie Vertreter der «IB» von Ordnern der Uni «abgeführt» werden.

Das Problem ist nur:

  • Die Uni hat keine Ordner.
  • Die Uni hat erst recht keine Ordner, die die Aufschrift «linker Terror» auf ihren Leibchen tragen.
  • Ein Vertreter der «IB» hatte sich offenbar als «Ordner» verkleidet und sich damit sozusagen selbst rausgeschmissen.

Eine rundum misslungene Aktion. Der Versuch der «IB», sich als Opfer fehlender Meinungsfreiheit zu inszenieren, ging gründlich daneben. 

 Wallis meint:

«Das Konzept der IB wäre jedoch aufgegangen, wenn wir ihnen den Ton verboten oder sie rausgebrüllt hätten.»

Aufklärungsunterricht live und in Farbe. Ein anschaulicheres Praxisbeispiel für rechtes Framing hätte es kaum geben können.

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quelle: ap/new york ctiy hall / uncredited
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