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epa08108668 Arsenal's and Leeds United's memorabilia is on sale ahead of the English Emirates FA cup third round soccer match between Arsenal FC and Leeds United held at the Emirates stadium in London, Britain, 06 January 2020.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA EDITORIAL USE ONLY.  No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications.

Die FA-Cup-Souvenirs finden nicht gerade reissenden Absatz. Bild: EPA

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FA Cup in Gefahr – warum der älteste Klub-Wettbewerb langsam vor die Hunde geht



Der FA Cup ist der älteste Klub-Wettbewerb im Fussball. In der Saison 1871/72 erstmals ausgetragen, genoss er in England lange einen hohen Stellenwert, doch dieser beginnt im von A bis Z durchkommerzialisierten Fussball immer mehr zu bröckeln.

Füllten die Cup-Affichen früher die altehrwürdigen Stadien, bleiben die Arenen mittlerweile immer häufiger halbleer. Zur Partie zwischen den beiden ehemaligen Premier-League-Klubs Birmingham City und Blackburn Rovers kamen nur gerade 7330 Zuschauer. So wenige wie seit über 30 Jahren nicht mehr zu einem Cup-Heimspiel der «Blues» – und das obwohl die Eintrittspreise mit 12 Pfund durchaus bescheiden waren.

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Trotz bestem Fussball-Wetter wollten nur wenige das Cup-Spiel zwischen Birmingham und Blackburn sehen. bild: twitter

So wie Birmingham City ging es am ersten Januar-Wochenende, an dem traditionell die 3. Hauptrunde des FA Cups durchgeführt wird, zahlreichen weiteren Klubs. Zu Fulham gegen Aston Villa verirrten sich 12'980 Zuschauer ins Craven Cottage und bei Crystal Palace gegen Derby County war der sonst fast immer ausverkaufte Selhurst Park mit 15'507 Zuschauern auch nur etwas mehr als halbvoll.

Die Gründe für das schwindende Interesse sind vielfältig, die Probleme teilweise aber auch hausgemacht.

Zu viel Konkurrenz

Die englische Premier League ist die einzige der fünf europäischen Top-Ligen, die keine Winterpause kennt. Zwischen den traditionellen «Boxing Day» (26. Dezember) und den Neujahrstag werden gar drei volle Spieltage gepfercht. Nie sind die TV-Einschaltquoten so hoch wie über die Festtage. Kein Wunder, fehlt dann am ersten Januar-Wochenende die Begeisterung für den FA Cup.

Doch auch in der restlichen Saison ist die Konkurrenz riesig. Premier League und Champions League sind die grossen Publikumsmagnete, dann sind da aber auch noch die Europa League und der Carabao Cup. Vor allem der stets belächelte englische Liga-Cup konkurrenziert den FA Cup direkt. Besonders zu Jahresbeginn, wenn in den Halbfinals meist zwei Grossklubs in Hin- und Rückspielen gegeneinander antreten.

epa07986506 Mohamed Salah (R) of Liverpool in action against Raheem Sterling (L) of Manchester City during the English Premier League soccer match between Liverpool FC and Manchester City in Liverpool, Britain, 10 November 2019.  EPA/PETER POWELL EDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications

Im durchkommerzialisierten Fussball dreht sich vieles nur noch um die absoluten Topspiele. Bild: EPA

Kaum Überraschungen

Seit der Einführung der Premier League 1992 gab es im FA Cup nur drei Sieger, die nicht ManUnited, ManCity, Liverpool, Arsenal oder Chelsea hiessen: Everton holte den Pokal 1995, Portsmouth 2008 und Wigan 2013. Ansonsten machten die Grossklubs den Sieger stets unter sich aus. Im letzten Jahr gewann Manchester City den Final gegen Watford mit 6:0. Immer mal wieder sorgt ein Klub aus der Championship für Furore, zuletzt triumphierte mit West Ham United aber vor 40 Jahren ein Zweitligist.

epa03696600 Wigan Athletic's (L-R) Paul Scharner, Emmerson Boyce and captain Gary Caldwell lift the trophy after winning the English FA Cup final soccer match between Manchester City and Wigan Athletic at Wembley in London, Britain, 11 May 2013. EPA/ANDY RAIN DataCo terms and conditions apply. https://www.epa.eu/downloads/DataCo-TCs.pdf

Wigan gewann 2013 als letzter Klub ausserhalb der «Big 6» den FA Cup. Bild: EPA

Ganz dicke Überraschungen von noch tieferklassigen Klubs gibt es aber nur noch selten: 2017 sorgte Lincoln City für eine willkommene Abwechslung, als der Fünftligist dank Siegen über die Zweitligisten Ipswich und Brighton sowie Premier-Ligist Burnley sensationell in den Viertelfinal vorstiess. Solche Märchen werden aber immer mehr zur Ausnahme als zur Regel.

Modus bevorteilt die Grossen

Anders als im DFB-Pokal, wo Bayern München und Borussia Dortmund bereits im August in der 1. Runde ran müssen, werden die Grossklubs im FA Cup gegenüber den Unterklassigen mit Freilosen bevorzugt. So steigen beispielsweise die 20 Premier-League-Klubs zusammen mit den 20 Championship-Vereinen erst in der 3. Hauptrunde Anfang Januar ins Geschehen ein.

Bis dahin sind von den 84 Klubs, die es in die 1. Hauptrunde geschafft haben, schon 60 bereits wieder ausgeschieden. Die Chance für einen dritt-, viert- oder fünftklassigen Verein, auf das grosse Liverpool oder Manchester United zu treffen, schrumpft so zusätzlich auf ein Minimum.

Im DFB-Pokal gibt es dank des Modus mehr Überraschungen

Kein sportlicher Anreiz für die Kleinen

Die ausbleibenden Überraschungen sorgen dafür, dass der FA Cup auf allen Ebenen an Bedeutung verliert. Die Kellerkinder und Aufstiegsaspiranten der Championship, League One und League Two konzentrieren sich lieber auf Ligabetrieb statt auf den Cup-Wettbewerb, da es hier um Existenzielles geht und nicht nur um einen kurzen Moment im Scheinwerferlicht.

Der Glaube an den ganz grossen Coup – den Titelgewinn – ist verloren gegangen. Und selbst die Finalteilnahme wird für die Unterklassigen nicht richtig belohnt. Der Sieger des Wettbewerbs ist automatisch für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Ist der FA-Cup-Sieger aber bereits über die Premier League für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert, so rückt nicht der Finalverlierer nach, sondern der Premier-League-Sechste.

Arsenal's Matteo Guendouzi, left, and Leeds United's Ezgjan Alioski challenge for the ball during the English FA Cup soccer match between Arsenal and Leeds United at the Emirates Stadium in London, Monday, Jan. 6, 2020.(AP Photo/Kirsty Wigglesworth)

Championship-Leader Leeds United (mit Ezgjan Alioski) kann das FA-Cup-Aus gegen Arsenal verkraften, viel wichtiger wäre 16 Jahre nach dem Abstieg der Wiederaufstieg in die Premier League. Bild: AP

Schamlose Rotation der Topklubs

Wegen des übervollen Spielplans sind die ersten Spiele im FA Cup für die englischen Topklubs längst zur lästigen Pflicht verkommen. Oft treten sie mit B- oder gar C-Teams an – nicht nur gegen Unterklassige, sondern auch gegen die Konkurrenz aus der Premier League. Liverpool setzte sich am Sonntag beispielsweise gegen den Stadtrivalen Everton mit 1:0 durch, obwohl mit Adam Lallana und James Milner nur zwei Akteure über 24 Jahren auf dem Feld standen. Sie agierten als Babysitter für die talentierte Horde junger Wilder, die Klopp zur Entlastung der Stars aufs Feld schickte.

Die schamlose Rotation der Grossklubs führt dazu, dass die erhofften David-gegen-Goliath-Affichen den Charakter von besseren Freundschaftsspielen erhalten. Statt der grossen Superstars sehen die Fans, die für das erhoffte Spiel der Saison viel Geld bezahlt haben, wie talentierte No-Names ihre Lieblinge auseinander nehmen.

Keine Heimspiel-Garantie für Unterklassige

Auch finanziell ist der FA Cup für die Kleinen oft eine Null-Rechnung. Unterklassige geniessen kein automatisches Heimrecht, was am letzten Wochenende beispielsweise dazu führte, dass das viertklassige Port Vale statt im heimischen, 22'000 Zuschauer fassenden Vale Park im Etihad Stadium gegen den englischen Meister Manchester City antreten musste.

Kein Einzelfall: Auch der Fünftligist AFC Fylde musste gegen den Premier-League-Aufsteiger Sheffield United auswärts ran und verlor vor halbleeren Rängen 1:2. Was wohl zuhause auf der kleinen, aber schmucken Mill Farm möglich gewesen wäre?

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Die 2016 fertig gestellte Mill Farm in Fylde. bild: twitter

Auch Chelsea und Arsenal kamen gegen Unterklassige zu Heimspielen und setzten sich letztlich durch. Auswärts mussten dagegen Manchester United und Tottenham Hotspur ran, die prompt nur Unentschieden spielten und deshalb nachsitzen müssen. Ein generelles Heimrecht für die Unterklassigen würde die Möglichkeit von Überraschungen wohl weiter erhöhen.

Auch die Schweiz hat ein Cup-Problem:

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Schweizer, die in den Top-5-Ligen Meister wurden (ab 1995)

Chefsache: Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

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