International
Armee

Australischer Ex-Elitesoldat Ben Roberts-Smith festgenommen

Mordvorwürfe: Australischer Ex-Elitesoldat festgenommen

07.04.2026, 08:3807.04.2026, 08:38

In einem der schwerwiegendsten mutmasslichen Kriegsverbrechensfälle in der Geschichte Australiens ist der frühere Elitesoldat Ben Roberts-Smith festgenommen worden. Dem 47-Jährigen werden mehrere Morde an unbewaffneten Zivilisten und Gefangenen in Afghanistan vorgeworfen, wie die australische Bundespolizei (AFP) mitteilte.

Der hochdekorierte Veteran wurde am Morgen (Ortszeit) am Flughafen von Sydney von Beamten der Bundespolizei festgenommen, kurz nachdem er mit einem Flugzeug aus Brisbane gelandet war. Er befindet sich in Gewahrsam und sollte noch im Laufe des Tages einem Gericht vorgeführt werden.

Zivilist von Klippe gestossen und Gefangenen getötet

Vorausgegangen waren fünfjährige Ermittlungen, bei denen auch viele Aussagen von Augenzeugen aus den Reihen der australischen Spezialeinheit SAS gesammelt wurden. Diese sollen belegen, dass Roberts-Smith zwischen 2006 und 2012 an mehreren Tötungen beteiligt gewesen sein soll.

Ihm wird unter anderem vorgeworfen, einen Zivilisten von einer Klippe gestossen und später dessen Erschiessung angeordnet zu haben sowie mindestens einen Gefangenen eigenhändig getötet zu haben. Auch sogenannte «Blooding»-Rituale – die gezielte Tötung von Gefangenen durch jüngere Soldaten auf Befehl – stehen im Raum.

Roberts-Smith, Träger des höchsten australischen Militärordens Victoria Cross, hat stets alle Vorwürfe bestritten. Die aktuellen Ermittlungen gehen auf eine jahrelange Untersuchung der Spezialeinheit «Office of Special Investigations» (OSI) zurück, die 2021 nach einem Bericht über mutmassliche Kriegsverbrechen australischer Soldaten eingerichtet worden war. Dieser Bericht hatte Hinweise auf insgesamt 39 mutmassliche unrechtmässige Tötungen durch Angehörige der Spezialeinheiten geliefert, wie die Zeitung «Sydney Morning Herald» berichtete. Es habe sich um hochkomplexe Ermittlungen gehandelt, sagte OSI-Direktor Ross Barnett.

Lebenslange Haftstrafe droht

Sollte es zu einer Anklage und später zu einer Verurteilung kommen, droht Roberts-Smith eine lebenslange Haftstrafe. Zudem könnte ihm rückwirkend seine militärische Auszeichnung aberkannt werden.

International ist es nicht der erste Fall dieser Art: Auch in anderen Ländern wurden in den vergangenen Jahren mutmassliche Kriegsverbrechen von Soldaten juristisch aufgearbeitet. So wurde etwa in den USA ein Verfahren gegen den Navy-Seal-Soldaten Eddie Gallagher geführt, der wegen Taten im Irak angeklagt war. Er wurde später von einer Jury freigesprochen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Krieg in Bildern
1 / 30
Iran-Krieg in Bildern

Menschen heben bei einer Demonstration in Tel Aviv die Hände, um ein Ende des Krieges zu fordern.

quelle: keystone / maya levin
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kinder im Gazastreifen spielen den Tod eines Märtyrers nach
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
TACO again: Wie Trump (erneut) eingeknickt ist
Donald Trump verkauft die zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran als grossen Erfolg. Dabei kann sich vor allem das Regime in Teheran als Sieger fühlen. Es hat den Krieg nicht verloren.
Das Akronym war rasch zur Stelle, als die zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg in der Nacht auf Mittwoch verkündet wurde: TACO again. Oder in vollem Wortlaut: Trump always chickens out. Erneut hat das Grossmaul im Weissen Haus den Schwanz eingezogen, bevor es zu einer Eskalation kam, lautete die Einschätzung vieler Beobachter und Medien.
Zur Story