Interview
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«Wenn sie den Browser auftun, geht’s ja. Aber wenn man etwas genauer hinsieht, dann lauern für diese drei Anwendertypen Gefahren.» Nicolas Zahn im Interview zu Internet Governance. bild: shutterstock/watson

Interview

«Die digitale Unmündigkeit in diesem Land nervt»



Am 18. März findet in Bern das Swiss Internet Governance Forum 2020 statt. «Internet Governance» – tönt wahnsinnig langweilig. Doch diese Vorstellung könnte falscher nicht sein. Das Thema ist hochbrisant.

Herr Zahn, wieso sollten sich Fortnite-Freddy, Streamer-Sandy und Meme-Mandy für Internet Governance interessieren?
Nicolas Zahn:
Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich so aus, als müssten sie das nicht. Wenn sie den Browser auftun, geht’s ja. Aber wenn man etwas genauer hinsieht, dann profitieren alle drei konkret von Internet Governance.

Inwiefern?
Nehmen wir das Beispiel von Streamer-Sandy. Für sie ist Netzneutralität wichtig. In der Schweiz ist diese gesetzlich festgeschrieben – dank dem engagierten Einsatz der Digitalen Gesellschaft und einiger weniger Politiker. In anderen Ländern hatten die Streamer-Sandys weniger Glück.

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Nicolas Zahn, 31, studierte in Zürich, Genf und Washington Internationale Beziehungen, ist Mitbegründer der Operation Libero und sitzt nun im OK des Swiss Internet Governance Forums. Bild: AP

Wir kommen gleich auf die anderen Länder zu sprechen – aber können Sie vorher noch erklären, was Netzneutralität bedeutet?
Netzneutralität bedeutet, dass sämtliche Daten im Netzwerk genau gleich behandelt werden. Oder im Umkehrschluss, dass Datenpakete von bestimmten Absendern oder für bestimmte Empfänger nicht bevorzugt behandelt werden.

Und das ist wichtig für Streamer-Sandy.
Genau. Nur so wird garantiert, dass die Datenströme von weniger zahlungskräftigen Anbietern nicht im Stau stecken bleiben, während sich die Grossen die Autobahnen leisten.

Und genau das Problem gibt es bereits in anderen Ländern.
Ja. In den USA zum Beispiel ist die Netzneutralität aufgehoben. In Europa versucht man sich etwas anders zu positionieren, dank der harten Arbeit der Zivilgesellschaft und gewisser Parteien scheint das auch zu gelingen.

Was ist mit Fortnite-Freddy?
Bei ihm spielen ähnliche Dynamiken. Ohne Netzneutralität wäre es theoretisch möglich, dass er im Spiel benachteiligt wird. Bei sehr populären Anwendungen wollen die Provider auf den Erfolgszug aufspringen. Telekomfirmen bieten zum Beispiel an, gewisse Services nicht zum Datenvolumen dazu zu rechnen. Das nennt man Bundling. Und das gab es auch in der Schweiz schon. Zum Beispiel mit einem Handyabo, bei dem Whatsapp nicht zum Datenvolumen gezählt wird. Wie sollen da andere Messenger-Services bestehen können? Wenn dafür zusätzliche Kosten entstehen? Solche Effekte kann es auch beim Gaming geben, wo sich ein klarer Trend zum Streaming abzeichnet.

Meme-Mandy?
Die Memekultur spielt mit Grundelementen des Internets: Etwas Bestehendes nehmen, leicht verändern und dann weiterverbreiten. Das hat riesiges kreatives Potential. Aber die veralteten Ideen der Politik bringen dieses in Gefahr.

Sie spielen auf Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform an.
Genau. Dank Artikel 13 sind Uploadfilter quasi unumgänglich. Nicht nur Leute aus der Kreativszene, sondern auch die gesamte Technik-Community sagten, dass Uploadfilter ein Schwachsinn sind. Trotzdem kam Artikel 13 im EU-Parlament durch. Und in der Schweiz sind wir in der Debatte um das Leistungsschutzrecht auch nur knapp davongekommen.

Meme-Mandy dürfte sich übrigens auch über die Emoji-Wars ärgern. Dabei geht es um die Frage, welche Emojis neu zugelassen werden. Was eigentlich eine sehr technische Frage ist, nämlich was auf dem Smartphone dargestellt werden kann, kann sehr schnell politisch werden, wenn es zum Beispiel um Landesflaggen von Staaten geht, deren Unabhängigkeit nicht von Allen anerkannt wird.

Verstehen Politiker das Internet nicht?
Während des letzten Wahlkampfs war ich recht frustriert. Netzpolitik scheint kein Thema zu sein, wohl auch weil man damit noch keine Wahlen gewinnen kann, dafür müsste das Bewusstsein auch bei der Bevölkerung wohl grösser sein. Aber angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung des Internets und IT im Allgemeinen wäre ein Grundverständnis extrem wichtig. Denn zum Thema Digitalisierung möchte man sich als Politikerin oder Politiker ja dann doch wieder äussern.

Ist das das grosse Problem? Die Uninformiertheit in der Politik?
Aufgrund unseres politischen Systems sind wir davor gefeit, dass schnell dumme Entscheidungen umgesetzt werden. Aber man sieht immer wieder, dass Schnapsideen aus dem Ausland aufgegriffen werden. Ein Beispiel dafür war das Geldspielgesetz. Da hat die gesamte Tech-Community, ungeachtet ihres Standpunktes zu Online-Casinos, gesagt, dass diese Netzsperre nicht durchsetzbar ist. Und dass es so ist, sieht man jetzt. Täglich kann man Screenshots von Leuten sehen, die ausländische Online-Casinos spielen.

Soll das Internet komplett unreguliert sein?
Nein, das war es auch nie. In den 90er-Jahren gab es zwar die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace – ausgerufen durch John Barlow ironischerweise am WEF. Die Quintessenz war, zu sagen: «Staaten, ihr alten Monster aus dem Industriezeitalter, ihr habt hier nichts zu melden. Das ist unser Ding und sicher nicht eure alte Welt». Und das ist auch die Illusion, mit der ich im Internet gross wurde. Das war dieser neue Raum. Da hatten auch die Eltern noch keine Ahnung davon. Doch es war nie so, dass es keine Regeln gab. Die für mich spannende Frage ist, wie diese Regeln zustande kommen und wer sie aufsetzen kann.

Deshalb also Internet Governance – aber wie reguliert man ein globales Netzwerk?
Die meisten Staaten haben heute begriffen, dass lokale Regulierungen nicht funktionieren. Es braucht globale Lösungen. Das Problem dabei ist, dass man sich stets nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann. Ausserdem findet eine Blockbildung statt. China und Russland sind bestrebt, grössere Mitsprache des Staates durchzusetzen, während die USA vor allem wenig Einschränkungen möchten. Europa steht irgendwo in der Mitte und befindet sich wohl noch sowas wie in einer Findungsphase.

Deutschland ist in dieser Hinsicht ein bisschen ein Sorgenkind ...
... in Deutschland ist zum Beispiel die Idee weit verbreitet, dass Dienste mit Verschlüsselung Hintertüren benötigen. Hintertüren werden ja nicht nur von den Guten benutzt. Sobald eine Lücke in der Software zugelassen wird, stürzen sich alle darauf. Deshalb hat die Gesellschaft ein Interesse, dass jeder über jede Lücke möglichst Bescheid weiss, weil sie dann geschlossen wird.

Wie steht die Schweiz da?
Noch einigermassen gut. Die grossen Entscheidungen werden nicht hier gefällt, sondern in New York, Brüssel, Moskau und Peking. Was mich aber hier erschreckt, ist die immer grösser werdende Kenntnisschere. Es gibt immer weniger Leute, die versuchen, aktiv diese Dinge zu verstehen oder sich dafür zu engagieren. Es fehlt an digitaler Aufklärung. Die digitale Unmündigkeit in diesem Land nervt mich. Natürlich müssen nicht alle alles bis ins kleinste Detail verstehen, aber ich verstehe nicht wie leichtfertig wir die Kontrolle abgeben und sagen: Macht ihr mit dem Internet was ihr wollt, ich will nur schnell neue Instaposts sehen.

«Wo finde ich jetzt dieses internet.ch?» – Eltern und Technik

Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

Und deshalb gibt es das Swiss Internet Governance Forum.
Genau. Der Anspruch des Swiss IGF ist nicht, zu allen Themen eine abschliessende Lösung zu finden. Aber wir können sensibilisieren. Und wir können neue Fragen im Zusammenhang mit der Digitalisierung aufwerfen. Zum Beispiel, ob es eine spezielle Uber-Gesetzgebung braucht. Wie können wir mit der Sharing Economy umgehen? Wie können wir zwar Daten nutzen aber gleichzeitig Individuen vor Missbrauch schützen? Es ist unsere Mission, auch diese Fragen anzusprechen. Deshalb hoffen wir auch dieses Jahr wieder auf zahlreiche Teilnehmende insbesondere aus der Politik.

Das Swiss Internet Governance Forum 2020

Das Swiss Internet Governance Forum (Swiss IGF) ist der nationale Ableger des UN-Internet-Governance-Forums, des weltweiten Prozesses, bei dem sich alle Anspruchsgruppen über die Festlegung der Spielregeln im Internet aussprechen. Ziel ist, in einem offenen und gleichberechtigten Rahmen Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Forschung zusammenzubringen, um die aktuellen Fragen der digitalen Transformation zu besprechen.

Das Swiss IGF 2020 findet am Mittwoch, 18. März in der Welle 7 in Bern statt. Die Teilnahme ist kostenlos und steht allen Interessierten offen. Bis am 10. März kann man sich noch anmelden.

Hier findest du mehr zum Swiss IGF.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Fredz 20.02.2020 09:35
    Highlight Highlight Ist auch nicht nötig, die Hintergründe zu kennen. Ich weiss nicht, wie im Detail ein AKW funktioniert und nutze trotzdem Strom. Kenne auch nicht den lateinischen Namen von Tomaten und trotzdem hab ich Pizza gern.
    Wussten Sie, dass Mikorrhiza, feine Pilzgewebe im Boden, die Nährstoffe für die Pflanzenwurzeln transportieren ? Sollten Sie das wissen wenn Sie Milch trinken ?
  • Nik G. 20.02.2020 09:18
    Highlight Highlight Die Leute machten sich über den Satz von Merkel lustig "Das Internet ist für uns alle Neuland" hat soviel wahres. Schlussendlich entscheiden Politiker die keine oder sehr wenig Ahnung haben und die Jungen die es für die Zukunft betrifft interessiert es wenig bis gar nicht und so können plötzlich Netzsperren entstehen. Wir wissen auch nicht welche Auswirkungen die Trolle und Fake News auf das fragile Konstrukt der Demokratie auswirken kann. Merkel ist studierte Physikerin, ihr Satz wird nicht einfach aus dem Nähkästchen geplaudert sein.
    • Sandro Lightwood 20.02.2020 17:47
      Highlight Highlight Das Problem ist, junge haben nicht automatisch viel mehr Ahnung. Nur weil ich weiss, wie Signal, Tiktok oder Snapchat nutzen und dies viel mache, kann ich mich zwar als digital nativ schimpfen. Aber viel mehr nicht.

      Ich hatte als Kind einen Commodore C64, dort konnte man nicht einfach ein Bildli anklicken und alles hat sich selber installiert und läuft einfach. Beim Modem haben wir stundenlang rumgebastelt bis es läuft - ohne Plug & Play und ohne YouTube Erklärvideo. Nenne mich jetzt auch nicht IT-Experte. In den Grundzügen verstehe ich aber die Abläufe wohl besser als viele digital natives.
  • Zeit_Genosse 20.02.2020 02:43
    Highlight Highlight Es ist halt einfacher sich mit Detailfragen zu beschäftigen, als die bedeutenden und komplexeren Fragestellungen anzugehen. Der Hang, sich nur um einzelne statt zusammenhängende Themen zu kümmern, ist weiter zunehmend. Somit verfügen wir nur über eine beschränkte Lösungskompetenz.
  • Hoci 19.02.2020 23:07
    Highlight Highlight Mir ist schon lange klar, dass genau deswegen gewählte Politiker jünger werden müssen. Wir haben es mit einer völlig neuen Welt und Bedrohungen und Chancen zu tun.
    Ich vermute, dass auch die Lehrkörper verjüngt und ergänzt werden sollten und neue Fächer wie Social Media, Datenschutz, Sicherheit, Staatsschutz und Schutz Individueller Freiheit oder so eingeführt werden müsste.
    Es wäre ja Aufgabe der Eltern, aber die haben meist fast keine Ahnung von diesen Dingen.
    • Tagedieb 20.02.2020 09:24
      Highlight Highlight Hoci, die erste Generation, die das Ganze von der Pike an mitbekommen hat, ist heute 50 jährig. Ich bin's auch nahezu und kenne massenhaft jüngere die deutlich weniger Ahnung von den ganzen digitalen Materie haben als ich. Ältere auch, aber ich bin mir alles andere als sicher, wo der Anteil an kompetenten Leuten höher ist. Und es auf's Alter zu schieben löst das Problem nicht - es ist eine Interessensfrage! Wichtige wäre viel mehr, das insbesonder Politiker sich bei Experten informieren würden, wenn sie denn keine Ahnung haben.
      Deshalb hab' ich dich geblitzt.
    • Spiegelkopf 21.02.2020 01:03
      Highlight Highlight Nicht wenig der Misstaende die wir heute beklagen verdanken wir den immer jünger werdenden sogenannten Managern, die voll von Testosteron aber noch unausgereiften Gehirnen den Wagen gerne mal an die Wand fahren und dabei vergessen, dass sie mit drin sitzen.
  • Rethinking 19.02.2020 22:58
    Highlight Highlight Dasselbe Thema haben wir in den Unternehmen...

    Alle schreien Digitale Transformation, was das aber wirklich bedeutet verstehen die wenigsten, meist noch nicht mal die Geschäftsleitung...
    • Sandro Lightwood 20.02.2020 06:30
      Highlight Highlight Also du meinst gerade eben die Geschäftsleitung. Die Damen und Herren in den IT-Abteilungen wissen en gros schon, was das bedeuten würde.
    • Rethinking 20.02.2020 07:05
      Highlight Highlight Hehe... Ja, vor allem die Geschäftsleitung...

      Es wundert mich immer wieder, dass in den meisten Unternehmen nach wie vor Hierarchie, statt Kompetenz die Entscheidungen trifft...

      Aktionäre müssten langsam aber sicher kapieren, dass das Management primär dem Eigennutzen dient und nicht dem nachhaltigen Nutzen des Unternehmens, solange ein gewisser Typus Mensch in diesen Positionen übervertreten ist... Kein Bonussystem kann dies richten...
    • Spiegelkopf 21.02.2020 01:06
      Highlight Highlight Die Aktionäre haben das schon kapiert. Viele der massgebenden davon (jene, die ein Unternehmen beeinflussen können) repräsentieren genau den von Ihnen erwähnten Menschentypus.
  • Locutus70 19.02.2020 21:55
    Highlight Highlight Nur noch Genervte :xD
  • Auric 19.02.2020 19:33
    Highlight Highlight Die analoge Unfähigkeit in diesem Land nervt!

    Es gab Zeiten da waren noch Naturgesetze Hebelgesetze, einfachste mathematische Zusammenhänge in den Hirnen vorhanden, heute scheitern 95 % der Fahranfänger an einem Reifenwechsel
    • sowhat 19.02.2020 22:26
      Highlight Highlight Es macht auch keinen Sinn mehr, den Radwechsel zu beheben. Die Zeit die ich brauche dafür reicht dem TCS zum herfahren und das Rad wechseln. Ich muss das nicht mehr tun, nur weil ichs kann. Profis sidlnd so viel schneller mit ihrem Werkzeug, dass es keinen Sinn mehr macht.
    • Spiegelkopf 20.02.2020 02:07
      Highlight Highlight @sowhat
      Deshalb ueberlaesst man zunehmends das "Denken" dem Handy und befolgt dessen Anweisungen, die oft von Fachidioten programmiert werden? Weil die das oft nicht so gut koennen, "downgradet" man sich selbst, indem man sich deren Unzulaenglichkeiten anpasst. In mehr oder weniger absehbarer Zeit werden auch Sie Ihrem Idealzustand naeherkommen. Dann naemlich, wenn Sie das Aufstehen am Morgen denen ueberlassen, die das noch koennen, derweil Sie es am Vortag das letzte Mal getan haben.
    • aglio e olio 20.02.2020 09:32
      Highlight Highlight "Es macht auch keinen Sinn mehr, den Radwechsel zu beheben..."
      Echt jetzt? Einfache handwerkliche Aufgaben outsourcen? Jeder wie er mag.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Barracuda 19.02.2020 19:24
    Highlight Highlight Unsere Digital Natives, die in der digitalen Welt angeblich allen voraus sein sollen, sind genauso Teil des Problems. Die Jungen konsumieren nur noch grösstenteils. Die Hintergründe interessieren und kennen sie nicht, genauso wenig Themen wie Datenschutz und - Sicherheit. Apps sind nur noch bedingt effizient zu bedienen, da sie auch durch den dümmsten Smartphone User bedient werden können müssen.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 20.02.2020 05:01
      Highlight Highlight Das System benötigt Arbeiter und Konsumenten. Diese werden möglichst effizient herangezüchtet. Simplified Devices wie Smartphones und Tablets ermöglichen dies. Das System dankt den Kinderwünschlern.
  • Illuminaughty 19.02.2020 18:36
    Highlight Highlight Treffer versenkt. Er hat recht. Alle nutzen das Internet, aber kaum jemand weiss wie es funktioniert. Nur schon das Wort Algorithmus sorgt oft für Fragezeichen. Dabei wäre es sehr wichtig, wenn die Menschen wüssten, wieso ihnen was auf ihren Lieblingsplattformen und auf Google angezeigt wird. Nur so kann man auch gut mit ihnen umgehen.
    Meiner Meinung nach sollte Media Literacy zum Schulfach werden, also der Umgang mit dem Internet, seine Funktionen und Gefahren.
    • Garp 19.02.2020 18:50
      Highlight Highlight Was soll die Schule noch alles übernehmen? Man müsste dann einmal über die Verlängerung der Schulpflicht diskutieren.
    • Illuminaughty 19.02.2020 19:50
      Highlight Highlight Sollen das die Eltern machen, die selbst keinen blassen Schimmer haben, was im Internet abgeht und wie es funktioniert? Wir müssen die Schulpflicht dafür nicht verlängern, nur die Lehrpläne an die Herausforderungen der heutigen Zeit anpassen. Media Literacy liesse sich gut in die Allgemeinbildung integrieren und in den normalen Unterricht, da sowieso immer öfter durch online-Inhalte gelernt wird.
    • DARTH OLAF 19.02.2020 20:09
      Highlight Highlight Im Lehrplan21 ist die digitale Problematik drin. Es gibt nur mehrere Probleme:
      - Es gibt kaum Lehrmittel, die das vertiefen.
      - Engagierte Lehrer müssen sich das selber aus den Fingern saugen.
      - Das Internet und vor Allem Social Media, ändern sich zu schnell. Gäbe es Lehrmittel, sind sie beim Druck schon veraltet.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Rückbauer 19.02.2020 18:36
    Highlight Highlight Oh, interessant. Hier hat der Interviewte den Ueberblick und drückt sich noch diplomatisch aus: ....die immer grösser werdende Kenntnisschere (neuer Ausdruck, im Text leider falsch geschrieben)....digitale Unmündigkeit ... nervt.
    Ja, wir verlernen das Denken, es droht digitale Verblödung. Und eine verblödete Gesellschaft ist eine Gefahr für die Demokratie. Nur eine offene, kritische, engagierte und visionäre Gesellschaft ist gegen die Diktatur des gelenkten Einheitsdenkens gefeit. Tja, Google, Amazon, Facebook & Co. Wissen und Bildung sind eben nicht dasselbe.
    • Spiegelkopf 20.02.2020 02:14
      Highlight Highlight Die suesse Bequemlichkeits- und Komfortdroge, die als Wissen vermarktet wird.
  • Swen Goldpreis 19.02.2020 18:33
    Highlight Highlight Die Schweiz steht relativ gut da, weil es die direkte Demokratie Lobbyisten etwas schwerer macht, Gesetze durchzusetzen, die nur einigen grossen Playern nutzen und dem Volk schaden. Dazu gehört ja auch die DSGVO, die den Datenschutz in Europa verschlechtert hat und uns zwingt, alle 5 Sekunden ein Cookie-Popup wegzuklicken.
    • sheshe 19.02.2020 20:27
      Highlight Highlight Der DSGVO hingegen verdanken wir, dass unsere Gesundheitsdaten vielleicht irgendwann mal sicher und verschlüsselt gespeichert werden. Denn erst durch die ganze Diskussion wird dieses Risiko auch als Risiko erkannt, zumal es finanzielle Folgen für das Unternehmen haben kann.

      Cookies, die man teilweise sogar blockieren kann, stören aber?

      Ich bin sogar noch für viel strengere Regeln, das DSG wird aber wohl sogar noch lascher daher kommen.

      Wir sollten viel mehr auf unsere Daten Acht geben!
    • Spiegelkopf 20.02.2020 02:21
      Highlight Highlight @sheshe
      Herr Goldpreis meint vielleicht eher die Zustimmung zur Nutzung eines Angebotes (wie zum Beispiel Onlinezeitungen, Googel etc.) wo man die Auswahl zwischen Allem (nachzulesen im Kleingedruckten) oder gar nichts hat, man aber in vielen Faellen nicht darauf verzichten kann, weil man sonst als sozialer und/oder digitaler Einsiedler ausgegrenzt wird. Aber das kann ja Herr Goldpreis selbst klaeren, wenn es ihm daran gelegen ist.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 20.02.2020 05:20
      Highlight Highlight GDRP ist genau so lange ein Papiertiger, wie die Nutzer die Cookies einfach wegklicken und sich nicht um die Löschung ihrer Daten bemühen.

      Die Unternehmen freut's, dass der Konsument immer brav bestätigt, mit allem einverstanden zu sein und von seinem Recht, über seine Daten vollständige Auskunft zu erhalten und auf Wunsch läschen zu lassen, keinen Gebrauch macht. GDRP ist eben kein Selbstläufer, die Verantwortung liegt immer noch beim sorglosen Verbraucher. Wer hier nochmals nutzt Whatsapp und hat zugestimmt? Und wer davon hat je Unbeteiligte gefragt, ob es OK ist, deren Daten weiterzugeben?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ueli der Knecht 19.02.2020 18:32
    Highlight Highlight Netzneutralität wird immer nur eine Illusion bleiben, solange sie technisch umgangen werden kann. Mit Gesetzen kann man zwar vieles regulieren, aber zB. nicht Staatstrojaner und private und staatliche Massenüberwachung und -Manipulation verbieten. Solcherlei liesse sich nur mit Technik verhindern, die das von vornherein verunmöglicht.

    Das Internet ist kaputt, und muss ersetzt werden. Die Designfehler lassen sich nicht mit Gesetzen wegregulieren oder wegpatchen. Man kann es nur mit einem neuen, sicheren Netz ersetzen, welches Netzneutralität sicherstellt und Massenüberwachung verunmöglicht.
    • Suchlicht 19.02.2020 19:12
      Highlight Highlight Das Internet ist nicht technisch kaputt, sondern, wie im Artikel auch erwähnt, leider es primär darunter, dass Staaten mit Macht Interessen durchsetzen wollen. Das Problem besteht auch bei einem „neuen“ Internet, oder denkst Du, darauf würde politisch kein Einfluss genommen?

      Als Beispiel dient Verschlüsselung - es gibt Algorithmen, die nach heutigem Stand als sicher gelten, auch aus Sicht von unabhängigen Stellen. Wenn nun aber Staaten Hintertüren fordern und so Verschlüsselung unsicher machen, bringt auch eine neue Verschlüsselungstechnologie nichts, wenn diese per Gesetz unsicher sein muss.
    • Ueli der Knecht 19.02.2020 21:05
      Highlight Highlight Es gibt da viele verschiedene Ansätze, Wander Kern's Revenge.

      zB. GNU-Net: https://de.wikipedia.org/wiki/GNUnet

      Transport-Ebene:
      Techniken wie im TOR-Netz (einfach ohne Internet): https://www.torproject.org/de/
      oder Riffle: https://dspace.mit.edu/handle/1721.1/99859

      Netzwerkebene:
      zB. Mesh-Netz mit Dynamic Source Routing, https://de.wikipedia.org/wiki/Dynamic_Source_Routing

      Sessions-/Präsentations-Ebene:
      Distributed-Hash-Tables wie zB. in Bittorent für zensurresistente Content-Distribution, oder Kademlia: https://sarwiki.informatik.hu-berlin.de/Kademlia
      Distributed-Ledger-Techniken

      uvm.
    • The Destiny // Team Telegram 19.02.2020 21:10
      Highlight Highlight @suchlicht, die neue Technologie wäre dann einfach illegal oder nicht verfügbar in diesem Staat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • d10 19.02.2020 18:28
    Highlight Highlight Die digitale Unmündigkeit in diesem Land beruht auf weit verbreitetem Desinteresse. Beides ist tatsächlich erschreckend. Aber wie kann das geändert werden, solange so viele immer noch "mir ist es egal wer mich ausspioniert, ich habe ja nichts zu verbergen..." und Ähnliches denken?

    Digitale Aufklärung wäre schon früh in der Schule notwendig, aber die kriegen ja nicht mal einen zeitgemässen ICT-Unterricht hin.
  • Horobar 19.02.2020 18:08
    Highlight Highlight Natürlich hat der gute Mann recht und wir beschäftigen uns zu wenig mit den Regeln der Digitalen Welt. Wir beschäftigen uns auch zu wenig mit Umwelt-, und Klimaschutz. Habe ich faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie schon erwähnt?

    Unsere Lebenswelt wird immer komplexer, fordert immer mehr Aufmerksamkeit. Es muss doch eigentlich das Ziel sein, dass die Default-Entscheidung meistens die richtige ist und nicht umgekehrt. Damit würden überforderte Menschen wie ich entlastet und könnten Ressourcen freischaufeln, um solchen Themen nachzugehen.
    • dim (1) 19.02.2020 18:12
      Highlight Highlight Auf welcher liste kann ich dich wählen? Hättest meine Stimme :)
    • homo sapiens melior 19.02.2020 18:20
      Highlight Highlight Genau das, was ich auch sagen wollte.
      Es wird einfach alles zu viel. Auch ein mündiger, intelligenter und interessierter Bürger kann nicht mehr alles verfolgen oder checken.
    • Magenta 19.02.2020 18:57
      Highlight Highlight Das ist genau so. Es erfordert viel Zeit und Willen, am Ball zu bleiben. Unnütze Gesetze wie die DSGVO sorgen nur dafür, die Massen zu beruhigen und in falscher Sicherheit zu wiegen. Aber das Abgeben von Eigenverantwortung gehört leider zum Zeitgeist... 🙄
    Weitere Antworten anzeigen
  • AnnenMay 19.02.2020 17:56
    Highlight Highlight "Netzpolitik scheint kein Thema zu sein, wohl auch weil man damit noch keine Wahlen gewinnen kann, dafür müsste das Bewusstsein auch bei der Bevölkerung wohl grösser sein."

    Dieser Satz sagt schon alles. Bei Internet Governance geht es zwar darum, dass genau die User und nicht Staaten mitentscheiden, aber es ist erschreckend dass beide Seiten scheinbr so wenig Interesse zeigen.
    • Spiegelkopf 20.02.2020 02:35
      Highlight Highlight Primus inter Pares ist ein Idealzustand wo vieles denk- und machbar ist. Die Gesellschaft ist aber hierarchisch orientiert und die Menschen sind nicht alle gleich begabt oder "intelligent", Schule hin oder her. Karten zeichnen und lesen ist eine Ebene, ein GPS System zu konstruieren eine andere, die Nutzung eines solchen aber kinderleicht. Soviel auch zu den gehypten "Digital Natives", heutzutags auch als Smartphone Zombies erkennbar. Interessanterweise hat aber die Gesellschaft mit sonstigen "Natives" eher nicht so viel am Hut.
  • DocShi 19.02.2020 17:48
    Highlight Highlight Gut gesagt und wirft Fragen auf die wir nur allzugern verdrängen.
    Dabei sind das auch Grundsatzfragen.
    • Spiegelkopf 20.02.2020 01:45
      Highlight Highlight Wie zum Beispiel "shared Economy". Koennte auch bedeuten "wir teilen uns das untereinander auf", wobei das wir natuerlich von den WIRs definiert ist. Die Frage ist, ob das jemals anders sein wird.
  • El Vals del Obrero 19.02.2020 17:36
    Highlight Highlight Bei manchen Dingen können vielleicht eigentlich ganz primitive Vergleiche mit der Offline-Welt nützlich sein, z.B. mit der Brief-/Paketpost:

    Dort zahlt ja auch nur der Absender oder der Empfänger, aber nicht beide.

    Die Argumentation contra Netzneutralität lautet seitens der Provider ja "Google, Facebook, Streaming-Anbieter etc. profitieren von unserer Infrastruktur". Das stimmt ja, nur hat man als Providerkunde dafür ja schon bezahlt. Wenn die Datenmenge problematisch ist, dann sollten sie halt keine Flatrate-Angebote mehr machen.
    • The Destiny // Team Telegram 19.02.2020 21:13
      Highlight Highlight Ah ja, das gute alte Data cap. Die Provider wollen einfach kosten sparen beim glasfaser Ausbau. Mit glasfasern würde eine sehr viel grössere Bandbreite zu Verfügung stehen.
    • Spiegelkopf 20.02.2020 02:51
      Highlight Highlight Zu diesem Thema hat Jaron Lanier (einer der wenigen mit Durchblick) einige interessante Ideen veroeffentlicht.

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