International
Analyse

Strasse von Hormus: Europäer wollen helfen, doch Trump lässt sie zappeln

Tankers and cargo vessels are seen in the Gulf of Oman, along shipping routes linking the Strait of Hormuz and the Arabian Sea, Tuesday, June 16, 2026. (AP Photo)
Oman Strait of Hormuz
Ab Freitag wieder freie Fahrt? Gestrandete Tankschiffe in der Strasse von Hormus. (Dienstag, 16. Juni).Bild: keystone
Analyse

Öffnung der Strasse von Hormus: Europäer wollen helfen, doch Trump lässt sie zappeln

Jetzt, wo der Friedensdeal mit Iran steht, sind die Europäer bereit, ihre Kriegsschiffe in die Strasse von Hormus zu schicken. Doch für den US-Präsidenten kommt das Hilfsangebot wohl zu spät.
16.06.2026, 20:1316.06.2026, 20:13
Remo Hess, Brüssel / ch media

Die Europäer stehen bereit, ihren Teil zur Wiedereröffnung der Strasse von Hormus beizutragen. Frankreich, Grossbritannien, Italien und Deutschland haben am Montag angeboten, eine «ausschliesslich defensive» Militärmission zu entsenden. Die ersten Schiffe könnten bereits «in wenigen Tagen» vor Ort sein, um die Handelsroute von Minen zu räumen und die freie Schifffahrt abzusichern, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron beim G7-Gipfel in Evian. Der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle samt seinem Begleitzug ist schon seit Wochen in der Region. Italienische Minenräumschiffe warten vor Ostafrika und ein deutscher Minenräumer und das dazugehörende Logistikschiff im östlichen Mittelmeer.

Ob US-Präsident Donald Trump das Hilfsangebot annimmt, ist jedoch unklar. Seine erste Reaktion fiel zurückhaltend aus: «Ich denke nicht, dass wir viel Hilfe brauchen», so Trump. Dies, weil die Strasse eigentlich bereits befahrbar sei. Tatsächlich ist ungewiss, in welchem Ausmass die Iraner die Handelsroute vermint haben.

U.S. President Donald Trump walks away after a group photo of leaders at the G7 summit, Tuesday, June 16, 2026, in Evian-les-Bains, France. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
France G7 Summit Trump
Trump möchte wohl keine Hilfe mehr.Bild: keystone

Eine Rolle spielen dürfte aber auch, dass Trump immer noch gekränkt ist, weil die Europäer ihn bei seinen Angriffen auf die Mullahs nicht unterstützt haben. Er nannte sie damals «Feiglinge». Möglich, dass ihr Hilfsangebot nun zu spät kommt.

Klar ist, dass die Iraner gegen eine europäische Präsenz sind. Sie erachten eine ausländische Militärmission als «inakzeptabel». Stattdessen behauptet Teheran, auch nach der Unterzeichnung des Abkommens am Freitag die Hoheit über die Wasserstrasse behalten und sogar Durchfahrtsgebühren erheben zu dürfen. Etwas, was sowohl die Amerikaner als auch die Europäer klar ablehnen.

Lockerung der Sanktionen: Nichts überstürzen

Direkt betroffen sind die Europäer beim zweiten grossen Thema des Friedensdeals: der Lockerung der Sanktionen gegen Iran. Zwar haben die europäischen Hauptstädte signalisiert, einen Abbau in Betracht zu ziehen. Aber dafür müssten sich die Iraner wirklich an die Vereinbarung halten und ihr Streben nach der Atombombe aufgeben. Solange man keine konkreten Taten sehe, die das bestätigten, käme ein Rückbau des Sanktionsregimes nicht infrage, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Über eine dritte Auswirkung der Einigung wird man sich in Europa freuen: die mögliche Wiedereinführung von amerikanischen Ölsanktionen gegen Russland. US-Präsident Donald Trump hatte diese vorübergehend ausgesetzt, weil durch die Hormus-Blockade das Öl auf dem Weltmarkt knapp wurde. Da das Iran-Problem jetzt gelöst sei, könne man «bald» wieder Ölsanktionen gegen Moskau einführen, so Trump am Dienstag auf eine entsprechende Frage. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
11 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Gurgelhals
16.06.2026 20:31registriert Mai 2015
Und auch hier darf darauf hingewiesen werden:

a) dass eben gerade kein "Friedensdeal steht", sondern bloss ein ominöses, bislang unveröffentlichtes Memorandum of Understanding darüber, dass der Iran und die USA zu Verhandlungen über eine Friedenslösung bereit sind, das alle anderen Akteure aussen vor lässt und über dessen genauen Inhalte nur widersprüchliche Informationen kursieren.

b) dass der korrekte Begriff "Abkommen" lautet und nicht "Deal".

und c) dass das "Deal"-Wort Trömp-Babysprache ist und nur von Leuten verwendet wird, die die Kontrolle über ihr eigenes Leben verloren haben.
461
Melden
Zum Kommentar
avatar
D.Enk-Zettel
16.06.2026 20:48registriert Oktober 2021
Tja Donyboy beschwert sich nur über mangelde Unterstützung der Verbündeten, wenn die Gefahr besteht, dass er sich die Finger verbrennt. Eine Öffnung der Strasse von Hormus, will er dann schon als alleinigen Sieg verkaufen können, selbst dann wenn er als eigentlicher Verursacher dieses Fiaskos in der Verantwortung steht.
301
Melden
Zum Kommentar
11
Bill Pulte, Trumps neuester Kampfhund
Um die Zwischenwahlen zu gewinnen, riskiert der US-Präsident gar einen Streit mit der eigenen Partei.
Verteidigungsminister Pete Hegseth oder FBI-Direktor Kash Patel sind lebende Beweise dafür, dass man in der Trump-Regierung trotz offensichtlicher Inkompetenz bis an die Spitze kommen kann, Hauptsache, man führt widerstandslos die Befehle des Bosses aus. Auch Tulsi Gabbard, bis anhin Direktorin der National Intelligence (DNI), ist nicht die hellste Kerze auf der Trump-Torte, und ihre Erfahrung in Sachen Geheimdienst ist überschaubar.
Zur Story