DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Video: watson/leb

Trumps «Siegesrede» im Faktencheck

04.11.2020, 17:59

Während noch Millionen von Stimmen in mehreren US-Staaten nicht ausgezählt waren, trat Donald Trump im Weissen Haus vor die Medien und sagte, er habe die Wahl gewonnen. Er verlangte, die weitere Auszählung der Stimmen sei zu stoppen und sprach von «Betrug». Dieser beispiellose Vorgang entsetzte selbst Trump-Anhänger in Politik und Medien.

Doch was ist dran an den einzelnen Aussagen, die der Amtsinhaber an der Medienkonferenz machte? Ein Faktencheck:

«Wir machten uns für eine grosse Feier bereit. Wir waren daran, alles zu gewinnen. Und plötzlich wurde unsere Feier abgesagt.»

Das ist nicht korrekt. Trump war keineswegs dabei, «alles zu gewinnen». Zum Zeitpunkt seiner Ansprache war es in verschiedenen wichtigen US-Staaten zu früh, um einen Gewinner zu bestimmen. Ohnehin sind Medienberichte über einen «Gewinner» nicht wirklich offiziell. Resultate werden nach und nach vor Ort – also in Wahllokalen, Bezirken und Bundesstaaten – bekanntgegeben. Die Medien tragen diese Informationen zusammen und kombinieren daraus, wer gewonnen hat.

«Wir bereiteten uns darauf vor, diese Wahlen zu gewinnen. Offen gesagt: Wir haben diese Wahlen gewonnen.»

Das stimmt nicht. Es ist zwar nach wie vor möglich, dass Trump die Wahlen gewinnt, aber das wird sich erst zeigen, wenn weitere Stimmen ausgezählt sind und weitere definitive Ergebnisse aus derzeit noch umkämpften Bundesstaaten vorliegen. Zu dem Zeitpunkt, da Trump seine Rede hielt, hatten weder er noch sein Rivale Biden 270 Wahlleute auf sicher. So viele braucht es aber mindestens, um den Sieg verkünden zu können. In diversen Schlüsselstaaten wie Georgia, Pennsylvania, Wisconsin, Michigan oder Nevada war das Rennen noch völlig offen, als Trump den Sieg für sich reklamierte.

«Wir wollen, dass alle Stimmabgaben aufhören.»

Zum Zeitpunkt, da Trump diese Aussage machte, hatte die Stimmabgabe bereits aufgehört, da alle Wahllokale geschlossen waren und bei der Briefwahl nur jene Stimmen gezählt werden, die rechtzeitig abgegeben wurden. Was allerdings nicht aufhört, ist das Zählen der Stimmen.

«Wir wollen nicht, dass sie um vier Uhr morgens irgendwelche Stimmen finden und der Liste hinzufügen.»

Diese Stimmen sind rechtmässig abgegebene Stimmen von Wählern, die von ihrem Recht auf Briefwahl Gebrauch gemacht haben.

«Das ist ein riesiger Betrug an unserer Nation.»

Das stimmt nicht. Die Auszählung von Briefstimmen, die rechtzeitig abgegeben wurden, ist kein Betrug. Es wäre ein Betrug, diese Stimmen nicht zu zählen.

«Es ist auch klar, dass wir Georgia gewonnen haben. Ebenso haben wir North Carolina klar gewonnen.»

Falsch. Trump führte in beiden Staaten, als er diese Aussage machte, doch dies war bei weitem noch nicht das definitive Resultat, sondern lediglich ein Zwischenstand. Selbst Stunden später, am Nachmittag des 4. November (Schweizer Zeit) ist das Rennen um diese beiden Staaten immer noch nicht entschieden.

«Aber am wichtigsten ist: Wir gewinnen in Pennsylvania. Wir gewinnen Michigan. (...) Und wir gewinnen Wisconsin.»

Das ist nicht korrekt. Diese Aussagen sind irreführend, da Trump im Moment, als er dies sagte, zwar führte, ein definitives Resultat aber noch längst nicht in Sicht war. Inzwischen hat sich die Lage geändert und Biden führt in Michigan und Wisconsin. Selbst in Pennsylvania, wo Trump nach wie vor in Führung liegt, ist der Ausgang noch unsicher. Noch sind dort hunderttausende von Stimmen nicht ausgezählt, darunter vor allem solche aus der Metropole Philadelphia, die traditionell eher demokratisch wählt.

(dhr)

Das sagten Biden und Trump in der Wahlnacht

Video: watson/leb
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So wählen die Amerikaner

1 / 34
So wählen die Amerikaner
quelle: keystone / ashlee rezin garcia
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Bernie Sanders sagt Wahlnacht voraus

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

66 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Unicron
04.11.2020 19:46registriert November 2016
Omg, dieses Video ist absolut widerlich, dieser Typ reisst im "Alleingang" die Glaubwürdigkeit seines eigenen Landes ein.

Ich hoffe wirklich schwer dass wir das nicht nochmal vier Jahre ertragen müssen...
2587
Melden
Zum Kommentar
avatar
P. Meier
04.11.2020 19:54registriert März 2017
Wenn ein Kandidat seinen Sieg vor der offiziellen Auszählung verkündet stellen sich schon fragen in welchem Land er lebt. Wenn der gleich Kandidat abgegebene, aber noch nicht ausgezählte Stimmen als ungültig deklarieren will, stellen sich noch viel mehr Fragen, ob er die geeignete Person für das Präsidentenamt in einem demokratischen Staat ist. Der aktuelle POTUS zeigt da schon ein sehr überraschendes Rechts- und Demokratieverständnis an den Tag.
1534
Melden
Zum Kommentar
avatar
cheko
04.11.2020 19:58registriert Dezember 2015
Hoffentlich verliert der Typ und bereut dann seine Rede.. Oder versinkt im Boden weil es ihm so peinlich ist... Wobei er das vermutlich schon so oft gemacht hat, macht es ihm nichts mehr aus macht.
12011
Melden
Zum Kommentar
66
Ärger über Transgender-Themen: Trump fordert Abschaffung des US-Bildungsministeriums

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat wegen des Streits um sexuelle Aufklärung an Schulen die Auflösung des Bildungsministeriums gefordert. «Wir sollten das Bildungsministerium abschaffen», sagte Trump am Samstag (Ortszeit) auf einer Konferenz Rechtskonservativer in Dallas im US-Bundesstaat Texas. Das Publikum brach daraufhin in Jubel aus. «Man kann die Bibel nicht lehren, aber man kann Kindern beibringen, dass Amerika böse ist und dass Männer schwanger werden können», wetterte Trump weiter. Er forderte strenge Verbote für die Vermittlung «unangemessener» Inhalte an Schulkinder.

Zur Story