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Queen Elizabeth II. verliert eine ihrer Perlen: die Karibikinsel Barbados

30.11.2021, 05:4830.11.2021, 11:29

Barbados hat sich zum 55. Unabhängigkeitstag eine neue Staatsform verpasst – die Karibikinsel sagte sich von der britischen Monarchie los und erklärte sich zur parlamentarischen Republik. Im Beisein des britischen Thronfolgers Prinz Charles wurde in der Nacht zum Dienstag die Richterin Sandra Mason feierlich als erste Präsidentin und neues Staatsoberhaupt von Barbados vereidigt. Kurz nach Mitternacht gab es für Mason Salutschüsse und eine Parade der Staatsbediensteten auf dem Platz der Nationalhelden in der Hauptstadt Bridgetown.

Die erste Präsidentin des Inselstaates: Sandra Mason.
Die erste Präsidentin des Inselstaates: Sandra Mason.Bild: keystone

Nicht dabei war eine Statue des britischen Admirals Horatio Nelson, die dort gut 200 Jahre gestanden hatte – bis vor einem Jahr. Inmitten von Protesten gegen Rassismus und Kolonialismus auf der ganzen Welt entfernte die Regierung damals die Statue von dem zentralen Platz, wo die Helden des Landes geehrt werden sollen. «Wenn wir nicht wissen, wer wir sind; wenn wir uns nicht darüber im Klaren sind, wofür wir kämpfen wollen, dann sind wir dazu verdammt, wieder ausgebeutet und kolonialisiert zu werden», sagte dazu Premierministerin Mia Mottley.

«Enge und vertrauensvolle Partnerschaft» soll beibehalten werden

Zwei Monate zuvor war der Bruch mit der Krone verkündet worden. «Es ist an der Zeit, unsere koloniale Vergangenheit vollständig hinter uns zu lassen», hiess es von Mottley in der jährlichen sogenannten Thronrede.

Im Oktober wählte das Parlament von Barbados die 72-Jährige Mason in das neu geschaffene Amt der Präsidentin. Regierungschefin bleibt Mottley.

Das Inselparadies ist ab sofort eine parlamentarische Republik
Das Inselparadies ist ab sofort eine parlamentarische RepublikBild: shutterstock

Die Reaktion des Buckingham-Palasts fiel zurückhaltend aus: Die Angelegenheit sei «Sache der Regierung und des Volkes des Commenwealth-Staates», hiess es im September 2020.

Queen Elizabeth II. hat nach dem Abschied der Karibikinsel Barbados von der britischen Krone der frisch vereidigten Präsidentin des Landes gratuliert: Sie beglückwünsche Sandra Mason zu ihrem ersten Tag im Amt und sende die besten Wünsche für «Glück, Frieden und Wohlstand» an alle Menschen in Barbados, schrieb die 95 Jahre alte Monarchin am Dienstag in einer Botschaft.

Prinz Charles, der seine 95 Jahre alte Mutter in Barbados vertrat, betonte dort: Auch wenn sich einiges ändere, werde manches gleich bleiben – etwa die «enge und vertrauensvolle Partnerschaft» und gemeinsame Werte.

Popstar Rihanna war bei der Zeremonie dabei. Mottley verkündete, dass die barbadische Sängerin, die auch Sonderbotschafterin ihres Landes ist, in den Orden der Nationalhelden aufgenommen werde.

Rihanna
RihannaBild: keystone

«Entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei»

Das «Commonwealth of Nations» ist eine lose Verbindung von Staaten, die aus Grossbritanniens ehemaligen Kolonien hervorgegangen sind. An der Spitze der Organisation steht Königin Elizabeth II. Zuletzt hatte sich im Jahr 1992 mit Mauritius ein Commonwealth-Mitglied von der Monarchie losgesagt.

Barbados wurde am 30. November 1966 unabhängig von Grossbritannien, die Queen blieb aber bisher Staatsoberhaupt. Zuletzt hatte sich im Jahr 1992 mit Mauritius ein Commonwealth-Mitglied von der Monarchie losgesagt.

Prinz Charles sprach in seiner Rede von der «entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei, die unsere Geschichte für immer befleckt».
Prinz Charles sprach in seiner Rede von der «entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei, die unsere Geschichte für immer befleckt».Bild: keystone

Vor 394 Jahren kamen die ersten englischen Siedler nach Barbados. Bald bereicherten sie sich am Zuckeranbau durch afrikanische Sklaven. In seinem Buch «Die erste Gesellschaft schwarzer Sklaven» von 2016 beschrieb der barbadische Historiker Hilary Beckles die Insel zwischen 1636 und 1876 als «die systematisch gewalttätigste, brutalste und rassistisch unmenschlichste Gesellschaft der Neuzeit». Prinz Charles sprach in seiner Rede von der «entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei, die unsere Geschichte für immer befleckt».

Wegen dieser Vorgeschichte gibt es auf Barbados Forderungen nach Reparationen und Stimmen gegen den Besuch von Prinz Charles, wie der Aktivist Suleiman Bulbulia am Montag in der britischen Zeitung «The Guardian» schrieb. Zugleich wird das Land mit knapp 300'000 Einwohnern aufgrund des starken Einflusses britischer Kultur auch «Little England» (Klein-England) genannt. «Natürlich wird Barbados eine enge Beziehung zum Vereinigten Königreich aufrechterhalten», betonte Bulbulia. Dies sei aber eine neue Ära. «Was »Little England« angeht, so erfordern diese Zeiten vielleicht einen neuen Kosenamen.»

(sda/dpa)

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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neiFrännä
30.11.2021 08:25registriert August 2021
Vielleicht sollte man die Geschichte der Royals und wie sie zu all ihren Besitztümern, Privilegien und Titeln gekommen sind auch mal Aufarbeiten so wie die nachrichtenlosen Vermögen in der Schweiz...🤷🏻‍♀️
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Shisha la Boeuf
30.11.2021 09:53registriert November 2021
Frage mich immer wieder wie solche veralteten Erb Monarchien heute noch unterstützt werden. Für mich schlichtweg nicht nachvollziehbar.
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30.11.2021 06:22registriert September 2018
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