International
USA

US-Richterin: Trump-Regierung darf historische Fakten nicht verfälschen

The sun shines over a statue of George Washington on horseback at the Public Garden, Friday, Feb. 13, 2026, in Boston. (AP Photo/Charles Krupa)
Presidents Day George Washington
George-Washington-Gedenkstätte in Philadelphia: Im Januar wurden hier Informationen über Washingtons Sklaven entfernt.Bild: keystone

US-Richterin entscheidet: Trump-Regierung darf historische Fakten nicht verfälschen

Die Regierung des US-Präsidenten Donald Trump hatte in Ausstellungen und an Gedenkstätten Informationen über Sklaverei entfernen lassen. Die Stadt Philadelphia klagte dagegen – und bekam nun Recht.
17.02.2026, 14:2917.02.2026, 14:29

Die historischen Fakten sind eindeutig: George Washington, der erste US-Präsident, war Sklavenhalter. Erst in seinem Testament verfügte er über die Freilassung seiner 123 Sklaven. Bis zu seinem Tod im Jahr 1799 blieb er Teil des Sklavensystems. Das ist durch zahlreiche historische Quellen belegt.

Für Donald Trump spielen diese Tatsachen offenbar keine Rolle. In einer Rede im Jahr 2024 erklärte er, Washington habe vermutlich gar keine Sklaven besessen. Zudem kritisierte er, dass in den USA zu viel über Sklaverei gesprochen werde.

Trump will «Spaltendes» entfernen

Deswegen erliess Trump ein Dekret zur «Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte». Darin befahl er, «Spaltendes» aus nationalen Museen und Gedenkstätten zu entfernen.

Infolge des Dekrets wurden an mehreren Orten Ausstellungsteile entfernt. Betroffen war auch eine Gedenkstätte für George Washington in Philadelphia: Der dem Innenministerium unterstellte Park Service strich dort im Januar Hinweise auf Washingtons Rolle als Sklavenhalter. Die Stadt reichte daraufhin Klage ein.

Bundesrichterin

Die US-Bundesrichterin Cynthia M. Rufe ordnete nun an, die Ausstellungsstücke und Informationen über Sklaverei wieder zu zeigen. In einem 40-seitigen Urteil verglich Rufe die Entfernung der Ausstellung im Januar mit staatlicher Gedankenkontrolle, wie sie in George Orwells Roman «1984» beschrieben wird. Die Regierung beanspruche das Recht, historische Darstellungen an öffentlich finanzierten Denkmälern zu löschen, zu verändern oder zu verbergen, schreibt Rufe in ihrer Stellungnahme. Dieses Vorgehen erinnere an die allgegenwärtige Überwachung in Orwells dystopischen Roman.

Zu Beginn ihres Urteils schreibt Rufe, es scheine, als existiere das «Ministerium für Wahrheit» aus Orwells Roman tatsächlich. Das Gericht müsse nun klären, ob die Regierung befugt sei, historische Tatsachen zu verändern. Ihre Antwort fällt eindeutig aus: «Das ist sie nicht.»

Darum geht es in Orwells Roman «1984»
«1984» ist ein dystopischer Roman von George Orwell, der 1949 erschien. Er schildert einen totalitären Überwachungsstaat im Jahr 1984, in dem der Staat das Denken, die Sprache und sogar die Vergangenheit der Menschen kontrolliert. Das «Ministerium für Wahrheit» manipuliert dabei sämtliche historische Aufzeichnungen und passt sie an die Linie der Partei an. So erscheint die Partei laut aller bestehenden Aufzeichnungen immer im Recht.

Der Park Service hatte im Januar erklärt, die Ausstellungsstücke seien entfernt worden, um «Genauigkeit, Ehrlichkeit und Übereinstimmung mit gemeinsamen nationalen Werten» zu gewährleisten.

Rufes Urteil gewährt eine sofortige einstweilige Verfügung, die die Wiederaufstellung von 34 Informationstafeln im «Independence National Historical Park» in Philadelphia anordnet. (hkl)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Donald Trump in der Schweiz
1 / 12
Donald Trump in der Schweiz

Am Mittwochmittag ist der US-Präsident Donald Trump in Zürich gelandet.

quelle: keystone / evan vucci
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nach dem FIFA-Friedenspreis hat Trump nun auch den zweitbegehrtesten Award gewonnen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
55 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
banda69
17.02.2026 14:49registriert Januar 2020
Der Rechtspopulist lügt über die Gegenwart und Vergangenheit. Er leugnet die Wissenschaft und fälscht jetzt auch die Vergangenheit. Was bleibt noch? Ah ja – die Zukunft. Die gestaltet er gerade: Bücher umschreiben, Fakten löschen, Richter einschüchtern.

Und ja.
Rechtspopulisten sind brandgefährlich.
Und schaden.
Immer.
Und überall.

Und das war alles vorauszusehen. Alles. Und es wird noch schlimmer kommen.

Trump, der Wunschpräsident unserer Rechtspopulisten. Wen wunderts.
14812
Melden
Zum Kommentar
avatar
insert_brain_here
17.02.2026 15:54registriert Oktober 2019
Ein riesiges Geheul wenn ein privates Unternehmen in einer Unterhaltungsproduktion eine Figur ein bisschen zu wenig weiss macht, aber wenn der Präsident per Dekret die Geschichte umschreibt regt sich kein Lüftchen bei den Kulturkämpfern
736
Melden
Zum Kommentar
avatar
Der Micha
17.02.2026 16:25registriert Februar 2021
"Deswegen erliess Trump ein Dekret zur «Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte»."

Das ist schlicht der widerlichste Widerspruch aller Zeiten. Das Schlimme ist, dass ich Trump für so dämlich halten, dass er tatsächlich von dem überzeugt ist, was er da quatscht.
613
Melden
Zum Kommentar
55
Polen gegen europäische Alleingänge bei Atom-Abschreckung
In der Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung hat sich Polen gegen Alleingänge ohne die USA ausgesprochen. «Alle Entscheidungen sollten gemeinsam getroffen werden. Wir sind in einem Bündnis mit den USA, mit Frankreich, mit Deutschland und Grossbritannien», sagte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz in einem gemeinsamen Interview der Deutschen Presse-Agentur, der PAP und AFP. Die Nato sei ein Organismus, diesen gelte es durch transatlantische Zusammenarbeit zu stärken, nicht zu schwächen.
Zur Story