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Europas Vertrauen in die USA ist so tief wie nie zuvor

A mask with the likeness of Donald Trump is used to sell hats that read "Trump 2028" and "Make America Great Again" on the street next to the Walk of Fame star honoring Donald Trum ...
Aus Sicht der Europäerinnen und Europäer sind die USA nicht «hottest country in the world», so wie Donald Trump das sieht.Bild: keystone

Der Anti-Trump-Effekt: Europas Vertrauen in die USA ist so gering wie nie zuvor

Mehr Schrott als hot: Die durchschnittlichen Europäer sehen die USA mehrheitlich nicht mehr als befreundete Nation an. Doch es gibt auch punktuelle Zustimmung zu Trumps Lieblingsthemen.
16.02.2026, 05:1716.02.2026, 10:00
Ralph Schulze / ch media

Während auf der Münchner Sicherheitskonferenz über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen gerungen wurde, zeigen neue Umfragedaten einen dramatischen Vertrauensverlust in die USA: Obschon US-Präsident Donald Trump immer wieder behauptet, unter ihm seien die USA zum «hottest country in the world» aufgestiegen, ist das Ansehen der Vereinigten Staaten in Westeuropa so schlecht wie noch nie.

Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des in London ansässigen internationalen Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor, das seit 2016 regelmässig politische Stimmungsbilder in Europa erhebt. Befragt wurden unter anderem Bürger in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Italien und Spanien.

Wie stark sich die Stimmung verschoben hat, zeigt besonders das Beispiel Deutschland: Nur noch 21 Prozent äussern ein positives Bild der USA – vor anderthalb Jahren, unter Präsident Joe Biden, war es mehr als die Hälfte.

epa12743629 Carnival goers featuring a satirical take on US President Donald Trump and Greenland take part in the parade on the first day of the Carnival of Aalst, in Aalst, Belgium, 15 February 2026. ...
Karnevalisten mit einer satirischen Darstellung von US-Präsident Donald Trump und Grönland am ersten Tag des Karnevals von Aalst in Belgien.Bild: keystone

Auch in den anderen untersuchten Ländern ist das Image der Vereinigten Staaten deutlich gesunken. Am grössten ist der Vertrauenseinbruch in Dänemark, wo nur noch elf Prozent ein positives Bild äussern. Vor dem Hintergrund des Streits um Grönland, das als autonomes Gebiet zu Dänemark gehört und von Washington beansprucht wurde, überrascht dieser Wert kaum.

Doch es geht nicht nur um Sympathiewerte. In Deutschland sehen nur noch 41 Prozent die USA als Freund, Verbündeten oder zumindest als «freundlichen Rivalen». Fast ebenso viele stufen Amerika inzwischen als unfreundlich oder feindlich ein. Vor rund drei Jahren lag der Anteil derjenigen, die die Vereinigten Staaten als grundsätzlich befreundet wahrnahmen, noch bei etwa 70 Prozent.

Damit endet die Verschiebung im Stimmungsbild jedoch nicht. Die Antworten der Befragten zeigen ein deutlich komplizierteres Bild. In nahezu allen untersuchten Ländern spricht sich eine relative Mehrheit dafür aus, Europas politische Unabhängigkeit stärker zu betonen – selbst wenn dies die transatlantische Allianz weiter belasten sollte.

Gleichzeitig glauben die meisten der Befragten, dass Frieden und Verteidigungsfähigkeit Europas weiterhin von den USA abhängen. Auch wirtschaftlich wird Amerika mehrheitlich als stärkere Macht wahrgenommen. Mit anderen Worten: Viele Europäer wünschen sich mehr Unabhängigkeit – trauen sich aber nicht zu, ohne Washington auszukommen.

Zustimmung bei Kritik an Verteidigung und Migration

Dabei ist die Ablehnung der USA keineswegs in allen Punkten eindeutig. Zwar wird Präsident Donald Trump persönlich in den untersuchten Ländern überwiegend negativ bewertet. Doch in einzelnen Sachfragen teilen viele Europäer zentrale Argumente aus Washington. Mehrheiten zwischen 59 und 74 Prozent stimmen unter anderem der Einschätzung zu, Europa sei bisher in Verteidigungsfragen zu abhängig von den USA gewesen.

Auch bei der Migrationspolitik zeigt sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung: In allen sechs untersuchten Ländern meint eine Mehrheit – zwischen 52 und 63 Prozent –, Europa habe zu viel Zuwanderung zugelassen.

Members of the German army march during a military parade ceremony marking the 107th anniversary of the Lithuanian military, on Armed Forces Day in Vilnius, Lithuania, Sunday, Nov. 23, 2025. (AP Photo ...
56 Prozent der deutschen Bevölkerung wäre bereit, die Militärausgaben zu erhöhen.Bild: keystone

Für den Fall, dass das transatlantische Verhältnis weiter eskaliert oder völlig auseinanderbricht, sprechen sich 54 Prozent der Deutschen für eine stärkere politische Integration innerhalb der Europäischen Union aus. Zugleich wäre eine Mehrheit (56 Prozent) bereit, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen.

Doch sobald es um andere konkrete Forderungen aus Washington geht, ziehen viele Europäer eine klare Grenze. Lockerere Vorschriften gegen Hassrede – also gegen hetzerische oder diskriminierende Inhalte im Internet – finden keine Mehrheit. Hintergrund ist, dass Vertreter der US-Regierung Europa seit Längerem vorwerfen, mit solchen Regelungen die Meinungsfreiheit zu stark einzuschränken. Auch Handelsabkommen mit weiteren Vorteilen für die USA oder finanzielle Extra-Beiträge für amerikanische Truppen in Europa stossen überwiegend auf Ablehnung.

Für die Erhebung befragte YouGov online unter anderem 2224 Personen ab 18 Jahren in Deutschland, 2046 in Grossbritannien, 1051 in Frankreich, 1063 in Spanien und 1050 in Italien. (aargauerzeitung.ch)

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55 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Wolfgang Bumbuy
16.02.2026 05:49registriert November 2024
Wen wunderts. Trump ist hauptsächlich damit beschäftigt seine Partnerländer vor den Kopf zu stoßen.
Kommt bei den meisten nicht gut an. Ein Land verspielt innerhalb kurzer Zeit sein gesamtes Renome.
Die Softpower ist dahin, ein bloßes "American IS Back " wie unter Biden wird zur Reperatur nicht ausreichen.
Ich hab in der Zeit vor Trump immer gesagt, dass mir trotz aller Sauereien die diverse US Regierungen schon gemacht haben, sie mir noch sympathischer waren als China oder Russland.
Jetzt sind alle 3 auf einem Level.
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Barth Simpson
16.02.2026 06:42registriert August 2020
Weniger USA ist ja von der USA selber ausdrücklich gewünscht. Und wir sollten diesen Wunsch erfüllen, denn so schnell wird sich der Schaden nicht mehr kitten lassen. Man bedenke ausserdem: Selbsternannte Könige haben Prinzen. Ich befürchte, dass Trump veruchen wird einen seiner Braten an die Macht zu bringen, sobald die Zeit gekommen ist.
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euterpiON
16.02.2026 07:02registriert Dezember 2024
Ich habe die Faszination USA, die hier zulande von vielen gehegt wird, sowieso nie verstanden. Und das schon lange vor Trump. Ich fand den amerikanischen Imperialismus immer unerträglich. Diese "es ist alles Bizness"-Mentalität.

Nein, es ist nicht alles eine Geldfrage. Aber mit dem Dauerfeuer von Übersee, habens hier viele leider vergessen, mittlerweile nie gekannt...
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«Trumps Präsidentschaft, wie wir sie kennen, wird im November enden»
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