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Bild: EPA

Weltweit erste Studie über den Klimawandel unterm Baumkronendach

14.05.2020, 21:14

Ein Grossteil aller landlebenden Arten weltweit lebt in Wäldern. Klimadaten vom offenen Feld sind für sie nur bedingt aussagekräftig. Eine internationale Studie unter Leitung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL geht dem Unterschied nach.

Das kühlende Blätterdach der Bäume schützt Waldorganismen vor Temperaturextremen. Es hat einen wichtigen Einfluss auf ihre Anpassung an die Klimaerwärmung. Letztere wird aber fast ausschliesslich in der offenen Landschaft gemessen. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der WSL und der Universität Cambridge hat nun erstmals die Klimaerwärmung unter dem Kronendach mit Zahlen belegt.

Der Datenfundus stammt aus langfristigen Beobachtungsprogrammen der Baumkronendichte an fast 3000 Standorten, davon 37 im Schweizer Jura. Die Messdaten wurden im Computermodell mit neuen Temperaturmessungen von 100 Standorten im Waldesinneren kombiniert. Es zeigte sich, dass - wenig überraschend - die Temperatur im Gehölz von der Dichte des Kronendachs abhängig war.

Wird das Kronendach dichter, verringert es für die darunter lebenden Organismen die Klimaerwärmung, lichtet es sich, wird es sprunghaft wärmer. «Das ist wichtig zu wissen, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität im Wald zu verstehen», erklärt Studienleiter Florian Zellweger von der WSL in einer Mitteilung zu der in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlichten Studie.

Baumkronendichte ist für Artenvielfalt vital

Für die Bewohner von Unterwuchs und Boden sind sprunghafte Veränderungen fatal, denn ein jeder Waldorganismus hat laut Zellweger sein Temperaturoptimum, das er nur mit Verzögerung an neue Bedingungen anpassen kann. Wird es heiss, werden die Waldbewohner, die Kühle bevorzugen, von Hitze liebenden Arten verdrängt oder ausgerottet und umgekehrt.

Die Baumkronendichte ist demnach vital für die Artenvielfalt. Ein Verlust der schützenden Baumkronen – sei es durch die Natur oder durch Menschen verursacht – bedeutet eine zusätzliche, drastische Erwärmung für die darunter wachsenden Pflanzen, auf die sie schlecht vorbereitet sind. Einige sind mit der Anpassung bereits jetzt im Rückstand, «viele Arten leben in einem zunehmend suboptimalen Temperaturbereich in Bezug auf den globalen Klimawandel».

Angesichts der zu erwartenden Zunahme von sommerlichen Hitzewellen in Europa dürfte dies die Waldbiodiversität verändern und «einzelne Arten in Schwierigkeiten bringen», erklärt Zellweger. Waldbewirtschafter sollten deshalb die Auswirkungen von Forsteingriffen auf die Klimabedingungen im Innern des Waldes und deren Einfluss auf die Biodiversität berücksichtigen. (sda)

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