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«Hast du dieses Wochenende gebumst?»: Empörung beim RTS über das Insta-Konto der Schande

Die Sexismus- und Mobbing-Enthüllungen beim Westschweizer Fernsehen ziehen weitere Kreise. Auf einem neuen Social-Media-Kanal teilen Angestellte ihre negativen Erfahrungen. Der Druck auf SRG-Generaldirektor Gilles Marchand nimmt zu.

Benjamin Weinmann / CH Media



Die Sexismus-Debatte rund um das RTS nimmt kein Ende. «Le Temps» hatte über die Missstände beim Westschweizer SRF-Pendant berichtet, und seither kommen regelmässig neue Erkenntnisse an den Tag, welche die heutige Spitze unter Druck bringt – aber insbesondere auch Gilles Marchand, der von 2001 bis 2017 als RTS-Direktor amtete und inzwischen die Dachorganisation SRG führt.

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand will die Vorw

Der Generaldirektor der SRG, Gilles Marchand, hatte Kenntnis von konkreten Mobbing-Vorfällen. Bild: sda

Seit einigen Tagen erregt ein neues Instagram-Konto die Gemüter im Fernsehturm in Genf. «Swiss Media Too» heisst der Kanal, der aufgrund der RTS-Enthüllungen geschaffen wurde und Angestellte von Schweizer Medien dazu aufruft, von ihren sexistischen Erfahrungen zu erzählen. Teile davon wurden zuletzt in den Gängen der RTS-Büro aufgehängt, wie die hauseigene Sendung «Mise au Point» berichtete.

«Es ist wichtig, dass sie blasen lernt.»

Doch auf «Swiss Media Too» sind die Aussagen nun für die Öffentlichkeit einsehbar. «Das Konto ist bei uns das Gesprächsthema der Stunde», sagt ein RTS-Insider dazu. Tatsächlich werden regelmässig und anonym neue Beiträge publiziert. Innert kürzester Zeit hat es der Kanal auf über 5000 Follower gebracht. Ein paar Beispiele:

Die Liste liesse sich problemlos verlängern – auch durch Beispiele von anderen Westschweizer Medienhäusern. SRG-Generaldirektor Gilles Marchand gerät derweil noch stärker unter Druck. Bisher hatte er beteuert, von konkreten Übergriffen beim RTS während seiner Amtszeit nichts gewusst zu haben. Vor wenigen Tagen sagte er in der RT-Sendung «Mise au Point» erneut: «Ich habe die Aussagen der Betroffenen nicht gekannt.» Doch wie der «Tages-Anzeiger» und CH Media aktuell berichten, ist dies nicht der Fall.

Demnach erhielt die RTS-Direktion 2014 mehrere Briefe, in denen konkrete Fälle beschrieben wurden. Es ging um Mobbing- und Belästigungsvorwürfe durch einen Kadermann, der kurz zuvor befördert worden war. Marchand bekam wichtige, als «vertraulich» gekennzeichnete Schreiben in Kopie.

In einem Schreiben der Mediengewerkschaft SSM hiess es laut «Tages-Anzeiger»: «Die Betroffenen fühlen sich erniedrigt und herabgesetzt. (…) Acht Betroffene sind bereit in einer externen Untersuchung auszusagen.» Die Mehrheit von ihnen wurde jedoch nie angehört.

SRF-Chefin Wappler reagiert mit Personalumfrage

Der aktuelle RTS-Chefredaktor Bernard Rappaz hat inzwischen sein Amt temporär abgegeben, zumindest bis eine externe Untersuchung beendet ist. Beim RTS ist die Stimmung denn auch weiterhin angespannt. Über 140 Angestellte wollen über ihre negativen Erfahrungen bei der Genfer Anwaltskanzlei «Troillet Meier Raetzo» aussagen.

Doch die Wut richtet sich nicht nur nach innen, wie ein Insider sagt: «Die Deutschschweizer Medien zeigen nun mit Häme auf das RTS, doch wichtig wäre, dass man sich auch im Leutschenbach der Problematik ernsthaft annimmt.» Auch dort gebe es Sexismus und Mobbing.

ARCHIVBILD ZUM STELLENABBAU BEI SRF --- Nathalie Wappler, Director of Swiss Radio and Television, SRF, poses for a photograph at the television studio of SRF in Zurich-Oerlikon, Switzerland, on August 15, 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)..Nathalie Wappler, Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen, SRF, portraitiert am 15. August 2019 im Fernsehstudio des SRF in Zuerich-Oerlikon. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Nathalie Wappler, SRF Direktorin, reagiert auf die Enthüllungen in der Westschweiz. Bild: keystone

Wie gross das Sexismus-Ausmass beim SRF ist, dürfte sich demnächst zeigen. Wie in den CH-Media-Zeitungen kürzlich zu lesen war, hat SRF-Direktorin Nathalie Wappler nach dem RTS-Skandal eine interne Umfrage angekündigt. Gegenüber dem Personal schrieb sie, dass man sich um jeden Fall von Belästigung, Diskriminierung oder Mobbing kümmere. «Jedoch müssen auch wir davon ausgehen, dass nicht alle Fälle gemeldet werden, sich Betroffene zurückhalten oder sich nicht trauen, Fehlverhalten zu melden.»

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