DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Verhasster als Nancy Pelosi: Liz Cheney.
Verhasster als Nancy Pelosi: Liz Cheney.Bild: keystone
Analyse

Warum Fox News diese Frau abgrundtief hasst

Liz Cheney war lange die Vorzeige-Konservative Amerikas. Jetzt hat sie die Star-Moderatoren von Fox News entlarvt.
15.12.2021, 12:0215.12.2021, 12:54

Liz Cheney ist intelligent, tüchtig, fokussiert – und sehr konservativ. Sie stammt aus dem vielleicht konservativsten Bundesstaat der USA, aus Wyoming. Sie ist die Tochter von einem der konservativsten amerikanischen Politiker der Nachkriegszeit, von Dick Cheney, dem Vizepräsidenten George W. Bushs.

Cheneys konservativer Leistungsausweis ist makellos. Daher ist es nicht weiter erstaunlich, dass sie in der konservativen Hierarchie weit oben stand. Sie war die Nummer drei in der Grand Old Party (GOP). Das hätte noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten müssen. Doch dann kam der 6. Januar.

Liz Cheney zusammen mit Bennie Thompson, dem Vorsitzenden des Ausschusses.
Liz Cheney zusammen mit Bennie Thompson, dem Vorsitzenden des Ausschusses. Bild: keystone

Liz Cheney besitzt etwas, was den allermeisten Republikanern abhanden gekommen ist: ein Gewissen. Sie anerkannte das Offensichtliche: dass der eigentliche Rädelsführer des Sturms auf das Kapitol Donald Trump war – und handelte dementsprechend. Als eine der wenigen Abgeordneten der GOP stimmte sie für ein Impeachment des Ex-Präsidenten.

Die Rache der Partei folgte auf dem Fuss. Cheney verlor ihren Sitz in der Rennleitung der GOP. Sie wurde in Wyoming von ihrer Partei zuerst abgemahnt und dann rausgeschmissen. Sollte sie überhaupt noch antreten, muss sie damit rechnen, dass sie bei den nächsten Wahlen auch ihren Sitz im Abgeordnetenhaus verliert, denn sie wird in den Vorwahlen Konkurrenz von einer Trump-Anhängerin erhalten.

Innerhalb der Partei ist Cheney längst abgeschrieben. Sie hat in der konservativen Hasshierarchie die üblichen Verdächtigen, Nancy Pelosi und Alexandria Ocasio-Cortez, überholt und ist zur einsamen Nummer eins geworden. Doch nun erlebt diese Hassorgie eine weitere Steigerung.

Bei Fox News haben die Starmoderatoren Tucker Carlson, Sean Hannity und Laura Ingraham ihr gestern den gesamten Abend gewidmet. Dabei haben sie keine Beleidigung, keine Unterstellung und keine Diffamierung ausgelassen. Cheney soll angeblich für die Präsidentschaft kandidieren, sie habe die Wahrheit verdreht – kurz: Sie habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Was ist geschehen?

Entlarvt: die drei Fox-News-Aushängeschilder Tucker Carlson, Laura Ingraham und Sean Hannity (von links nach rechts).
Entlarvt: die drei Fox-News-Aushängeschilder Tucker Carlson, Laura Ingraham und Sean Hannity (von links nach rechts).Bild: keystone

Cheney hat nicht nur für das Impeachment von Trump gestimmt, sie sitzt auch im Ausschuss zur Abklärung der Vorfälle von 1/6. Dort ist sie nebst dem Vorsitzenden Bennie Thompson zur prominentesten Figur geworden. «Sie schreckt vor nichts zurück und steht daher im Mittelpunkt», stellt die «New York Times» fest.

Nun hat Cheney auch eines der letzten Tabus konservativer Politiker gebrochen: Sie hat die Stars von Fox News blossgestellt. Aber der Reihe nach:

Mark Meadows, Trumps ehemaliger Stabschef, ist vom Ausschuss aufgefordert worden, Dokumente abzuliefern und als Zeuge zu erscheinen. Das Letztere verweigert er mit Berufung auf ein vermeintliches «executive privilege». Doch inzwischen hat Meadows tatsächlich mehr als 6000 Dokumente geliefert. Und die haben es in sich.

Cheney hat am Montag genüsslich aus Text-Botschaften zitiert, welche dem Ex-Stabschef während des Kapitol-Sturms zugestellt worden waren. Darunter waren auch solche von Fox-News-Stars. «Mark, der Präsident muss den Menschen im Kapitol sagen, sie müssen nach Hause gehen», lautete die Botschaft von Ingraham an Meadows. «Das schadet uns allen. Er zerstört sein Erbe.»

Hannity forderte derweil, dass Trump vor die Kameras trete und die Leute zum Verlassen des Kapitols auffordere. Das Gleiche tat auch Brian Kilmeade, ein Co-Moderator der Morgensendung «Fox and Friends».

Hat über 6000 Dokumente geliefert: Ex-Stabschef Mark Meadows.
Hat über 6000 Dokumente geliefert: Ex-Stabschef Mark Meadows.Bild: keystone

Aus zwei Gründen ist die Veröffentlichung dieser Text-Botschaften für Fox News ein schwerer Schlag. Sie zeigen, dass der Sender mit Trump unter einer Decke steckt, dass er stets ein Propaganda-Sender für den Ex-Präsidenten war und immer noch ist.

Schlimmer noch: Sie zeigen den grenzenlosen Zynismus von Fox News auf. Während sie diese Botschaften an Meadows schrieben, behaupteten Carlson, Hannity und Ingraham am Bildschirm genau das Gegenteil: Der Sturm aufs Kapitol sei gar nicht so schlimm und wahrscheinlich ohnehin von als Trump-Fans verkleideten Antifa-Aktivisten angeführt.

Auch seit 1/6 unternehmen die Stars des Murdoch-Senders alles, um den versuchten Staatsstreich zu verharmlosen. Am weitesten geht dabei Tucker Carlson. Er stellte jüngst in einer Dokumentarserie die absurde Behauptung auf, wonach der Sturm aufs Kapitol vom FBI organisiert worden sei und dazu diene, die wahren Patrioten als Staatsfeinde ins Gefängnis zu werfen.

Die veröffentlichten Text-Botschaften zeigen nun auf, dass Hannity & Co diese Thesen wider besseres Wissen in die Welt setzen. Kein Wunder, hat Chris Wallace, einer der letzten integren Journalisten bei Fox News, soeben verkündet, den Sender zu verlassen und zu CNN zu wechseln.

Die Text-Botschaften zeigen auch, wie tief der Ex-Präsident in die Vorfälle verwickelt war. 187 Minuten hat er genüsslich zugeschaut, wie der Mob das Kapitol verwüstet und die Kongressmitglieder verfolgt hat. Cheney hat angedeutet, dass Trump sich damit möglicherweise strafbar gemacht hat.

Wechselt zur Konkurrenz:  Fox-News-Moderator Chris Wallace.
Wechselt zur Konkurrenz: Fox-News-Moderator Chris Wallace. Bild: keystone

In grössten Schwierigkeiten steckt auch Mark Meadows. Sein Verhalten ist entweder genial – oder idiotisch, die Grenze ist bekanntlich fliessend. Der Ex-Stabschef hat zuerst eingewilligt, mit dem Ausschuss zusammenzuarbeiten. Er hat die Dokumente geliefert, er hat ein Buch veröffentlicht, in dem er im Detail Gespräche mit Trump schildert. Und nun hat er sich geweigert, vor dem Ausschuss auszusagen. Er muss deswegen wie Steve Bannon mit einem Strafverfahren des Justizministeriums rechnen.

Rational lässt sich dieses Verhalten nicht erklären. Warum will Meadows nicht Auskunft über Dokumente geben, die er bereits geliefert und von denen er explizit erklärt hat, sie würden nicht dem präsidialen Privileg unterliegen. Warum veröffentlicht er am selben Tag ein Buch, in dem er ausführlich über seine Gespräche mit Trump berichtet, um dann eben dieses Privileg anzurufen?

Eine mögliche Erklärung ist Geldnot. Meadows hat es mit allen verscherzt. Trump, die GOP und Fox News sind sauer auf ihn. Sie werden ihn fallen lassen wie eine heisse Kartoffel. Sein Buch ist ein Flop. Für den Kampf gegen den Ausschuss braucht er jedoch teure Anwälte. Meadows hat den Ruf einer Windfahne. Niemanden würde es daher erstaunen, wenn er einmal mehr die Seiten wechseln würde.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Trump-Anhänger stürmen Kapitol

1 / 19
Trump-Anhänger stürmen Kapitol
quelle: keystone / manuel balce ceneta
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

AOC erklärt, was ihr während der Kapitolstürmung passiert ist

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

49 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Pudelrumser
15.12.2021 12:23registriert Februar 2021
Dieser Hass ist aber gut verpackt von Carlson und co. So beklagt Carlson, dass durch dieses Komitee wie zu "besten Sovietzeiten", jede private Nachricht ans Licht gezerrt wird, ohne das man was machen kann. Des Weiteren lobt er seine Kollegen, dass man mit solchen Nachrichten aktiv gegen die Unruhen gekämpft hat und nicht wie die Anderen ( CNN und co. gemeint) passiv im Hintergrund gewartet haben, um dann über die Opfer und Schäden zu berichten. Subtil weiter die Blase füttern. Es ist nicht der Hass, den Carlson und co. so gefährlich macht sondern die höchst profesionelle Propaganda!
1604
Melden
Zum Kommentar
avatar
FrancoL
15.12.2021 12:15registriert November 2015
«Das schadet uns allen. Er zerstört sein Erbe.»

Ja welches Erbe denn genau? Das Erbe der Trump-Politik? da kann man nichts zerstören denn es ist nicht einmal eine Idee oder gar etwas vererbbares, es ist einfach purer Egoismus durch und durch ein Haufen Dreck.
14112
Melden
Zum Kommentar
avatar
Vladimir Pudding
15.12.2021 12:08registriert Januar 2019
Amerika ist eine Komödie seiner Selbst. Kenne tolle Menschen von da aber als Land ist es einfach nur ein trauriger Witz.
13913
Melden
Zum Kommentar
49
EU plant «Chatkontrolle» – warum das (auch) für die Schweiz brandgefährlich ist
Aktivisten und IT-Sicherheitsexperten laufen wegen der Pläne der EU-Kommission Sturm. Der oberste Schweizer Datenschützer spricht von «schwersten Grundrechtseingriffen». Und eine Politikerin hakt beim Bundesrat nach.

«Kinder- oder Datenschutz – was tun im Kampf gegen Kinderpornografie?» Diese Frage taucht seit vergangenem Sonntag vermehrt in deutschsprachigen Medien auf.

Zur Story