Trump behauptet: «Wir haben gewonnen» – dann gehen 2 Öltanker in Flammen auf
Bei einer Rede vor Anhängern im US-Bundesstaat Kentucky erklärte Trump bezüglich des Iran-Kriegs: «Wir haben gewonnen.» In der ersten Stunde sei es eigentlich bereits vorbei gewesen. Zuvor sagte er dem US-Nachrichtenportal «Axios» in einem Telefoninterview erneut, dass der Krieg schon «bald» enden könnte. Es gebe «praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte», zitierte ihn «Axios». Wann immer er wolle, dass der Krieg ende, werde er enden, behauptete Trump demnach.
Bereits vor zwei Tagen hatte der US-Präsident ein baldiges Ende des Krieges ins Spiel gebracht – und das mit eigenen militärischen Erfolgen begründet. «Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet», zitierte ihn der US-Sender CBS News nach einem Telefoninterview am Montag. Die iranischen Revolutionsgarden reagierten auf Trumps Äusserungen damals scharf. «Wir sind diejenigen, die über das Ende des Krieges entscheiden», hiess es in einer von der Nachrichtenagentur Tasnim verbreiteten Mitteilung.
Trump spricht von Sieg – Iran greift Öltanker an
In der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) entlarvte das iranische Regime Trumps Aussagen mit der Sprengung zweier Öltanker in der Strasse von Hormus tatsächlich als Wunschdenken. Die irakische Hafenbehörde bestätigte gegenüber dem US-Sender CNN, dass zwei mit Öl beladene Schiffe in irakischen Gewässern angegriffen wurden. 38 Besatzungsmitglieder wurden evakuiert, eine Person starb. Die Attacke in irakischen Hoheitsgewässern stelle eine Verletzung der Souveränität des Landes dar, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur INA einen Militärsprecher. Die Hafenverwaltung stellte daraufhin den Betrieb der Ölterminals des Landes bis auf Weiteres ein.
Die aktuellen Entwicklungen zum Krieg im Ticker:
Der Iran bekannte sich zu den Angriffen und gab an, man habe «heute Abend zwei Öltanker im Persischen Golf in die Luft gesprengt». Bereits kurz zuvor meldete die britische Schifffahrtsbehörde, dass drei Schiffe in der Nähe der Strasse von Hormus von Geschossen getroffen worden waren. Laut der BBC wurden damit seit Beginn des Krieges 15 Schiffe in der Meerenge Ziel von Angriffen.
Die Symbolik ist in mehrfacher Hinsicht kaum zu ignorieren. Nur kurz vor den Angriffen hatte Donald Trump angekündigt, strategische Ölreserven freizugeben, um dem Anstieg des Ölpreises entgegenzuwirken. Die iranischen Revolutionsgarden mögen den USA und Israel militärisch unterlegen sein, doch wenn sie mit ihren Angriffen in der Strasse von Hormus oder auf die Infrastruktur der Golfstaaten die weltweite Ölversorgung zum Kollaps bringen, hat das auch für die USA einschneidende Konsequenzen.
Weitere Angriffe auf Golfstaaten
Iran griff in der Nacht denn auch erneut Treibstofftanks in Bahrain an. Unklar war zunächst, ob es sich bei den betroffenen Treibstofflagern um die Kerosindepots des Flughafens am Rande der Hauptstadt Manama oder eine andere Einrichtung handelte. Die Bewohner des Inselstaats im Persischen Golf wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben. Die Menschen in den Vierteln in der Nähe des Flughafens sollten zu Hause bleiben und die Fenster geschlossen halten, teilte das Innenministerium mit.
Saudi-Arabien fing über 20 Drohnen ab, die Richtung der Ölfelder des Landes flogen. Im Oman wurden Treibstofftanks im Hafen von Salala mutmasslich von iranischen Drohnen getroffen. Auf einem vom arabischen Fernsehsender Al Jazeera veröffentlichten Video war zu sehen, wie ein grosser Feuerball über einem der Tanks aufsteigt. Prompt stieg der Ölpreis für die globale Referenzsorte Brent auf wieder über 100 US-Dollar pro Barrel.
Trump hat in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt, dass Schiffe die Strasse von Hormus sicher passieren könnten. Er warnte den Iran von «beispiellosen» Konsequenzen, sollte die wichtige Versorgungsschneise blockiert werden. Die Revolutionsgarden erklärten daraufhin, dass jedes Schiff, das die Strasse passieren wolle, die Erlaubnis des Irans einholen müsse. Die Aussagen und die späteren Angriffe auf Schiffe verdeutlichen, dass das Mullah-Regime keineswegs bereit ist, zu kapitulieren.
Auch Israel sieht es anders
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz widersprach Trump ungefähr zur gleichen Zeit indirekt. Katz erteilte den Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Krieges eine Absage: «Diese Operation wird ohne jegliche zeitliche Begrenzung fortgesetzt, solange es nötig ist, bis wir alle Ziele erreicht haben und der Kampf entschieden ist», sagte er nach Angaben seines Büros bei einer Besprechung mit der Armeeführung im Militärhauptquartier in Tel Aviv.
Der israelische Armeesprecher Effie Defrin erklärte zudem, dass Israels Militär noch eine umfangreiche Liste an Zielen habe. Israels Armee sei ausserdem bereit, den Einsatz im Iran so lange wie nötig fortzusetzen.
Ergänzt mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DPA.
