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Putin geht das Benzin aus – in Russland wächst die Panik

Cars line up at a petrol station in Simferopol, Crimea, Friday, June 12, 2026. (AP Photo)
Russia Crimea Fuel Crisis
In Russland wird es zunehmend schwierig an Benzin zu kommen: «An jeder Tankstelle schicken sie mich zum Teufel».Bild: keystone

Putin geht das Benzin aus – in Russland wächst die Panik

Ukrainische Drohnen treffen Raffinerien und Depots immer härter. Bereits jeder vierte Treibstoffhändler rationiert den Verkauf – zugleich verschärft der Iran-Deal die wirtschaftliche Notlage des Kremls.
21.06.2026, 03:5221.06.2026, 03:52
Ivan Ruslyannikov / ch media

Der Kreml droht Europa regelmässig damit, ohne russische Energieressourcen erfrieren zu müssen. Nun aber ist in Russland selbst  infolge der eskalierenden ukrainischen Drohnenangriffe eine schwere Treibstoffkrise ausgebrochen.

Kremlnahe Militärblogger beschreiben die aktuelle Lage bereits als einen Tanz zwischen Skylla und Charybdis: Auf der einen Seite stehen die Schläge gegen den heimischen Öl- und Gassektor, auf der anderen der jüngste Deal zwischen den USA und dem Iran, der Experten zufolge die Einnahmen Russlands beschneiden wird.

Verkaufsbeschränkungen für Benzin wurden mittlerweile an nahezu jeder vierten Tankstelle des Landes eingeführt. Das Ausmass dieser Einschränkungen variiert je nach Region: Es reicht vom Verbot des Verkaufs von Kraftstoff in Kanistern an einzelnen unabhängigen Tankstellen bis hin zu einem Gutscheinsystem, wie es auf der annektierten Halbinsel Krim und in Sewastopol praktiziert wird.

Die Leiterin der russischen Zentralbank, Elwira Nabiullina, erklärte am Freitag, die Inflationserwartungen könnten aufgrund des Anstiegs der Kraftstoffpreise nach den ukrainischen Angriffen auf Ölraffinerien steigen.

Das Ausmass der landesweiten Panik in Russland liess sich anhand zahlreicher Berichte in regionalen Telegram-Kanälen nachvollziehen. So entwickelte sich Treibstoff in Sewastopol in den vergangenen Wochen zum wichtigsten Mangelgut. Die Warteschlangen an den Tankstellen erstreckten sich über mehrere Kilometer. Die Menschen mussten oft stundenlang warten, ohne jegliche Garantie, dass der Kraftstoff nicht direkt vor Erreichen der Zapfsäule ausgehen würde.

Von den Engpässen waren auch Fernfahrer betroffen, die deutlich grössere Mengen Kraftstoff benötigten als Fahrer privater Fahrzeuge. «Ich bestellte 300 Liter und wartete eine ganze Stunde auf die Lieferung. Am Ende bekam ich nur 100 Liter – mehr, hiess es, könnten sie nicht ausgeben», schimpfte ein Lkw-Fahrer aus dem Gebiet Moskau auf Telegram.

Ein Unternehmer aus Rostow am Don beklagte, seine Boote nicht mehr betanken zu können: «Ich betreibe einen Bootsverleih und darf kein Benzin in Kanistern kaufen, um meine Technik zu betanken. An jeder Tankstelle schicken sie mich zum Teufel».

Umlackierte Tanklastwagen aus Angst vor Drohnen

Auch die am Krieg in der Ukraine beteiligten Soldaten geniessen beim Erwerb von Kraftstoff keine Privilegien mehr. Zum Schutz vor ukrainischen Drohnen tarnten russische Streitkräfte ihre Tanklastwagen als zivile Fahrzeuge und errichteten um die Tankbehälter Konstruktionen aus Baumstämmen. Teilweise wurden die Fahrzeuge zusätzlich umlackiert, um ihre Identifizierung und Zielerfassung durch Drohnen zu erschweren.

In Sewastopol sind die Soldaten, die ukrainische Drohnen abwehren, gezwungen, an zivilen Tankstellen zu tanken. Bei Versuchen, Benzin ausserhalb der Reihe zu kaufen, geraten sie in Konflikte mit Einheimischen, die selbst stundenlang darauf warten, ihr Auto auftanken zu können.

Panik herrscht nicht nur unter der gewöhnlichen Bevölkerung, sondern auch im Umfeld kremlnaher Blogger. «Vor ein paar Jahren hörte man überall Prognosen, wonach wir Europa von Gas und Treibstoff abschneiden würden und der Winter für die Europäer zum Weltuntergang werden sollte, weil sie zu frieren beginnen würden», heisst es im Telegram-Kanal «Pioner Sapasa». «Ich selbst teilte diese Überzeugung. Aber verdammt noch mal: Auf irgendeine unbegreifliche Weise schaffen es die Ukrainer, dass nun ausgerechnet uns der Treibstoffkollaps einholt.»

Schlag gegen die russische Wirtschaft

Im Kreml nimmt man die wachsende Panik wahr und versuchte gegenzusteuern. Am 1. Juni wurde erstmals ein vorübergehendes Exportverbot für Flugturbinenkraftstoff verhängt, um «eine stabile Lage auf dem inländischen Kraftstoffmarkt sicherzustellen». Das Embargo soll bis zum 30. November 2026 gelten.

Gleichzeitig billigte die russische Regierung am 28. Mai einen Mechanismus, der privaten Unternehmen den Erwerb schwerer Ausrüstung für die Luftverteidigung ermöglichte. Dazu gehörten Flugabwehrartilleriesysteme, Geschütztürme, Radaranlagen und Spezialfahrzeuge. Damit erhöhte sich die Belastung für die Privatwirtschaft weiter. Bereits im Jahr 2025 hatten Unternehmen insgesamt rund 200 Milliarden Rubel für Schutzmassnahmen gegen ukrainische Drohnen ausgegeben.

Der russische Ökonom Dmitri Nekrassow sagt im Gespräch mit «Schweiz heute», dass die Situation für die russischen Autofahrer derzeit zwar ernst, aber noch nicht katastrophal sei: Bereits im vergangenen Jahr habe es Angriffe auf Raffinerien und Warteschlangen an den Tankstellen gegeben. Aber, so der Experte: «Das Gesamtbild trifft nicht nur den russischen Kraftstoff- und Energiesektor, sondern die gesamte Wirtschaft des Landes.»

Zudem werde nach dem Deal zwischen den USA und dem Iran ein Einbruch der Öl- und Gaseinnahmen prognostiziert, so Nekrassow. «Iranisches Öl, das zuvor durch Krieg und Sanktionen zurückgehalten wurde, drängt nun auf den Weltmarkt. Angesichts der enormen Rüstungsausgaben für den Krieg in der Ukraine und des prognostizierten Rückgangs der Öl- und Gaseinnahmen ist ein Schlag gegen die russische Wirtschaft unumgänglich.» (schweizheute.ch)

Rekord-Drohnenangriff auf Russland: Das sind die Videos

Video: watson/lucas zollinger
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Haarspalter
21.06.2026 07:13registriert Oktober 2020
Ich bezweifle, dass die Russische Bevölkerung wegen Benzinknappheit „Panik“ kriegt.

Krieg länger als WW I - ist ok.

500‘000 Verluste an der Front - völlig normal.

Zehntausende psychisch und körperlich invalide Veteranen - alles gut.

Drohnenangriffe in Moskau - höchstens etwas lästig., solange der eigene Fernseher noch läuft.

Die Russen sind abgestumpft und apathisch, glauben jedes Märchen, und werden niemals etwas unternehmen, um ihre jeweilige Situation nur ein kleines Bisschen zu verbessern.

Da sind die Schnecken in meinem Garten im Vergleich echt aufmüpfige Punks.
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rodolofo
21.06.2026 07:03registriert Februar 2016
Die Putin-Mafia und ein grosser Teil der Russischen Bevölkerung wollen das verlorene Sowjet-Imperium zurück.
Nun ja, damals gab es doch auch eine mehr schlecht, als recht funktionierende Mangelwirtschaft mit langen Schlangen vor den staatlichen Geschäften, nicht wahr?
Den Mangel haben die Russen also bereits wieder zurück!
Ob das Territorium der früheren Sowjetunion allerdings auch noch folgen wird, ist aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich...
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001243.3e08972a@apple
21.06.2026 06:33registriert Juli 2024
Das Wort zum Sonntag: Wenn die russisch-orthodoxe Kirche Nächstenliebe predigen statt Waffen segnen würde, hätte man dieses Problem nicht.
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