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Schweizer Armee testet Unterhosen für Frauen

Verteidigungsministerin Viola Amherd will die Armee für Frauen attraktiver machen – das fängt bei der Kleidung an.

Nina Fargahi / ch media



Wer kennt es nicht, wenn die Unterhose zwickt und zwackt? So erging es bislang den Frauen in der Schweizer Armee. Denn alle erhielten die gleiche Bekleidung, sprich: Männerunterhosen. Das soll sich nun ändern. Schliesslich will Bundesrätin Viola Amherd die Armee für Frauen attraktiver machen.

Deshalb findet nun ein Truppenversuch statt, wo die neuen Unterhosen getestet werden. Das bestätigt Armasuisse, welche für die Beschaffung der Armee-Bekleidung zuständig ist. Schon 2018 hat man die ganze Kampfausrüstung erneuert.

Eine weibliche Armeeangehoerige vor einer Schweizer Flagge waehrend der Entlassungsinspektion in der Kaserne Reppischtal in Birmensdorf, am Dienstag, 15. September 2015. Vom Dienstag, 15. bis Freitag, 25. September 2015, werden Hunderte von Armeeangehoerigen des Kantons Zuerich aus der Militaerdienstpflicht entlassen. Die Abruestung und die feierliche Verabschiedung der Unteroffiziere, Gefreiten und Soldaten der Jahrgaenge 1981 bis 1985 findet waehrend 8 Tagen, gestaffelt nach Wohnbezirk, zentral in der Kaserne Reppischtal in Birmensdorf statt. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Anderer Körperbau bedingt andere Kleidung. Bild: KEYSTONE

Gemäss dem Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert werden im April «die beiden spezifischen Funktionsunterwäscheteile der Frauen – eine kurze Unterwäsche (Sommer) und eine lange Unterwäsche (Winter) – getestet.»

Eine Frage der Wertschätzung

Die Mitte-Nationalrätin Marianne Binder fordert, dass die Armee-Ausrüstung dem Geschlecht Rechnung trägt: «Die Ausrüstung ist auf Männer konzipiert, aber wenn die Armee wirklich weiblicher werden soll, braucht es entsprechende Massnahmen.» In diesem Sinne sei es das Mindeste, wenn die Armee jetzt offenbar Unterwäsche für Frauen testet. «Ich muss gerade etwas schmunzeln, dass ihr das nicht schon früher eingefallen ist.»

Marianne Binder-Keller, CVP-AG, Mitte, wartet neben Lars Guggisberg, SVP-BE, auf ihren Einsatz, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 8. September 2020 im Nationalrat in Bern. Aufgrund der Krise um die Pandemie des Coronavirus, Covid-19 wurden die Pulte der Parlamentsmitglieder mit Plexiglas Scheiben eingerahmt. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Marianne Binder, Mitte-Nationalrätin. Bild: keystone

Binder hat ausserdem einen Vorstoss eingereicht, wonach die Ausgangsuniform zeitgemässer werden müsse, auch für Frauen. Denn die Ausgangsuniform erfuhr keine Neuerungen. «Wenn schon Uniform, weshalb nicht eine, welche komfortabel ist und Freude macht?».

Auf die Frage, ob es nicht drängendere Probleme gäbe, sagt sie: «Selbstverständlich, aber angesichts der vielen positiven Zuschriften auf diesen Vorstoss ist mir klar geworden, wie viele Leute von morgens bis abends Uniformen tragen, nicht nur in der Armee; und alle sagen, es sei eben schon eine Frage der Wertschätzung.»

So tickt Rekrutin Cécile Kienzi

Video: watson/jara helmi/nico franzoni

Major Tamara Moser, Projektleiterin «Armee und Fraueninklusion» und die erste Frau im Vorstand der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, sieht grossen Handlungsbedarf. «Seit 2004 unternimmt die Armee nicht die notwendigen Schritte, um Frauen strukturell und kulturell in die Armee zu inkludieren.» Die fehlende Fraueninklusion zeige sich auch beim Thema Ausrüstung und Bekleidung.

Die Uniformen stammen aus den 1980er Jahren

Bei Armasuisse scheint das Bewusstsein für Frauen in der Armee langsam zuzunehmen. «Die alte Uniformgeneration war zu wenig auf die spezifischen Bedürfnisse der Frauen ausgerichtet», sagt Sievert. Die letzte Uniformbeschaffung stamme aus den 1980er Jahren. «Vor diesem Hintergrund kommt in der Beschaffung der aktuellen Ausrüstung für die Frauen eine gleichgrosse Bedeutung zu wie den Männern.»

Wie die neue Frauenlinie getestet wird? Eine Soldatin, die nicht namentlich zitiert werden möchte, sagt:

«Es macht einen Unterschied, ob man mit 27 Kilogramm Gepäck auf dem Boden robben oder ruhig auf einem Bürostuhl sitzen muss.»

Sie weist auch darauf hin, dass die Testtruppe unbedingt Frauen mit verschiedenen Körpergrössen und – Formen miteinbeziehen müsse. «Sonst macht das alles keinen Sinn.» Doch Armasuisse möchte über die Zusammensetzung der Testgruppe keine weiteren Informationen geben und verweist darauf, dass die Resultate Ende Mai vorliegen werden.

Jedenfalls üben die Frauen in der Armee seit 2004 dieselben Pflichten aus wie die Männer, das heisst, den exakt gleichen Dienst, aber unter erschwerten Bedingungen. Dazu gehören nicht nur kneifende Unterhosen, sondern zum Beispiel auch für Frauen unpassende Unterkünfte, wie es im neuen Bericht des Bundes «Frauen in der Armee» heisst.

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