DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Tausende protestierten gestern in Skopje gegen eine Stärkung der Albaner.
Tausende protestierten gestern in Skopje gegen eine Stärkung der Albaner.Bild: GEORGI LICOVSKI/EPA/KEYSTONE

50'000 Menschen protestieren in Skopje – Albanisch soll keine Landessprache werden

22.03.2017, 03:2522.03.2017, 06:49

Mindestens 50'000 Menschen haben in der mazedonischen Hauptstadt Skopje gegen eine Regierung aus Sozialdemokraten und der stärksten Partei der albanischen Minderheit im Land demonstriert. Sie wollen die Einführung von Albanisch als eine Landessprache verhindern.

Die Demonstranten gaben am Dienstag ihrer Sorge um die Einheit und Souveränität des Landes Ausdruck. Grund ist eine Zusage des bisherigen Oppositionsführers Zoran Zaevs von der sozialdemokratischen SDSM an Parteien der albanischen Minderheit, Albanisch zu einer offiziellen Sprache Mazedoniens zu machen.

Mazedonien wird seit 2015 von einer politischen Krise gelähmt. Auch Parlamentswahlen im Dezember hatten keinen Ausweg gebracht. Präsident Gjorge Ivanov weigert sich seitdem, Zaev ein Mandat zur Regierungsbildung zu geben, obwohl dieser eine Mehrheit im Parlament hätte.

Ivanov wirft Zaev vor, «Mazedoniens Souveränität zu untergraben». Geschürt werden die Spaltungen der mazedonischen Gesellschaft zudem von Politikern in den Nachbarländern Albanien, dem mehrheitlich albanischen Kosovo und Bulgarien.

Oppositionsführers Zoran Zaev hat der albanischen Minderheit angeboten, Albanisch zu einer offiziellen Landessprache zu machen. 
Oppositionsführers Zoran Zaev hat der albanischen Minderheit angeboten, Albanisch zu einer offiziellen Landessprache zu machen. Bild: GEORGI LICOVSKI/EPA/KEYSTONE

Konservative und Nationalisten

Die konservative VMRO-DPMNE, die zwar mit zwei Sitzen mehr als die SDSM aus der Wahl hervorgegangen waren, hatten keine Koalition mit den Parteien der albanischen Minderheit zustande bekommen. Zaev konnte diese dagegen mit seinen Zusagen auf seine Seite bringen.

Dagegen gehen seit nunmehr rund drei Wochen Anhänger der Konservativen und Nationalisten auf die Strassen. Sie wollen eine Stärkung der Rechte der albanischen Minderheit verhindern.

Die Massendemonstration in Skopje fand gleichzeitig mit dem Besuch des EU-Erweiterungskommissars Johannes Hahn in der mazedonischen Hauptstadt statt.

In der Innenstadt von Skopje ging gestern gar nichts mehr: Mindestens 50'000 Menschen sollen an der Demonstration teilgenommen haben.
In der Innenstadt von Skopje ging gestern gar nichts mehr: Mindestens 50'000 Menschen sollen an der Demonstration teilgenommen haben.Bild: NAKE BATEV/EPA/KEYSTONE

EU fordert Reformen

In einer Botschaft beim Kurznachrichtendienst Twitter forderte Hahn nachdrücklich Fortschritte bei der Regierungsbildung: «Brauchen neue Regierung dringend für Reformen. Keine Zeit zu verlieren», schrieb Hahn.

Die EU bemüht sich bislang erfolglos um eine Beilegung des Konflikts. Von den rund 2,1 Millionen Einwohnern in Mazedonien gehören etwas mehr als 25 Prozent der albanischen Minderheit an. (cma/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

20 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
dä dingsbums
22.03.2017 03:57registriert April 2015
Dieser Logik folgend, müssten wir Italienisch oder Französisch als Landessprache verbieten, da eine Spaltung der Schweiz droht.
339
Melden
Zum Kommentar
avatar
DerTaran
22.03.2017 08:01registriert Oktober 2015
Man, statt zu Demonstrieren sollten die Konservativen nachdenken. Eine anerkannte Minderheit stärkt den Zusammenhalt (wenn man es richtig angeht), eine unterdrückte ist immer auch Kriesenpotential.
3411
Melden
Zum Kommentar
avatar
Lukki95
22.03.2017 04:21registriert Dezember 2015
Was ist daran falsch, wenn ein ziemlich grosser Teil der Bevölkerung Gleichberechtigung verlangt? Es ist ja nicht so, dass die Albaner nach Mazedonien ausgewandert sind.. Die Albaner suchen nach einer gemeinsamen politischen Lösung, wollen sich aber nicht weiterhin benachteiligt fühlen.. Die albanische Sprache als zweite Amtssprache würde auch Mazedonien wiederspiegeln, denn Mazedonien besteht nicht nur aus Mazedoniern, sondern auch aus Albanern. Es ist sehr traurig, dass diese Menschen offen für Diskriminierung und Unterdrückung protestieren und alle einfach zuschauen..
2915
Melden
Zum Kommentar
20
Der träge Wunsch nach Frieden ist sich selbst genug
Nur wer sich für Diplomatie ausspricht, ist für ein Ende des Kriegs, für Frieden? Wenn es so einfach wäre. Es gibt keine Anzeichen, dass Putin die Invasion beenden will.

Diplomatie ist nie verkehrt. Doch wenn in diesen Tagen über den Krieg in der Ukraine diskutiert wird, dient der Ruf nach Gesprächen, Verhandlungen, Angeboten allzu oft allein der Diskreditierung von Waffenlieferungen oder sonstigen vermeintlichen Eskalationsschritten. Da ist es plötzlich ein Gegensatz, das angegriffene Land für seine Verteidigung zu ertüchtigen oder eben für Frieden zu sein. Als würde sich das ausschliessen. Mehr noch: Als könne, wer Panzer, Haubitzen und Munition schicken will, gar nicht das Ende der Gewalt im Sinn haben.

Zur Story