Coronavirus
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Medical worker treats a patient with COVID-19 in a Covid-19 unit (soins intermediaires de medecine) at the University Hospital (CHUV) as the hospital prepares itself for a possible second wave of the epidemic COVID-19 during the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Lausanne, Switzerland, Thursday, September 17, 2020. (KEYSTONE/Laurent Gillieron).Un soignant effectue des soins sur un patient atteind de Covid-19 dans l'unit

Wird es wieder mehr Hospitalisationen wegen Covid-19 geben im Herbst? Wie sich die Spitäler vorbereiten, liest du unten. Bild: keystone

Diese Probleme erwarten uns im Corona-Herbst

Kalte Monate stehen an und mit ihnen die Frage: Wie wird Corona unser Leben in dieser Zeit beeinflussen? Wir haben vom Arzt über die Lehrerin und den Restaurantbesitzer bis zum Infektiologen mit neun Personen über die kommende Jahreszeit gesprochen. Das sind ihre Einschätzungen.



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Der Infektiologe

Jan Fehr geht davon aus, dass die Corona-Fallzahlen im Herbst und Winter in der Tendenz weiter ansteigen werden. Damit könne es auch wieder zu mehr schwer Erkrankten und Hospitalisationen kommen. Er ist Infektiologe, Leiter des Coronatestzentrums der Universität Zürich und beschäftigt sich seit Ausbruch der Pandemie intensiv mit dem Sars-CoV-2-Virus. Er sagt: «Wichtige Komponenten, die eine Ansteckung verhindern, fallen in der kälteren Jahreszeit weg: Wir halten uns weniger draussen und mehr in geschlossenen Räumen auf, die Abstandsempfehlungen können schlechter eingehalten werden, regelmässiges Lüften wird schwierig, sobald es richtig kalt ist.»

«Ansonsten braucht es Masken im Büro.»

Jan Fehr über Abstände beim Arbeiten.

So wurde auch in vielen Büros die Home-Office Regelung wieder aufgehoben. Fehr beobachtet das kritisch. «Wenn die Abstandsregelung und regelmässiges Lüften nicht eingehalten werden kann, ist flexibles Home-Office angezeigt. Ansonsten braucht es Masken auch im Büro.»

epa08692731 A government health worker takes swab samples for a COVID-19 Rapid Antigen detection test within Roxy Cinema Hall amid the coronavirus pandemic, in Kolkata, India, 24 September 2020. In central Kolkata the Roxy Cinema Hall operates as COVID-19 Rapid Antigen detection test center for the public, operated by the Kolkata Municipality.  EPA/PIYAL ADHIKARY

Autsch. «Testen, testen, testen.» Dieses Mantra bleibt auch im Herbst wichtig. Bild: keystone

Dazu komme, dass die Nase schneller laufe, man sich öfters einen Husten einfange. Eine der grossen Herausforderungen der kommenden Monaten ist laut Fehr, zu erkennen, wann es sich bei solchen Symptomen um Covid-19 handelt und wann nicht. Darum würden nun das häufige Testen und schnelle Resultate noch wichtiger, als sie ohnehin schon seien, so Fehr.

Er sieht in Antigen-Tests, die einen Direktnachweis einer Coronainfektion innert 15 Minuten versprechen, durchaus Potenzial, warnt aber: «Ein negatives Testresultat bedeutet nicht in jedem Fall, dass kein Covid-19 vorliegt. Für die Anwendung von solchen Schnelltests braucht es darum ein durchdachtes Testkonzept.»

Noch hat Fehr Bedenken, ob die Massnahmen des Bundes und der Kantone ausreichen, um glimpflich durch die kälteren Jahreszeiten zu kommen. Insbesondere beim Dialog zwischen den Behörden sieht Fehr noch Verbesserungspotenzial. «Dass der Bund nicht zentral für alle Kantone einheitliche Regeln aufstellt, scheint mir vernünftig. Im leicht besiedelten Appenzell Innerrhoden müssen nicht dieselben Massnahmen gelten, wie in der Zürcher Innenstadt.»

Optimal findet er, wenn die Kantone so viel Gestaltungsfreiraum wie möglich erhalten, diesen aber so gut wie möglich orchestrieren. Und einmal mehr sind wieder alle gefordert: «Wir müssen für die kalte Saison ein gutes Gleichgewicht zwischen Schutzregeln und individueller Freiheit finden, damit wir auf diesem Pandemie-Marathon gut durch den Winter kommen», so Fehr.

Die Lehrerin

Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz ist derzeit daran, Lösungen für die Herausforderungen zu finden, die in der heranrückenden kalten Jahreszeit anstehen. «Für medizinische Fragen brauchen die Lehrer einen klaren Leitfaden, der für alle Kantone möglichst einheitlich ist», sagt sie. Es könne nicht sein, dass Lehrpersonen entscheiden müssen, ob ein Kind mit Schnupfen nach Hause geschickt wird. Und eine Regelung, die in jedem Kanton anders ist, wäre laut Rösler unsinnig.

L'enseignante Corentine Gerber enseigne dans une classe d' ecole primaire a des eleves de 8P de l'Etablissement Primaire de l'ecole vaudoise, EP Morges EST, le jour du retour des eleves lors de la pandemie de Coronavirus (Covid-19) ce lundi 11 mai 2020 au College de Chanel a Morges. Des le 11 mai, les eleves de l'ecole primaire et secondaire vaudoise reprennent l'ecole obligatoire par demi classe et un jour sur deux. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

An den Schulen funktioniert schon vieles gut im Umgang mit dem Coronavirus. Neue Herausforderungen werden nun im Herbst auf die Lehrpersonen zukommen. Bild: KEYSTONE

Damit in den Schulzimmern genügend gelüftet wird, unterstützt man Bestrebungen, Messgeräte in den Schulzimmern zu installieren, die den CO2-Gehalt im Raum erfassen. Von der Wissenschaft wisse man, dass es bei einer CO2-Konzentration von 2000 parts per million (ppa, Anteile pro Million) kritisch werde. «Mit der Unterstützung der Geräte wissen die Lehrer, wann sie die Fenster öffnen müssen», sagt Rösler.

Kinder, die aufgrund eines Coronaverdachts zu Hause in der Quarantäne bleiben, würden mit Schulmaterial versorgt, so die oberste Lehrerin weiter. «Das funktioniert eigentlich gut, denn so haben wir es in der Vergangenheit bereits mit kranken Kindern gemacht.»

Hingegen, wenn Lehrpersonen in Quarantäne müssten, könne es zu Engpässen kommen. Man gehe davon aus, dass dies gerade während der Grippesaison öfters passieren werde. «Ein Szenario ist, dass dann kleinere Pensen aufgestockt werden oder Studenten der Pädagogischen Hochschule zum Einsatz kommen.» Rösler will nicht von einer drohenden Qualitätseinbusse beim Unterricht sprechen. Doch klar ist, dass man in diesen Fällen nicht von einem Normalbetrieb an den Schulen sprechen könne.

Der Hausarzt

Hausärzte haben in der Schweiz je nach Praxisgrösse sehr unterschiedliche Ausgangslagen für den Umgang mit Covid-19-Patienten. Philippe Luchsinger, Präsident mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz, sieht einen erhöhten Aufwand auf sich zukommen: «Wir müssen uns und die anderen Patienten schützen, müssen die Räume desinfizieren und lüften.»

THEMENBILD ZU DEN EIDG. ABSTIMMUNGEN VOM 18. MAI 2014 --- Ein Arzt holt einen Patienten aus dem Wartezimmer, im Haus der Aerzte, die Medix Gruppenpraxis, in Zuerich, am Donnerstag, 7. November 2013. In der Gruppenpraxis arbeiten fast 30 Aerzte als Allgemeinpraktiker, Spezialaerzte, Ernaehrungs- und Diabetesberaterinnen, Physiotherapeuten und Psychologinnen unter einem Dach. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Extra-Wartezimmer für Corona-Patienten oder eine zeitliche Trennung von Patienten? Bild: KEYSTONE

Konzepte für die verschiedenen Artzpraxen werden erstellt und individuell angepasst. «Jede Praxis muss für sich praktikable Konzepte erarbeiten», so Luchsinger. Im Idealfall kann ein Hausarzt dabei ein eigenes Corona-Wartezimmer einrichten, sowie separate Ein- und Ausgänge. Sicher ist aber: Es braucht auf jeden Fall mehr Planung und Zeit. «Wenn die Platzverhältnisse es nicht zulassen – was bei vielen Praxen der Fall ist – kann auch eine zeitliche Trennung der Patientinnen und Patienten als Konzept gewählt werden», sagt Luchsinger auf Anfrage.

Arzt Raphael Magnolini untersucht einen Patienten im COVID-19-Testcenter der UZH, Universitaet Zuerich, aufgenommen am Mittwoch, 1. April 2020 in Zuerich. Das umfunktionierten Zentrum fuer Reisemedizin ergaenzt das bestehende Testangebot der Hausaerzte im Kanton Zuerich und soll diese entlasten. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Für die Schweizer Hausärzte bedeutet die kommende Wintersaison wohl insbesondere eine viel aufwändigere Planung. Bild: KEYSTONE

Die grösste Herausforderung ist für ihn klar: «Die üblichen Erkältungen und die Grippe von den Covid-Erkrankungen zu differenzieren. Wir brauchen eine Strategie, die enger eingrenzt, wer in Quarantäne muss, wer getestet werden muss. Denn alle Erkälteten können wir aus Ressource-Gründen weder testen noch in die Quarantäne schicken.»

Dabei sollen die Tests weiterhin beim Hausarzt durchgeführt werden, wenn möglich. «Testzentren sind vielleicht in grösseren Agglomerationen hilfreich, sie können sich aber nur um Personen mit praktisch fehlenden Symptomen kümmern. Und sind sinnvoll an zentralen Stellen, nicht in der Peripherie.»

Das Restaurant

Restaurants hatten und haben noch immer schwierige Wochen zu überstehen. In Zürich eröffnete beispielsweise der Falken Wiedikon mit neuen Besitzern seine Tore im März – sechs Tage später kam der Lockdown. «Nach dem Relaunch am 11. Mai hatten wir einen Bombenstart», berichtet Besitzer Florian Bobst. Insbesondere die grosse Terrasse wurde extrem gut besucht. Das Einhalten der Corona-Massnahmen habe sich mittlerweile in den Alltag integriert. Trotzdem sagt Bobst: «Wir gehen nun mit viel Ungewissheit in die Wintersaison.»

Falken Wiedikon, Bild: Falken Wiedikon

Der Falken Wiedikon hat auch innen grosszügige Platzverhältnisse. bild: falken wiedikon

Denn die 120 Terrassenplätze fallen in der kalten Jahreszeit weg. Drinnen gibt es «nur» 70 Plätze. Diesen Wegfall will der Falken etwas kompensieren und gleichzeitig die grösste Herausforderung anpacken: Den Gästen einen Raum anbieten, in welchem sie sich sicher fühlen. «Aus diesem Grund werden wir noch im Herbst unser Stübli zu einem kleinem Bijou umbauen, damit wir auch dort Gäste mit genügend Abstand unterbringen können», erklärt Bobst.

Der Vorteil im Falken sind die allgemein guten Platzverhältnisse, um grosszügig stuhlen zu können. Trotzdem wird es ein schwieriger Tanz, «bei weniger Gästen die gleich bleibenden oder sogar erhöhten Mitarbeiterkosten im Zaum zu halten». Die Mitarbeiter werden in den kalten Monaten zudem ziemlich sicher mit Masken arbeiten, um eine Betriebs-Quarantäne verhindern zu können.

Das Testlabor

Alain Berset forderte bis im Dezember eine Testkapaziät von 50'000 pro Tag. Wolfang Korte, Präsident der Union für Labormedizin, nennt das Ziel: «Ambitioniert.» Um dieses zu erreichen, seien zwei Punkte wichtig: Erstens die Personalplanung und zweitens die Zusammenarbeit unter den Laboratorien.

Die grosse Mehrheit der aktuellen PCR-Tests benötigen rund drei bis fünf Stunden für die Auswertung. Was bald einmal auf einen 24-Stunden-Betrieb herausläuft. Alle Labors können diesen aktuell nicht bieten. Bei der Zusammenarbeit ist es laut Korte darum wichtig, dass sich die etwas über 100 Laboratorien untereinander aushelfen, wenn eines an den Anschlag kommt.

Wolfgang Korte, Zentrum für Labormedizin, Bild: Florian Brunner

Prof.Dr.med. Wolfgang Korte nennt die Testziele von Bundesrat Alain Berset «ambitioniert». bild: florian Brunner

Ein weiteres Problem: Woher kommen die Tests? «Bei ersten Welle gab es bereits Lieferprobleme», erinnert sich Korte. Jetzt habe man zwar produzieren können, aber ganze Fabriken für die Herstellung konnten nicht aus dem Boden gestampft werden. «Die ganze Welt schreit nach Tests. Viele werden in die USA geliefert und oft gibt es nur wenige Lieferanten für entscheidende Materialien wie beispielsweise Abstrichtupfer», erklärt Korte.

Zusätzlich kommen im Herbst auch wieder andere Viren häufiger vor, wie beispielsweise die Grippeviren. Korte: «Die müssen dann auch getestet werden, man kann die nicht einfach weglassen. Das hat dann wiederum einen Einfluss auf die Dauer bis der Patient sein Testresultat erhält.»

Das Reisebüro

Der Tourismus wurde von der Corona-Pandemie hart getroffen. Auch aktuell kann es kurzfristig Änderungen geben. Bei Reiseanbietern wie Kuoni will man dem entgegenwirken, wie Mediensprecher Markus Flick auf Anfrage schreibt: «Gebuchte Pauschalreisen bei zum Zeitpunkt der Buchung nicht absehbaren Quarantänepflichten am Ferienziel oder nach der Rückkehr sind kostenlos umbuchbar oder werden rückerstattet.» Zudem habe man das Angebot angepasst und die «Produktepalette für die Schweiz, Deutschland oder Österreich deutlich erweitert».

Den Sommer in Griechenland verlängern? 2020 komplizierter als in anderen Jahren. bild: shutterstock

Die unsichere Lage und ständig ändernde Reiserestriktionen werden auch im Herbst/Winter eine Herausforderung bleiben. Die Reisebranche fordert darum für die Ferien-Rückkehrer: «Testen statt Quarantäne». Mit dem Vorstoss soll ein negativer Corona-Test bei Rückkehr aus Risikoländern am Flughafen reichen. Denn die Reiselust sei grundsätzlich vorhanden, aber eben: Die Unsicherheit hat zur Folge, dass «die Buchungslage für den Herbst und Winter weit unter jener des Vorjahres zurückliegt».

Immerhin sind im Vergleich zum Frühling Reisen möglich. Diese benötigen jedoch verstärkte Beratungstätigkeiten, womit sich Reiseunternehmen wie Kuoni auch erhoffen, Kunden an sich binden zu können. Aktuell am beliebtesten für Herbstferien sind die Türkei, Ägypten und Griechenland, wie Kuoni mitteilt.

Das Spital

Die Insel Gruppe, die grösste Spitalgruppe der Schweiz, bereitet sich an den verschiedenen Standorten auf die kalte Jahreszeit vor. «Die Insel Gruppe ist parat für den Herbst», heisst es auf Anfrage. Seit Frühling besteht die Covid-Task-Force mit Vertretern aus allen Bereichen. «Wir rechnen mit einem erhöhten Patientenaufkommen und Wartezeiten von bis zu zwei Stunden», schreibt Mediensprecher Alex Josty. Darum sei man daran, wetterfeste und beheizte Infrastruktur beim Anstehen zu organisieren, denn ausserhalb der fixen Gebäude steht ein Covid-Track für Patienten.

Zwei Personen kommen zur COVID-Triage waehrend einer Pressekonferenz ueber den Coronavirus (COVID-19) und die Massnahmen, welche die Insel Gruppe ergriffen hat, am Freitag, 28. Februar 2020, im Inselspital in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der Covid-Track beim Berner Inselspital. Dieser wird jetzt auch für die kalte Jahreszeit tauglich gemacht. Bild: KEYSTONE

Auch die Verpflegung des Personals und der Besucher stellt durch die Abstandsregelungen eine Herausforderung dar: «Wir planen vorübergehende Locations, wo man sich verpflegen kann. Für Besuchende gelten zudem teilweise Einschränkungen, damit die Mitarbeitenden zu Stosszeiten Vorrang haben.» Auch Food-Trucks auf dem Gelände des Inselspitals sollen unterstützen. Ob Personal, Material oder Lokalitäten, die Insel Gruppe teilt mit: «Wir haben, Stand heute, genügend Ressourcen.»

Der Konzertveranstalter

Für die Eventbranche bleibt die Situation auch im Herbst vertrackt. Derrick Thomson, Geschäftsführer beim Konzertveranstalter Mainland Music sagt es so: «Das Virus hat gewisse Branchen mehr im Griff als andere. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das irgendwie durchzustehen.» Seit über einem halben Jahr sind grosse Live Acts Tabu. Ab dem 1. Oktober sind zwar Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen wieder erlaubt, doch für Mainland Music ändert das nichts. Denn die Entscheidungskompetenz, ob ein Konzert stattfinden darf oder nicht, obliegt den Kantonen.

Sollte sich die epidemiologische Lage verschärfen, können sie einem Grossevent auch kurzfristig den Stecker ziehen. «Unter diesen Voraussetzungen sind grosse Konzerte mit internationalen Künstlern im Herbst und Winter nicht möglich», sagt Thomson. Mainland plane derzeit vorsichtig für den Frühling 2021.

ARCHIV ? ZUR ENTSCHEIDUNG DES BUNDESRATS, WEGEN DES CORONAVIRUS ALLE OEFFENTLICHEN GROSSVERANSTALTUNGEN MIT MEHR ALS TAUSEND TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMERN BIS ZUM 15. MAERZ 2020 ZU VERBIETEN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDE ARCHIVBILDER ZUR VERFUEGUNG - Guests watch the show of French DJ David Guetta at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, Thursday, February 1, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ein Bild das vorerst der Vergangenheit angehört: ein volles Hallenstadion. Bild: KEYSTONE

Auch finanziell wird es für Thomsons Branche nach und nach enger. Die Firmen seien davon abhängig, wie schnell der Kanton die Ausfallentschädigung zahle. Mainland müsse sich noch gedulden. Wohl auch, weil in Zürich weit mehr Gesuche eingereicht wurden, als in anderen Kantonen. «Wir haben noch Luft, weil wir in guten Jahren Mittel auf die Seite gelegt haben und die Kurzarbeitsentschädigung für unsere Mitarbeiter erhalten. Doch der Ausfall ist eine harte Probe für die ganze Branche, auf die wir in diesem Ausmass nicht vorbereitet waren», so Thomson.

Trotz allem versucht der Konzertveranstalter das Beste aus der Situation zu schlagen. «Ganz ohne Kultur geht es nicht. Darum spannen wir jetzt vermehrt mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Schweiz und den umliegenden Ländern zusammen, damit wir zumindest mit kleineren Konzerten etwas überbrücken können.»

Die Bar

Die allermeisten Bars mussten durch die Massnahmen Einschränkungen in Bezug auf das Platzangebot hinnehmen. Da half es, wer auf einen Aussenbereich zurückgreifen konnte. Doch im Winter wird dieser kaum mehr genutzt werden können.

So auch bei der Raviolibar mitten in Luzern, die im Sommer auf zwei Parkplätzen eine Sommerlounge baute. «Wir würden die Gastronomie draussen gerne weiterführen mit Winterangeboten wie Racletteessen oder Fasnachtsbühne», schreibt Roger Duvoisin. Da habe man allerdings noch nichts unternommen. Er ist sich bewusst, dass er die fehlenden Plätze zu spüren bekommt: «Natürlich werden die Aussenplätze fehlen, da viele Gäste sich nicht in Innenräume wagen.»

Raviolibar, Bild: Facebook/Raviolibar

Den Sommer über konnte die Raviolibar auf zwei Parkplätzen eine Sommerlounge einrichten. Die Bewilligung läuft bis Ende Oktober. Die Bar versucht auch für die nächsten Jahre diese wieder errichten zu können. bild: Raviolibar

Diese Bedenken der Gäste – die unabhängig von der Jahreszeit ist – beschäftigt Duvoisin: «Das Problem ist, dass viele Gäste gar nicht mehr zu uns kommen weil sie Angst haben vor dem Virus. Dafür haben wir auch Verständnis. Es ist russisches Roulette, ein Superspreader reicht.»

Die Angst sei zwar nicht mehr so ausgeprägt wie im Frühling. Der Besitzer stellt allerdings fest, dass er zunehmend ein jüngeres Publikum im Lokal habe. Einige Gäste sind auch vom Schutzkonzept überrascht, dass Duvoisin als «das wohl beste der ganzen Branche in Luzern» bezeichnet. «Das stösst aber einige unserer Gäste vor den Kopf, weil sie sagen: ‹Wieso müssen wir dies und das bei euch, aber sonst nirgendwo?›»

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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
-thomi-
25.09.2020 11:16registriert April 2017
Die grösste Herausforderung wird sein, der Steinigung zu entkommen, wenn man im Tram mal hustet.
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peterli90
25.09.2020 11:56registriert May 2017
Ich verstehe noch heute nicht, wieso der Bundesrat die Homeofficeempfehlung zurückgezogen hat.
Gerade in Städten wie Zürich könnten so viele Ausbrüche verhindert werden. Und viele Bürojobs sind auch von zuhause aus möglich zu erledigen.
Natürlich gibt es auch Nachteile, die Gastro zb leidet darunter. Aber das ist abzuwägen ggü einem weiteren Lockdown.
29526
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Meinung
25.09.2020 12:38registriert June 2020
😷
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