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bild: shutterstock / watson
Emma Amour

Liebeskummer im Welschen oder wie Vincent van Gogh mon Coeur eroberte

Seit ich in die Westschweiz geflüchtet bin, besteht mein Leben aus flanieren, faulenzen und flennen. Was mir hilft: Claire, Pierre und eine Psycho-Katze.
27.05.2021, 09:0728.05.2021, 12:04

Die gute News vorweg: Es geht mir gut. So von Zeit zu Zeit. Immer wieder mal. Und dann geht's mir ganz oft ganz scheisse. Hab halt Liebeskummer. Wegen Max, meinem Nachbarn, der zuerst eine Affäre mit mir hatte, dann keine Beziehung wollte, mir dann beichtete, dass er ein Kind hat, dann doch eine Beziehung wollte, aber nie mehr weitere Kinder.

Das wollte dann ich nicht, also hab ich die Geschichte beendet und bin ins Welsche abgehauen.

Hier wohne ich in einer sehr herzigen Wohnung mit Gärtli und Biotop. Es hat auch einen Kachelofen. Und in der Küche so ein Hängedings, an dem die Pfannen hängen. Und eine eigene Kaffeemaschine. Ich hatte noch nie eine eigene Kaffeemaschine. Wollte mir immer eine kaufen, hab's nie geschafft.

Und ich hab hier eine Hängematte im Wohnzimmer. Und ein riesiges Sofa. Und tausend Katzen, die ständig reinkommen, wenn ich die Balkontüre nicht schliesse. Eine ist biz psycho. Die mag ich am liebsten.

Vom Selbstmitleid ins Schoggikuchen-Koma

Ich mache hier manchmal Homeoffice. Und manchmal mache ich nichts. Und manchmal, da mache ich Drama. Weil Herzschmerz. Und Heimweh. Und noch keine Musse für Datingapps.

Neulich lag ich also wieder mal im Gärtchen auf dem Liegestuhl und tat mir leid. Ich weinte bittere Tränen, als mich eine Stimme fragte, ob ich Lust auf «Gâteau» hab. Kuchen? Logisch. Immer.

Es war Claire. Sie wohnt mit Pierre einen Stock über mir. Claire ist 51. Pierre 73. Die beiden sind seit einem Jahr ein sehr ungleiches Paar. Claire ist schrill, laut, bunt. Pierre ist schüchtern, unauffällig und wahnsinnig herzig.

Claire brachte mir ein Stück des selber gemachten Gâteau au Chocolat direkt an meinen Liegestuhl. Sie setzte sich zu mir und ich erzählte ihr in meinem Schul-Französisch mein Leid.

Sie verstand. Und sie tröstete mich. Dann erzählte sie mir ihre und Pierres Geschichte. Vor Pierre war Claire lange mit Henry verheiratet. Sie wollten unbedingt Kinder. Geklappt hat es nicht. Nicht nur die Ehe der beiden, auch Claire selber zerbrach an dieser Tatsache.

Als Claire ganz unten war, siegte die Liebe

Sie war Ende Ende 40, frisch geschieden, vor den Trümmern ihrer Träume. Claire hat sich schon immer Kinder gewünscht. Sie fiel in eine tiefe Depression. Claire verlor Job, den Halt, die Lebensfreude, ihren Optimismus.

Pierre lernte sie kennen, als sie ganz unten war. Ganz unspektakulär, wie sie sagt, auf einer Wanderung. Sie war alleine unterwegs, er war alleine unterwegs. Man kam ins Gespräch. Und fühlte sich auf Anhieb wohl.

Zwei Wochen später zog sie bei ihm ein. Zwei Monate später heirateten sie. Pierre hat drei erwachsene Kinder und vier Enkel. Claire liebt Pierres Kinder und Enkel, wie sie eigene lieben würde.

Claire findet es schade, dass sie fast 50 werden musste, um die Liebe, die Ruhe und den Sinn des Lebens zu finden. Das Schöne aber, sagt sie, sie schätze ihr Glück jetzt vielleicht noch mehr, als sie das früher getan hätte.

Claire findet es absolut richtig, dass ich Nein zu Max und mir gesagt habe. Claire findet es auch richtig, dass ich Nein zu Suff-SMS-Sandro und mir sage. Claire sagt, dass sich Liebe leicht anfühlt, wenn sie da ist. Dass es kein Geknorze ist. Dass alles klar ist. Und, dass es einfach passiert.

Claire sagt, ich werde an sie denken, wenn es soweit ist. Und Claire sagt, dass es passieren wird.

Ich will Claire glauben.

Bis dahin streichle ich jetzt halt Psycho-Katze. Ich hab sie Vincent van Gogh getauft. Heimlich nenne ich sie immer noch «Psycho-Katze». Psycho-Katze mag das. Psycho-Katze und ich, wir sind ein super Duo. Sie kann auf meinem Schoss lauter schnurren als ich weine. Mehr brauche ich gerade nicht.

Je t'aime, Vincent van Gogh Psycho-Katze.

Adieu,

Wenn man die Katze wirklich ÜBERALL mitnimmt ...

Video: watson/een

Apropos Haustiere: Dads, die froh sind, haben sie NUN DOCH ein Haustier

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Dads, die froh sind, haben sie NUN DOCH ein Haustier
quelle: imgur
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PS: Emma Amour gibt es jetzt auch als Buch!
«EMMA AMOUR UND KID CLEO – Liebe, Sex und andere Eskapaden»
Emma und Cleo gibt es als Buch! >>

Sexpannen, Liebeskummer und verrückte Dates: Niemand erzählt in der Schweiz so authentisch und unverblümt wie Emma Amour. Seit Januar 2018 lässt die Zürcherin die watson-User an ihrem Leben teilhaben. Wenn sie eine Auszeit nimmt, springt ihre beste Freundin Cleo ein.

Emma und Cleo könnten unterschiedlicher nicht sein, was sie jedoch verbindet: ein zeitweise fantastisches, zeitweise frustrierendes, aber nie langweiliges Liebes- und Sexleben.

Hier kannst du das neue Buch bestellen >>

Informationen zum Buch
Herausgeberin: watson
Erscheinungstermin: 12.02.2021
ISBN: 978-3-03902-124-6
Einband: Broschur mit Klappe
Umfang: 160 Seiten, 8 Illustrationen
Format: 13,5 x 21

Buchpreis
CHF 18.00 (CH)
EUR 18.00 (D)
EUR 19,00 (A)
Emma Amour ist ...
… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
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