Interview
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Interview

Rückkehr zur Normalität: «Wir können nun nicht einfach die Welt auf den Kopf stellen»

Auch mit dem Virus müssen wir wieder einen Weg ins normale Leben finden. Der Infektiologe Pietro Vernazza sieht zu viel Meinung und Glauben in der Diskussion: Bauchentscheide statt Fachkompetenz.

Bruno Knellwolf / ch media



Angst und Panik hat der Chefarzt an der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen Pietro Vernazza schon vor 35 Jahren bei der Aids-Epidemie erlebt. Angst ist gemäss dem Infektiologen aber ein schlechter Berater.

Professeur Pietro Vernazza, President de la Commission Federale pour la Sante Sexuelle, Medecin chef division des maladies infectieuses a l'Hopital de Saint Gall, s'exprime lors d'une conference de presse sur les 10ans de depistage du VIH et autres IST en Suisse avec la reponse innovante des Checkpoints, ce vendredi 16 octobre 2015 a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Pietro Vernazza Chefarzt Klinik für Infektiologie, Kantonsspital St. Gallen Bild: KEYSTONE

Viele Entscheidungen würden ohne fundierten wissenschaftlichen Hintergrund gefällt und im Gegensatz zu sonst im Gesundheitswesen ohne die Frage nach Nutzen und Kosten.

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Das öffentliche Leben steht noch immer still, wie kommen wir Ihrer Meinung aus dieser Situation wieder raus?
Pietro Vernazza:
Die Diskussion über das Coronavirus basiert in diesem Land zu stark auf Meinungen und Glauben. Ich sehe eine dramatische Trennung zwischen politischen und wissenschaftlichen Fachgremien. Damit meine ich nicht nur zu Medizinern und Virologen, sondern auch zu Ökonomen. Das Virus darf einfach nicht sein. Die wissenschaftliche Meinung, dass das Virus nicht ausgerottet werden kann, ist nicht opportun. Andere Wege als der eingeschlagene, werden nicht mehr diskutiert.

War der Lockdown der richtige Weg?
Mir wurde unterstellt, ich sei gegen den Lockdown gewesen. Das stimmt nicht. Damit hat man die Spitäler vor Überlastung geschützt. Das hat mehr als funktioniert. Nun geht es aber darum, neue wissenschaftliche Erkenntnisse sofort wieder in Massnahmen umzusetzen.

Zum Beispiel?
Die Schulschliessungen. In den letzten sechs Wochen hat es viele virologische und epidemiologische Studien gegeben, die zeigen, dass Schulschliessungen keine effiziente Massnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus sind. Das sagt auch Daniel Koch vom BAG. Kinder leisten keinen Beitrag bei der Verbreitung des Virus. Also gibt es auch keinen Grund, die Schulen weiter geschlossen zu halten. Die Schulen hätten am 19. April nach den Ferien wieder geöffnet werden sollen.

Und die Schutzmasken?
Es gibt einfach kaum wissenschaftliche Evidenz für das Tragen von Masken durch gesunde Personen. Ein kleiner Zusatznutzen ist möglich. Aber wir überschätzen die Wirkung. Nun müssen Coiffeurbetriebe herausfinden, wie sie mit den Masken am besten umgehen. Da gibt es nur noch Bauchentscheide, die Fachkompetenz ist nicht gefragt. Auch jene der Ökonomen.

Inwiefern?
Wenn wir bei einer anderen Krankheit für den Betrag von 50000 Franken eine Lebensverlängerung um ein Jahr erreichen, beurteilen wir das positiv. Wenn wir bei ganz teuren Medikamenten für ein Lebensjahr eine halbe Million bezahlen sollen, dann gibt es hitzige Mediendebatten. Jetzt sagen uns Ökonomen, dass unser Aufwand, den wir jetzt treiben, für ein Jahr Lebensverlängerung in der Grössenordnung von 10 Millionen Franken ist. Da überrascht es mich schon, wie wir jetzt bei Corona nur noch die Todesfälle sehen aber unsere Massnahmen keiner Kosten- Nutzenabwägung unterstellen.

Gilt das Ihrer Meinung nach auch für andere Bereiche?
Auch die Massnahmen für die Restaurants sind nicht evidenzbasiert: Wir wissen, dass Tröpfchen einen bis anderthalb Meter transportiert werden. Jetzt hat man die Sicherheitsdistanz ohne Grund auf zwei Meter erhöht. Nun muss der Gastwirt vier Quadratmeter Fläche pro Gast anbieten, bei 1.4 Meter Abstand wären das noch zwei. Dabei wären die Hygienemassnahmen viel wichtiger zur Reduktion des wichtigsten Übertragungsweges, dem direkten Kontakt über die Hände.

Ist die Diskussion zu sehr von der Angst getrieben?
Sicher. Das habe ich als Infektiologe schon vor 35 Jahren bei der Aids-Epidemie erlebt. Wir sahen täglich Beispiele von irrationalen Handlungen. Die Angst war so lange in der Bevölkerung, wie die Leute glaubten, die Krankheit könnte sie direkt betreffen. Danach war der Umgang entspannter. Vom Coronavirus fühlen sich nun alle betroffen, Bluthochdruck haben viele. Niemand kann sich dem entziehen. Jetzt werden sehr viele, auch vergleichsweise teure Massnahmen beschlossen, ohne dass wir wirklich Anhaltspunkte haben, dass sie wirken. Masken habe ich genannt. Eine App, die uns mögliche Kontakte mit Infizierten aufzeigt. Zwei Drittel sind dafür. Aber was ich dann genau mit dieser Information mache, ist noch unklar. Werden wir alle nach einem möglichen Kontakt in Quarantäne gehen? Und nach dem zweiten und dritten auch?

«Wir werden grosse Umsetzungsprobleme haben.»

Halten Sie die BAG-Strategie somit nicht für zielführend? Weniger als 50 Fälle pro Tag, den Infizierten in Isolation und dessen Kontakte in Quarantäne zu setzen?
Der Entscheid, wieder jedem einzelnen Fall und seinen Kontaktpersonen nachzugehen und diese für zehn Tage in eine verordnete Quarantäne zu stecken, ist heroisch. Auf jeden Fall wird es extrem aufwendig, auch für die Arbeitswelt und ich bin gespannt, wie gut es umgesetzt wird. Stellen Sie sich vor, ein Mitarbeiter in einer Produktionseinheit wird krank. Nun verordnet der Kantonsarzt zehn Tage Quarantäne für die ganze Produktionseinheit. Wollen wir das? Wir werden grosse Umsetzungsprobleme haben.

Sind denn auch die Experten zu stark von Panik getrieben?
Das kann sein. Das Hauptproblem ist, dass wir Sars-Cov-2 als sehr gefährliches Virus wahrnehmen. Das kontrastiert damit, dass das Virus für die meisten harmlos ist. Und dennoch, für einige verläuft die Krankheit schwer oder gar tödlich. Die Frage ist, ob wir das Virus ganz von uns fernhalten können. Die Tatsache, dass viele Infizierte ohne Symptome ansteckend sind, macht das sehr unwahrscheinlich. Das Sommerwetter mag das Virus etwas zurückbinden, aber das ändert nichts daran, dass wir mit dieser Krankheit leben müssen.

Welchen Vorschlag würden Sie machen?
Ich hätte eher eine Strategie gewählt, bei der wir gefährdete Personen besonders schützen, die Spitäler nicht überlasten aber grundsätzlich die Krankheit und den Aufbau einer Immunität in der Bevölkerung zulassen. So wie das Schweden macht. Nun hat der Bundesrat anders entschieden. Es gilt nun, diese Strategie entschlossen zu verfolgen und abzuwarten. Doch die Umsetzung wird uns herausfordern.

Das bedeutet, dass man das Coronavirus nur über Immunisierung in den Griff bekommt?
Es gibt inzwischen genügend indirekte Hinweise, dass wir nach einer Ansteckung immun sind. Das ist ein biologisches Prinzip, dass ein Virus eine Immunantwort macht und Antikörper ein Virus neutralisieren. Wer nicht an eine Immunantwort glaubt, kann sich auch keine Hoffnung auf eine baldige Impfung machen. Die funktioniert nach dem gleichen Prinzip.

Können wir auf einen Impfstoff hoffen?
Das ist ein realistisches Szenario. Ob das in einem Jahr der Fall sein wird, weiss ich nicht.

«Für junge, gesunde Menschen ist ein Lockdown längerfristig übertrieben.»

In Genf zeigt eine aktuelle Studie, dass im Moment 5.5 Prozent der Bevölkerung immun sind. Ist das eine realistische Zahl?
Ich denke schon. Das erwarte ich auch bei uns. Eine Studie in New York zeigte schon, dass 20 Prozent der Bevölkerung immun sind. Wir machen am Kantonsspital St.Gallen zurzeit eine ähnliche Untersuchung mit Antikörpertests. Je mehr Menschen immun sind, desto langsamer breitet sich die Krankheit aus. Bei der sogenannten Herdenimmunität sind rund 60 bis 70 Prozent immun. Dann breitet sich die Krankheit gar nicht mehr aus. Das braucht noch viel Zeit. Aber schon bei 20 Prozent Immunität wird sich das Virus langsamer ausbreiten. Fünf Prozent ist ein guter Start. Wenn im Sommer 10 bis 20 Prozent immun wären, könnten wir schon einen Effekt sehen.

Amerikanische Experten erwarten, dass das Virus in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht verschwinden wird. Ein Kommen und Gehen, Auf und Ab. Ist das möglich?
Das ist wahrscheinlich, so wie bei anderen respiratorischen Viren, wie auch bei der Grippe. Deshalb können wir nun auch nicht die Welt auf den Kopf stellen. Wir müssen differenziert damit umgehen: Risikopersonen schützen, aber den anderen Bewegungsfreiheit ermöglichen. Für junge, gesunde Menschen ist ein Lockdown längerfristig übertrieben.

Die Gefahr gehört zum Alltag.
Sicher, es können auch junge Leute daran sterben. Aber das erlebe ich im medizinischen Alltag auch bei der Grippe. Jedes Jahr. Und auch ältere Menschen sollen entscheiden dürfen, ob sie mit einem gewissen Risiko ihre Enkel sehen, oder sich lieber für ein Jahr oder länger isolieren wollen. Auch die Mehrzahl der Senioren macht die Krankheit ja ohne Symptome durch und wird immun. Wir dürfen Personen mit einem höheren Risiko die Entscheidung über ihr eigenes Leben nicht wegnehmen. Die Selbstverantwortung muss bleiben. Mit staatlichen Massnahmen müssen wir verhindern, dass die Spitäler und Gesundheitseinrichtungen nicht überlastet werden. Denn wir möchten den gefährdeten Personen auch die optimale Behandlung anbieten können. Und das schaffen wir.

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42Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • christoph meier (1) 27.04.2020 23:12
    Highlight Highlight So unaufgeregte Stimmen gab es immer. Sind bloss kaum mehr wahrgenommen worden.
    Aber gute Diskussion braucht verschiedene und begründete Meinungen.
    Die Schwedische Regierung publiziert die Zahlen täglich. Das ist auch unaufgeregter, als was man darüber liest.
    Mir scheint anhand dieser Zahlen, die schwedische Methode hat vermutlich funktioniert:
    Keine Ueberlastung der (in S knappen) Intensivmedizinischen Versorgung; kein Lockdown; eine raschere "Durchseuchung"/Immunisierung als bei uns.
    Die Bewohner in Altenheimen zu schützen haben aber leider weder Schweden noch die Schweiz geschafft.
  • TheGoblin 27.04.2020 14:38
    Highlight Highlight Wow, sehr abgeklärt - und ohne reisserische Aussagen.
    Genau SO möchte ich informiert werden.
  • Edelweiss10 27.04.2020 13:18
    Highlight Highlight Sehe ich genau so! Stopp Lockdown! Zurück zur Normalität! Vorsicht ja, aber was jetzt gemacht wird ist einfach übertrieben!
  • Kaspar Floigen 27.04.2020 10:59
    Highlight Highlight Auch wenn es allgemein üblich und sinnvoll ist, wäre es für jeden Politiker Karriereselbstmord, wenn er einem Menschenleben einen Geldwert zuordnet. Oder auch wenn nachher herauskommt, dass eine Entscheidung aufgrund einer solchen Berechnung getätigt wurde.
    • Toastbrot 2.0 27.04.2020 12:17
      Highlight Highlight Diese Feststellung ist gleichermassen korrekt wie bedauerlich, denn letzten Endes ist es doch eine politische Entscheidung, wie wir mit den auch im Gesundheitswesen knappen Ressourcen umgehen wollen.

      Alle drücken sich vor dieser Frage, wohl in der Hoffnung, sie würde darob von selbst verschwinden. Ich wünsche mir mehr Politiker, die nicht in erster Linie ihrer Wiederwahl verpflichtet sind, sondern der Sache.

      Weshalb setzt man für solche schwierigen Fragen beispielsweise nicht ein Expertengremium ein, breitgefächert besetzt, und lässt dann das Volk abstimmen?
  • GianniR 27.04.2020 10:45
    Highlight Highlight Vernazza beklagt in der Diskussion ein Vorherrschen von Meinungen, Glaube und Bauchentscheide anstelle von Fachkompetenz. Seine Hauptargumentation basiert aber leider auf den gleichen angeprangerten Prinzipien: der angeblich erworbenen Immunität nach erfolgter Infektion. Gemäss ausgewiesenen Wissenschaftern ist aber z.Z. unklar, ob, wie und wie lange ein Infizierter immun wird. Auch die "harmlosen" Krankheitsverläufe sind nicht immer gegeben. So kommen auch schwere Schädigungen von anderen Organen vor. Und "Musterknabe" Schweden schliesst wegen schlechter Entwicklung gerade Restaurants!
    • Citation Needed 28.04.2020 10:37
      Highlight Highlight Ist mir auch aufgefallen. Schweden ist zudem in weiten Teilen des Landes massiv weniger dicht besiedelt als die CH, dort leben die Leute 'von Natur aus' social distancing. Auch ist Schweden kein Transitland wie die CH. Vernazza erwähnt zudem nicht, dass es WissenschaftlerInnen gibt, die gegen eine verfrühte Lockerung der Massnahmen sind, sehr faktisch und nicht angstgetrieben. Ist jedeR, der/die anders denkt als er panisch oder auf Bauchgefühl gepolt?
      Wir müssen einfach akzeptieren, dass es aktuell sehr hart ist, die richtige Entscheidung zu treffen.
  • vncentvega 27.04.2020 09:15
    Highlight Highlight Obwohl man das Coronavirus noch nicht wirklich kennt und jeden Tag dazulernt wird immer wieder von der Herdenimmunität gesprochen.

    Dabei weiss man noch nicht mal ob eine Infektion auch Langzeitschäden der Lunge mit sich bringen könnte.
  • Statler 27.04.2020 09:02
    Highlight Highlight Achja, und auch Schweden diskutiert jetzt übrigens die Schliessung von Restaurants.

    • Remy Zgraggen 27.04.2020 11:01
      Highlight Highlight Nein, stimmt nicht. Es wurde diskutiert, ob Restaurants, welche die Weisungen nicht einhalten, vorübergehend gesperrt werden. Das wurde auch getan.
    • Toastbrot 2.0 27.04.2020 12:30
      Highlight Highlight Ich verstehe das Herz/Blitz-Verhältnis hier nicht wirklich. Es ist ja inzwischen sogar so, dass erste Restaurants in Stockholm geschlossen worden sind.

      Daneben liegt Vernazza falsch mit seiner Sichtweise, Schweden hätte auf eine Durchseuchung der Bevölkerung abgezielt. Dem widerspricht sogar die schwedische Regierung. Im Grunde macht Schweden dasselbe wie die meisten anderen Länder, halt einfach auf Basis von Empfehlungen statt Anordnungen.

      Lesenswert: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-in-schweden-das-missverstaendnis-vom-sonderweg-a-45f2c75f-6cad-4733-af01-9e48e89f7f93-amp
  • Steasy 27.04.2020 09:01
    Highlight Highlight Habe das Gefühl, das sind viele leere Worte. Mit staatlichen Methoden soll eine Überlastung der Gesundheitseinrichtungen und Spitäler verhindert werden. War denn das nicht das Ziel des Lockdowns?
    Ist es nicht ein wenig unüberlegt eine "Normalisierung" zu fordern wenn er ja selbst nicht sagt (villeicht auch nicht sagen kann) wie man die Überlastung der Gesundheitseinrichtungen ohne Lockdown verhindern könnte?
    Gerade auch vor dem Hintergrund, dass die Fallzahlen erst nach dem Eintreten dieser harten Massnahmen noch sehr stark gestiegen sind. Interessiert mich wirklich wie er sich das vorstellt
  • Statler 27.04.2020 08:59
    Highlight Highlight Irgendwie war mir, ich hätte gelesen, dass die WHO meint, dass es eben nicht sicher ist, dass man immun ist, wenn man die Krankheit hatte.
    Und am Samstag war in 20min zu lesen, dass das Unispital herausgefunden hat, dass nicht nur die Lunge angegriffen wird, sondern auch die Blutbahnen, was dazu führt, dass das Blut verklumpt (davon sind auch Kinder betroffen).
    http://www.usz.ch/news/medienmitteilungen/Seiten/mm-covid-19-gefaesserkrankung.aspx
    Die Diskussion wird nicht nur aus dem Bauch heraus geführt, auch die Experten sind sich alles andere als einig. Das verunsichert die Leute ebenfalls.
  • Brobdingnagisch 27.04.2020 08:52
    Highlight Highlight Auch diesem Medium hier würde es gut tun, öfters so differenzierte und differenzierende Artikel zu bringen. Selbstverständlich muss man mit Herrn Vernazza fachlich, ethisch oder moralisch nicht einverstanden sein - die Wissenschaft lebt vom Disput. Aber ich denke, dass einem nicht geringen Teil der Leserschaft etwas weniger zermürbende Panik und Hysterie (wie leider auch zu oft hier vermittelt) gut tun würden. Vorsicht ja. Umsicht und Anstand ebenso. Das sollte schon allein der Respekt gegenüber den Mitmenschen mit sich bringen. Aber ja, Angst ist tatsächlich kein guter Ratgeber.
  • Super8 27.04.2020 08:30
    Highlight Highlight Danke für das sehr interessant Interview.
  • Lea Real 27.04.2020 08:15
    Highlight Highlight Ich finde, dass man andere Ansätze diskutieren, bisherige Ansätze überdenken, anpassen kann und soll. Wenn man das tut, sollte dies meiner Meinung nach jedoch ein bisschen differenzierter geschehen, damit es konstruktiv werden kann und man nicht eher den Eindruck erhält, dass Herr Vernazza beleidigt ist, weil man ihn zuwenig angehört hat. So erläutert Herr Vernazza bspw, „Eine Studie in New York zeigte schon, dass 20 Prozent der Bevölkerung immun sind.“ Meines Wissens wurden da nur Leute, welche in den Supermarkt gehen getestet, das sagt also mässig viel über den Bevölkerungsdurchschnitt aus.
  • Toastbrot 2.0 27.04.2020 08:08
    Highlight Highlight Mein Eindruck ist der, dass sich die Fachwelt uneinig ist und es weiterhin sehr viele Fragezeichen gibt. Vor diesem Hintergrund halte ich angemessene Vorsicht à la Bundesrat für die deutlich klügere und moralischere Variante und finde es unangebracht, diese als Panikmache zu verschreien.

    Trotzdem müssen wir zu diskutieren bereit sein, was wir tun, wenn das Virus endemisch werden sollte. Die Kosten-Nutzen-Frage zu stellen ist nicht per se unethisch, sondern ein sehr heikles Kernproblem des Gesundheitswesens auch ausserhalb von Krisen. Sie darf aber keinesfalls unethisch beantwortet werden!
  • DerSeher 27.04.2020 07:45
    Highlight Highlight "Es gibt inzwischen genügend indirekte Hinweise, dass wir nach einer Ansteckung immun sind."

    Meine Schwester hat den Virus zum 2ten mal (wurde getestet) und ist nun zum 2ten mal in Selbstquarantäne... sind dann wohl doch nicht alle so immun... dies als "direkter" input... :(
    • Citation Needed 28.04.2020 11:04
      Highlight Highlight Das stösst mir bei Vernazza auch sauer auf. Er inszeniert sich schon als sehr allwissend und will bei jenen, die zu anderen Schlüssen kommen, Panik oder Bauchgefühl am Werk wissen. Dabei stellt er Dinge als Fakten dar, hinter die man wirklich noch Fragezeichen setzen müsste (Dein Bsp.).
      Ich misstraue jenen, die in ihrer Argumentation keinen Raum für Zweifel lassen. Überzeugungstäter zweifeln nicht. Dabei wäre es nur redlich angesichts der täglich ändernden Faktenlage, eigene Ideen zu hinterfragen und vieles offen zu lassen. Das tut Vernazza m.E. nicht, im Gegenteil.
  • Cosmopolitikus 27.04.2020 07:41
    Highlight Highlight Ich bin so dankbar für diese pragmatische Sichtweise, welche ohne Angstmacherei auskommt. Genau diese Angst stelle ich in den vielen Diskussionen immer noch fest, gepaart mit Unwissenheit. Eine gefährliche Kombination, daher danke @ Watson für diesen Bericht!
  • Frankygoes 27.04.2020 07:33
    Highlight Highlight Wieso reden die Experten immer vom "richtigen" Weg? und wieso ist immer ihr Weg der richtige und was die anderen Empfehlen?
    Was den tollen Schwedischen Weg angeht... die Schweden haben uns innerhalb einer Woche überholt, was die rel. Todeszahlen angeht.. aber wer braucht schon Grosseltern, huh?
  • robo 27.04.2020 07:32
    Highlight Highlight Danke, meine Worte! Endlich mal exakt einer Meinung mit einem Experten🤗
  • Harry Zimm 27.04.2020 07:29
    Highlight Highlight Nach der Schlacht ist jeder ein General.
  • Der Mexikaner 27.04.2020 07:23
    Highlight Highlight Da geht man doch immer davon aus, dass sich die Politiker von den besten dieser Wissenschaftler beraten lassen müssten... und dann sagt der, er sehe eine „dramatische Trennung von politischen und wissenschaftlichen Fachgremien“...
  • DerRaucher 27.04.2020 07:11
    Highlight Highlight Das Gegenteil von einem Panikmacher wie Aguzzi. Genau sowas fehlt mir in der aktuellen Krise. Experten die gefasst mit den Dingen umgehen und nicht noch zusätzlich Panik schüren. Man sieht ja mittlerweile überall wie verunsichert die Menschen sind weil ihnen die schlimmsten Chaostheorien eingeimpft wurden ohne rational zu bleiben.
    • Relativist 27.04.2020 08:41
      Highlight Highlight Das ist gut und recht. Was er einfach nicht ausdrücklich sagt ist: dieser Ansatz wird in mehr Toten resultieren und diese werte ich weniger als Freiheit und Wirtschaft. Wenn wir etwas mehr Philosophie lehren würden in den Schulen, könnten wir jetzt eine anständige moralische Diskussion führen. Aber wahrscheinlich wird's wieder nur in Gut und Böse, Wahr und Falsch aufgeteilt.
  • geoid 27.04.2020 07:05
    Highlight Highlight Seh ich auch so. Viele Leute mittleren Alters in meinem Umfeld sind verängstigt und sehen nur noch die Todesfälle. Es ist exrem mühsam ihnen mit rationalen Argumenten und Fakten die Angst in Gesprächen zu nehmen.
  • Der Kritiker Bernd 27.04.2020 06:57
    Highlight Highlight Ich bin überzeugt dass es mittlerweile sehr viele solcher Experten Eignungen gibt! Vielen Dank dass sie auch in den Medien einmal Gehör finden. Jetzt müssten sie nur noch den Weg in die Politik finden..
  • Michael Heldner 27.04.2020 06:52
    Highlight Highlight Danke endlich mal wieder ein Experte mit einer pragmatischen und realistischen Meinung. Aktuell hatte man eher das Gefühl es saugen sich alle für Medien irgendwelche Schlagzeilen aus den Fingern.
  • Yolo 27.04.2020 06:46
    Highlight Highlight Etwas müssig. Auch er sieht nur Zahlen und nicht den Menschen hinter der Statistik. Ethisch finde ich die reine Kosten-Nutzen-Betrachtung falsch und es ist mitunter ein Problem in unserem Gesundheitswesen. Es ist wenig resilient. Zudem, nach dem jetzigem Wissensstand kann auch ein milder Verlauf zu bleibenden Schäden führen und hat Schweden nicht mehr Tote als die Schweiz obwohl wir zwei Wochen weiter sind?
    • Zyniker haben es leichter 27.04.2020 07:17
      Highlight Highlight Ethisch finde ich es falsch, Millionen zu strafen für die Gesundheit Einzelner. Ansonsten bitte z.B. mehrstöckige Häuser verbieten, Treppen töten. Auch Zucker, Tabak, Alkohol, Schwimmen tötet direkt. Züge führen zu Selbstmorden, zumindest wenden wir diese Logik bei Waffen an. Aber da siehst Du sicher nur die Zahlen und nie die Menschen dahinter... Sind uns diese Toten nicht auch einen massiven Eingriff in die Freiheit aller wert? Ich tippe mal du wählst SP und zählst dich zum linken Flügel, ich erkenne totalitäre Tendenzen.
    • stebrun 27.04.2020 07:38
      Highlight Highlight KEINE Kosten-Nutzten Überlegungen anzustellen, wäre unethisch. Beispiel: Wahrscheinlich sind die meisten Menschen einverstanden, dass es unverhältnismässig wäre, das Leben einer Person um ein Jahr zu verlängern, wenn dafür 100'000 Menschen langfristig arbeitslos werden. Aber wo ist die Grenze? Wie sieht es aus, wenn wir für den gleichen Preis 10'000 Menschenleben verlängern können? Wir kommen nicht darum herum, solche Diskussionen zu führen.
      Schweden wird höhere Zahlen haben als die Schweiz, genau weil sie in diesem Abwägungsprozess andere Schlussfolgerungen gezogen haben als wir.
    • ingmarbergman 27.04.2020 07:55
      Highlight Highlight Medizinethische Abwägungen sind immer eine Kosten-Nutzen-Betrachtung. Das ist nicht neu, und es ist richtig, dass man diese Frage stellt, was ein Lebensjahr kosten soll.
      Genauso wie man die Frage stellt, ob man einem 85 Jährigen noch ein neues Hüftgelenk einsetzen soll.
    Weitere Antworten anzeigen
  • IchbinmitdenAGBeinverstanden 27.04.2020 06:44
    Highlight Highlight Danke! Das habe ich jetzt verstanden! 👍
  • GoldjungeKrater 27.04.2020 06:34
    Highlight Highlight Eine Wohltat dieses Interview!

    Zudem hat die Diskussion über die Bekämpfung dieser Pandemie sehr viel Ähnlichkeit mit dem Kampf gegen die anscheinend durch den Menschen verursachten Erderwärmung. Ideologie statt fundierte Faktenentscheide..
  • soulpower 27.04.2020 06:28
    Highlight Highlight Selten bis kaum so pragmatische und ausgewogene Informationen eines Infektologen gelesen.
  • Marco Rohr 27.04.2020 06:23
    Highlight Highlight Er spricht davon, Entscheidungen basieren auf Fakten zu treffen, stützt sich aber auf die Annahme, dass die Patienten nach durchlaufener Krankheit immun werden. Eine Tatsache, die es erst noch zu beweisen gilt, siehe gegenteilige Berichte aus Südkorea und Wuhan.

    Ich hätte mir zudem eine Erklärung gewünscht, wie er die Risikogruppen sinnvoll
    isolieren möchte. Zur Erinnerung: das sind nicht nur Senioren, sondern auch junge Menschen mit Vorerkrankungen.

    Frei nach dem Motto: irgendeiner hätte es immer besser gewusst.
    • Stinkstiefel 27.04.2020 12:14
      Highlight Highlight „Wer nicht an eine Immunantwort glaubt, kann sich auch keine Hoffnung auf eine baldige Impfung machen. Die funktioniert nach dem gleichen Prinzip„

      Die Schlussfolgerung bleibt gleich: Wir müssen mit dem Virus leben.

      Jetzt bist du mit dem Erklären an der Reihe: Was ist deine Langzeitstrategie? Lockdown auf Ewig?

    • medmi 28.04.2020 10:53
      Highlight Highlight Eindämmen und dann#TestTraceIsolate. Es geht ohne Lockdown, siehe Südkorea und Taiwan.
  • elco 27.04.2020 06:22
    Highlight Highlight Ganz allmählich scheint die Vernunft zurück zu kehren. Bitte mehr davon!

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