Drogen
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LSD-Entdecker Albert Hofmann 2006 an seinem 100. Geburtstag. Bild: KEYSTONE

Wie der Schweizer Albert Hofmann vor 75 Jahren einen Rausch hatte – und LSD entdeckte

Im April 1943 gerät der Pharmaforscher Albert Hofmann in Basel durch Zufall in einen Rausch, der seine Welt aus den Fugen geraten lässt: Es ist die Geburtsstunde von LSD.

16.04.18, 16:57 20.04.18, 09:07


Es war Freitag, der 16. April 1943. Hofmann räumt sein Labor beim Pharmaunternehmen Sandoz etwas frustriert fürs Wochenende auf. Seine Suche nach einem Mittel zur Kreislaufstabilisierung kommt nicht recht voran. Und dann passiert's. Er erlebt einen gewaltigen Rausch, den er später als wunderbares Erlebnis bezeichnet. 

Der aus Baden AG stammende Chemiker war vor 75 Jahren etwas schlampig im Labor gewesen und mit dem Mittel in Berührung gekommen, an dem er forschte: Lysergsäurediethylamid, abgekürzt LSD. 

3D-Modell des Lysergsäurediethylamids. Bild: Shutterstock

Hofmann beschrieb die Ereignisse an jenem Freitag bei einem Symposium in Basel zu seinem 100. Geburtstag 2006 so: 

«Ich musste das Labor verlassen, ich hatte das Gefühl, es passiert etwas mit Dir. Ich fuhr mit dem Velo nach Hause, legte mich hin und hatte ein wunderbares Erlebnis. Was immer ich mir vorstellte, war bildhaft vor mir, tief beglückend. Es dauerte drei, vier Stunden, und dann verschwand es.»

LSD war sein «Sorgenkind»: Hofmann im Jahr 1976. Bild: KEYSTONE

«Ein Horrortrip»

Am folgenden Montag, dem 19. April, wollte er dem Geheimnis auf die Spur kommen. Er nahm im Selbstversuch bewusst LSD ein, das er aus dem Pilz Mutterkorn gewonnen hatte. Seinen Berechnungen nach sollten 0,25 Milligramm LSD gerade noch eine feststellbare Wirkung haben – in Wahrheit war es etwa das Fünffache einer normal wirksamen Dosis. 

Was folgte, war entsetzlich: «Ein Horrortrip», sagte Hofmann. Zuerst versuchte der Chemiker noch, seinen Selbstversuch zu protokollieren, doch bald fiel ihm das Schreiben schwer. Er musste seine Laborantin bitten, ihn nach Hause zu begleiten. In einem nachträglichen Bericht schrieb er: 

«Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad nahm mein Zustand bedrohliche Formen an. Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel.»

Hofmann rechnete mit dem Schlimmsten: 

«Ich dachte, jetzt hast Du eine grosse Erfindung gemacht und jetzt musst Du gehen.»

Vertraute Möbelstücke hätten in seiner Wahrnehmung groteske Formen angenommen und die Nachbarin sei ihm wie «eine bösartige, heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze» erschienen, berichtete Hofmann. Der Albtraum dauerte mehrere Stunden, doch dann liess der Horror nach:  

«Jetzt begann ich allmählich, das unerhörte Farben- und Formenspiel zu geniessen, kaleidoskopartig sich verändernd drangen bunte phantastische Gebilde auf mich ein.»

Schliesslich liess die Wirkung nach: 

«Ich hatte das Gefühl, es kommt ein neues Leben in mich hinein, ich kann gar nicht beschreiben, wie schön es war.»

Heilmittel und Hippie-Droge

Hofmanns Arbeitgeber macht aus der Substanz bald ein Medikament, das zum Einsatz in der Psychotherapie auf den Markt kommt. LSD habe etwa psychisch Kranke gelöst, die vorher blockiert waren, sagte Hofmann. Sie hätten dann behandelt werden können. Ärzte setzten LSD in der Behandlung von Alkoholikern ein, als Stimmungsaufheller bei Schizophrenie-Patienten oder bei schweren Traumata. 

In den 60er Jahren wurde LSD von der Anti-Establishment-Szene der Flower-Power-Bewegung entdeckt. Als Flucht vor der von manchen empfundenen Banalität und Konformität der Gesellschaft propagierten Aussteiger LSD-Trips. 

Von der Polizei sichergestellte LSD-Trips.  Bild: STAPO BERN

Und nicht nur Aussteiger: Der amerikanische Psychologie-Professor Timothy Leary forderte die Freigabe bewusstseinsverändernder Drogen, darunter LSD. Der Guru der Hippie-Szene wurde 1963 von der renommierten Harvard-Universität gefeuert. Die Beatles tönten 1967 «Lucy in the Sky with Diamonds», abgekürzt: LSD. Jimi Hendrix galt als LSD-Anhänger. 

Timothy Leary 1967 an einem «Human Be-In» in San Francisco.   Bild: AP

Verbrechen und Suizide

Wegen falscher Dosierung erlebten Menschen immer öfter Horrortrips. Verbrechen wurden im LSD-Rausch verübt und Suizide begangen. Die Behörden waren entsetzt. Ende der 60er Jahre wurde die Droge in den USA und dann weltweit verboten. 

Erst Jahrzehnte später wuchs wieder das akademische Interesse an den Möglichkeiten von LSD. Der Schweizer Psychiater Peter Gasser, der Hofmann vor dessen Tod 2008 mehrmals traf, durfte 2007 mit einer Ausnahmegenehmigung erforschen, wie LSD Patienten mit Krebs oder anderen tödlichen Krankheiten helfen kann. 

Hofmann schrieb ein Buch über «LSD – mein Sorgenkind». Er war tief traurig über den Missbrauch, der seine Wunderdroge in Verruch gebracht hatte. 

Bis zuletzt war er überzeugt, dass die Substanz bei kontrollierter Einnahme eine positive Bewusstseinserweiterung bedeute. An seinem 100. Geburtstag sagte der Chemiker: 

«Es hat mir offene Augen und innere Empfindlichkeit für das Wunder der Schöpfung gegeben, und dafür bin ich meinem Schicksal dankbar.»

Am 29. April 2008 starb Hofmann im Alter von 102 Jahren in seinem Haus in Burg BL. Bis zuletzt war er aktiv und korrespondierte weltweit.

Albert Hofmann über seinen ersten LSD-Trip

Video: srf

(dhr/sda/dpa) 

Das sieht ein Computer auf LSD

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • saukaibli 17.04.2018 16:29
    Highlight Unbedingt mal anschauen:
    1 0 Melden
  • Phiilofofi 17.04.2018 12:57
    Highlight "...etwas schlampig im Labor gewesen und mit dem Mittel in Berührung gekommen, an dem er forschte..."

    jaja sicher ;)

    4 2 Melden
  • Pasch 17.04.2018 00:11
    Highlight Einmal und nie wieder!

    Die Szenerie: Outdoor Goa (nicht unbedingt mein Fall aber Rockt) in den Bergen mit Blick auf See.

    Regel: Guck keine Filme wie Der Soldat J.R. 1-2 Tage vorher, Krieg muss brutal sein, vorallem wenn noch Feuerwerk am Himmel.

    Schlimm wurde es am Morgen als die Sonne aufging und die Sch... immernoch am schieben... Leute wurden zu tanzenden Pilzen oder erstarrten zu Bäumen, vorbeiziehende Wanderer wurden zu Pinochios!
    Zum Glück hatte ich einen Guide der Zauberte irgendwo eine Honigmelone her... und der Tag wurde super!
    Unvergesslich aber nienie wieder, trotz Epiphanie 😊
    8 1 Melden
    • Phiilofofi 17.04.2018 12:58
      Highlight Verantwortungsvoller Umgang gehört einfach dazu. Wie immer.
      6 0 Melden
    • saukaibli 17.04.2018 16:25
      Highlight Darum hatten wir zur Sicherheit immer ein kleines Säckchen Koks mit dabei, gibt nichts das einem mehr herunterholt.
      2 0 Melden
  • Olmabrotwurst 16.04.2018 22:18
    Highlight Der, ich räum mal meine Schubladen im Kopf auf.
    12 0 Melden
  • Dude.- 16.04.2018 19:37
    Highlight Lustig.... vor zwei wochen das erste mal LSD genommen und mein TV bekam füsse und lief davon. Glaubt mir keiner 😄
    44 3 Melden
  • sheshe 16.04.2018 19:28
    Highlight Nächstes Wochenende ist übrigens in Basel das 75 Jahr Jubiläum mit Workshops, Reden und ein bisschen raven
    40 0 Melden
  • Randy Orton 16.04.2018 19:21
    Highlight Lucy in the sky with diamonds hat nichts mit LSD zu tun, der Name stammt von einer Kinderzeichnung. Nichts desto trotz ist LSD die wahrscheinlich interessanteste Droge der Welt.
    19 7 Melden
    • Snowy 17.04.2018 02:25
      Highlight Naja... es gibt da diverse Stories um die Entstehung dieses Songs.
      11 0 Melden
  • Watson=Propagandahuren 16.04.2018 19:12
    Highlight «Es hat mir offene Augen und innere Empfindlichkeit für das Wunder der Schöpfung gegeben, und dafür bin ich meinem Schicksal dankbar.»
    Uiuiui ein Wissenschaftler der ans Wunder der Schöpfung glaubt.
    Da werden einige aber keine Freude haben...?
    1 54 Melden
    • Paganapana 16.04.2018 21:04
      Highlight Alles wurde von irgendwas/jemandem geschaffen. Nur, ob bisher eine Religion darauf die korrekte Antwort hat, darüber kann man streiten ;)
      27 1 Melden
    • Watson=Propagandahuren 16.04.2018 21:25
      Highlight Wie kommst du jetzt auf Religion?
      14 3 Melden
  • Pascal91 16.04.2018 18:23
    Highlight DANKE!😂
    15 0 Melden
  • zombie woof 16.04.2018 17:55
    Highlight Der Trip war nicht schlecht ;-)
    11 0 Melden
  • iNDone 16.04.2018 17:49
    Highlight Wahrscheinlich die einzige „Droge“ die man früher oder später freiwillig aufgibt.
    An alle die mit dem Gedanken spielen psychedelische Substanzen zu probieren seid gewarnt manch Dinge kann man nicht ungesehen machen.
    22 22 Melden
  • Snowy 16.04.2018 17:42
    Highlight “We are finally unveiling the brain mechanisms underlying the potential of LSD, not only to heal, but also to deepen our understanding of consciousness itself.” Amanda Feilding, Beckley Foundation

    "The study could pave the way for LSD or related chemicals to be used to treat psychiatric disorders. Nutt said the drug could pull the brain out of thought patterns seen in depression and addiction through its effects on brain networks."

    https://www.theguardian.com/science/2016/apr/11/lsd-impact-brain-revealed-groundbreaking-images

    Am Weekend finden Feierlichkeiten statt: https://www.lsd75.ch/

    13 2 Melden
  • nödganz.klar 16.04.2018 17:22
    Highlight Ein wunderbar bescheidener und intelligenter Mann. Danke, Herr Hofmann.
    118 1 Melden
    • mostlyharmless 16.04.2018 19:34
      Highlight Ja! Danke, Herr Hofmann. Hab ein für mich wegweisendes Interview mit ihm gelesen, als ich ungefähr 14 war.
      22 0 Melden

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