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30.11.2019, Berlin: Fussball: Bundesliga, Hertha BSC - Borussia Dortmund, 13. Spieltag, Olympiastadion. Berlins Trainer Juergen Klinsmann kommt vor Anpfiff in das Stadion. (KEYSTONE/DPA/Gregor Fischer)

Die Frage bleibt: Wie gelangten Jürgen Klinsmanns «geheime» Tagebücher in die Öffentlichkeit? Bild: DPA

«Gibt eine Lügenkultur!» – Klinsmann rechnet in «geheimem» Tagebuch mit Hertha-Führung ab

Von einem Tag auf den anderen verliess Jürgen Klinsmann vor zwei Wochen Berlin und Hertha BSC. In einem Facebook-Stream erklärte er sich nach seinem schnellen Abgang, doch die richtige Abrechnung mit dem Bundesligisten folgt erst jetzt.

robert hiersemann / t-online.de



Vor rund zwei Wochen war Jürgen Klinsmann nach nur zehn Spielen als Cheftrainer von Hertha BSC zurückgetreten. Das teilte der ehemalige Bundestrainer damals über einen Post auf Facebook mit. Die Verantwortlichen der Berliner wurden vom Rücktritt völlig überrumpelt. Anschliessend äusserte sich Klinsmann via Facebook-Stream und der Verein auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Doch das Thema ist noch längst nicht abgehakt. Die «Sport Bild» veröffentlichte nun ein 22-seitiges Protokoll von Jürgen Klinsmann, in welchem er seine Zeit bei Hertha BSC bis ins Detail beschreibt. Und er wird deutlich. Sehr deutlich. Vor allem übt er harte Kritik an Manager Michael Preetz.

Klinsmann: «Es gibt eine Lügenkultur»

Klinsmann hält in diesem Protokoll mit Blick auf den Hauptstadtklub folgendes fest: «Es gibt eine Lügenkultur, die auch das Vertrauensverhältnis der Spieler mit Preetz zerstört hat.» Dem Manager wirft er vieles vor. Der vielleicht härteste Vorwurf ist aber dieser: «Jahrelange katastrophale Versäumnisse von Michael Preetz in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen.» Und weiter: «Es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsleitung.»

Auch die Organisation des letzen Wintertrainingslagers der Hertha in Orlando/Florida kritisiert er: «Die Planung der Vorbereitung auf die Rückrunde, für die Michael Preetz verantwortlich ist, ist eine Katastrophe.»

Er beschreibt es wie folgt: «Das Klima, das während dieser 7 Tage im Team-Hotel in Orlando herrschte, empfand der komplette Trainerstab als verachtenswert dem Trainerstab gegenüber. Auf jeden Fall war es total kontraproduktiv und nicht leistungsfördernd. Es gab eine ‹Urlauber›-Gruppe, die dies weintrinkend und zigarrenrauchend auf der Terrasse des Hotels demonstrierte – und es gab eine ‹Arbeiter›-Gruppe, die intensiv trainierte. Die Kluft war so riesig wie die Undiszipliniertheiten ausserhalb der Mannschaft.» Wen er hier als «Urlauber» beschreibt, wird nicht ganz deutlich.

epa08029037 Former German national soccer team coach Juergen Klinsmann (L) and Michael Preetz, general manager of Hertha BSC Berlin, during a press conference to introduce Klinsmann as new head coach of the German Bundesliga club Hertha BSC Berlin in Berlin, Germany, 27 November 2019.  EPA/OMER MESSINGER

Klinsmann und Preetz haben den Rank miteinander nie gefunden. Bild: EPA

Klinsmann echauffiert sich auch über Herthas Umgang mit den rassistischen Beleidigungen gegen Jordan Torunarigha während des Pokalspiels gegen Schalke 04. «Kein einziges Mitglied der Geschäftsleitung, die ja immer komplett im Stadion vertreten ist, stellt sich der Rassismus-Thematik nach dem Spiel», resümiert er. Stattdessen habe er, «der die vergangenen 30 Jahre in den USA gelebt hat», sich «von Fernsehsender zu Fernsehsender durcharbeiten müssen» und Fragen nach Rassismus in deutschen Stadien beantworten müssen.

So reagiert die Hertha-Führung:

Im Rahmen der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel am Freitag bei Fortuna Düsseldorf hat sich die Hertha-Führung auch zur Tagebuch-Abrechnung von Klinsmann geäussert.

Sportvorstand Michael Preetz: «Wir haben alle die Anschuldigungen mit grosser Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Es ist ja so, dass keiner von seiner Kritik ausgenommen. Zu mir persönlich: Ich halte das aus. Wir werden sicher nicht auf jede einzelne Anschuldigung reagieren, die zu keiner persönlich geäussert werden. Wir müssen nun den Fokus auf das schwierige Spiel in Düsseldorf richten.»

Präsident Werner Gegenbauer: «Für uns sind weder der Inhalt des Schreibens noch die Art und Weise des Vorgehens seitens Jürgen Klinsmann und seiner Berater Andre Gross und Roland Eitel nachvollziehbar. Wir haben beschlossen, nicht auf die einzelnen Vorwürfe zu reagieren, da sie entweder falsch oder einfach nur unsinnig sind.»

Klinsmann: «Der Klub wäre direkt in die 2. Liga abgestiegen»

Klinsmann war mit seiner eigenen Arbeit hingegen offenbar äusserst zufrieden. «Der Klub wäre ohne Trainerwechsel Ende November direkt in die 2. Liga abgestiegen ...», so heisst es weiter.

Zum Ende des Protokolls fasst der ehemalige Weltklasse-Stürmer noch einmal zusammen, bewertet jeden einzelnen Hertha-Profi und gibt Ratschläge, wie der Verein künftig doch noch erfolgreich werden kann.

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Matze Knop fordert, dass Klinsmann zum HSV wechseln soll. Video: YouTube/Matze Knop

Klinsmann rät: «Die Geschäftsleitung muss sofort komplett ausgetauscht werden. Sollte dies nicht passieren, werden auch die tollen Neuzugänge nach einer gewissen Zeit zu ‹Durchschnittsspielern›, weil es die Grundregel auch im Fussball gibt: Du bist nur so gut wie dein Umfeld. Die Spieler passen sich zweifelsohne dem Niveau des Klubs an – nicht umgekehrt.»

Und zum Abschluss nennt er noch eine Empfehlung: «Lasst Alex Nouri und das Trainerteam die Saison auf jeden Fall zu Ende bringen. Die Mannschaft weiss, dass er nach wie vor eng mit dem alten Trainerstab kommuniziert.»

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