Rot wegen Hand vor Mund für Paraguayer – was hältst du von der neuen Regel?
Wer die Geschichte von vorne erzählen will, muss beim Hinspiel der Champions-League-Playoffs zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid anfangen. Damals soll Benficas Gianluca Prestianni Gegenspieler Vinicius Jr. rassistisch beleidigt haben. Dies behaupteten der Brasilianer und mehrere seiner Mitspieler, die ebenfalls den Ausdruck «Affe» gehört hätten. Prestianni hatte sich dabei aber das Trikot über den Mund gezogen, weshalb ihm die Beleidigung nicht endgültig nachgewiesen werden konnte. Dennoch wurde er in der Folge gesperrt.
Um solche Fälle, bei denen die Beweisführung beinahe unmöglich ist, zu verhindern, führte die FIFA eine neue Regel ein. Wer den Mund beim Sprechen mit einem Spieler oder Staffmitglied des Gegners verdeckt, sieht in jedem Fall die Rote Karte. So soll Diskriminierung und Rassismus vorgebeugt werden. Schon zur Weltmeisterschaft trat diese in Kraft – und am zweiten Spieltag kommt sie erstmals zum Einsatz.
Kurz vor Ende der 1. Halbzeit zwischen der Türkei und Paraguay bleibt ein Spieler der Südamerikaner nach einer eigenen Grätsche am Boden liegen. Es kommt zu einer Rudelbildung. Danach wird Schiedsrichter Ivan Barton an den Bildschirm an der Seitenlinie gebeten. Für den Zuschauer und die Zuschauerin ist zunächst unklar, was der Grund ist. Dann ist Miguel Almiron zu sehen, wie er sich die Hand vor den Mund hält und etwas in Richtung des türkischen Verteidigers Mert Müldür sagt.
Die Regellage ist klar und der Unparteiische handelt nach Betrachten der Videobilder entsprechend, ohne zu zögern: Er zeigt dem paraguayischen Spielmacher die Rote Karte. Der 32-Jährige ist völlig ratlos. Vielleicht war es nur eine Gewohnheit, dass er sich die Hand vor den Mund gehalten hat. Müldür schien jedoch aufgebracht, als Almiron ihm etwas sagte. Womöglich aber auch nur, weil er wusste, dass der Gegner dafür vom Platz fliegen werde.
In jedem Fall ist der Vorfall ein klares Signal für die restlichen Spieler an dieser Fussball-WM: Die Regel wird gnadenlos umgesetzt – und könnte womöglich tatsächlich im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus helfen. (nih)
