International
Türkei

Verbleib der Verhafteten nach Putsch in der Türkei unklar

A Turkish military officer, center, is escorted by policemen as he leaves a building of the Greek Asylum Service in Athens, Wednesday, July 27, 2016. Two of the eight Turkish military officers who are ...
Wo viele der knapp 20'000 verhafteten Menschen, die angeblich am Putschversuch beteiligt waren, hingebracht wurden, ist völlig unklar. Bild: Yorgos Karahalis/AP/KEYSTONE

Amnesty schlägt Alarm: Verbleib vieler Festgenommener nach Putschversuch in der Türkei unklar

03.08.2016, 06:5903.08.2016, 07:18

Mehr als zwei Wochen nach dem Putschversuch in der Türkei ist nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International der Verbleib vieler Gefangener noch immer unklar. Vor allem von mutmasslichen Rädelsführer fehlten Spuren.

Viele Festgenommene seien aus Kapazitätsgründen überall im Land in Sporthallen oder Reitställen unter teils menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht, sagte der Türkei-Experte der Organisation, Andrew Gardner, in Istanbul.

«Die Festgenommenen müssen mit ihren Familien kommunizieren können und Zugang zu ihren Anwälten haben», forderte er. Es gebe jedoch keine offiziell zugängliche Liste, aus der hervorgehe, wo wer untergebracht werde. Vor allem der Verbleib der mutmasslichen Rädelsführer des Putsches sei nicht bekannt.

Militärputsch in der Türkei

1 / 44
Militärputsch in der Türkei
Die Türkei stellt nach dem vereitelten Militärputsch die Gefangenen zur Schau: Der Nachrichtensender CNN veröffentlichte diese Bilder von halbnackten Verhafteten, wie sie offenbar in einem Lagerraum gefesselt gehalten werden. (Quelle: CNN)
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Amnesty hatte vergangene Woche in einem Bericht auf mögliche Folter in Polizeigewahrsam hingewiesen. Die türkische Regierung streitet die Vorwürfe vehement ab. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag gesagt, es könne sein, dass Soldaten «während der Tumulte Tritte und Schläge abbekommen haben». Für Folter gebe es jedoch null Toleranz. Gardner hält solch ein Dementi für «nicht glaubhaft».

Rund 20'000 Festnahmen

Nach dem Putschversuch von Teilen des Militärs am 15. und 16. Juli hat Präsident Recep Tayyip Erdogan einen 90-tägigen Ausnahmezustand verhängt. In dem Land läuft eine «Säuberungswelle» im Militär und bei der Polizei, in den Medien, der Justiz und im Bildungsbereich. Nach offiziellen Angaben von Ende vergangener Woche wurden bislang fast 19'000 Menschen festgenommen, gegen mehr als 10'100 von ihnen ergingen Haftbefehle.

Natürlich habe die Regierung nach dem Putschversuch das Recht, den Ausnahmezustand zu verhängen, sagte Gardner. Es habe jedoch bereits zuvor Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen gegeben. Dass die Regierung nun mehr Macht erhalte, sei daher besorgniserregend.

Ministerpräsident Binali Yildirim sagte zudem am Dienstag, es seien mehr als 58'600 Staatsbedienstete suspendiert und fast 3500 dauerhaft entlassen worden. Die EU haben sich besorgt gezeigt über die hohe Zahl an Festnahmen und Suspendierungen. Und auch der jüngst errichtete «Friedhof der Verräter» für getötete Putschisten, zu dem Angehörige der Toten keinen Zugang haben, steht in der Kritik. (sda/dpa/oku)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Putin will Treffen mit Trump und Xi – Selenskyj unerwünscht
Russland will sich zu Gesprächen zum Ukrainekrieg treffen. Teilnehmen sollen US-Präsident Trump und Chinas Machthaber Xi Jinping. Die Ukraine will Putin aber nicht dabeihaben.
Der russische Präsident Wladimir Putin plant Friedensgespräche zu einem Krieg, an dem die zweite Kriegspartei nicht teilnehmen soll. Das berichtet das Wall Street Journal (WSJ). Demnach soll Putin vorgeschlagen haben, sich im kommenden Monat zu Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump und Chinas Xi Jinping treffen zu wollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist hingegen nicht eingeladen.
Zur Story