Kann Trumps Wahnsinn gestoppt werden?
Immer mehr Psychiater und andere Fachleute sprechen das Offensichtliche aus: Donald Trump ist dement, und nicht nur das, er leidet an einer besonders gefährlichen Variante von Altersverwirrtheit, der Frontallappen-Demenz. Dabei brauchen wir diese Experten gar nicht. Jeder, der Augen im Kopf hat, kann sehen, dass der US-Präsident körperlich und geistig zerfällt. Er kann nicht mehr geradeaus laufen, er muss seine Hände mit Schminke übertünchen, er schläft in der Öffentlichkeit immer wieder ein, und seine wirren Reden werden immer wirrer.
Dass wir dabei vom mächtigsten Mann der Welt sprechen, macht die Sache furchterregend, zumal sein Umfeld ihn nicht stoppen kann: Seine Stabschefin Susie Wiles hat und will keinen Einfluss auf seine Entscheidungen nehmen. Verteidigungsminister Pete Hegseth ist ein dümmlicher Speichellecker, ebenso Handelsminister Howard Lutnick. Finanzminister Scott Bessent, Aussenminister Marco Rubio und Vizepräsident J.D. Vance sind charakterlose Opportunisten.
Stephen Miller, der Mann, dem der grösste Einfluss auf den Präsidenten nachgesagt wird, ist – sorry, man kann es nicht anders ausdrücken – ein gefährlicher Faschist, Trumps Joseph Goebbels sozusagen.
So gesehen ist es nicht verwunderlich, was sich derzeit rund um Grönland abspielt. Trump wünscht, die Insel den USA einzuverleiben, notfalls gar mit militärischen Mitteln. Er will es, weil er es kann, oder wie es Stephen Miller kürzlich in einem Interview mit Jake Tapper vom TV-Sender CNN ausgedrückt hat: «Wir leben in einer Welt, in der du, so lange wie du willst, über die netten internationalen Gepflogenheiten diskutieren kannst. Aber die reale Welt wird regiert durch Macht und Gewalt.»
Der US-Präsident behauptet derweil, die USA bräuchten Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit. «Es ist strategisch», so Trump. «Derzeit wird es umzingelt von russischen und chinesischen Schiffen.»
Das ist Unsinn. Militärisch können die USA auf Grönland bereits nach Belieben schalten und walten. Der NATO-Partner Dänemark, zu dem die Insel gehört, legt den Amerikanern keinerlei Hindernisse in den Weg. Auch die noch unter dem Eis verborgenen Bodenschätze können die Amerikaner problemlos käuflich erwerben, sollten sie dereinst gehoben werden.
Nein, Trump will Grönland aus einem einzigen Grund: Er will damit in die Geschichte eingehen und mit Thomas Jefferson gleichziehen. Dieser hat 1803 Napoleon Louisiana abgekauft und damit das Gebiet der USA auf einen Schlag verdoppelt.
Zudem ist Grönland eine leichte Beute. Militärisch können die USA nicht davon abgehalten werden, sich die Insel einzuverleiben. Politisch hingegen ist der Preis sehr hoch. Mette Frederiksen, die dänische Ministerpräsidentin, spricht Klartext: «Sollten die Vereinigten Staaten ein anderes NATO-Mitglied militärisch angreifen, dann ist alles vorbei.»
Auch die Militäraktion gegen Nicolás Maduro erweist sich immer mehr als ein Ego-Projekt des Präsidenten. Immer und immer wieder betont Trump, es gehe ihm dabei um das Öl. Von Demokratie spricht er nie, und er ist gar bereit, mit dem ehemaligen Kabinett des Diktators von Venezuela zusammenzuarbeiten.
Selbst mit dem Öl wird es wohl schwierig werden. Zwar haben die Amerikaner venezolanisches Öl im Wert von gegen drei Milliarden Dollar beschlagnahmt, und Trump will höchstpersönlich darüber entscheiden, was mit dem Geld aus dem Verkauf dieses Öls geschehen soll.
Doch mehr als ein Tropfen auf einen heissen Stein ist das nicht. Ja, es zeigt, dass Trump nicht nur wie ein Mafia-Boss denkt, sondern auch so handelt. «Das ist reiner Imperialismus, für den es keine Rechtfertigung gibt», erklärt denn auch Jeffrey Sonnenfeld, Professor an der Yale Business School, in der «Financial Times». «Es gibt auch gar keinen Grund dafür. Derzeit hat es viel zu viel Öl auf dem Markt.»
Auch langfristig ist die Sache komplex. Venezuela verfügt zwar über die grössten Ölreserven der Welt, doch dieses Öl ist nur schwer abbaubar und schwer zu raffinieren. Trump hat zudem wahrheitswidrig behauptet, dass die amerikanischen Ölmultis die maroden Ölfelder in Venezuela wieder auf Vordermann bringen würden. Venezuela ist höchstens potenziell eine Öl-Bonanza. Zunächst sind Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe nötig, und auch dann lohnt sich diese Investition erst, wenn der Ölpreis mindestens 80 Dollar pro Fass beträgt. Derzeit liegt er unter 60 Dollar pro Fass.
Dazu kommt, dass die Ölmultis erst dann eingreifen, wenn sie die Gewissheit haben, dass ihre Investitionen auch geschützt sind. Davon kann keine Rede sein. Zudem liegt es auch nicht im Interesse der amerikanischen Ölindustrie, eine Ölflut zu erzeugen. Auch Fracking lohnt sich erst dann, wenn das schwarze Gold nicht allzu billig ist.
Vor fünf Jahren haben Chaoten versucht, das Kapitol zu stürmen und die legitime Wahl von Joe Biden zu verhindern. Die Trump-Regierung verhindert nicht nur, dass eine Gedenktafel für die Polizisten, die das Unterfangen verhindert haben, angebracht wird. In wahrer Orwell’scher Newspeak-Manier wird dieses Ereignis auf der offiziellen Website des Weissen Hauses umgedeutet. Weil sie die Wahlniederlage von Trump zertifiziert haben, werden die Demokraten als die «wahren Aufständischen» bezeichnet. Die Chaoten hingegen sind derweil «in bösartiger Manier zu hart bestraft worden» und waren «Geiseln für ein rachsüchtiges Regime».
All dies zeigt: Der demente Präsident ist im Begriff, die USA von einem Rechts- in einen Mafia-Staat zu verwandeln. Trump selbst ist einzig noch an seiner Glorifizierung interessiert, an seinem Ballroom, an seinem Triumphbogen oder daran, seinen Namen an möglichst viele Gebäude heften zu können.
Kann dieser enthemmte Mann noch gestoppt werden? Noch sind die USA nicht verloren, denn:
- Trump befindet sich in einem Umfrage-Tief. Kein Präsident war je zuvor nach nur einem Amtsjahr so unbeliebt wie er. Mit seiner Politik, beispielsweise was die Krankenkassenprämien betrifft, frustriert er selbst die eigenen Wähler.
- Die Demokraten haben Tritt gefasst und alle Wahlen des vergangenen Jahres für sich entscheiden können.
- Die Gerichte entscheiden immer öfter gegen den Präsidenten. Selbst der konservativ beherrschte Oberste Gerichtshof hat ihm untersagt, Soldaten der Nationalgarde nach Chicago zu entsenden. Es besteht auch die reale Möglichkeit, dass er Trumps Zölle kassieren wird.
- Die «No Kings»-Protest-Bewegung wird immer grösser und hat bereits mehr Mitglieder als die MAGA-Meute.
Das vielleicht potenteste Mittel gegen Trumps demente Allmachtsfantasien ist jedoch die Scham. Die Amerikanerinnen und Amerikaner sehen ihr Land bekanntlich als «leuchtende Stadt auf einem Hügel». Sie sehen sich als Vorkämpfer für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde. Auch viele Konservative beginnen sich deshalb zu schämen. Schliesslich wollen sie nicht als Mitglieder einer Mafia-Organisation dastehen – oder gar als offene Faschisten wie Stephen Miller.
