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Wenn jeder ein selbstfahrendes Auto hat, stehen vielleicht sogar leere Autos in den Verkehrskolonnen. bild: shutterstock.com

Verursachen autonome Autos tatsächlich mehr Stau? Ein Experte widerspricht

Gemäss einer aktuellen Studie der ETH kann der Umstieg auf selbstfahrende Autos zu mehr Stau führen. Dabei erhofft man sich von der Technik einen flüssigeren Verkehr. Doch die Erkenntnis der ETH ist umstritten.

Bruno Knellwolf / ch media



Von selbstfahrenden Autos erhofft man sich weniger Stau und mehr Sicherheit. Mit gutem Grund, sind menschliche Fehler am Steuer doch weitaus die häufigste Unfallursache im Strassenverkehr. Einige Autohersteller forschen emsig an solchen Autos, und zumindest die Teilautomatisierung ist in den neuen Fahrzeugen weit vorangeschritten.

Doch eine aktuelle Studie von Kay Axhausen, Professor am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich, zeigt, dass der automatisierte Verkehr nicht in jedem Fall die erwünschte Wirkung erzielt. In seiner Studie im Auftrag der Schweizerischen Vereinigung der Verkehrsingenieure, finanziert vom Bundesamt für Strassen, hat Axhausen mit seinem Team simuliert, wie sich das Verkehrsaufkommen in der Stadt Zürich durch die Einführung von automatisiertem Verkehr im Laufe von 20 Jahren verändern könnte.

Das Ergebnis der Studie ist überraschend: Ein Verkehr mit selbstfahrenden Autos könnte demnach die Anzahl gefahrener Kilometer sogar erhöhen. Mehr Verkehr statt weniger also.

Der selbstfahrende Bus in Neuhausen am Rheinfall ist mit einem E-Bike kollidiert. Die 72-jährige E-Bikerin wurde verletzt. (Archivbild)

In der Schweiz fahren bereits mehrer autonome Busse im Linienbetrieb. Hier zum Beispiel in Neuhausen am Rheinfall. Bild: KEYSTONE

3000 selbstfahrende Taxis in Zürich

Der Besitz an Personenwagen werde sich nur dann reduzieren, «wenn selbstfahrende Fahrzeuge privat nicht erworben werden können». Ansonsten kauft Herr Schweizer statt eines herkömmlichen Autos einfach eines mit Autopilot. Zu verlockend wäre diese Kombination von Flexibilität und der Möglichkeit, im Auto zu lesen und zu arbeiten. «Insbesondere, wenn alle Familienmitglieder das Fahrzeug nutzen können», schreibt Axhausen.

Die Autoren legen den Behörden deshalb nahe, die Einführung selbstfahrender Autos zu regulieren. Besser sieht das Studienergebnis für die automatisierte Taxiflotte aus. Der Einsatz von 3000 selbstfahrenden Taxis ist der Optimalfall und würde den Individualverkehr in Zürich reduzieren.

Der Verkehr der Zukunft ist anders

Die ETH-Studie sei zwar sauber gemacht, sagt Andreas Herrmann, Direktor am Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen, der sich schon länger mit dem automatisierten Verkehr befasst und dazu zwei Bücher veröffentlicht hat. Das Problem sei aber, dass man den heutigen Verkehr direkt mit dem Alternativszenario des vollautomatisierten Verkehrs vergleiche. «Die Fahrgewohnheiten von heute werden in die autonome Welt hineintransportiert», sagt Hermann. Das sei auch die Basis der Axhausen-Studie. Aber die Welt sei viel komplizierter.

Er zeigt ein Versuchsvideo. Etwa zwanzig normale Autos fahren in einem Kreis. Sie stocken, fahren wieder – Stop & Go. «Wir überreagieren im Verkehr, wir beschleunigen und bremsen zu stark», erklärt Hermann. Im zweiten Versuch fährt ein selbstfahrendes Auto im Kreis mit. Der Kreisverkehr beruhigt sich, die Abstände zwischen den Autos verringern sich, das Stop & Go verschwindet. «Diese Münchner Studie zeigt, dass der Einsatz eines autonomen Fahrzeugs eine Treibstoff-Reduktion von bis zu 40 Prozent ergibt», sagt Herrmann. «Wir haben heute schon viele Möglichkeiten, den Verkehr durch Automatisierung effizienter zu machen.»

Zum Beispiel mit der Kommunikation von Auto zu Auto. «Schweden hat in Göteborg ein solches Projekt, Singapur auch, die USA mehrere. Die Software-Industrie geht dorthin, wo es solche Testgebiete gibt», sagt Herrmann. Deshalb habe er schon der damaligen Bundesrätin Doris Leuthard vorgeschlagen, auch in der Schweiz solche Tests zu ermöglichen. «Singapur will der Versuchsort sein für die neue Mobilität. So eine Aussage hätte ich für die Schweiz erwartet», sagt Herrmann. Dort gibt es autonome Autos nur im Flottenbetrieb und diese werden per App bestellt.

Die Politik muss jetzt die Weichen stellen

Der Experte geht nicht davon aus, dass selbstfahrende Autos in Zukunft in Privatbesitz sein werden. Schon heute verzichten immer mehr junge Menschen auf ein eigenes Auto, Sharing-Modelle haben Aufwind. Es wird wohl noch Jahrzehnte dauern bis zum vollautonomen Strassenverkehr. Bis dann muss der herkömmliche mit dem autonomen Verkehr verschmelzen.

In den USA würden für die selbstfahrenden Autos eigene Spuren geschaffen, das sei in der Schweiz schwierig. Deshalb werde man bei uns nicht auf Hauptstrassen beginnen, sondern so wie in Singapur in separaten Quartieren, unter Kontrolle einer Leitzentrale. Es bringe überhaupt nichts, wenn jede Schweizer Stadt ihren autonomen Bus möchte, der auf einer Strecke von zwei Kilometern hin und her fahre, sagt Hermann.

Und er fügt an: «Wir brauchen die Vernetzung der Verkehrsträger, den nächsten Schritt hin zur neuen Mobilität. Die Politik sollte jetzt die Weichen dafür stellen.» (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kaspar Floigen 09.07.2019 16:02
    Highlight Highlight Ich habe die Studie nicht gelesen, aber ich habe das Gefühl, dass das sonst auch niemand hat. All die Konjunktive im Text lassen mich darauf schliessen, dass die wahre Aussage der Studie sehr viel konservativer als "autonomes Fahren bringt mehr Stau" war, und das einfach ist, was die Zeitungen drucken. Der wahre Wert solcher Studien sind die Modelle, auf denen jetzt Andere aufbauen können und unter verschiedenen Szenarien auf verschiedene Ergebnisse kommen können.
  • Silverstone 09.07.2019 08:42
    Highlight Highlight Da wird wieder einmal mit dem Kreis Modell ein absolut praxisgerechtes Experiment verkauft (Achtung Ironie...)
    Das Problem an den autonomen Modellen ist, dass diese viel vorsichtiger Fahren müssen, und in nicht 100% klaren Situationen deutlich langsamer als ein herkömmliches Fahrzeug manöverieren werden, da sie (noch) nicht die benötigte Intelligenz besitzen um die Situation korrekt einzuschätzen.
    Ein autonomes Fahrzeug wird nie "Blickkontakt" mit anderen Verkehrsteilnehmern haben, und dadurch ihre Absicht "einschätzen" können.
    Autonomes fahren wird erst funktionieren, wenn ALLE autonom sind..
  • Ökonometriker 08.07.2019 17:04
    Highlight Highlight Wir sollten endlich mehr sinnlosen Pendelverkehr vermeiden und stärkere Anreize für Home Office schaffen. Dann kommen die, welche an einen bestimmten Ort müssen (Sitzungen/Handwerker o.ä.), schneller an und der Umwelt ist auch geholfen. Egal, ob autonom gefahren wird oder nicht.
  • Ovolover 08.07.2019 15:46
    Highlight Highlight Kommt der Tag, an dem man im Stau steht und merkt: hey, ich bin ja der einzige hier, alle anderen Autos sind leer!
  • TheWall_31 08.07.2019 13:27
    Highlight Highlight "Weniger Verkehr" ist doch gar nicht das Ziel der Autonomie. Mit gleich bleibendem Verkehr bist du damit nur wesentlich schneller am Ziel. Mit nachhaltigen Motoren ist mehr Verkehr auch kein Problem.

    Ein riesen Vorteil: Du kannst dich vor den Paradeplatz fahren lassen, aussteigen und das Auto sucht sich irgendwo einen Parkplatz. Natürlich hast du damit mehr Verkehr, aber jeder ist deutlich schneller am Ziel.
    • Forest 08.07.2019 15:24
      Highlight Highlight Beim Paradeplatz kommt ein Tram schon fast in Minuten Takt.
    • TheWall_31 08.07.2019 15:39
      Highlight Highlight Es war auch nur ein Beispiel...
    • hauruck 09.07.2019 09:04
      Highlight Highlight @Forset
      Stimmt. Aber es komm nicht direkt von Bäriswyl, Mettmenstetten, Egg, etc.
  • Chääschueche 08.07.2019 11:19
    Highlight Highlight Also von der ETH würde man ja besseres erwarten als sowas. Das könnte ein 1. Klass Schüler ja besser...

    Stau gibt es allem voran, weil es zu viele Idioten gibt...Gaffer, Sonntasfahrer, notorische langsame Linksfahrer, Elefantenrennen (Lastwagen) usw.

    Es reicht schon wenn der Verkehr flüssiger läuft und sorry liebe ETH. Und das würde er auch in der Stadt, wenn Autos alternativwege finden, genug früh beschleunigen, abbremsen usw. Btw. Zürich Stadt ist nicht die Welt.

    Freundliche Grüsse

    Einer ohne Universitätsabschluss

    • KenGuru 08.07.2019 15:06
      Highlight Highlight Dass ein 1. Klasse Schüler es besser kann, zeigt ja schon deine Analyse, die ist ja sowas von ausgeklügelt und daher sicher richtig. Am besten macht Watson das nächste Mal ein Interview mit dir.

      Ironie Off.
    • ingmarbergman 08.07.2019 15:32
      Highlight Highlight 🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️
    • Chääschueche 08.07.2019 17:28
      Highlight Highlight @Ken Guru
      Uiii jetzt hast du es mir aber gezeigt 😱
    Weitere Antworten anzeigen
  • Donald 08.07.2019 10:53
    Highlight Highlight Leider wird oft vergessen, dass das Auto auch Dinge transportiert und lagert. Dies können Sharing-Modelle leider nicht ersetzen.
    • Evan 08.07.2019 11:31
      Highlight Highlight Warum nicht?
    • DerHans 08.07.2019 11:32
      Highlight Highlight Leider wird oft alles gleich schlecht geredet obwohl man es selber noch nie ausprobiert hat.
    • Finöggeli 08.07.2019 11:50
      Highlight Highlight Deswegen gibt es kein einziges Transportunternehmen...
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