Schweiz
Crans-Montana

Crans-Montana: Morettis verdienten doppelt so viel wie behauptet

epa12637497 French owners of the bar in Crans-Montana, where the deadly fire happened on New Year's Day, Jacques and Jessica Moretti (C) arrive with their lawyers for questioning by the Valais pu ...
Die Aussagen des Ehepaars Moretti beinhalten Ungereimtheiten.Bild: keystone

Kaution viel zu tief? Morettis verdienten 2024 doppelt so viel wie behauptet

Bei den finanziellen Verhältnissen des Ehepaars Moretti gibt es weitere Ungereimtheiten. Die Besitzer der Unglücksbar von Crans-Montana hatten laut ihrer letzten Steuererklärung deutlich mehr verdient, als sie vor der Staatsanwaltschaft angaben.
01.02.2026, 05:4501.02.2026, 07:34

Gross war die Empörung im In- und Ausland als Jacques Moretti vor etwas mehr als einer Woche gegen die Hinterlegung einer Kaution von 200'000 Franken aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Zwar gab es auch Stimmen, die das Vorgehen der Walliser Justiz verteidigten und es als rechtlich korrekt bezeichneten – doch ein gewisses Unbehagen blieb hängen. Opferanwälte befürchten unter anderem, dass sich die Morettis trotz Kaution ins Ausland absetzen könnten.

Nun zeigen die Steuererklärungen der Morettis der vergangenen Jahre, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, dass Skepsis durchaus angebracht ist – bezüglich der Höhe der Kaution, aber nicht nur. Denn die Morettis verdienten 2024 weit mehr, als Jacques Moretti vor der Staatsanwaltschaft bei der Einvernahme angegeben hatte.

Laut Moretti verdienten er und seine Frau mit den zwei Firmen für das Restaurant Le Senso und die Bar Le Constellation jeweils etwa 5000 Franken monatlich, also 10'000 Franken insgesamt. Doch das in der Steuererklärung 2024 ausgewiesene Einkommen betrug 252'907 Franken – das ist monatlich mehr als doppelt so viel, wie von Moretti behauptet.

Fragezeichen gibt es auch beim Vermögen der Morettis. Der Staatsanwalt sagte der Korse, dass ein Grossteil der Immobilien durch Hypotheken finanziert sind. Sie selbst besässen deshalb nur einen Bruchteil des Millionenwerts der verschiedenen Immobilien als Eigenvermögen.

In der Steuererklärung 2024 zeigt sich ein anderes Verhältnis zwischen Vermögen und Schulden. Dort beträgt der Wert des privaten Hauses 820'000 Franken, der Wert der Firmen 2'888'563 Franken und die Verschuldung 2'261'652 Franken: Macht unter dem Strich ein Eigenvermögen von 1,46 Mio. Franken.

Dazu kommt: eine Wohnung in Cannes und ein Appartement in Paris, das die Morettis ebenso besitzen, wurde über Jahre nicht oder massiv unterbewertet in den Schweizer Steuererklärungen deklariert. Der «SonntagsZeitung» liegen die Dokumente seit 2020 vor.

Nun ist es so, dass die Angaben in der Steuererklärung 2023 deutlich anders aussehen. Dort wurden sowohl der Wert der Firmen als auch jener des Privathauses nur als etwa halb so hoch ausgewiesen wie 2024. Beides wurde später von der Steuerbehörde bei der definitiven Veranlagung deutlich nach oben korrigiert – ohne das dies rechtliche Folgen für die Morettis gehabt hätte.

Auch der Lohn der Morettis wurde 2023 mit nur 131'000 Franken deklariert. Es gibt also mehrere offene Fragen: Hat sich Jacques Moretti bei seinen Aussagen auf die viel zu tiefe Deklaration in der Steuererklärung 2023 bezogen? Dann würden seine Angaben zwar etwa stimmen. Doch die Steuererklärung 2024 war zum Zeitpunkt seiner Einvernahme bereits eingereicht und die Angaben für 2023 wurden durch die Steuerbehörde ebenfalls bereits korrigiert.

Es ist schwer vorstellbar, dass Moretti diese beiden Umstände zum Zeitpunkt der Einvernahme nicht bekannt waren. Falschangaben wären bei jemandem, der auf Kaution frei ist, ein Grund, wieder festgenommen zu werden.

Laut dem Opferanwalt Sebastien Fanti stellt sich zudem die Frage, ob sich womöglich auch das Walliser Zwangsmassnahmengericht bei der Festlegung der Kaution auf 200'000 Franken auf die mangelhafte erste Steuererklärung von 2023 gestützt hatte. Falls dem so ist, wäre diese vermutlich zu tief. Anfragen der «SonntagsZeitung» bei der Walliser Staatanwaltschaft und beim Anwalt der Morettis wurden von beiden nicht beantwortet. (con)

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65 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ELMatador
01.02.2026 06:35registriert Februar 2020
Warum werden bei solchen Entscheide die Steuererklärungen nicht beigezogen? Warum lässt man die Lügen (vor Gericht) so stehen?

Komische sache.
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Joey00789
01.02.2026 07:12registriert Juli 2025
Erstaunlich, wie Reporter, das schweizerische Steuersystem bei der Vermögensbemessung nicht verstehen.
Liegenschaften entsprechen dem Wert, der durch die Steuerverwaltung festgesetzt wird. Dies ist nicht der Verkehrswert und wurde seit 2020 durch die kantonalen Behörden überarbeitet.
Ausländische Liegenschaften sind umso schwerer „korrekt“ nach steuerlicher Betrachtung festzulegen.
Dies sollte den Schreibenden bekannt sein, wenn von professionellem Journalismus ausgegangen wird. Danke!
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FACTS
01.02.2026 08:55registriert April 2020
So what? Sind sie etwa geflohen? Und ihre Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft sind auch nicht geeignet, die Opfer um ihre Schadenersatzansprüche zu prellen. Das Einzige, was man sich hier fragen sollte: Warum hat die Staatsanwaltschaft nicht schon früher die Steuererklärungen beigezogen.

PS: Der Steuerwert einer Liegenschaft liegt praktisch immer wesentlich unter Verkehrswert. Gerade und erst recht im Wallis.
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