Malorie Blancs Triumph ist ein spezieller Sieg auf vielen Ebenen
Malorie Blanc rast über die Ziellinie, sieht grün, sieht die Bestzeit und reisst die Arme in die Höhe. Ihr erster Weltcupsieg. Die rund 5000 Fans auf den Tribünen im Zielstadion von Crans-Montana brechen in Jubelstürme aus.
Denn der Sieg der jungen Schweizerin ist ein Erfolg, der auf vielen Ebenen guttut. Da ist einerseits die sportliche Ausgangslage.
Das Schweizer Speed-Team der Frauen war in dieser Saison bislang arg gebeutelt. Die verletzungsbedingten Ausfälle von Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin sind schwer zu kompensieren. Mit Corinne Suter verpasste eine dritte Teamleaderin den Saisonstart aufgrund einer Verletzung, sie ist immer noch auf der Suche nach der Bestform.
So bestand kurz vor den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo wenig Hoffnung auf Schweizer Erfolge. Top-10-Klassierungen waren in dieser Speed-Saison eine Seltenheit, Podestplätze gefühlt ausser Reichweite.
Und jetzt rast Malorie Blanc im letzten Rennen vor den Spielen aufs Podest. Das gibt dem ganzen Schweizer Team Hoffnung. Es geht ja doch! Einerseits können sich Fahrerinnen wie Jasmine Flury, Delia Durrer oder Janine Schmitt inspirieren lassen. Andererseits nimmt es auch etwas Druck von Corinne Suter, dass sie es so kurz nach ihrer Verletzung in Cortina nicht alleine richten muss.
Andererseits ist da die Geschichte von Crans-Montana mit der unfassbaren Feuertragödie in der Silvesternacht, als 40 Menschen starben und 116 weitere teilweise schwer verletzt wurden.
Als Malorie Blanc ins Ziel kommt, hält sie sich sofort die Hand ans Herz und streckt diese dann gen Himmel. Blanc stammt aus Ayent VS, einem Nachbarort von Crans-Montana. Kein Zweifel, dass die Brandkatastrophe auch sie stark berührt hat und deshalb auch kein Wunder, dass sie sofort den Opfern und Hinterbliebenen gedenkt.
Die Rennen in Crans-Montana nur einen Monat nach der grossen Tragödie sollten kein grosses Fest werden. Die Veranstalter sagten das Rahmenprogramm rundherum ab und entfernten die Sponsoren von den Banden. Stattdessen sollte der Sport und das Andenken an die Opfer im Zentrum stehen.
Dank des Triumphs von Malorie Blanc, einer Unterwalliserin, einer Einheimischen, steht der Sport tatsächlich voll im Fokus. Die 22-Jährige hat der Region einen Moment der Freude geschenkt, wie er in den vergangenen Wochen kaum vorhanden war. Blanc hat gezeigt, dass auch wieder gute Momente kommen und Crans-Montana so vielleicht sogar den Übergang zurück zur Normalität etwas vereinfacht.
