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Crans-Montana: Jositsch mit Verständnis für Moretti-Freilassung

SPERRFRIST 14:00 Uhr, 27.06.2025 - Staenderat Daniel Jositsch, SP-ZH, und Praesident der Kommission fuer Rechtsfragen, RK-S, spricht mit Journalisten nach die Anhoerung bei der Kommission fuer Rechtsf ...
Daniel Jositsch ist SP-Ständerat und erfahrener Strafrechtsprofessor.Bild: keystone

Jositsch verteidigt Moretti-Freilassung aus U-Haft – und weist Meloni-Vorwürfe zurück

Die Entlassung von Jacques Moretti, dem Inhaber der Unglücksbar von Crans-Montana, aus der Untersuchungshaft sorgt über die Landesgrenzen hinaus für Empörung. Laut Daniel Jositsch geht die Walliser Justiz aber korrekt vor.
25.01.2026, 07:1425.01.2026, 14:12

Jositsch gab seine Einschätzung auf Anfrage des Tages-Anzeigers ab. Der Zürcher SP-Ständerat und Strafrechtsprofessor hält die Freilassung von Jacques Moretti, der vergangene Woche unter strengen Auflagen aus der Untersuchungshaft kam, für plausibel. Aufgrund der ihm bekannten Informationen gebe es keinen Grund, Moretti weiter festzuhalten, so der Politiker.

Er habe sich bereits gewundert, dass überhaupt Untersuchungshaft angeordnet worden sei, so Jositsch. Diese sei in der Regel nur bei schweren Delikten anzuordnen – trotz der verheerenden Folgen der Brandkatastrophe von Crans-Montana sei die fahrlässige Tötung, der die Morettis verdächtigt werden, auf juristischer Ebene kein solches.

Dass gegen die Morettis wegen vorsätzlicher Tötung ermittelt werden könnte und die Anordnung von Untersuchungshaft damit gerechtfertigt wäre, hält der SP-Politiker für «Unsinn». Dazu müsste der Verdacht im Raum stehen, dass die Barinhaber eine solche Katastrophe in vollem Bewusstsein in Kauf genommen hätten. Das sei kaum vorstellbar.

Der Umgang mit Jacques Moretti und seiner Frau Jessica sorgt in der Schweiz, aber auch im nahen Ausland für Aufregung und Empörung. So schwappt insbesondere aus Italien, das ebenfalls sechs junge Todesopfer zu beklagen hat, scharfe Kritik am Walliser Justizapparat über die Grenze.

Jüngst hat sich auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni dezidiert geäussert. Die italienische Regierung sei «zutiefst empört», wie die Schweizer Justiz im Fall des Unglücks vorgehe. Meloni forderte als Reaktion auf die Entlassung von Jacques Moretti «respektvolle Massnahmen». Sie sah sich gar genötigt, den italienischen Botschafter in der Schweiz für eine Konsultation zum Fall Crans-Montana nach Rom zu berufen.

epa12675564 Italian Prime Minister Giorgia Meloni delivers a speech during the Italy-Germany Business Forum in Rome, Italy, 23 January 2026. EPA/RICCARDO ANTIMIANI
Giorgia Meloni kritisiert die Schweizer Behörden offen.Bild: keystone

Daniel Jositsch bezeichnet die Aussagen Melonis als «sehr populistisch». Er halte es für richtig, dass «die Schweizer Strafbehörden Leute nicht einfach auf öffentlichen Druck ins Gefängnis stecken, sondern den Fall in einem rechtsstaatlichen Verfahren prüfen». Auch der Bundesrat hatte zuvor auf die strikte Trennung zwischen Justiz und Politik hingewiesen, gleichzeitig aber Verständnis für die Entrüstung geäussert.

Dass die Walliser Behörden eben gerade auf öffentlichen Druck reagieren würden, wurde diesen bereits kurz nach der Tragödie vorgeworfen. Nachdem die Morettis zunächst auf freiem Fuss blieben, ordnete die Walliser Justiz mehr als eine Woche später Untersuchungshaft an – ohne, dass sich die Ausgangslage massgeblich geändert hätte.

Kritik gibt es an den Behörden auch aufgrund mehrerer Versäumnisse und Fahrlässigkeiten bei den Ermittlungen. So kritisierten Opferanwälte beispielsweise scharf, dass die Handys der Morettis zunächst nicht eingezogen worden waren – dadurch hätten diese die Möglichkeit gehabt, potenziell belastendes Material verschwinden zu lassen. Ebenfalls für Kritik sorgten vergangene Woche bekannt gewordene Interessenkonflikte auf Gemeindeebene unmittelbar nach dem Unglück. Mehr Informationen dazu gibt es hier:

(con)

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190 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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watsoninan
25.01.2026 08:31registriert November 2019
Da kommt einer, der die Sache nüchtern von aussen betrachtet, ziemlich sicher nicht im "Walliser Filz" steckt und die korrekten Schlüsse zieht, was Gesetz ist und was nicht.
Die Reaktion der Kommentare: buuuh! Wir wollen einfach Blut sehen! Jetzt!

Was mich an der Sache deutlich mehr stört, als die Freilassung Morettis auf Kaution, ist, dass in Richtung Gemeinde irgendwie nicht ermittelt wird - oder es zumindest den Anschein macht.
Eine Grosse Mitschuld trägt meines Erachtens nun mal Crans-Montana.
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Vegan-Pacman
25.01.2026 07:59registriert Juni 2025
An alle Empörten: die Schweiz ist ein Rechtsstaat und eine Verfassungsdemokratie und ein Rechtsstaat. Und genau nach dieser Verfassung und nach diesen Gesetzen ist Moretti zu verurteilen. Und wenn es das Gesetz nicht hergibt, dann ist auch keine U-Haft anzuordnen. Der Weg des Rechts geht über die Legislative und gottseidank nicht über die gerade vorherrschende Gemütslage. Das hilft im Endeffekt uns allen - auch wenn es manchmal und manchen mal gerade nicht in den Kram passt.
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HEUREKAonTOURS
25.01.2026 09:17registriert Mai 2025
Der Pöbel ist ein Pferd, dass nach hinten auschlägt und nicht sieht, wen es trifft. Jositsch hat Recht, er beurteilt das nach juristischen Fakten und nicht nach dem Pöbel-Wutgehabe.
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