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Deutsche Bank gerät in den Abwärtsstrudel



Die Nervosität über die Stabilität der Deutschen Bank wird immer grösser. Am Freitag fiel der Aktienkurs erstmals unter 10 Euro und damit auf den tiefsten Stand aller Zeiten. Auslöser sind Berichte, wonach Hedgefonds ihre Geschäfte mit der Bank reduziert hätten.

Einige Hedgefonds aus den USA hätten Gelder aus der Handelssparte von Deutschlands Branchenprimus abgezogen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Vortag. Dies sorgte für einen Kurssturz der Aktie, die erstmals in der Geschichte der Deutschen Bank unter die psychologisch wichtige Marke von 10 Euro fiel. 2007 war das Papier noch über 100 Euro wert gewesen.

Mit 9.898 Euro war die Aktie am Freitagmorgen zeitweise so billig noch nie und kostete noch so viel wie ein Kasten Bier. Gegen Mittag erholte sich der Kurs wieder etwas auf 10.335 Euro und notierte damit um 5 Prozent unter dem Vortagesschluss.

Angesichts immer neuer Spekulationen um Kapitallücken und mögliche Staatshilfen haben die Aktien in den vergangenen zwei Wochen ein Viertel an Wert verloren. Die Bank ist derzeit an der Börse keine 14 Milliarden Euro mehr wert.

Cryan fordert auf, Ruhe zu bewahren

Wie ernst die Lage ist, zeigt, dass sich Deutsche-Bank-Chef John Cryan zu einem Aufruf an die Mitarbeiter veranlasst sah, trotz der Marktturbulenzen Ruhe zu bewahren. «Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt», schrieb Cryan in einem Brief an die rund 100'000 Beschäftigten.

Am Markt seien Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in Deutschlands grösstes Geldhaus schwächen wollten. «Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Aussenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst.»

Cryan schrieb, «einige wenige Hedgefonds-Kunden» hätten die Bank verlassen. Das sorge aber «zu Unrecht» für Unruhe, denn die Deutsche Bank habe mehr als 20 Millionen Kunden. Deutsche-Bank-Manager Barry Bausano sprach von normalen Schwankungen. Es habe in dieser Woche sowohl Zu- als auch Abflüsse gegeben.

Die Deutsche Bank verfüge über ein starkes Fundament, erklärte Cryan. «Wir erfüllen alle aktuellen Eigenkapitalanforderungen und sind bei unserem Umbau im Plan.» Die Markt- und Kreditrisiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden.

«Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute», schrieb Cryan. Mit Liquiditätsreserven von mehr als 215 Milliarden Euro haben die Bank «einen überaus komfortablen Puffer.»

Nervosität wegen Riesenbusse

«Auch die Ungewissheit über den Ausgang unseres Rechtsverfahrens in den Vereinigten Staaten ist kein Grund für diesen Druck auf unseren Aktienkurs, wenn wir die Vergleiche direkter Wettbewerber als Grundlage nehmen», schrieb Cryan.

Das US-Justizministerium hat für die Deutsche Bank wegen Tricksereien auf mit Hypothekarpapieren eine Strafe von 14 Milliarden Dollar verhängt. Experten und die Bank selbst gehen jedoch davon aus, dass diese Summe im Zuge der Verhandlungen noch deutlich gedrückt werden kann.

Weil die Rücklagen des Finanzunternehmens für Rechtsstreitigkeiten nur etwa 5.5 Milliarden Euro betragen, gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Gerüchte über Pläne für Staatshilfen. Cryan hatte dies am Mittwoch in der «Bild»-Zeitung zurückgewiesen.

Auch eine Kapitalerhöhung schloss er zum jetzigen Zeitpunkt aus. Die Frage stelle sich derzeit nicht; die Situation der Deutschen Bank sei besser, als sie derzeit von aussen wahrgenommen werde.

Italiens Regierung besorgt

Derweil dementierte die deutsche Regierung, an einem Rettungsplan für die Deutsche Bank zu arbeiten. Am Freitag lehnte die Bundesregierung jeden Kommentar zu Spekulationen über einen Staatseinstieg bei der Deutschen Bank ab. Eine Regierungssprecherin sagte, in einem Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama sei die Bank kein Thema gewesen.

Anderswo ist die Besorgnis dagegen manifest: Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan forderte eine rasche Lösung für die Schwierigkeiten der Deutschen Bank. «Genauso wie das Problem der faulen Kredite in einem vernünftigen Zeitrahmen gelöst werden muss, sollte dies auch für die Probleme der Deutschen Bank gelten», sagte der Minister der italienischen Zeitung «La Stampa» in einem Interview. (sda/reu/dpa/afp)

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