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Terrorismus - Frankreich: Eine Schweizerin unter den Anschlagsopfern von Nizza

15.07.2016, 12:04

Nach dem Anschlag von Nizza mit mindestens 84 Toten hat Frankreichs Staatschef François Hollande eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Der Attentäter wurde inzwischen identifiziert. Unter den Toten befindet sich auch eine Schweizerin.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte den Tod einer Schweizerin in Nizza. Beim Opfer handelt es sich offenbar um eine 54-jährige Frau aus dem Tessin.

Die Gemeindesprecherin von Caslano TI bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, dass sich eine Tessinerin unter den Opfern der Anschläge von Nizza befinde. Sie sei in Agno TI heimatberechtigt und 54 Jahre alt. Das EDA steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit den Angehörigen des Opfers.

Noch ist unklar, ob es weitere Schweizer Opfer gegeben hat. Derzeit seien Abklärungen im Gang zu dieser Frage, teilte das EDA am späten Vormittag mit. Die Schweizer Vertretung vor Ort stehe in Kontakt mit den lokalen Behörden. Besorgte Angehörige können sich bei der EDA-Helpline (+41 800 24-7-365 oder +41 58 465 33 33) melden.

In Menschenmenge gerast

Ein Camion war am Donnerstagabend im südfranzösischen Nizza in eine feiernde Menschenmenge gerast. Es gab einen Schusswechsel, die Polizei tötete den Fahrer.

Beim Anschlag waren mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder. 18 weitere Menschen seien sehr schwer verletzt worden, erklärte das französische Innenministerium am Freitagmorgen in Nizza. Zudem gebe es rund 50 Leichtverletzte.

Der Attentäter ist französischen Medienberichten zufolge identifiziert. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise am Freitag berichtete, soll es sich um einen 31 Jahre alten Franzosen tunesischer Herkunft handeln, der in Nizza gewohnt hat. Seine Papiere seien in dem Lastwagen gefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen war er nicht politisch radikalisiert.

Der bei dem Anschlag benutzte Lastwagen gehörte laut Medienberichten nicht dem Täter. Das weisse Fahrzeug sei vor einigen Tagen in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur gemietet worden, meldete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittler.

Ausnahmezustand verlängert

Staatschef François Hollande rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Sie beginne am Samstag und dauere bis Montag, sagte Premierminister Manuel Valls nach einem Treffen des Sicherheitskabinetts in Paris. An öffentlichen Gebäuden sollten die Fahnen schon ab Freitag auf halbmast gehängt werden.

Hollande hatte am frühen Freitagmorgen in einer Fernsehansprache angekündigt, Frankreich werde den Ausnahmezustand um drei Monate verlängern. Ursprünglich hätte diese Massnahme am 26. Juli aufgehoben werden sollen. Sie war nach den Pariser Anschlägen vom 13. November des vergangenen Jahres verhängt worden.

Hollande begründete die Verlängerung damit, dass die Attacke von Nizza eindeutig einen terroristischen Hintergrund habe. «Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht. Wir müssen alles tun, um gegen die Geissel des Terrorismus kämpfen zu können», sagte Hollande. Deswegen sollten zusätzlich Soldaten und Reserven bei den Sicherheitskräften mobilisiert werden.

Reservisten der Gendarmerie

Um die Polizei zu entlasten, setzt Frankreich auf Reservisten der Gendarmerie. Das Land will die operationelle Reserve der Truppe einsetzen, wie Premierminister Valls nach der Sitzung des Sicherheitskabinetts sagte. Dabei handelt es sich um ehemalige Gendarmen. Die Gendarmerie gehört zwar zum Militär, übernimmt aber Polizeiaufgaben und untersteht deshalb auch dem Innenministerium.

Wie viele Reservisten Frankreich einsetzen will und welche Aufgaben sie übernehmen sollen, wurde zunächst nicht bekannt. Französische Polizeigewerkschafter klagen seit Monaten immer wieder über die hohe Belastung durch den anhaltenden Ausnahmezustand und den Kampf gegen den Terror, Grosseinsätze wie die Fussball-EM sowie Zusammenstösse am Rande von Demonstrationen.

Nachbarländer reagieren

Das Bundesamt für Polizei (fedpol) in Bern und der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) haben auf den Anschlag reagiert. Das fedpol steht in Kontakt mit den französischen Ermittlungsbehörden, um abzuklären, ob ein Bezug zur Schweiz besteht, wie es auf der Webseite des fedpol heisst.

Das fedpol habe gemeinsam mit seinen Partnern bei Bund und Kantonen seine Task-Force aktiviert. Zudem analysiert der Nachrichtendienst des Bundes die Bedrohung für die Schweiz aufgrund des Anschlags.

In Belgien kam der Nationale Sicherheitsrat zusammen. Für den belgischen Nationalfeiertag am 21. Juli hatte die Polizei in Brüssel schon vor dem Anschlag in Nizza eine Verstärkung angefordert und erhalten.

Das Zentrum für die Beurteilung der Terrorgefahr halte an der zweithöchsten Alarmstufe fest, teilte Innenminister Jan Jambon mit. Die aktuelle Stufe drei bedeutet, dass die Behörden die terroristische Bedrohung in Belgien als «ernst, möglich und wahrscheinlich» einschätzen.

Italien beschloss eine Verschärfung der Kontrollen an der Grenze zu Frankreich. Dies berichtete der italienische Innenminister Angelino Alfano, der in Rom ein Gipfeltreffen mit der Polizei zum Thema Sicherheit koordinieren wird.

Bereits am Donnerstag fand eine Sitzung des nationalen Komitees für die öffentliche Ordnung und Sicherheit statt, an der sich die Chefs der Polizei, der Carabinieri und des Heeres beteiligten. Dabei hatte die Regierung in Rom die Sicherheitsvorkehrungen zur Vorbeugung von Anschlägen in Italien erhöht. (sda/afp/reu/dpa)

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