Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Test für Macris Reformkurs bei Parlamentswahl in Argentinien



In Argentinien sind am Sonntag rund 33 Millionen Menschen zur Parlamentswahl aufgerufen gewesen. Präsident Mauricio Macri hoffte bei der Wahl, die vom Tod eines Aktivisten überschattet wurde, auf Unterstützung für seinen liberalen Wirtschaftskurs.

Ein klarer Sieg von Macris Regierungskoalition «Cambiemos» («Lasst uns ändern») könnte dem Staatschef kräftigen Rückenwind für seine geplanten Reformen bei Arbeitsrecht, Steuerwesen und Pensionsgesetzen geben. Die Ergebnisse der Wahl sollten am frühen Montagmorgen bekanntgegeben werden.

Macris grösste Konkurrentin ist die ehemalige Präsidentin Cristina Kirchner. Sie will in der Provinz Buenos Aires ein Senatsmandat für ihre neue Partei «Unidad Ciudadana» (Bürgerliche Einheit) erringen und damit ein politisches Comeback feiern. Bei einem guten Abschneiden könnte sie sich als Oppositionsführerin positionieren.

Aktivist bei Polizeieinsatz getötet

Überschattet wurde der Wahlkampf zuletzt vom Tod eines Aktivisten. Der 28-jährige Tattoo-Künstler, der sich für die Rechte der Ureinwohner in Patagonien im Süden Argentiniens einsetzte, war am Dienstag tot im Fluss Chubut gefunden worden.

Am Freitag hatte seine Familie den Leichnam identifiziert. Eine Autopsie ergab, dass der Körper des jungen Mannes keine Verletzungen aufwies. Maldonado war am 1. August bei einer Demonstration der Mapuche-Ureinwohner in der Stadt Cushamen von der Militärpolizei festgenommen und seither nicht mehr gesehen worden.

Die Mapuche hatten gegen den Verkauf des von ihnen beanspruchten Landes an den italienischen Modeunternehmer Luciano Benetton protestiert, der in Patagonien rund 900'000 Hektar Land besitzt.

Ausschreitungen nach Demonstration

Die Familie machte die Regierung von Präsident Macri sowie die Militärpolizei für den Tod des 28-Jährigen verantwortlich. Macri wies die Anschuldigungen zurück und verteidigte das Vorgehen der Militärpolizei in Cushamen. Menschenrechtler und Opposition werfen der Regierung zudem vor, die Ermittlungen nicht konsequent vorangetrieben zu haben.

Nach einer Demonstration am Samstag in der Hauptstadt Buenos Aires kam es zu schweren Ausschreitungen. Vermummte griffen Geschäfte und Autos an, errichteten Barrikaden und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. «Santiago wurde von der Polizei getötet», riefen die Demonstranten in Sprechchören.

Das Verschwinden von Santiago Maldonado ruft in Argentinien böse Erinnerungen an die Zeit der Militärjunta wach (1976-1983), unter deren Herrschaft im südamerikanischen Land 30'000 Menschen ermordet wurden oder spurlos verschwanden.

Auswirkungen auf Wahlergebnis?

Der Skandal um Maldonado könnte auch Auswirkungen auf das Wahlergebnis haben. Nach einer von der Zeitung «Clarín» veröffentlichten Umfrage erwogen zwölf Prozent der Befragten, eine andere Partei als zunächst geplant zu wählen. Bevor die Leiche des Mannes entdeckt worden war, lag Macris Regierungskoalition noch zehn Prozentpunkte vor Kirchners peronistischer Oppositionspartei.

Am Sonntag wurden die Hälfte der insgesamt 254 Abgeordneten und ein Drittel der insgesamt 72 Senatoren neu gewählt. In Argentinien gilt Wahlpflicht. (sda/dpa/afp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen