Zehntausende demonstrieren für Bau von Hindu-Tempel in Nordindien
In Indien sind zehntausende Menschen für den Bau eines umstrittenen Hindu-Tempels an der Stelle einer zerstörten Moschee auf die Strasse gegangen.
Die hinduistischen Fundamentalisten versammelten sich am Sonntag im Pilgerort Ayodhya im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh und in zwei weiteren Städten. Die Veranstalter rechneten mit 300'000 Teilnehmern. Die Behörden ordneten verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an und setzten 5000 zusätzliche Polizisten ein, vor allem in Ayodhya.
In Ayodhya stand eine mittelalterliche Moschee, die Hindu-Extremisten im Dezember 1992 zerstörten. Der Angriff löste damals schwere Zusammenstösse zwischen Hindus und Muslimen aus, bei denen mehr als 2000 Menschen getötet wurden, die meisten davon Muslime.
Die Hindus verehren den Ort als Geburtsort des Gottes Rama. Sie glauben, dass die Moschee an der Stelle eines Hindu-Tempels für Rama stand, und setzen sich für den Bau eines neuen Tempels ein. Bei den Kundgebungen am Sonntag forderten sie das Parlament in Neu Delhi auf, ein Gesetz für den Tempel-Neubau zu verabschieden.
Der Streit um den Tempel wird seit Jahrzehnten vor Gericht ausgetragen. Zwei Wochen vor dem 26. Jahrestag der Zerstörung der Moschee machen sich fundamentalistische Hindus nun wieder verstärkt für den Tempel-Neubau stark: Sie wollen den Streit zum Wahlkampfthema bei den im Mai anstehenden Parlamentswahlen machen und werfen der hinduistisch-nationalistischen Regierung von Premierminister Narendra Modi vor, nicht genug für den Tempel-Neubau getan zu haben. (sda/afp)
