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Aus dem Sortiment der Beats Electronics
Aus dem Sortiment der Beats ElectronicsBild: Keystone

Beats: Die Drei-Milliarden-Dollar-Kopfhörer im Test 

Noch wird gerätselt, ob Apple tatsächlich Beats Electronics für 3,2 Milliarden Dollar kaufen will. Doch würde sich die Übernahme überhaupt lohnen? Das hängt davon ab, was Beats-Produkte taugen. Zwei Modelle im Test. 
10.05.2014, 21:3710.05.2014, 21:39
Ein Artikel von
Spiegel Online
matthias kremp, spiegel online

Schon vor dem Auspacken merke ich: Von Design verstehen sie etwas bei Beats Electronics. Und davon wie man dem Käufer das Gefühl vermittelt, sein Geld gut angelegt zu haben. Statt in billigen Pappschachteln kommen beide Kopfhörer in massiven Kartons. Ohne schweres Werkzeug bekommt man da keine Delle rein. 

Innendrin liegen Kopfhörer, Zubehör und Papierkram fein sortiert angeordnet, wie zu einer Präsentation. Das erinnert an den Aufwand, den Apple mit seinen Verpackungen treibt. Ein Aufwand, der zwar ein paar Dollar extra kosten mag, sich aber mit Sicherheit bei der Kundezufriedenheit auszahlt. Der erste Eindruck kann prägen. 

Auch die Kopfhörer selbst machen einen guten ersten Eindruck. Sie sind gut verarbeitet, die Materialien fühlen sich hochwertig und stabil an, auch wenn das meiste an ihnen aus Plastik ist. Dasselbe gilt für das mitgelieferte Zubehör: Die Kabel machen einen sehr hochwertigen Eindruck, die knallweißen Transportboxen sind robust und haben leichtgängige Reissverschlüsse.

Beats mixr

Der mixr ist für DJs konzipiert wurden, David Guetta soll daran mitgearbeitet haben. Aber natürlich kann man ihn auch einfach nur so zum Musikhören benutzen. Mit 210 Gramm ist er angenehm leicht und, weil man die Ohrmuscheln einklappen kann, auch gut zu transportieren. 

Als ich ihn zum ersten Mal aufsetze, scheint die Welt um mich herum zu verschwinden. Nicht weil mir schwummerig wird, sondern weil der Kopfhörer Aussengeräusche ohne elektronische Hilfsmittel hervorragend abschirmt. Logisch, DJs brauchen das, damit sie trotz lauter Musik für das Publikum den nächsten Song vorhören können. Erstaunlich ist dabei, dass dieser Trick gelingt, ohne dass der Kopfhörer nervig auf den Ohren drückt.

Der Soundtest lässt mich aufschrecken. Der mixr ist laut, sehr, sehr laut. Erheblich lauter jedenfalls als irgendein anderer Kopfhörer, den ich zum Vergleich besorgen konnte. Auch das erklärt sich natürlich mit der Zielkundschaft: Um gegen die Musikanlage in einem Club anzukommen, muss so ein Kopfhörer laut sein. Zur Dauerberieselung sollte man die Lautstärke also etwas herunterdrehen. 

Bässe kommen gut

Der Klang selbst ist von kräftigen Bässen geprägt. Allerdings sind die bei weitem nicht so dominant, wie ich es von älteren Beats-Headsets erinnere. Der mixr klingt weder muffelig, noch dumpf. In den unteren Mitten geht es manchmal etwas undefiniert zu und ganz oben fehlt es etwas an Brillanz. Er ist ganz offensichtlich nicht für analytisches Hören gedacht, nicht der richtige Kopfhörer, um auf der Lieblingsplatte noch ein paar bisher ungehörte Details zu entdecken.

Dafür macht er ordentlich Druck. Viel mehr als Edel-Kopfhörer wie der P7 von Bowers & Wilkins. Sogar die tiefe H-Saite eines fünfsaitigen Basses, Live-Aufnahmen wie David Bowies «Stage» oder «H.A.A.R.P». von Muse kommen damit sehr überzeugend rüber.

Dass diese Ohrhörer für Sportler gedacht sind, machen die grossen Bügel deutlich, mit denen sie über die Ohren gelegt werden. Sie sollen dafür sorgen, dass er auch beim Laufen oder Springen in Position bleibt. Diese Funktion erfüllen sie leider nur mässig gut. Zwar sind die Bügel mit einem angenehm weichen Kunststoff überzogen und elastisch, lassen sich aber nicht der Form oder Grösse des Ohres anpassen. Im Test mochten sie deshalb nicht so recht in der ihnen zugedachten Position bleiben.

Hip Hoper Dr. Dre ist Mitinhaber von Beats Electronics
Hip Hoper Dr. Dre ist Mitinhaber von Beats ElectronicsBild: Reuters

Beats Powerbeats 

Beim Klang erreichen auch die Powerbeats sehr kräftige Bässe. Von der Durchsetzungskraft und dem Druck der mixr sind sie zwar weit entfernt, für Ohrhörer jedoch gehen sie klanglich sehr tief runter. Das ist, vor allem bei Sportkopfhörern, ungewöhnlich. Wer sich beim Joggen oder auf den Maschinen in der Muckibude schon immer darüber geärgert hat, dass seine Ohrhörer die Bassdrum nur als hohles «Pock» widergeben, sollte sie ausprobieren.

Allerdings bestätigen sich bei den Powerbeats die oft gehörten Vorbehalte gegenüber Beats-Kopfhörern: Neben den betonten Bässen wirkt der Mittenbereich zwar nicht muffelig, scheint sich aber, wenn es in der Musik lauter zugeht, irgendwie zuzukleistern, so dass die Klänge zu einem unklaren Mischmasch verschwimmen. 

Jetzt auf

Fazit

Die beiden getesteten Modelle zeigen sehr klar, dass bei Beats Electronics die Bässe im Mittelpunkt stehen: Wenn sie etwas beherrschen, ist es die überzeugende Wiedergabe tiefer Töne. Vor allem der mixr kann in dieser Disziplin glänzen, erzeugt ein extrem druckvolles Klangbild, das man schon fast als aufdringlich bezeichnen könnte. Und er ist so laut, dass man mit ihm problemlos auch in sehr lauter Umgebung Musik hören kann. Entspannter spielt er freilich bei etwas reduzierter Lautstärke auf. Ist ja auch besser für die Ohren.

Der Powerbeats kann da nicht mithalten. Für einen locker auf den Ohren getragenen Ohrhörer liefert er dicke Bässe, verliert aber klar im Mitten und Hochtonbereich. Der Tragekomfort könnte besser sein.

Die Preise, die Beats Electronics für die beiden Test-Kopfhörer einfordert – 150 Euro für die Powerbeats und 250 Euro für den mixr – kann man eher am oberen Ende dessen einordnen, was angesichts der Leistungen gerechtfertigt wäre. Dafür liegen beim Kauf hochwertiges Zubehör und gute Kabel mit im Karton, was auch in diesen Preisklassen längst nicht üblich ist. Der Gegenwert, den man für sein Geld bekommt, ist – vor allem bei mixr – vollkommen in Ordnung. 

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