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US President Donald Trump and Chinese President Xi Jinping, right, arrive for a meeting on the sidelines of the G-20 Summit in Hamburg, Germany, Saturday, July 8, 2017.  (Saul Loeb/Pool Photo via AP)

Donald Trump und Xi Jinping am G20-Gipfel in Hamburg. Bild: AP/POOL AFP

Nordkorea – oder weshalb China gerade in einer ziemlich schwierigen Situation steckt

Im Konflikt mit Nordkorea steckt China in der Zwickmühle zwischen den USA und seinem störrischen Nachbarn. Beide Seiten schaukeln sich seit Tagen mit ihrer Kriegsrhetorik hoch. Die Gefahr einer Fehlkalkulation und militärischen Eskalation wächst.

14.08.17, 15:33 26.10.17, 09:17


China ist verärgert über Pjöngjangs nukleare Ambitionen, aber misstraut auch den USA. Dass auf Donald Trump wenig Verlass ist, demonstriert der US-Präsident aus chinesischer Sicht einmal mehr, indem er ausgerechnet jetzt einen Handelsstreit mit China anzettelt, wo er doch eigentlich seine selbsterklärte «Freundschaft» mit Staats- und Parteichef Xi Jinping am meisten brauchen könnte.

Die Gegensätze sind enorm: Auf der einen Seite ein amerikanischer Präsident, der Unberechenbarkeit und Bluff als staatsmännische Kunst kultiviert. Auf der anderen Chinas Staatschef, der das Spiel durchschaut und sehr langfristig denkt.

Sanktionen kaum wirksam

Trump glaubt, dass allein China die USA aus dem Schlamassel mit Nordkorea retten kann. Indem der US-Präsident im Handel die Schrauben gegenüber Peking anzieht, will er offenbar auch erreichen, dass China den Druck auf Pjöngjang erhöht und die Sanktionen streng umsetzt.

Mit dem Montag verkündeten Importstopp für Kohle, Eisen, Meeresfrüchte, Blei und Erze aus Nordkorea unter den neuen UNO-Sanktionen kappt China umgehend wichtige Geldströme. Aber Xi Jinping ist überzeugt, dass sich Nordkorea auch durch noch so scharfe Sanktionen weiter nicht von seinem Atomkurs abbringen lassen wird.

Er sieht den Schlüssel in den Händen der USA, die Nordkorea entgegenkommen und dessen Sicherheitsbedürfnisse ernst nehmen müssten: Im Gegenzug für eine Aussetzung des Atom- und Raketenprogramms sollten die USA und Südkorea ihre gemeinsamen Militärübungen einstellen, um so neue Gespräche zu starten.

FILE - In this Friday, July 28, 2017, file photo, Chinese President Xi Jinping speaks during a meeting with the delegation from the seventh meeting of BRICS senior representatives on security issues at the Great Hall of the People in Beijing. Xi has issued a tough line on national sovereignty amid multiple disputes with his country’s neighbors, saying China will never permit any loss of territory. Xi’s declaration came during a nearly one-hour speech Tuesday in Beijing marking the 90th anniversary of the founding of the People’s Liberation Army. (AP Photo/Ng Han Guan, Pool, File)

Xi Jinping: Der chinesische Staatschef verhängte am Montag Sanktionen gegen Nordkorea – verlangt aber auch ein Entgegenkommen der USA. Bild: AP/AP Pool

Stabilität hat für China Vorrang

«Es ist gefährlich, dass sowohl Nordkorea als auch die USA eine so harte Linie fahren», warnt Zhang Liangui von der Parteihochschule in Peking. «Im Moment hören weder Nordkorea noch die USA auf Chinas Ratschläge.» Vergeblich mahnt Peking beide zur Mässigung. «China ist nicht in der Lage, einen Konflikt zu verhindern», sagt der Experte. «Wir können uns nur auf das Schlimmste vorbereiten und unsere nationalen Interessen so weit wie möglich verteidigen.»

China verfolgt drei Prioritäten: «Kein Krieg, keine Instabilität und keine Atomwaffen.» In dieser Reihenfolge kommt der Status Quo zuerst, die Beseitigung der Atomwaffen nur als langfristiges Ziel. «Stabilität hat weiter Vorrang vor Entnuklearisierung», stellt die US-Denkfabrik Crisis Group fest. China wolle eher Nordkoreas Verhalten in den Griff bekommen und die Spannungen verringern, als die Atomwaffen zu beseitigen. China sehe sich dadurch auch nicht direkt bedroht - anders als die USA, Südkorea und Japan.

China zögert, noch härtere Zwangsmassnahmen wie eine Unterbrechung der Öllieferungen oder der Zugverbindungen zu ergreifen, die zu einem Kollaps in Nordkorea führen könnten. Ein Zusammenbruch könnte eine unkontrollierbare Situation auslösen und zu Flüchtlingsströmen und einer zwangsweisen Wiedervereinigung beider Koreas unter US-Führung führen. Das könnte nicht nur US-Truppen an Chinas Grenze bringen, sondern auch die geopolitische Balance in der Region verändern.

FILE - In this March 17, 2016, file photo, loaded trucks and vehicles wait in line at the border check point before crossing the Friendship Bridge linking China and North Korea across the Yalu River, as seen from Dandong in northeastern China's Liaoning Province. China's total trade with North Korea has risen in the first five months of 2017 despite Beijing's promise to enforce U.N. sanctions over its nuclear program, but Chinese purchases of North Korean goods have fallen sharply. (Chinatopix via AP, File)

Blick von China nach Nordkorea über Freundschaftsbrücke in Dandong: Das Reich der Mitte fürchtet sich vor Flüchtlingswellen aus seinem Nachbarland.  Bild: AP/CHINATOPIX

Xi Jinping: Gekommen um zu bleiben:

Video: srf/SDA SRF

Nur schlechte oder noch schlechtere Optionen

«China hat es gerade wirklich schwer, irgendetwas zu tun», sagt Jin Qiangyi von der Yanbian Universität. Dass Nordkorea seine Atomwaffen aufgibt, «ist nicht sehr wahrscheinlich». So stünden die USA vor einer harten Entscheidung.

Es gebe nur drei Möglichkeiten: «Erstens, ein Militärschlag gegen Nordkorea.» Das würde zumindest Vergeltung gegen Südkorea und Japan auslösen - wenn Nordkorea nicht die Ostküste der USA erreichen könnte. «Zweite Möglichkeit: Die Spannungen dauern an.» Aber auch dann würde es am Ende sehr wahrscheinlich zu einer Eskalation kommen, ist der Experte überzeugt. Als dritte Möglichkeit blieben also nur: «Verhandlungen».

Da es nur schlechte oder noch schlechtere Optionen gibt, drängen auch amerikanische Experten die US-Regierung zu einem Umdenken. Es werden Vergleiche mit der atomaren Bedrohung durch die Sowjetunion gezogen, der auch mit Abschreckung, Eindämmung und Verhandlungen langfristig begegnet worden sei.

«Anbieten, was sie haben wollen»

So könnte die USA den Nordkoreanern ein Angebot unterbreiten: «Wir könnten ihnen einen Vorschlag machen, der ihnen das meiste von dem anbietet, was sie haben wollen - im Gegenzug für völlige Entnuklearisierung und Beseitigung ihres Raketenprogramms», schlägt Jeffrey Bader von der US-Denkfabrik Brookings vor.

Er nennt volle diplomatische Anerkennung, ein Ende des Embargos und der Sanktionen, wirtschaftliche Hilfe und Investitionen sowie einen Friedensvertrag, um das 64 Jahre alte Waffenstillstandsabkommen nach dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 abzulösen.

Das liegt voll auf Chinas Linie, auch wenn unklar ist, ob Nordkorea darauf eingehen würde. Immerhin könnte es ein Start für Verhandlungen sein und würde allen zeigen, dass die USA «nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sind», wie es oft heisst.

«Die USA sollten sich gleichzeitig auf langfristige Bemühungen vorbereiten, die wahrscheinlich notwendig sind, um ein atomwaffenfähiges Nordkorea über die nächsten Jahre einzudämmen, abzuschrecken und zu isolieren, bis Nordkorea sich entweder reformiert oder zerbricht», rät Brookings-Experte Bader. (sda/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • demokrit 14.08.2017 18:11
    Highlight Ich wäre nicht überrascht, wenn es gerade die Diktatur China ist, welche neben Erdöl auch besagte Nukleartechnik nach Nordkorea liefert. Der angedrohte Handelskrieg dürfte darauf hinweisen, dass Washington über ziemlich gute Informationen zur Urheberschaft verfügt. Es ist insofern gut, wenn der Reiter und nicht länger das Pferd attackiert wird.
    9 30 Melden
  • Posersalami 14.08.2017 18:03
    Highlight Habt ihr im Gesicht von Trump mit Photoshop nachgeholfen oder ist diese subtile Manipulation ein "Versehen"?
    9 11 Melden
  • Dirk Leinher 14.08.2017 17:41
    Highlight Durch Informationen die in einem NYT Artikel bekannt gemacht wurden, steckt wohl hoffentlich der Lieferant der Raketentriebwerke die Nordkorea verwendet in noch viel grösseren Schwierigkeiten als China.
    Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis dass es der Lieblingsdackel der USA, die Ukraine sein soll, der Nordkorea zu funktionierenden Raketentriebwerken verhalf.
    8 6 Melden
    • Dirk Leinher 17.08.2017 06:32
      Highlight @renn renn
      nein, trifft sich nicht gut und die NYT ist natürlich der Inbegriff des pösen antikapitalistischen,bolschewistischen Teufels. Hab Angst und renn weg, der Russe scheint bei dir überall zu sein.
      1 0 Melden
    • Dirk Leinher 17.08.2017 14:01
      Highlight In einem neo liberalen Umfeld wie den USA ist linksliberal noch immer sehr weit rechts.
      0 0 Melden
  • rauchzeichen 14.08.2017 17:11
    Highlight wasn Theater. Stellt eure kleinkindlichen patriotisch/nationalistischen Beweggründe zurück und kommt alle zusammen. Also, alle Atommächte. Dann macht was ab. Komplette Abrüstung. Vernichtung jeder Atombombe auf der Erde. Bindet sie an Raketen und schiesst sie ins Sonnensystem, besser noch darüber hinaus. Hauptsache weg. Korea rüstet nicht ab weil die Amis AW’s haben, die Amis bauen keinen cm ab ohne Russen, welche auf die anderen Natostaaten zeigen würden. Entweder alle haben keine oder auch der Kim oder gar derUeli dürfen mit Bömbelis spielen, oder es versuchen. Was soll schon schiefgehn?
    5 12 Melden
    • Henzo 14.08.2017 19:28
      Highlight Auch wenn das paradoy ist aber Atomwaffen sind ein segen die den frieden sichern.
      4 3 Melden
    • rauchzeichen 14.08.2017 19:57
      Highlight ren, cm steht bei mir für zentimeter... aber ich bin ja nur ein gutmensch.. ich gebs zu, von raketen bomben und solchen dingen hab ich keinen plan. wie man etwas in einen orbit bringt, und wie man diesen modifiziert um ein gegenstand ins unendliche (ok wohl nicht gamnz) zu schiessen, weiss ich jedoch genau. deine, auf die erde zurückfällt, idee ist absurd, du scheinst dich in der raumfahrt nicht auszukennen. gemütszustand eines dinos, der nicht fähig ist, sich eine bessere welt vorzustellen und diese anzustreben?
      6 7 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 14.08.2017 21:12
      Highlight "einfach linkes Gutmenschentum (was natürlich verheerend ist, wie hinlänglich bekannt)?"

      Starke Argumentationslogik. Damit hast du dich bewährt und meinen Respekt verdient.
      /s
      7 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Raphael Stein 14.08.2017 16:05
    Highlight «Kein Krieg, keine Instabilität und keine Atomwaffen.»

    macht Sinn.
    21 0 Melden

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