Leben
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Wir müssen mehr spielen, sonst verkümmern unsere Gehirne

bild: tumblr

Ein Neurobiologe und ein Philosoph erklären, warum Spielen auch immer eine Form von Rebellion gegen unser Wirtschaftssystem ist.



Mit 14 schrieb ich die Playmobil-Goldmine auf meinen Wunschzettel für Weihnachten. Mein Vater kam zu mir ins Zimmer, er fragte mich, ob ich mir da sicher sei, ich sei ja immerhin schon 14 Jahre alt. Ich wurde wütend und sagte ihm, er solle nicht so saublöd fragen. Sicher sei ich mir sicher. Schliesslich sei ich 14. 

Ich bekam die Goldmine. Aber als ich die Figuren in die Hand nahm, starben sie mir unter den Fingern weg. Sie waren leer geworden und ich konnte sie mit nichts mehr füllen. Ich sah sie zum ersten Mal als das, was sie tatsächlich waren – kleine Männchen aus Plastik.

«O Stunden in der Kindheit,
da hinter den Figuren mehr als nur Vergangnes war
und vor uns nicht die Zukunft.
Wir wuchsen freilich und wir drängten manchmal,
bald gross zu werden, denen halb zulieb,
die andres nicht mehr hatten, als das Grosssein.
Und waren doch, in unserem Alleingehn,
mit Dauerndem vergnügt und standen da
im Zwischenraume zwischen Welt und Spielzeug,
an einer Stelle, die seit Anbeginn
gegründet war für einen reinen Vorgang.»

Rainer Maria Rilke «Duineser Elegien» 

Ich bedauere diesen Verlust bis heute. Nicht, dass mir mein Spieltrieb gänzlich abhanden gekommen wäre, aber es fühlte sich nie wieder so bedingungslos, so beseelt an wie als Kind.

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bild: ap photo, bearbeitung watson

Und seit ich das wunderbare Buch «Rettet das Spiel» (2016) vom Neurobiologen Gerald Hüther gelesen habe, das er zusammen mit dem Philosophen Christoph Quarch schrieb, ist mir auch klar, warum: 

Ein Spielzeug in der Hand eines Kindes ist eben nicht einfach ein Gegenstand, es ist ein Du. Alles in der Welt der kleinen Menschen lebt. Es ist reine Selbstvergessenheit – und darum vollkommen frei. Es ist die ungezwungene Art, wie Kinder ihre Erfahrungen machen, wie sie lernen.

Zum Buch

Gerald Hüther, Christoph Quarch: Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist, 2016. 
Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Was Schiller einst dachte, bestätigt heute die Hirnforschung: Im Spiel entfalten Menschen ihre Potenziale, beim Spiel erfahren sie Lebendigkeit. Doch gegenwärtig ist das Spiel bedroht – durch seine Kommerzialisierung ebenso wie durch suchterzeugende Online- und Glücksspiele. Die Autoren wollen sich damit nicht abfinden – und rufen dazu auf, die Bedeutung des Spiels wiederzuentdecken.

Denn das menschliche Gehirn ist bei der Geburt noch völlig unausgebildet. Nichts kann es gut, dafür alles ein bisschen. Und so spielt sich das Kind durch sein noch unbekanntes Leben, und testet seine viele Möglichkeiten aus. 

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bild: reddit

Doch irgendwann hört das Kind mit dem Spielen auf. Und zwar dann, wenn es von den Erwachsenen korrigiert und belehrt, wenn «wir es zum Objekt unserer Erziehungs- und Bildungsmassnahmen machen», wie die Autoren schreiben. So verliert das Kind seine ursprüngliche Lust, selbst zu denken, selbst zu gestalten. Es wartet nur darauf, dass es gesagt bekommt, wie etwas geht, wann und wie es etwas machen soll. Und ist niemand da, der ihm das sagt, wird ihm ganz schnell langweilig. 

Die Vergiftung des Spiels

Das ist der Punkt, an dem das Kind sich in einen Konsumenten verwandelt. Denn da draussen warten allerlei Produkte, die ihn ablenken oder unterhalten sollen. Die meisten dieser Angebote nennen sich Spiele, sind aber laut den Autoren keine mehr. Weil sie nicht mehr dem lustvollen Entdecken dienen, sondern sich unter einem ganz anderen Grund in unsere Welt eingeschlichen haben: dem des Profitmachens. Gewisse Games wurden extra daraufhin designt, den emotionalen Zustand der gelangweilten Kinder und Jugendlichen auszunutzen – und sie abhängig zu machen.

So sehr, dass nicht mehr sie selbst den Rhythmus ihres Lebens bestimmen, sondern das Spiel, das möglichst ins Unendliche ausgedehnt wird, das keine feststehende Spielzeit, keine Grenzen mehr kennt. 

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bild: reddit

Andere füttern die Spielautomaten in den Kasinos, den Hallen pervertierter Glücksspiele. Für viele Spieler geht es hier nicht mehr ums Spiel an sich, nicht ums Gewinnen, sondern nur um den Gewinn. Dieser liegt ausserhalb des Spiels – und verspricht mehr Erfolg, mehr Ansehen, mehr Geld. Darum tritt die verhängnisvolle Krankheit der Spielsucht auch nur da auf, wo Spiele ökonomischen Interessen dienstbar gemacht werden, schreiben Hüther und Quarch. 

Das Spiel, dem unser Zeitalter in unvergleichlichem Masse huldigt, ist der Fussball. Er schafft es, Menschen weltweit quer durch alle Bildungs- und Altersschichten hindurch zu begeistern. All die roten Köpfe im Stadion, die Schiribeleidigungen, Torschreie und Tränen. Überall nichts als pure Lebendigkeit. Hier ist der Zuschauer noch nicht zum stummen, passiven Rezipienten geworden. Hier fiebert er mit wie ein Kind beim Kasperlitheater, das die böse Hexe beschimpft.

bild: eth bibliothek

Doch gerade seine Beliebtheit macht den Fussball so attraktiv für monetäre Machenschaften: Die totale Vermarktung des Fussballs, die Enthüllungen rund um den Weltfussballverband FIFA, die Werbebanderolen im Stadion, die Logos auf den Trikots der Spieler – das alles zeigt, wie sehr der Spielbetrieb bereits vergiftet worden ist.

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bild: tumblr 

Allein das Spielgeschehen bleibt noch frei davon. Hier gelten noch immer dieselben Regeln. Hier zeigt sich noch immer der wahre Spielgeist – abgesehen von einigen Saumoden wie der «Rudelbildung», «sich irgendeinen individuellen Scheiss auf die Schuhe nähen», «beknackte Frisuren» und sonstiges unangemessenes Divengehabe

Die Zerschlagung des Homo oeconomicus

Willkommen im Zeitalter des Homo oeconomicus. Er lebt in jedem von uns. Deshalb haben wir fast verlernt, richtig zu spielen. Unsere Spielplätze sind zu Märktplätzen verkommen. Wir lassen es zu, dass aus dem einst spielerischen Wettbewerb bitterer Ernst wird. Dass wir keine Mitspieler oder Gegner, sondern nur noch Konkurrenten kennen. 

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bild: tumblr

Der Homo oeconomicus wurde im England des 18. Jahrhunderts geboren, wo man den Menschen als rationalen Egoisten zu verstehen begann, getrieben von Machtstreben und Eitelkeit. Adam Smith verkündete, dass die Selbstsucht keinesfalls ein Laster sei, sondern eine produktive Kraft – mit enormer ökonomischer Potenz.

Er hatte recht. Und so hetzen wir heute mit unseren effizient organisierten, stets auf Sicherheit bedachten Gehirnen durch unsere Leistungsgesellschaft, die uns mit ihren Anforderungen schier erdrückt und unsere Kreativität zum Ersticken bringt. 

Auch unser Löpfe pädiert dafür, dass wir endlich andere Anreize schaffen als Gier und Egoismus:

Doch diese Denkweise können wir auch wieder zerschlagen. Wie viele Male haben die Menschen sich schon geirrt. Von der Erfindung des Flugzeugs haben sie sich mehr Frieden und Zusammengehörigkeit versprochen, doch als erstes trat es in den Dienst des Krieges. Alles kann einem bösen oder guten Zweck zugeführt werden. Darum rufen die Autoren dazu auf, das Spiel zu retten. Es soll unverfälscht und frei von ökonomischer Instrumentalisierung bleiben. 

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bild: tumblr

Das ist es, wenn Menschen zusammenkommen, um zu jassen zum Beispiel. Wenn wir unsere Geschicklichkeit beim Jonglieren unter Beweis stellen. Wenn wir gegeneinander boxen, Eishockey oder eben Fussball spielen. Wenn wir in Rollen schlüpfen und ein Krimidinner veranstalten. Das wesentliche am Spiel ist, dass es sich selbst genügt. Dass es zeitlich und örtlich begrenzt ist und einem klaren Regelwerk folgt. So definieren Hüther und Quarch das wahre Spiel.

Ist dies der Fall, dann feuern unsere Belohnungszentren im Hirn drauflos, wir verspüren Freude. Der Sauerstoffverbrauch verringert sich, weil die Aktivität der Nervenzellverbände in der Amygdala gering ist. Das ist die Hirnregion, die sich einschaltet, wenn wir Angst haben. Wir fühlen uns von nichts bedrängt. Dieses Feuerwerk der Lebensfreude zeichnet der Kernspintomograph, wenn er ein spielendes Gehirn durchleuchtet.

Spielende Kinder auf grobem Holzzaun, Holzpfosten

bild: eth-bibliothek

Das Spiel ist es auch, durch das unser Gehirn stückweise wächst:

Wir kommen mit einem Überschuss an Vernetzungsoptionen auf die Welt. Wirklich verschaltet werden aber nur diejenigen Zellen, die regelmässig aktiviert werden. Durch unsere Erfahrungen formen sich nun bestimmte Nervenbahnen aus, werden zu Trampelpfaden, dann zu Strassen, am Ende zu Autobahnen. Diese bekannten Denkmuster wieder zu verlassen, ist schwierig.

Das Spiel aber schafft es, unser Gehirn zu düngen, sodass sich neue Synapsen ausbilden und allmählich stabilisieren können. Diese neue Verknüpfungen, die in jedem Menschen angelegt sind, sind die Voraussetzung für neue Ideen. Für kreative Einfälle. So gelingen uns sogenannte «breakthrough innovations», wahrhafte Neuerungen, so wie es der Verbrennungsmotor einst war. Der Homo oeconimicus aber verbessert das Urautomobil bloss, er macht es besser, effizienter, schneller. Aber er erfindet kaum etwas Neues – so die beiden Autoren.

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bild: reddit 

Denn was dieser Menschentypus am liebsten spielt, sind Machtspiele. Die einen spielen sie richtig gut, bekommen dafür Anerkennung und füllen damit ihre leere Seele. Die anderen verlieren – und sehen sich als Opfer des Systems. Wirklich glücklich sind die wenigsten. 

Vielleicht haben wir tatsächlich verlernt, unser eigenes Leben zu gestalten. Viel zu oft wandeln wir Objekten gleich durch die Welt und werden bewertet, belehrt, gemassregelt, manchmal belohnt und gelobt. Doch wirklich wertgeschätzt fühlt man sich in so einem System nicht.

Und während sich viele nach Lebendigkeit sehnen, verdammen andere ausgerechnet das, was uns diese wiedergeben würde: das Spiel. Sie sagen, es sei Zeitverschwendung. Kinder sollten besser früh in Englisch und Biologie gefördert werden. Es gehöre zum Erwachsenwerden nun mal dazu, machen zu müssen, was andere von einem verlangen. Das Leben sei schliesslich kein Ponyhof. 

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bild: pinterest

Denn wer im Neoliberalismus versagt, versagt total. Eine solche Ideologie durchdringt den ganzen Menschen. Verliert einer darin, muss er sich wertlos fühlen. Darum solle man möglichst früh lernen, wie der Hase läuft. Darum solle man die Kinder von den Spielplätzen zerren und in die Frühförderung stecken. Damit sie möglichst schnell lernen, wie der Hase läuft. Denn wer will schon, dass sein Kind ein Verlierer wird – so die eiserne Logik unseres Systems. 

Genau deshalb rufen die Herren Hüther und Quarch dazu auf, das Spiel zu retten:

«Wer spielt, konsumiert nicht. Wer spielt, benutzt nicht. Wer spielt, begegnet dem anderen als einem Gegenüber auf Augenhöhe. Deshalb ist das Spiel in einer von der instrumentellen Vernunft des Ökonomismus beherrschten Welt eine subversive Kraft.»

Letzte Weihnachten hat mir mein Freund ebendiese Playmobil-Goldmine geschenkt, die ich mit 14 bekam. Baujahr 1994. Ich hab ein bisschen weinen müssen über dieses Stück Kindheit, das er mir da zurückgeben hat. 

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bild: watson

Dann habe ich vier Stunden lang mit meinem bald 40-jährigen Bruder damit gespielt. Viel daran war höchst inkorrekt. Und vorrangig ging es um Fäkalien. Schliesslich sind wir erwachsen. 

Worin Kinder wirklich ganz miserabel sind: Im Verstecken ...

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 06.02.2018 00:45
    Highlight Highlight Oh je! Anna Rothenfluh.

    Bitte werde nicht zu einem Moralapostel vor deiner Zeit!
    • Anna Rothenfluh 06.02.2018 09:57
      Highlight Highlight Spooky, um Himmels Willen, wo denkst du hin! Ich will nur, dass mehr gespielt wird. Hab ich wirklich moralisch geklungen? Mist. Ich will nicht moralisch klingen.
    • Spooky 06.02.2018 12:05
      Highlight Highlight @Anna

      "Hab ich wirklich moralisch geklungen?
      Ich will nicht moralisch klingen." 🤔🙈 🙏🏻😀

      Schon gut, keine Panik! So schlimm ist es auch wieder nicht . Ich habe ein bisschen dick aufgetragen 😎😉
  • Emanzipator 05.02.2018 08:49
    Highlight Highlight Das Foto der Polizistin! Der Kontrast zwischen ihrem herzlichen Strahlen und der Waffe an der Uniform könnte nicht grösser sein....

    Ein Lachen rettet alles!! Macht aus Uniformierten wieder Menschen!

    Frei nach Barbara:
    “Hass ist Krass, Liebe ist krasser”

  • cero 04.02.2018 23:15
    Highlight Highlight Danke für den Artikel - werd mir das Buch wohl anschaffen müssen.
  • Madison Pierce 04.02.2018 18:37
    Highlight Highlight Kinder brauchen kein Regelwerk und nur einfachste Materialien. Abfallholz, Hammer und Nägel reichen und sie bauen eine Burg. Die Burg ist dann je nach Laune auch eine Villa oder eine Mondbasis.

    Letzten Sommer haben Kinder bei uns im Quartier Longboards bekommen. Auf der leicht abschüssigen Strasse sind sie zuerst sitzend gefahren. Nach drei Tagen konnten alle stehen und haben den mit Kreide gemalten Slalomparcours absolviert.

    Ausser für die Beschaffung des Longboards und die Ermahnung, Helm und Schoner zu tragen, braucht es keine Eltern. Weder als Ideengeber noch als Aufseher.
    • Anna Rothenfluh 04.02.2018 19:02
      Highlight Highlight Absolut, das Regelwerk bezog sich auch mehr auf Spiele von Erwachsenen. Die Autoren schreiben auch, dass sich Eltern nicht in die Spiele der Kinder einmischen sollten.
    • Anna Rothenfluh 05.02.2018 09:57
      Highlight Highlight @Silent Speaker サイレントスピーカー: Nun ja, der gesunde Menschenverstand gebietet bei einem solchen Beispiel natürlich eine Einmischung. Wofür die Autoren plädieren, ist ein Wegkommen von der ständigen Überwachung der Kinder, sie halten die Überfürsorglichkeit für schädlich. Vielleicht kann man es so sagen: Man sollte den Kindern einen möglichst grossen Freiraum bieten.
  • Hugo Wottaupott 04.02.2018 17:46
    Highlight Highlight Spielen ist eine wunderbare Sache! Man braucht nichtmal Spielsachen dafür.
  • äti 04.02.2018 17:05
    Highlight Highlight Betrachtet man das Leben als Spiel, wird so manches leichter und Fehler wiegen weniger. Gibts '3 Felder zurück' überlebt man das viel lockerer. Jeden Morgen werden vom frisch gemischten Stapel ein paar Karten gezogen und dann ist Spannung, was diese im Laufe des Tages bringen.
    • Hallosager 04.02.2018 23:18
      Highlight Highlight Schöner Kommentar. Und das sagt nicht nur mein Pokemon TCG Spieler Herz wegen der Karten Metapher 😆
  • Karl Bukowski 04.02.2018 17:00
    Highlight Highlight Schöner Artikel! da darf Nietzsche natürlich nicht fehlen: "Im echten Manne ist ein Kind versteckt; das will spielen. Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne!" gilt heutzutage natürlich auch umgekehrt (geschlechterspezifisch und gleichgeschlechtlich und...)
  • Sapere Aude 04.02.2018 16:58
    Highlight Highlight Ach deshalb game ich immer noch und fröne den unterschiedlichsten Brett und Kartenspiele.
  • urs eberhardt 04.02.2018 16:53
    Highlight Highlight Danke für den schönen Artikel. Aber ein bisschen statistische Unterfütterung hätte nicht geschadet. So kann ich nur aufgrund meiner Beobachtung (bin über 60) sagen, dass heute wohl mehr gespielt wird denn je, gerade auch unter Jugendlichen und Erwachsenen. Weil keine Gesellschaft jemals mehr Freizeit hatte und weniger Hemmungen vor Konventionen. Wetten, Frau Rothenfluh?
    • Anna Rothenfluh 04.02.2018 19:11
      Highlight Highlight Das kann ich leider nicht sagen. Gut möglich, dass man heute mehr spielt, allerdings glaub ich nicht, dass wir wirklich mehr Freizeit haben. Die Autoren führen als reine Spielgesellschaft die alten Griechen an, bei denen die Spiele stets zu Ehren der Götter ausgetragen wurden, die in den Mythen selbst als Spieler dargestellt wurden. Die drei grossen abrahamitischen Religionen hätten das Spiel aber wieder abgewertet. Das Buch kommt halt eher von einem philosophisch-biologischen Standpunkt her, Statistiken dazu wären sicher interessant, aber schwierig zu erheben.
  • Ökonometriker 04.02.2018 16:51
    Highlight Highlight Das Konzept des Homo Oeconomicus ist nur eine Vereinfachung die besagt, dass die Masse der Leute im Schnitt Nutzenoptimierend handeln. Sie sagt nichts über die Nutzenfunktion aus - diese kann nämlich auch immaterielle Werte enthalten.

    Man kann auch in der modernen Wirtschaft noch viel Zeit zum Spielen aufwenden. Sogar mehr als damals in Agrargesellschaften. Nur kann man sich dann halt nicht megr 50m^2 pro Kopf und 2 Mal Ferien in Übersee pro Jahr leisten. Das muss halt jeder selber Wissen. Und eben dann für sich selber Nutzenmaximierend handeln.
  • Bronko 04.02.2018 16:26
    Highlight Highlight "…Dass es zeitlich und örtlich begrenzt ist und einem klaren Regelwerk folgt. So definieren Hüther und Quarch das wahre Spiel..." Aber das freie Spielen der Kinder (z.B. mit Playmobil) ist dann eben weder zeitlich noch örtlich begrenzt und folgt auch nicht immer einem klaren Regelwerk. Es ist vielmehr ein Spiel, indem Kinder sich eigentlich immer wieder in soziale (Fantasie-) Rollen versetzen und darin üben. Ich kann mich noch gut erinnern, irgendwann kam man dann in das Alter, wo diese Art von Spiel als furchtbar unangemessen und kindlich empfunden wurde. (-;
    Schöner Text!
    • Anna Rothenfluh 04.02.2018 19:12
      Highlight Highlight Da hast du recht. Die Begrenzung bezieht sich mehr auf Erwachsenenspiele oder eben Spiele, die klare Regeln haben.
  • derEchteElch 04.02.2018 16:03
    Highlight Highlight Da fällt mir immer wieder der Lego Movie ein.

    Die Message dahinter ist (neben dem dass wir möglichst viel Lego kaufen sollen, jaja ich weiss Kommerzzeug und so), dass man beim Lego seine Fantasie benutzen soll. Hat für mich auch mit Spielen zu tun.

    Play Icon
  • Luca Brasi 04.02.2018 15:59
    Highlight Highlight Ja, voll kreativ so ein Playmobil-Set, dass einem angibt gefälligst eine Goldmine zu basteln...
    • Maracuja 04.02.2018 16:21
      Highlight Highlight Bei Playmobil ist nicht das Zusammenbauen der kreative Teil, sondern das Spielen danach. Der Spieler ist Regisseur, was in der Goldmine, im Dschungeltempel, Zirkus usw. läuft. Pädagogisch ganz wertvolle Eltern fordern von ihren Kinder natürlich, dass sie die Goldmine aus im Wald gesammelten Material selbst basteln. Man kann alles übertreiben.
    • Anna Rothenfluh 04.02.2018 16:38
      Highlight Highlight Wenn man ein bisschen Phantasie hat, kann man eine Geschichte dazu entwickeln.
    • Fumia Canenero 04.02.2018 17:11
      Highlight Highlight Man kann weitere Schilder anfertigen: Silbermine, Kupfermine, Bleimine, etc. Das eröffnet doch jeweils völlig neue Spielmöglichkeiten ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Prince of the Ravens 04.02.2018 15:57
    Highlight Highlight Toller Artikel!!!
  • lily.mcbean 04.02.2018 15:56
    Highlight Highlight 14, Ponnyhof.
    Wie du es in Worte fassen konntest wie es war als wir realisierten das unsere Kindheit unwiderruflich vorbei ist hat mich ein bisschen mit Wehmut erfüllt.
  • filmorakel 04.02.2018 15:56
    Highlight Highlight Ich gehe mit gutem Beispiel voran und beschäftige mich mit 36 Jahren noch immer täglich mit Lego - zum Leidwesen meiner Frau, zur Freude meiner 3-jährigen Zwillingsmädchen 😉
    • meerblau 05.02.2018 08:12
      Highlight Highlight Macht meine Freundin auch. Und es hilft eirklich zu entspannen! :D
    • Emanzipator 05.02.2018 08:52
      Highlight Highlight Meine erste Legoerfahrung mit den Kindern nach 15 jahren abstinenz:

      -“Guck, Kurze, du kannst die Türe z.B. So gestallten...” (ca. 13:30h)

      Gefühlte 5minuten später!

      -“Was denn?? Mama ruft schon zum Abendessen??” (Ca. 18:30h)
  • Calisthenics 04.02.2018 15:55
    Highlight Highlight Perfekter Artikel.
    Ich habe mich geweigert etwas zu studieren, "das mich weiterbringt" im Leben, wie es Viele in meiner Umgebung ausgedrückt habe.
    Jetzt studiere ich Earth Sciences und bin glücklich.

    Freunde sind das Wichtigste, mit denen kannst auch spielen, ob Tschau Sepp, ein Brettspiel oder mit Action Figures, egal. Das Zusammensein ist wichtig.
    Solange ich echte bros habe, und es müssen nicht 10 sein, 2-3 genügen, brauche ich auch keine künstliche Anerkennung durch soziale Medien.
    Natürlich habe ich insta, aber nicht um Herzen zu sammeln sondern um meine Freude am Leben zu teilen.
  • Panna cotta 04.02.2018 15:51
    Highlight Highlight Wunderbar; vielen Dank, Anna! Ich werde mir das Buch gleich besorgen!
  • giandalf the grey 04.02.2018 15:48
    Highlight Highlight Saumoden wie der «Rudelbildung», «sich irgendeinen individuellen Scheiss auf die Schuhe nähen», «beknackte Frisuren» und sonstiges unangemessenes Divengehabe

    Ich verstehe nicht ganz warum das nicht zum Spiel ghören sollte? Spielen ist doch auch die Art wie Kinder Individualität und zwischenmenschliches Verhalten lernen. Das ist doch haargenau das, was die Fussballer da machen.

    Ansonsten toller Artikel. Spieltipp für Erwachsene: Stadt, Land, Fluss mit an die Altersgruppen angepassten Kategorien. Geht dann auch schnell mal 4 Stunden um Fäkalien ;)
    • Anna Rothenfluh 04.02.2018 16:56
      Highlight Highlight Mein Gedanke war, dass diese „Saumoden“ wie die Individualisierung der Schuhe vielleicht ein Zeichen dafür sind, dass sich Profispieler ihres Marktwertes so sehr bewusst sind. Darum geht es vielleicht nicht mehr nur ums Spiel, das ja ein Mannschaftsspiel sein sollte, sondern immer auch um eine Selbstinszenierung. Das muss nichts Schlechtes sein, aber es ist in dieser Form sicher etwas Modernes, eine Art Starallüre, die für viele vielleicht nicht auf den Fussballplatz gehört.
  • Iltis 04.02.2018 15:40
    Highlight Highlight Merci Anna

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

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