Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Unser Auge im All wird 25 – Happy Birthday, «Hubble»-Teleskop!

Bild: AP/NASA, ESA



Seit 25 Jahren blickt das Weltraumteleskop «Hubble» in die Tiefen des Weltalls. Die atemberaubenden Aufnahmen revolutionierten die Astronomie und gehören längst zum Kulturgut der Menschheit. Auch der Schweizer Astronaut Claude Nicollier hat eine besondere Beziehung zu «Hubble».

Er begegnete dem ersten Teleskop im Weltraum 1993 zum ersten Mal, und zwar wegen eines peinlichen Geburtsfehlers: Nach dem Start des von der NASA und der Europäischen Weltraumagentur ESA gemeinsam entwickelten Instruments zeigte sich schnell, dass sein 2.4 Meter grosser Hauptspiegel nicht ganz korrekt geschliffen war. Das Ergebnis waren unscharfe Bilder.

epa04717489 A undated handout image made available by NASA on 23 April 2015 showing an image of a giant cluster of about 3,000 stars called Westerlund 2, named for Swedish astronomer Bengt Westerlund who discovered the grouping in the 1960s. The cluster resides in a raucous stellar breeding ground known as Gum 29, located 20,000 light-years away from Earth in the constellation Carina. NASA released the image as 25th anniversary NASA Hubble Space Telescope image, commemorating a quarter century of exploring the solar system and beyond since its launch on April 24, 1990. To capture this image, Hubble's near-infrared Wide Field Camera 3 pierced through the dusty veil shrouding the stellar nursery, giving astronomers a clear view of the nebula and the dense concentration of stars in the central cluster. The cluster measures between 6 and 13 light-years across.  EPA/NASA / HUBBLE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Bild: EPA/NASA / HUBBLE

In einer Space-Shuttle-Mission 1993 konnten Nicollier und seine Kollegen den «Sehfehler» beheben. Dabei bediente Nicollier gekonnt den Roboterarm und absolvierte auch einen Weltraumspaziergang. «Hubble» bekam eine Korrekturoptik - eine Art «Brille». Erst danach sei das Instrument für die Wissenschaft von Nutzen gewesen, sagte Nicollier der Nachrichtenagentur sda.

«Meine schönste Mission»

«Es war meine schönste Mission, und sie war wissenschaftlich von grosser Wichtigkeit», erinnert sich der Astronaut. «Ich fühlte mich privilegiert, dabei zu sein.» Noch vier weitere Male nahmen Space-Shuttle-Astronauten Wartungs- und Modernisierungsarbeiten an dem Teleskop vor - 1997, 1999, 2002 und 2009. Nicollier war auch 1999 dabei.

«Was die Wissenschaft dank ‹Hubble› gelernt hat, ist enorm», sagte Nicollier. Aber nicht nur das: Die spektakulären Bilder aus dem All hätten die Astrophysik einer breiten Öffentlichkeit nähergebracht. ‹Hubble› hat den Blick der Menschen auf das All und auf unseren Platz im Universum nachhaltig verändert», sagte auch die US-Astronomin Jennifer Wiseman gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Sterneninseln aufgespürt

«Hubble» wurde am 24. April 1990 von der US-Weltraumfähre «Discovery» in eine Umlaufbahn gebracht. Aus 560 Kilometern Höhe über der Erde blickt «Hubble» seither in die Tiefen des Alls - ungestört von der irdischen Atmosphäre.

This image made by the NASA/ESA Hubble Space Telescope shows Abell 1703 which is composed of over one hundred different galaxies whose collective mass acts as a gravitational lens. The massive galaxy cluster in the foreground (yellow mostly elliptical galaxies scattered across the image) bends the light rays of galaxies behind it in a way that can stretch their images into multiple arcs. Abell 1703 is located at 3 billion light-years from the Earth.  The Hubble Space Telescope marks its 25th anniversary. A full decade in the making, Hubble rocketed into orbit on April 24, 1990, aboard space shuttle Discovery. (NASA/ESA, and Johan Richard (Caltech, USA) via AP)

Bild: AP/NASA, ESA

«Hubble» spürte Sterneninseln auf, deren Licht für die Reise zur Erde bis zu 13.4 Milliarden Jahre gebraucht hat. Dem Weltraumteleskop gelang damit ein Blick in die Frühzeit des Universums. Daten von «Hubble» trugen ausserdem zur Bestätigung der Theorie bei, dass sich das Universum beschleunigt ausdehnt - eine Entdeckung, für die drei Wissenschaftler 2011 den Physik-Nobelpreis erhielten.

Das nach dem US-Astronomen Edwin Hubble (1889 bis 1953) benannte Teleskop lieferte zudem Belege, dass die Entstehung von Planeten bei Sternen ausserhalb unseres Sonnensystems häufig vorkommt. «Das sind fantastische Resultate, die vom Erdboden aus nie möglich gewesen wären», sagte Nicollier.

Weltberühmte Bilder

Einer breiten Öffentlichkeit sind unter anderem die spektakulären «Hubble»-Bilder von planetarischen Nebeln bekannt, die sich beim Tod von sonnenähnlichen Sternen bilden. Für diese Bilder mussten die für Menschen unsichtbaren Infrarot- und Ultraviolett-Aufnahmen des Teleskops im Computer zunächst in sichtbare Farben umgerechnet werden.

Legendär sind auch die Aufnahmen des Weltraumteleskops von Gas- und Staubnebeln in der Milchstrasse, in denen neue Sterne entstehen. Eines dieser Bilder zeigt säulenförmige Gebilde im sogenannten Adlernebel - es wurde unter dem Namen «Säulen der Schöpfung» weltbekannt.

This image made by the NASA/ESA Hubble Space Telescope shows the tattered remains of a supernova explosion known as Cassiopeia A. It is the youngest known remnant from a supernova explosion in the Milky Way. The Hubble Space Telescope marks its 25th anniversary. A full decade in the making, Hubble rocketed into orbit on April 24, 1990, aboard space shuttle Discovery.  (NASA, ESA, Hubble Heritage STScI/AURA-ESA/Hubble Collaboration via AP)

Bild: AP/NASA, ESA

«Ganz wesentlich hat ‹Hubble› dazu beigetragen, dass Menschen auf der ganzen Welt heute mit einem Gefühl des Erstaunens auf den Kosmos blicken», bilanziert die Astronomin Wiseman vom Goddard Space Flight Center der US-Weltraumbehörde NASA in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland).

25 Jahre nach seinem Start dürften «Hubble» noch eine Reihe weiterer Jahre wissenschaftlicher Arbeit beschieden sein, auch wenn sein Nachfolger bereits im Bau ist - 2018 soll das weitaus grössere «James Webb Space Telescope» starten.

Doku über «Hubble»

Play Icon

video: youtube/wi fi

(sda/afp/lue)

Abonniere unseren Newsletter

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Erster Verlierer: Der Regenwald. Warum Brasiliens neuer Präsident eine Klima-Gefahr ist

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die Präsidentenwahl in Brasilien gewonnen. Der Ex-Militär kam auf 55,14 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt am Sonntag nach der Auszählung fast aller Stimmen mitteilte. Sein Gegner Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei erhielt demnach 44,86 Prozent.

Erster Verlierer der Wahl dürfte jedoch der Regenwald sein. Und von dieser Niederlage sind wir alle betroffen.

Denn Jair Bolsonaro macht sich nicht viel aus dem Regenwald. Der Rechtsextreme findet …

Artikel lesen
Link to Article