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Langenthals Marc Kämpf (vorn) im Duell mit Rapperswils Fabian Maier.  Bild: KEYSTONE

Langenthal mit NLA-Niveau – muss am Ende die Politik Ambri retten?

Wenn Langenthal NLB-Meister wird und in der Liga-Qualifikation so spielt wie gestern gegen die Lakers, dann steigt Ambri «theoretisch» ab.

Publiziert: 01.04.17, 11:33 Aktualisiert: 01.04.17, 15:27

Ja, dieses Spiel hätte auch Ambri verloren. Der SC Langenthal erreicht taktisch NLA-Niveau, besiegt am Freitagabend die Lakers 2:0 und braucht noch einen Sieg für den NLB-Titel und die Liga-Qualifikation. 

Werden die Lakers das Opfer des «Everest-Syndroms»? Geht ihnen die Luft unmittelbar unter dem Gipfel aus wie einst Raymond Lambert? Der Genfer erreichte 1952 die damalige Weltrekordhöhe von 8650 Meter. Zum Gipfel des Everest (8848 Meter) und zu ewigem Bergsteigerruhm fehlten weniger als 200 Meter. Edmund Hillary gelang im darauffolgenden Jahr die Erstbesteigung des höchsten Gipfels der Welt. 

Die Lakers wirken in diesem fünften Finale tatsächlich wie Raymond Lambert. Die Luft geht ihnen aus. Deutlich zu sehen im Wechsel der Spielrichtung von Nord-Süd auf Ost-West: im Ausweichen auf die Aussenbahnen, abgedrängt von den kräftigeren, wuchtigeren, grösseren, schwereren, böseren und auch disziplinierteren Langenthalern.

Meisterliche Morgenröte über dem Oberaargau

Das zeigt sich vorne in offensiver Hilflosigkeit und hinten in der Unmöglichkeit, den Raum vor dem flinken, reflexschnellen Melvin Nyffeler zu kontrollieren. Langenthal dominiert mit 38:23 Torschüssen. Vieles spricht dafür, dass den Lakers ganz kurz vor dem NLB-Gipfel der meisterliche Ruhm doch noch entgleitet. 

Der SC Langenthal jubelt: Sieg gegen die Lakers. Bild: KEYSTONE

Hinterher wird Captain Stefan Tschannen sagen, es sei Langenthals bisher beste Playoffpartie gewesen. Meisterliche Morgenröte über dem Oberaargau. Ist Langenthal nun gar besser als im Frühjahr 2012? Damals wurden sie zum ersten Mal NLB-Meister und waren anschliessend gegen Ambri in der Liga-Qualifikation chancenlos (1:4). 

Auch 2012 mussten sie auf ihren Topskorer Jeff Campbell verzichten. Der Kanadier erlitt in der letzten Minute des letzten Finalspiels gegen Lausanne eine Verletzung. Jetzt hat es ihn beim Blockieren eines Schusses (Puck auf die Kniescheibe) schon im Halbfinale erwischt. 

2012 funktionierte der beste NLB-Sturm des 21. Jahrhunderts nicht mehr. Es gelang nicht, die Centerposition mit einem Schweizer richtig zu besetzen. Ohne Mittelstürmer Jeff Campbell war Langenthal 2012 gegen Ambri chancenlos. Der erste Sturm buchte in den fünf Partien der Liga-Qualifikation nur noch einen einzigen Treffer. 

Wiederholt sich 2012? Wird Langenthal wieder NLB-Meister und wird sich Ambri erneut retten, weil Jeff Campbell fehlt? 

Einer der interessantesten NLB-Spieler

Vielleicht. Aber vielleicht nicht. Der Ausfall des kanadischen Centers wirkt sich auch jetzt aus. Aber nun spricht einiges dafür, dass Trainer Jason O’Leary gerade noch rechtzeitig die Lösung, das fehlende Puzzle-Teilchen für seinen ersten Sturm gefunden hat. Er hat gestern zum ersten Mal Dario Kummer (22) zwischen Brent Kelly und Stefan Tschannen gestellt. 

«In sieben Jahren haben wir gemeinsam viele Automatismen eingespielt und die funktionieren ohne ihn nicht. Aber mit Dario hat es erstaunlich gut geklappt. Er ist eben auch ein kreativer Spieler.»

Langenthals Captain Stefan Tschannen

Langenthals erster Sturm erzielte zwar kein Tor, erspielte sich aber am meisten Chancen. Dario Kummer ist einer der interessantesten NLB-Spieler. Im letzten Frühjahr spielte er bei NLB-Meister Ajoie eine wichtige Rolle. Für die höchste Liga ist er ein bisschen zu klein und zu leicht (173 cm/74 kg). Aber in der NLB ist der schlaue Mittelstürmer dazu in der Lage, eine Linie zu führen.

Stefan Tschannen sagt auf die Frage, wie stark sich das Fehlen von Jeff Campbell auswirkt: «In sieben Jahren haben wir gemeinsam viele Automatismen eingespielt und die funktionieren ohne ihn nicht. Aber mit Dario hat es erstaunlich gut geklappt. Er ist eben auch ein kreativer Spieler.»

Götterdämmerung für Ambri

Also gut möglich, dass Langenthal ausgerechnet dank Dario Kummer Ambri einigen Kummer bereiten wird. Am Horizont zieht für Ambri die Götterdämmerung herauf. 

Götterdämmerung am Horizont: Hier feiert Ambris Mikko Mäenpää noch. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Aber noch hat das wagnerianische Drama der Liga-Qualifikation nicht begonnen. Erstens sind die Langenthaler noch nicht NLB-Meister und zweitens muss sich dann zeigen, ob sie den Aufstieg mit dem gleichen Biss anstreben werden wie den NLB-Titel.

Captain Stefan Tschannen sagt: «Jetzt ist der Titel das Ziel und wir befassen uns nicht damit, was nachher sein könnte. Es ist klar, dass wir beispielsweise unsere Situation nicht mit jener von Langnau beim Aufstieg gegen die Lakers vergleichen können. Langnau hatte ganz klar das Ziel Aufstieg und der NLB-Titel war nur ein Zwischenziel. Unser Saisonziel war diese Saison der Final.» Die Zielsetzung (und damit die innere Verfassung) wird also erst nach einem allfälligen NLB-Titelgewinn neu justiert. 

Erfolgstrainer O’Leary

So oder so sollte sich eigentlich Ambris Sportchef Ivano Zanatta intensiv mit dem Wesen und Wirken von Langenthals Cheftrainer Jason O’Leary (38) auseinandersetzen. Der charismatische Kanadier ist wahrscheinlich der meistunterschätzte Nationalligatrainer – und zu haben. Er hat seinen Vertrag mit dem SC Langenthal noch nicht verlängert. Dieser Erfolgstrainer müsste eigentlich nicht nur in Ambri Kandidat für den Trainerjob sein. 

Ständerat Lombardi würde sein Ambri am «grünen Tisch» zu retten versuchen.  Bild: KEYSTONE

Am Freitag hätte Ambri in Langenthal also verloren. Nun ist die bange Frage: Wird Langenthal NLB-Meister und dann in der Liga-Qualifikation noch einmal mit dem gleichen Biss, mit der gleichen Wucht, mit der gleichen Konzentration spielen? Wenn ja, steigt Ambri erst theoretisch ab. Aber noch nicht in der Praxis. Es würde nämlich auch in diesem Falle nicht vorbei sein.

Wir können davon ausgehen, dass der grosse Vorsitzende Filippo Lombardi, um sein Ambri am «grünen Tisch» zu retten, einen politischen, administrativen, medialen und juristischen Sturm entfachen würde, wie wir ihn in unserem Hockey noch selten erlebt haben. Ständerat Filippo Lombardi mag das wahre Wesen des Mannschaftsportes nach wie vor fremd sein wie den Nubiern die Statuten unserer Nationalliga. Aber von Politik versteht er etwas.

Der 1000er-Klub des Schweizer Eishockeys

Bislang 15 Eishockeyspieler (Stand: 18.9.2021) schafften es auf 1000 oder mehr Spiele in der höchsten Schweizer Spielklasse. Das sind sie:
Rang 15: Beat Forster (2000 bis heute) – 1000 NLA-Spiele für den HC Davos, die ZSC Lions und den EHC Biel. keystone / PETER KLAUNZER
Rang 14: Reto von Arx (1995 bis 2015) – 1004 NLA-Spiele für den HC Davos.
Rang 13: Marc Reichert (1996 bis 2017) – 1022 NLA-Spiele für Bern, Biel, Kloten und Ambri. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Rang 12: Martin Steinegger (1990 bis 2012) – 1025 NLA-Spiele für Biel und Bern. KEYSTONE PHOTOPRESS / YOSHIKO KUSANO
Rang 11: Fabian Sutter (1999 bis 2018) – 1026 NLA-Spiele für Bern, Davos, die SCL Tigers, Zug und Biel. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Rang 10: Gil Montandon (1984 bis 2009) – 1032 NLA-Spiele für Fribourg und Bern. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Rang 9: Sven Lindemann (1997 bis 2019) – 1034 NLA-Spiele für Kloten, Zug, die SCL Tigers und Rapperswil-Jona. KEYSTONE / MARCEL BIERI
Rang 8: Sebastien Reuille (1998 bis 2019) – 1037 NLA-Spiele für Lugano, Kloten und Rapperswil. TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
Rang 7: Michael Ngoy (2001 bis 2021) – 1042 Spiele für Lausanne, Fribourg und Ambri. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
Rang 6: Ivo Rüthemann (1994 bis 2014) – 1072 NLA-Spiele für Davos und Bern. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Rang 5: Ryan Gardner (1997 bis 2017) – 1076 NLA-Spiele für Ambri, Lugano, ZSC Lions, Bern und Fribourg. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Rang 4: Ronnie Rüeger (1990 bis 2013) – 1085 NLA-Spiele für Kloten, Davos, Ambrì, Herisau, Lausanne, Zug und Lugano (inkl. Partien als Ersatzgoalie). KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
Rang 3: Andres Ambühl (seit 2000) – 1087 NLA-Spiele für den HC Davos und die ZSC Lions.
Rang 2: Mathias Seger (1996 bis 2018) – 1167 NLA-Spiele für den SC Rapperswil-Jona und die ZSC Lions. KEYSTONE / URS FLUEELER
Rang 1: Beat Gerber (seit 1999) – 1169 NLA-Spiele für die SCL Tigers und den SC Bern. keystone / PETER KLAUNZER

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