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Gute Stimmung im ersten Training unter Del Curto bei den ZSC Lions. Bild: KEYSTONE

Genau hingeschaut – so war Arno Del Curtos erstes Training beim ZSC

Was ist Charisma? Wenn zum ersten Training von Arno Del Curto mit den ZSC Lions gut und gerne 200 Frauen, Männer und Kinder herbeieilen.

Publiziert: 15.01.19, 11:45 Aktualisiert: 15.01.19, 12:18

Mit ziemlicher Sicherheit haben sich seit den Zeiten, als die ZSC Lions während des Umbaus des Hallenstadions im «Stadiönli» spielten, nie mehr so viele Zuschauerinnen und Zuschauer, Chronistinnen und Chronisten, Video-Soldatinnen und -Soldaten in der Kunsteisbahn Oerlikon eingefunden. Niemand hatte ein Inserat geschaltet oder Werbung gemacht. Es ist ja «nur» das Training der ZSC Lions. Es sind mindestens 200 Neugierige da.

Es ist das erste Training unter Arno Del Curto. Beginn um 10.15 Uhr.

Del Curto spricht mit den Händen

Das Training unter einem neuen Trainer ist ein bisschen wie eine neue Liebe. Alles wird durch die rosarote Brille analysiert. Alle rühmen. Logisch. Wenn jetzt einer kritische Anmerkungen macht, findet er sich für die anstehenden Spiele gegen die SCL Tigers am Freitag in Langnau und am Samstag im Hallenstadion auf der Tribüne wieder. Auf einmal ist alles neu, besser, frischer, dynamischer. Einige Spieler fühlen sich wahrscheinlich auch jünger.

Was ist nun anders? Nun, das Training ist besser als zuvor unter Serge Aubin. Aber nicht, weil der vorherige Trainer sein Handwerk nicht verstand. Es ist ganz einfach so, dass sich jetzt jeder dem neuen Chef im besten Lichte präsentieren will. So ist das immer, wenn der neue Trainer kommt.

Beobachtet von Fans und Fotografen instruiert Del Curto seine Spieler. Bild: KEYSTONE

Ein kleines Detail, von den meisten wohl übersehen, stimmt zuversichtlich. Arno Del Curto spricht mit den Händen. Sage mir, ob Arno auf dem Eis mit den Händen spricht und ich sage dir, wie gut er drauf ist.

Ein Karajan mit Dächlikappe

Er ist gut drauf. Er ist in seinem Element. Wenn er mit einem Pfiff aus der Trillerpfeife die Jungs heranholt und etwas erklärt, dann fahren seine Hände durch die Luft wie die eines Dirigenten. Der Herbert von Karajan der Trainer. Ein Karajan mit Baseball-Mütze. Das ist Arno pur. Er schreit nicht herum. Es ist seine Körpersprache, die überzeugt. Und wenn er zwischendurch korrigiert, legt er den Arm kurz wie väterlich-tröstend auf die Schulter eines Spielers. Auch das ist Arno pur: extrem fordernd, aber ebenso fürsorglich. Er überträgt den Führungsstil, den er in Davos gepflegt hat, 1:1 nach Zürich.

Der Anfang ist gemacht. Zieht er diesen Stil auch hier unten in Zürich durch? Sprechen die Spieler, erfolgsverwöhnte Stars, einige Jungmillionäre, die meisten mit der Neigung zur Genügsamkeit, dauerhaft auf diesen neuen Stil an? Bleibt sich Arno in der neuen Umgebung selber treu?

Das sind die entscheidenden Fragen, und die Suche nach den Antworten wird uns in den nächsten Wochen vortrefflichst unterhalten. Es wird nicht einfach für die SCL Tigers am Freitag und am Samstag. Nur wenn sie den ersten Ansturm der «neuen», «aufgeputschten» ZSC Lions überstehen, werden sie eine Chance haben.

Die Karriere von Arno Del Curto

Arno Del Curto war der «ewige» Trainer beim HC Davos. Er unterschrieb auf die Saison 1996/1997 und amtete 22 Jahre als Cheftrainer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Ja, es gab auch einen Arno Del Curto vor seinem Engagement beim HC Davos. 1990 begann er seine Profi-Trainer-Karriere beim SC Herisau und wechselte anschliessend zu den ZSC Lions, wo er drei Jahre blieb. Danach coachte er den EHC Bülach, den HC Luzern und die Schweizer U20-Nationalmannschaft. KEYSTONE / KARL MATHIS
2002 gewann Del Curto mit dem HC Davos seinen ersten von insgesamt sechs Meistertiteln und wurde zum besten Cheftrainer der Nationalliga A ausgezeichnet. KEYSTONE / FRANCO GRECO
Arno Del Curto feiert zwischen Niklas Hagman (links) und Joe Thornton den Meistertitel im Jahr 2005. PHOTOPRESS / ARNO BALZARINI
Ein Mann des Volkes: Arno Del Curto winkt während der Kutschenfahrt durch Davos im April 2007 an der Meisterfeier des HC Davos gutgelaunt seinen Fans zu. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
2007 wurde Arno del Curto bei den Credit Suisse Sports Awards zum Trainer des Jahres gewählt. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Die ungeraden Jahre brachten Del Curto und dem HCD Glück: Hier die Meisterfeier im Jahr 2009. PHOTOPRESS / PATRICK B. KRAEMER
Nicht nur an Meisterschaften hatte Arno Del Curto Grund zum feiern: Er gewann auch 5 Mal den Spengler Cup. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
Arno Del Curto wurde auch gerne mal laut – wie hier im Playoff-Final 2011, welchen der HC Davos gegen Kloten gewann. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Arno Del Curto präsentiert 2015 den Davoser Fans zum letzten Mal den Meisterkübel. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
In der Saison 2017/18 droht Del Curto mit dem HC Davos zum ersten Mal die Playoffs zu verpassen. Nach 21 Spielen lag der HCD 12 Punkte hinter dem Playoffstrich auf dem zweitletzten Rang. Doch die Davoser schaffen den Turnaround noch. KEYSTONE / EDDY RISCH
Eine Saison später sitzt der HCD wieder im Playout-Sumpf: Im Herbst zieht Del Curto schliesslich selbst die Reissleine und tritt am 27. November 2018 nach 22 Jahren als Trainer des HC Davos zurück. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
Lange kommt Del Curto nicht ohne Hockey sein: Bereits am 14. Januar 2019 wird er als neuer Trainer der ZSC Lions vorgestellt. Doch sein zweites Engagement in Zürich ist nur von kurzer Dauer. Nach dem Verpassen der Playoffs erhält er keinen neuen Vertrag mehr. KEYSTONE / ENNIO LEANZA

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