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Sind sie schon irr oder noch glücklich? Die Frauen aus «Eden». bild: channel 4

So vergass der britische TV-Sender seine Reality-Stars in der Wildnis

Sie sind schon jetzt Mediengeschichte: Die Menschen, die ein Jahr lang in den schottischen Highlands ausharrten und meinten, sie kämen im Fernsehen. Dabei war ihre Show längst tot. Und sie selber fast verhungert.

Publiziert: 29.03.17, 09:42 Aktualisiert: 30.03.17, 01:19

Aus lauter Hunger essen sie «Chicken Grit». Man kann sich fast nicht vorstellen, wie schrecklich das gewesen sein muss. Denn Chicken Grit ist feiner Split, den Hühner in ihren Schnabel packen, um damit die richtige Nahrung kleinzukriegen. Hühner haben keine Zähne. Deshalb nehmen sie die Steinchen zu Hilfe.

Menschen haben Zähne. Und die vertragen sich mit dem Split natürlich nicht. Weshalb die Verhungernden notfallmässig ihr umzäuntes Revier verlassen und in der echten Zivilisation einen Zahnarzt aufsuchen müssen. Zurück kamen sie mit geflickten Zähnen. Und Alkohol. Sehr viel Alkohol. Angeblich. Denn ganz genau weiss das keiner. Weil es von dem Ausflug keine Bilder gibt. 

Dünen vor der schottischen Cul na Croise Bay. Austragungsort von «Eden». bild: channel 4

Willkommen in der abgeschiedenen Idylle von «Eden», dem bisher grössten und rätselhaftesten Rohrkrepierer der TV-Geschichte. Was war da los? Wie konnte es passieren, dass das Fernsehen die Ausstrahlung der Reality-Show «Eden» nach wenigen Folgen abbrach, die Teilnehmer aber monatelang weiterhin ihrem fernsehgerechten Schicksal überliess?

Der britische Sender Channel 4 schickte im März 2016 23 Menschen in die schottischen Highlands. Vom 18. Juli bis zum 8. August wurde am Fernsehen gezeigt, wie die 23 versuchten, die Utopie eines Neuanfangs in der Wildnis zu verwirklichen. 4 der 23 waren professionelle Kameraleute mit Gopro-Kameras, die sogenannte Embedded Crew. Wie der Austausch zwischen ihnen und dem Sender stattfand, ist nicht bekannt. Denn Handys und ähnliche Kommunikationsgeräte gab es grundsätzlich keine. Statt des World Wide Webs waren da nur Himmel, Wald und ein paar Sanddünen samt See und Stechmücken.

Weitab von Gut und Böse. bild: google earth

Schliesslich muss man heute immer mit sowas rechnen. Damit, zu einem postapokalyptischen Neuanfang gezwungen zu werden. Dachten sich jedenfalls die Macher und Teilnehmer von «Eden». Das Schöne im Menschen sollte aus Naturschönheit was Schönes machen. Oder so. Weshalb die 23 Heilsträger ausgerüstet wurden:

  • Pro Person «mit einer Autoladung voller Outdoor-Gear» (ein entrüsteter Blogger) inklusive warmer Schlafsäcke. Schliesslich hat heute jeder sowas zuhause.
  • Mit Schafen, Ziegen, Schweinen, Hühnern.
  • Mit Jagdgewehren, um auch mal den einen oder andern friedlichen Bewohner des Waldes zu erlegen.
  • Mit Angeln. Für die friedlichen Bewohner des Sees.
  • Mit einem ganzen Schuppen voller Werkzeug.
  • Mit 250 jungen Nutzpflanzen.
  • Ein paar Rollen WC-Papier.

Quelle: «Guardian»

Outdoor-Fashion sieht einfach immer irgendwie nach Eighties aus. bild: channel 4

Das WC-Papier war bald weg. Die Camper kratzten fortan Moos von Boden und Bäumen. Channel 4 hatte sie bereits im März ins Camp gesteckt, damit sie bis im Winter vielleicht etwas Hausartiges gebaut hätten. Das taten sie aber nicht. Statt dessen erfanden sie das Geld. Den «Eden».

Ausgerechnet Lloyd, der Profifischer, entdeckte, dass er für seine Ware etwas verlangen kann. Lloyd machte aus Holz kistenweise Münzen in drei Grössen. Und liess es sich nicht nehmen, auch einen fiktiven Pfundwert auszurechnen. Der Kapitalismus schlich sich ein in «Eden» wie die Schlange ins biblische Paradies.

So sieht die Reality-Währung aus. bild: channel 4

Dies erzählten die 23 zu Beginn ihrer Mission

  • Yoga-Lehrerin Jasmine: «Ich wollte schon immer lernen, selbstgenügsam und umweltfreundlich zu leben.»
  • Assistenzärztin Jenna: «Mein Freund und ich leben zusammen. Ich weiss noch nicht, ob ich mich jede Nacht ohne ihn in den Schlaf weinen muss.»
  • Assistenzärztin Ali: «Ich will sehen, was uns die Welt zu bieten hat.»
  • Verkäuferin Josie: «Ich hab Erfahrung mit Kommunen.»
  • Ladenbauer Andrew: «Jeder Tag ist ein Schultag. Ich fische und jage bereits, ich hoffe, es gibt dort Profifischer und Profijäger, damit ich meine Fähigkeiten vervollkommnen kann.»
  • Ruder-Coach Anton: «Ich habe schon Abenteuer erlebt. Ein Freund und ich sind Weltrekord-Halter: Wir sind als erste die ganze Länge des Amazonas' runter gerudert.»
  • Gopro-Träger Ben: «Ich hoffe, ich treff nicht auf einen Haufen kreischender Big-Brother-Kandidaten.»
  • Schafhirtin Caroline: «Ich denke, ich bin perfekt.»
  • IT-Consultant Glenn: «Ich habe eine erfolgreiche Karriere, aber etwas fehlt.»
  • Ex-Offizier Jack: «Dies wird viele Diskussionen darüber anregen, was wir tun könnten, wenn es ein Armageddon oder sowas Ähnliches gäbe.»
  • Gopro-Trägerin Jane: «Ich nehme ein kleines Fotoalbum mit.»
  • Meeresbiologin und Künstlerin Katie: «Ich nehme an, wir müssen uns nach üblichen Führungs-Strukturen richten.»
  • Schmied und Fischer Lloyd: «Ich bin ein Alpha-Männchen.»
  • Gopro-Träger Matt: «Ich habe keine Survival-Fähigkeiten und ich habe noch nie ein Haus gebaut.»
  • Gopro-Träger Oli: «Ich will jagen, Tiere züchten, Fleisch verarbeiten.»
  • Gärtnerin Rachel: «Das Wetter kann schrecklich unvorhersehbar sein – ich kann ja nicht das BBC-Wetter nachschauen, ich kann bloss aus meinem Zelt schauen.»
  • Schreiner Raphael: «Meine Frau ist nicht glücklich, aber ich spüre dieses Projekt so sehr.»
  • Student Robert: «Ich will Jagen lernen. Ich habe es in Australien schon gemacht, meine Freunde dort jagen Schweine.»
  • Tierarzt Robert: «Ich mache mir Sorgen über fehlendes WC-Papier. Man kann nicht einen Jahresvorrat an WC-Papier mitnehmen.»
  • Rettungssanitäterin Sam: «Ich werde heisse Bäder vermissen.»
  • Koch Stephen: «Ich will nicht, dass die Leute bereits nach unserer Ankunft sagen: Oooohhh, lasst uns ein Schwein schlachten!»
  • Life-Coach Tara: «Was mich freut, ist mein Hintergrund in Sozialwissenschaften.»
  • Outdoor-Instructor Tom: «Ich wollte schon immer in der Wildnis überleben. Jetzt beweise ich, dass ich es kann.»

Quelle: 23 Interviews im «Telegraph»

Sie alle waren in «Eden»

Jasmine. channel 4
Josie. channel 4
Tara. channel 4
Tom. channel 4
Stephen. channel 4
Sam. channel 4
Robert. channel 4
Noch ein Robert. channel 4
Raphael. channel 4
Rachel. channel 4
Oli. channel 4
Matt. channel 4
Lloyd. channel 4
Katie. channel 4
Jenna. channel 4
Jane. channel 4
Jack. channel 4
Glenn. channel 4
Caroline. channel 4
Ben. channel 4

Als «Eden» im Juli 2016 am TV anlief, waren die 23 bereits im fünften Monat im Reservat. Was gesendet wurde, war zum Teil mehrere Monate alt. Und trotzdem dermassen langweilig, dass sich die Zuschauerzahlen nach der ersten Folge halbierten.

Und die Boys zu den Girls. Auch nicht besser. bild: channel 4

Channel 4 setzte die Sendung ab, versprach aber, sie bald wieder aufzunehmen. Der Twitteraccount @Eden_C4 postete bis im Oktober weiterhin heiter Bilder von hochmotivierten Campern und herzigen Geisslein. Mittlerweile gediehen Tiere und Gemüse, alle hatten sich daran gewöhnt, in einem einzigen Zelt zu schlafen.

Anton findet sich super. Die andern sehen das eher anders. bild: channel 4

Nur Anton nicht, der hatte sich im Wald eine Einzelloge gebaut. Und Schreiner Raphael, der eine Stütze der Kommune hätte sein sollen, erwies sich als arbeitsscheu. Und Tara wollte ums Verrecken niemanden massieren, obwohl das alle von einem Life-Coach erwarteten. Viele schrieben von Hand Tagebuch. Einige paarten sich, heisst es. Immer montags gab es einen psychohygienischen Gruppenspass namens Monday Motivation. Den meisten war langweilig. Nach und nach verabschiedeten sich 13 Leute.

Der letzte Tweet aus «Eden»

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Die zehn Zähsten blieben zurück. Und filmten einander weiterhin bei der Ausübung ihrer utopischen Pflicht. Bis ihr Jahr, für das sie alles – Arbeit, Familie, Freunde, Beziehungen, Behausungen – auf Eis gelegt hatten, vorbei war. Weil sie dachten, dass sich ihr Leben danach grundlegend ändern würde. Dass sie als Stars aus dem schottischen Wald treten und von Kamerateams und nicht von Mücken aufgefressen würden.

Und dann war da: nichts. Kein Mensch hatte auf sie gewartet. Weil kein Mensch wusste, dass sie überhaupt noch im Wald waren. Für sie war «Eden» aufgegangen. Sie hatten sich zwar im Winter vor Hunger die Zähne an Chicken Grit kaputt gebissen, aber sie hatten die Utopie durchgestanden. Den Neuanfang geschafft. Tom und Lloyd machten sofort zusammen Outdoor-Ferien.

Mmmmhhhh, es gibt leckere Knollen! Ob das schon selbstgezüchtete Kartoffeln sind? bild: channel 4

Channel 4 erzählt jetzt wieder, dass aus dem vorhandenen Material doch noch ein paar Folgen gezimmert werden können. Vielleicht. Und wenn nicht, dann wird dies wohl als die schönste Medienpleite des Jahrzehnts in die Geschichte eingehen.

Und jetzt?

Darüber, wie es zu der ganzen Absurdität kommen konnte, gibt es noch immer kein Statement. Channel 4 hat in grossen Abständen immer wieder bekräftigt, dass das Material «irgendwann» ausgestrahlt würde. Zuletzt gaben sie im Januar 2017 einen möglichen Ausstrahlungstermin Ende 2017 bekannt. Für den Sender war das Format nach dem gefloppten Start kostenneutral. Die Teilnehmer hielten sich an die Verträge, die sehr wahrscheinlich nach Art heutiger Reality-Macher sehr streng und mit Androhung hoher Bussen verbunden waren. Die 10 Ausgeschiedenen traten nicht an die Öffentlichkeit. Angehörige intervenierten, soweit bekannt ist, keine.

14 gesunde und leckere Snacks, die man beim Zocken oder TV gucken ohne schlechtes Gewissen verputzen kann

1. Blumenkohl-Popcorn: Popcorn gehört zu den beliebtesten Snacks überhaupt. Eine gesündere Alternative ist das Blumenkohl-Popcorn. In der kalten Variante zerpflückt man einen Blumenkohl und mischt ihn in einem Plastiksack mit Nährhefe, Salz, Pfeffer, Ölivenöl und einem Esslöffel Wasser und lässt das ganze über Nacht trocknen. Oder man schmiert den Blumenkohl mit etwas Olivenöl und Gewürzen ein und steckt das Ganze für 15 bis 20 Minuten in den Backofen. Anschliessend etwas Nährhefe drüber streuen und fertig. Darf es doch lieber echtes Popcon sein, dann macht man es am besten selbst in der Pfanne mit ganz wenig Öl. Dagegen ist kaum etwas einzuwenden.
2. Edamame: Edamame kann man entweder als kalten Snack fix fertig oder aber roh kaufen. Dann legt man sie auf ein Backblech, tröpfelt etwas Olivenöl darüber und würzt sie mit Salz. 18 bis 20 Minuten im Backofen sollten reichen. Gegessen wird nur die Bohne und nicht die Hülle.
3. Sushi: Sushi ist die gesündere, dafür leider wesentlich teurere Alternative zu Pizza.
4. Pita-Brot mit Hummus: Pita-Brot selber machen oder im Supermarkt kaufen. Für Hummus gibt es diverse Rezepte. Hier unser Vorschlag: Kichererbsen über Nacht einweichen, danach pürieren und mit Olivenöl, Knoblauch, Paprika, Salz und Pfeffer würzen. Nach Wunsch mit etwas Limettensaft verfeinern.
5. Nüsse: Nüsse zählen zwar nicht zu den kalorienärmsten Früchten, fettigen Chips sind sie dennoch vorzuziehen. Beispielsweise Mandeln, Cashews, Walnüsse oder Haselnüsse.
6. Brezel: Darf es etwas salziger sein? Dann empfehlen wir leckere Laugenbrezeln. Ebenfalls deutlich weniger fetthaltig als Chips.
7. Beeren: Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren oder Johannisbeeren. Die Auswahl ist riesig und zu rüsten gibt es auch nichts.
8. Gemüse-Dip: Etwas Magerquark mit Naturjoghurt mischen, dazu Salz, Pfeffer und gehackter Schnittlauch. Als Gemüse empfehlen sich Gurken, Peperoni und Rüebli. Altbewährter, aber perfekter und einfacher Snack für zwischendurch.
9. Smoothie: Ein Red Bull ist zwar lecker und putscht für kurze Zeit auf, aber es gehört wohl auch zu den ungesündesten Getränken. Besser rasch den Shaker anwerfen und einen Smoothie zubereiten. Rezepte gibt es en masse. Ein Beispiel: Beeren, Banane, Jogurt, Pfefferminze und ein paar Eiswürfel mixen und fertig. Ken Hawkins
10. Oliven: Nichts vorzubereiten und erst noch gesund.
11. Essiggurken oder Minimaiskolben sind ebenfalls praktisch kalorienlos – und trotzdem lecker.
12. Mini-Gemüse: Noch ein Tipp für Bequeme: Mini-Gemüse. Ob Gurken, Peperoni oder Cherrytomaten. Kurz unters Wasser und fertig ist der Snack.
13. Studentenfutter: Ein Klassiker ist das Studentenfutter. Dörrfrüchte und Nüsse fertig abgepackt und perfekt zum Knabbern vor dem Fernseher oder der Gaming-Kiste.
14. Trockenfleisch: Die Amis schaufeln sich gern Beef-Jerky rein. Schmeckt nicht jedem und ist bei uns ohnehin nicht sehr verbreitet. Dafür haben wir eigenes Trockenfleisch wie zum Beispiel Mostbrökli.

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