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George Bush senior, 2001, bei einem Spaziergang in Lugano. Bild: KEYSTONE

Kriegsverbrechen, Rassismus, Behinderung der Justiz – 6 harte Fakten zu George H. W. Bush 

Der 41. US-Präsident war ein grosser Staatsmann und machtbesessener Politiker. Hier erfährst du, was in Nachrufen nicht hervorgehoben wird.

Publiziert: 01.12.18, 22:16 Aktualisiert: 02.12.18, 11:49

Glaubt man den getwitterten Betroffenheits-Bekundungen von Barack Obama und anderen hochrangigen Politikern, dann war George H. W. Bush ein Demokratieförderer und Wohltäter sondergleichen.

screenshot: twitter

Und auch der Apple-Chef lobte den am Freitag verstorbenen Staatsmann in den höchsten Tönen ...

screenshot: twitter

Doch die Wahrheit ist vielschichtiger.

George H. W. Bush sei eine öffentliche Person gewesen. Einer von nur 44 Männern, die jemals als Präsident der Vereinigten Staaten gedient haben, kommentiert The Intercept. Deshalb könne man nicht zulassen, dass seine Amtszeit dermassen «dreist beschönigt» werde.

Die unbequeme Wahrheit sei, dass die Präsidentschaft von George Herbert Walker Bush viel mehr mit den erkennbar kriegerischen, korrupten und rechtsgerichteten republikanischen Persönlichkeiten gemein hatte, die nach ihm kamen, als es nun in den Nachrufen dargestellt werde.

Der Blick zurück mit sechs unbequemen Fakten:

Bush wurde dank einer rassistischen Kampagne gewählt

Der Name Willie Horton sollte für immer mit Bushs Präsidentschaftskandidatur von 1988 verbunden sein, kommentiert The Intercept.

Horton verbüsste eine lebenslange Freiheitsstrafe für Mord in Massachusetts – wo Bushs demokratischer Gegner Michael Dukakis Gouverneur war. Dann floh der verurteilte Gewalttäter, der unter fragwürdigen Umständen Wochenend-Urlaub erhalten hatte, und vergewaltigte eine Frau.

Kurz darauf wurde im US-Fernsehen ein rassistischer TV-Spot ausgestrahlt, der verdeutlichte, dass Horton schwarz und sein Opfer weiss war. Die rassistische Stimmungsmache sollte Dukakis das Präsidentenamt kosten.

Bushs Kampagnenleiter entschuldigte sich später für den TV-Spot, respektive dafür, den Gewalttäter Horton gegen Dukakis verwendet zu haben. Nicht aber Bush.

Bush war ein unehrlicher Kriegstreiber

13 Jahre bevor sein Sohn George W. Bush über Massenvernichtungswaffen fabulierte, um die Invasion und Besetzung des Iraks zu rechtfertigen, machte der Vater seine eigenen falschen Behauptungen, um die Luftbombardierung desselben Landes zu rechtfertigen. Der Golfkrieg wurde «auf einem Berg von Kriegspropaganda verkauft», wie die Untersuchung des Journalisten Joshua Keating ergab.

Lange vor dem Ersten Golfkrieg, nämlich 1976, war George H. W. Bush als Direktor des Geheimdienstes CIA vereidigt worden. Bild: AP

Er war für Kriegsverbrechen verantwortlich

Unter Bush senior warfen die USA 88'500 Tonnen Bomben auf den Irak und das von Irakern besetzte Kuwait ab, von denen viele zu schrecklichen zivilen Verlusten führten.

«Im Februar 1991 wurden beispielsweise bei einem US-Luftangriff auf einen Luftschutzkeller im Stadtteil Amiriyah in Bagdad mindestens 408 irakische Zivilisten getötet. Laut Human Rights Watch (HRW) wusste das Pentagon, dass die Amiriyah-Einrichtung während des Iran-Irak-Krieges als ziviler Schutzraum genutzt worden war und dennoch ohne Vorwarnung angegriffen worden war. Es war, so die Schlussfolgerung von HRW, eine ‹schwere Verletzung der Gesetze des Krieges›.»

quelle: theintercept.com

Als amtierender US-Präsident war Bush Oberbefehlshaber der Streitkräfte und damit oberster Verantwortlicher.

1992 wurde geschätzt, dass der Golfkrieg von Bush senior den Tod von 158'000 Irakern verursacht hatte, darunter 13'000 sofortige zivile Todesfälle und 70'000 Todesfälle durch die Schäden an Strom- und Kläranlagen.

Die US-Staatsangestellte, die dies publik machte, wurde von ihren Vorgesetzten mit Entlassung bedroht, wegen der Veröffentlichung angeblich «falscher Informationen».

Im gleichen Jahr wurde Bill Clinton neuer Präsident.

George H. W. Bush bei einem Tandem-Sprung mit einem Mitglied der Golden Knights, des Profi-Fallschirmspringer-Teams der US Army.  Bild: AP/U.S. Army

Bush weigerte sich, mit einem Sonderermittler zu kooperieren

Die Iran-Contra-Affäre wurde während der Präsidentschaft von Ronald Reagan in den 80er-Jahren enthüllt. Demnach liess die US-Regierung Einnahmen aus geheimen Waffenverkäufen an den Iran an die rechtsgerichtete Guerilla-Bewegung der Contras in Nicaragua weiterleiten.

In die höchst fragwürdigen Geschäfte eingeweiht war auch der damalige Vizepräsident, George H. W. Bush. Dieser weigerte sich allerdings standhaft, auszusagen, und behinderte so die Untersuchung.

Schlimmer noch: In den letzten Tagen seiner Präsidentschaft begnadigte Bush sechs Angeklagte in der Iran-Contra-Affäre, darunter den ehemaligen Verteidigungsminister Caspar Weinberger, und zwar am Vorabend von Weinbergers Prozess wegen Meineids und Behinderung der Justiz.

Das klinge sehr nach einem «Trumpschen Fall von Behinderung der Justiz», kommentiert The Intercept.

Der Investigativ-Journalist Glenn Greenwald twitterte:

Bush liess den Krieg gegen Drogen eskalieren

Im September 1989 wandte sich der US-Präsident via Fernsehansprache an die Nation und hielt ein Säckchen mit Crack in die Kamera. Die Droge sei in einem Park gleich gegenüber dem Weissen Haus beschlagnahmt worden. Bush nutzte die Gelegenheit, um eine Erhöhung der Ausgaben für den Drogenkrieg um 1,5 Milliarden Dollar zu fordern:

«Wir brauchen mehr Gefängnisse, mehr Gerichte, mehr Staatsanwälte.»

Recherchen der «Washington Post» ergaben später, dass Bundesagenten den Drogendealer dorthin gelockt hatten.

Bush belästigte Frauen sexuell

Seit Beginn der #MeToo-Bewegung Ende 2017 behaupteten mindestens acht verschiedene Frauen, dass der ehemalige Präsident sie betatscht habe. In den meisten Fällen sei dies passiert, während sie mit ihm für Fotos posierten.

Das harte Fazit von The Intercept: Der 41. Präsident der Vereinigten Staaten hatte viel mehr gemeinsam mit den beiden republikanischen Präsidenten, die nach ihm kamen, als seine Fans uns heute glauben lassen möchten.

Du möchtest noch eine ganz andere Perspektive lesen?  Wie wär's mit dem Einfluss, den Bush auf unseren Nachbarn Deutschland und den Kalten Krieg hatte? Der frühere «Spiegel»-Korrespondent Richard Kiessler meint:

«George Bush verkörperte alles, was wir heute an Donald Trump vermissen. Er war Mit-Architekt der Wiedervereinigung – ohne ihn hätten die Deutschen keine zweite Chance bekommen [...].»

Hier geht's zu seiner Lobeshymne. Titel: «Wie George Bush zum ‹Freund der Deutschen› wurde».

Und hier noch der Video-Nachruf der «New York Times»

Video: YouTube/The New York Times

Wie beurteilst du das Wirken von George H. W. Bush?
Leider hat was nicht geklappt. Bitte versuche es später nochmals.

(dsc)

Das waren die unbeliebtesten US-Präsidenten

Waaas? Kennedy? Natürlich nicht! Wir beginnen mit dem Beliebtesten! John F. Kennedy, ausgerechnet er, der 1963 Opfer eines Attentats wurde, war der beliebteste US-Präsident aller Zeiten. EPA / ABBIE ROWE / NATIONAL PARK SERVICE HANDOUT
Ebenfalls sehr beliebt war der charismatische Dwight Eisenhower (rechts), hier 1960 beim Golfen. In den Beliebtheits-Polls, die Prognose-Pionier George Gallup in den 30ern erfunden hat, rangiert er auf Platz zwei. AP/AP / Paul Vathis
Auch Franklin D. Roosevelt schafft es unter die ersten drei. Der Demokrat war zwischen 1933 und 1945 bis zu seinem Tode Präsident der USA. Für seine Führung im Zweiten Weltkrieg erntet er heute noch grossen Respekt. AP/AP
Auch George H. W. Bush, George W. Bushs Vater, war während seiner Amtszeit recht beliebt. Sein Sohn sollte es in punkto Beliebtheit nicht so weit bringen wie er. AP/AP / Barry Thumma
Auf dem fünften Platz landet Lyndon B. Johnson. Der Demokrat übernahm 1963 nach dem Attentat auf Kennedy das Präsidentenamt. Er erklärte die Rassentrennung in ganz Amerika für illegal. AP/AP / John Rous
Ein prominentes Gesicht: Auch Bill Clintons Arbeit als Präsident, zwischen 1993 und 2001, wurde sehr geschätzt. Seine Lügen in der Affäre Monica Lewinsky setzten seinem Ansehen jedoch zu. AP/Invision / Andy Kropa
Ronald Reagan, 1981 während einer Pressekonferenz im Weissen Haus, bewegt sich in punkto Beliebtheit im Mittelfeld. Die Republikaner bejubelten seinen Sozialabbau, die Demokraten weniger. AP/AP / Anonymous
Auch George W. Bush war gar nicht mal so unbeliebt. Er teilt sich aber seinen Platz mit ... AP/AP / LM Otero
... Richard Nixon. Der republikanische Präsident war genau gleich beliebt bzw. unbeliebt wie Bush. Nach der Watergate-Affäre musste er von seinem Amt zurücktreten. AP/AP / Uncredited
Jetzt geht's aber markant bergab. Der Republikaner Gerald Ford, zwischen 1974 und 1977, war ziemlich unbeliebt. Nur zweieinhalb Jahre im Amt, versuchte er nach Nixons Rücktritt, das Vertrauen ins Weisse Haus wiederherzustellen.
Ford war dabei aber nicht so unbeliebt wie Barack Obama. Er landet auf dem drittletzten Platz. X00280 / MIKE THEILER
Jimmy Carter, vor allem in der Energie-, Bildungs- und Umweltpolitik engagiert, schaffte es nicht, die USA aus ihrer Wirtschafts- und Gesellschaftskrise zu führen. Er war während seiner Amtszeit der zweitunbeliebteste US-Präsident. AP/AP
Der absolut unbeliebteste Präsident während seiner Amtszeit war aber Harry S. Truman (1945–1953). Der Demokrat mauserte sich dafür später: Im 21. Jahrhundert gehört er bei Umfragen unter Amerikanern zu den beliebtesten US-Präsidenten. NARA
So, das, ähm, wars jetzt mit den unbeliebtesten US-Präsidenten. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais

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