Antonio Tajani
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«Er hat auch Gutes getan»: EU-Parlamentspräsident empört mit Aussage über Mussolini
EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat mit einer Bemerkung über den faschistischen italienischen Diktator Benito Mussolini vielerorts Empörung ausgelöst. Tajani weist die Anschuldigungen aber zurück.
Mussolini habe vor der Einführung der Rassengesetze und vor der Kriegserklärung «an die ganze Welt» auch «einige positive Dinge getan», sagte Tajani in einem Interview mit Radio24.
Undatierte Aufnahme von Benito Mussolini.
Bild: Roger Viollet
Mussolini war von 1922 bis 1943 an der Macht. Italien trat 1940 an der Seite der Nationalsozialisten von Adolf Hitler in den Zweiten Weltkrieg ein.
«Ich bin kein Faschist. Ich war nie ein Faschist. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, hat er Strassen, Brücken, Gebäude, Sportanlagen gebaut», sagte der Italiener Tajani, der zur konservativen Partei Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört. «Wenn man ein historisches Urteil fällt, muss man objektiv sein.»
Udo Bullmann
Bild: EPA/EPA
Der Chef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Udo Bullmann, verlangte von Tajani «umgehend eine Erklärung». «Unglaubliche Zitate von Tajani über Mussolini: Wie kann der Präsident des Europäischen Parlaments den Charakter des Faschismus so verleugnen?», schrieb er am Mittwoch auf Twitter.
Politiker relativiert
Später twitterte Tajani, seine Aussagen seien manipuliert worden. «Ich bin entsetzt über die Manipulation meiner Äusserungen zum Faschismus. Ich bin immer ein überzeugter Antifaschist gewesen, ich erlaube niemandem, etwas anderes zu behaupten. Die faschistische Diktatur, Rassengesetze und Opfer sind das dunkelste Kapitel in der IT/EU Geschichte.»
Kritiker werfen Italien seit langem mangelnde Aufarbeitung des Faschismus' vor. Im ganzen Land kann man zum Beispiel noch Mussolini-Memorabilia kaufen. Und Berlusconi sagte 2013 am Holocaust-Gedenktag, dass Mussolini viele Dinge gut gemacht habe. (sda/dpa)
Der gruselige Faschismus-Kult in Italien:
Mussolinis Geburtsort Predappio aus der Ferne. «Kaum vorzustellen, dass jedes Jahr Zigtausende Rechte hierher eilen, um ihresgleichen zu treffen und einen vor Jahrzehnten gestorbenen Diktator zu ehren», erklärt der Fotograf Giorgio Morra. (Bild: Giorgio Morra) «Dieses Selfie entstand am Gedenktag der Machtübernahme Mussolinis auf der Piazza Principale, direkt vor dem Plazzo del fascio – dem früheren Hauptquartier der Faschisten. Dort treffen sich dreimal im Jahr mehrere Tausend Rechte und Verehrer des Duce: an seinem Geburtstag, an seinem Todestag und am Jahrestag des Marsches auf Rom, mit dem er 1922 die Macht ergriff.» (Bild: Giorgio Morra)
Pilgerstätte für italienische Faschisten: die Familiengruft vor den Toren Predappios. (Bild: Giorgio Morra)
Schwarzhemden, MussoliniBecher und -Pullover: einer von drei Devotionalienläden des Ortes. (Bild: Giorgio Morra)
«Dieses Bett steht im inoffiziellen Mussolini-Museum zwischen Forli und Predappio» so Fotograf Morra über das Bild. Ihm sagte der heutige Hauseigentümer, er wolle das «Andeken» an den Duce erhalten. (Bild: Giorgio Morra)
Mussolinis ehemaliges Wohnhaus, die sogenannte Villa Carpena. (Bild: Giorgio Morra)
«Auf dem Gelände befinden sich viele Erinnerungsstücke, die Mussolini und seiner Familie gehört haben sollen», erläutert Morra. Im Hintergrund etwa das Flugzeug, mit dem Hitlers Soldaten angeblich Mussolini befreit haben, nachdem Partisanen ihn 1943 verhaftet hatten. (Bild: Giorgio Morra)
Im Garten der Villa ein Adler, der Federn gelassen hat. (Bild: Giorgio Morra)
Im Rathaus von Predappio: «Links steht Mussolinis ehemaliger Schreibtisch. Rechts verschränkt Bürgermeister Giorgio Frassineti abgewandt die Arme. Er ist täglich mit dem Thema Faschismus konfrontiert und will ein Museum aufbauen, das der Aufarbeitung [dienen soll].» (Bild: Giorgio Morra)
Im Palazzo del fascio soll 2019 Italiens erstes Faschismus-Museum entstehen. (Bild: Giorgio Morra)
Im Untergrund des Ortes eine Bunkeranlage, in der früher Flugzeuge gebaut wurden. Heute betreibt die Universität Bologna hier einen Turbinen-Windkanal. (Bild: Giorgio Morra)
Am Wochenende sind die Andenken-Läden voll. Unter der Woche werden vor allem Pakete verschickt, weiss Morra. «Angeblich gibt es vor allem in Südamerika viele Abnehmer.» (Bild: Giorgio Morra)
Rechtes Gedenkritual am Mussolini-Mausoleum. (Bild: Giorgio Morra)
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