International
Analyse

Iran-Krieg: TACO-Trump hat keinen Plan

epa12905629 US President Donald Trump speaks in the State Dining Room of the White House in Washington, DC, USA, 21 April 2026. The event honors over 100 National Collegiate Athletic Association (NCAA ...
Wieder einmal hat Donald Trump eine Drohung nicht wahrgemacht. Bild: keystone
Analyse

TACO-Trump hat keinen Plan

Erneut hat Donald Trump ein Ultimatum gesetzt – und dann einen Rückzieher gemacht: Die Waffenruhe mit dem Iran bleibt in Kraft. Dem US-Präsidenten läuft allmählich die Zeit davon.
22.04.2026, 19:3922.04.2026, 19:40

Wieder einmal hat Donald Trump eine Kehrtwende vollzogen. Wenige Stunden vor dem Ende der Waffenruhe mit dem Iran hat der US-Präsident angekündigt, sie werde verlängert. Und zwar so lange, bis ein geeinter Vorschlag aus Iran vorliege und die Gespräche abgeschlossen seien, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

Trump auf Truth Social, 21.4.2026
Screenshot: TruthSocial

Kurz zuvor hatte es noch ganz anders getönt: «Ich gehe davon aus, dass wir bombardieren werden, da dies die bessere Ausgangsposition ist. ‌Das Militär steht in den Startlöchern», hatte Trump dem Sender CNBC noch am Dienstagvormittag gesagt. Und einige Tage zuvor hatte er gewarnt, es werde «keinen Mr. Nice Guy mehr» geben, falls die iranische Führung nicht klein beigeben werde.

Aufschub ohne Gegenleistung

Vorderhand werden die amerikanischen Kampfjets also keine Luftangriffe auf den Iran fliegen. Das ist an sich eine gute Nachricht. Dennoch irritiert Trumps Kehrtwende – sie ist Teil einer Politik, die plan- und hilflos wirkt. Der Aufschub erfolgte einseitig und obendrein ohne erkennbare Gegenleistung Teherans. Das iranische Regime liess im Gegenteil kurz vor Trumps Erklärung verlautbaren, vorerst würden keine iranischen Vertreter zu Verhandlungen nach Pakistan kommen, denn die USA seien in den vergangenen Tagen nicht von «übertriebenen Forderungen» abgerückt. Eine Teilnahme an den Gesprächen in Islambad sei unter diesen Umständen «reine Zeitverschwendung».

Kein Wunder, dass Kritiker den Präsidenten umgehend mit dem Schlagwort TACO («Trump always chickens out» – Trump kneift immer) verspotteten, wie CNN berichtet. Auf seiner Plattform Truth Social rechtfertigte Trump sich damit, der Aufschub der Angriffe sei auf Wunsch von Feldmarschall Asim Munir und Premierminister Shebaz Sharif von Pakistan erfolgt. Dem Iran solle so die Möglichkeit gegeben werden, einen Vorschlag für die Verhandlungen auszuarbeiten. Zudem sei die iranische Regierung «ernsthaft gespalten». Laut CNN sind hochrangige US-Beamte in der Tat der Ansicht, der Iran habe nicht auf die US-Vorschläge reagiert, weil sich seine Führung noch nicht auf eine gemeinsame Position geeinigt habe.

Das Momentum liegt in Teheran

Das in der Regel gut informierte Nachrichtenportal Axios schreibt, Trumps Unterhändler seien noch immer überzeugt, dass sich ein «Deal» zur Beendigung des Kriegs erreichen lasse. Doch die zerstrittenen Fraktionen des iranischen Regimes müssten sich zuerst einigen. «Trump ist bereit, eine weitere Waffenruhe von drei bis fünf Tagen zu gewähren, damit die Iraner ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen können. Das wird nicht auf unbestimmte Zeit sein», sagte ein Insider gegenüber «Axios».

Da Trump jedoch keine klare Frist genannt hat, sondern die Waffenruhe verlängern will, bis die iranische Führung sich auf einen Vorschlag geeinigt hat, liegt das Momentum nun gleichwohl in Teheran. Dies kritisierte Seth Moulton, demokratischer Abgeordneter aus Massachusetts: Er sagte gegenüber CNN, nicht die USA, sondern der Iran habe die Kontrolle über die Situation. Die Iraner verstünden offensichtlich deutlich besser, wie Trump ticke, als Trump die Iraner verstehe. Moulton geht davon aus, dass Trump sich Zeit verschaffen will. Der Präsident habe keine Ahnung, was er als Nächstes tun solle; er selbst wisse nicht, wie er da wieder rauskommen solle. Es gebe keinen Plan und es habe nie einen Plan gegeben.

FILE - In this Tuesday, Feb. 12, 2019 file photo, Rep. Seth Moulton, D-Mass., speaks at the Brookings Institution in Washington, about his vision for the future of U.S. foreign policy. U.S. Rep. Seth  ...
«Der Iran hat die Kontrolle über die Situation»: Der Abgeordnete Seth Moulton kritisert Trump. Bild: AP/AP

Trumps Taktik ist gescheitert

Trumps neuerlicher Rückzieher zeigt zumindest eines deutlich: Seine Taktik, Teheran durch massive militärische Drohungen zum Nachgeben zu bringen, ist gescheitert, und dies bereits mehrfach. Vermutlich gibt es in den Reihen der überlebenden Vertreter des iranischen Regimes kaum noch jemanden, der die Eskalationsdrohungen des US-Präsidenten noch ernst nimmt. Mahdi Mohammadi, ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten und Chefunterhändlers Mohammad Ghalibaf, bezeichnete die USA auf X sogar als «unterlegene Seite»:

Die Zeit arbeitet eher für Teheran

Die Blockade der Strasse von Hormus, die Mohammadi in seinem Post erwähnt, wertet das Regime in Teheran als Verletzung der Waffenruhe, die ein zentrales Hindernis für weitere Verhandlungen darstellt. Trump führt die Blockade weiter, um den Druck auf das Regime zu erhöhen, dem dadurch die Einnahmen aus dem Öl-Export wegbrechen. Tatsächlich dürfte es für die iranische Führung zusehends schwierig werden, Gehälter für Militär und Polizei zu bezahlen, wie Trump auf Truth Social euphorisch behauptet. Doch das Regime, das bereits im Januar bei der blutigen Niederschlagung der Proteste äusserst skrupellos vorgegangen ist, wird wohl keine Rücksicht auf die Not der Bevölkerung nehmen.

Post von Trump auf Truth Social, 21.4.2026
Screenshot: Truth Social

Im Gegensatz dazu steht Trump unter zunehmendem innenpolitischem Druck – und dies auch von seiner eigenen Anhängerschaft. Die Aussicht auf einen weiteren endlosen Krieg in fernen Gegenden hat bereits einen Teil der MAGA-Bewegung von Trump entfremdet. Zudem schneidet sich der Präsident mit der Blockade der Strasse von Hormus ins eigene Fleisch. Der Anstieg der Ölpreise sendet Schockwellen durch die Weltwirtschaft und schlägt sich auch an amerikanischen Zapfsäulen nieder – nicht zuletzt dort, wo die MAGA-Bewegung dominiert. Teheran können die globalen Wirtschaftsprobleme hingegen egal sein.

A passer-by takes a picture of a balloon in the caricature of US President Donald Trump as Britain's Liberal Democrat party launch their new "Trumpflation" campaign as latest inflation  ...
Steigende Benzinpreise und Inflation werden Trump angelastet.Bild: keystone

Trump muss diesen Krieg beenden, und zwar ohne sein Gesicht zu verlieren. Da er das Regime in Teheran bisher nicht zur Aufgabe bomben konnte, ist er darauf angewiesen, eine Verhandlungslösung zu finden. Während Trump immer mehr unter Zugzwang gerät – ohne aber über sinnvolle Optionen für den nächsten Zug zu verfügen –, kann das iranische Regime eher auf Zeit spielen.

US-Zerstörer feuert auf iranisches Schiff

Video: watson
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Krieg in Bildern
1 / 30
Iran-Krieg in Bildern

Menschen heben bei einer Demonstration in Tel Aviv die Hände, um ein Ende des Krieges zu fordern.

quelle: keystone / maya levin
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump zur Zerstörung im Iran
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
156 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bikemate
22.04.2026 19:51registriert Mai 2021
Er ist ein Genie, hat den Krieg bereits zum 9ten Mal beendet. Darauf ein Glas Desinfektionsmittel.
2033
Melden
Zum Kommentar
avatar
sinkflug
22.04.2026 19:59registriert Juli 2020
Dass er die Schweiz genau jetzt wieder mit neuen Zöllen unter Druck setzen will, ist wohl kein Zufall. Innen- und aussenpolitisch läuft es momentan ja nicht wirklich rund für ihn, da braucht er nun endlich wieder mal einen Erfolg. Dass er die Schweiz problemlos erpressen kann, weiss er inzwischen genau. Da rechnet er mit einem schnellen Erfolg, mit dem er zuhause wieder punkten kann. Ich hoffe, die Schweizer Regierung bleibt dieses mal hart und knickt nicht wieder ein, wir sind seinen Spielchen nicht hilflos ausgeliefert.
1622
Melden
Zum Kommentar
avatar
Clandestino
22.04.2026 19:55registriert Mai 2025
Hatte er jemals in seinem Leben irgendeinen Plan? Sein erratisches Verhalten ist doch sein Markenzeichen.
1281
Melden
Zum Kommentar
156
Novo Nordisk will Ozempic-Tablette für Jugendliche zulassen
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk will die Zulassung wichtiger Diabetes-Präparate auch für Kinder und Jugendliche beantragen. Die entsprechenden Unterlagen für die Erweiterung der Ozempic-Tablette und beim Medikament Rybelsus bei Diabetes Typ 2 sollen in der zweiten Jahreshälfte in den USA und der EU eingereicht werden, teilte das Unternehmen in Bagsvaerd mit.
Zur Story