TACO-Trump hat keinen Plan
Wieder einmal hat Donald Trump eine Kehrtwende vollzogen. Wenige Stunden vor dem Ende der Waffenruhe mit dem Iran hat der US-Präsident angekündigt, sie werde verlängert. Und zwar so lange, bis ein geeinter Vorschlag aus Iran vorliege und die Gespräche abgeschlossen seien, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Kurz zuvor hatte es noch ganz anders getönt: «Ich gehe davon aus, dass wir bombardieren werden, da dies die bessere Ausgangsposition ist. Das Militär steht in den Startlöchern», hatte Trump dem Sender CNBC noch am Dienstagvormittag gesagt. Und einige Tage zuvor hatte er gewarnt, es werde «keinen Mr. Nice Guy mehr» geben, falls die iranische Führung nicht klein beigeben werde.
Aufschub ohne Gegenleistung
Vorderhand werden die amerikanischen Kampfjets also keine Luftangriffe auf den Iran fliegen. Das ist an sich eine gute Nachricht. Dennoch irritiert Trumps Kehrtwende – sie ist Teil einer Politik, die plan- und hilflos wirkt. Der Aufschub erfolgte einseitig und obendrein ohne erkennbare Gegenleistung Teherans. Das iranische Regime liess im Gegenteil kurz vor Trumps Erklärung verlautbaren, vorerst würden keine iranischen Vertreter zu Verhandlungen nach Pakistan kommen, denn die USA seien in den vergangenen Tagen nicht von «übertriebenen Forderungen» abgerückt. Eine Teilnahme an den Gesprächen in Islambad sei unter diesen Umständen «reine Zeitverschwendung».
Kein Wunder, dass Kritiker den Präsidenten umgehend mit dem Schlagwort TACO («Trump always chickens out» – Trump kneift immer) verspotteten, wie CNN berichtet. Auf seiner Plattform Truth Social rechtfertigte Trump sich damit, der Aufschub der Angriffe sei auf Wunsch von Feldmarschall Asim Munir und Premierminister Shebaz Sharif von Pakistan erfolgt. Dem Iran solle so die Möglichkeit gegeben werden, einen Vorschlag für die Verhandlungen auszuarbeiten. Zudem sei die iranische Regierung «ernsthaft gespalten». Laut CNN sind hochrangige US-Beamte in der Tat der Ansicht, der Iran habe nicht auf die US-Vorschläge reagiert, weil sich seine Führung noch nicht auf eine gemeinsame Position geeinigt habe.
Das Momentum liegt in Teheran
Das in der Regel gut informierte Nachrichtenportal Axios schreibt, Trumps Unterhändler seien noch immer überzeugt, dass sich ein «Deal» zur Beendigung des Kriegs erreichen lasse. Doch die zerstrittenen Fraktionen des iranischen Regimes müssten sich zuerst einigen. «Trump ist bereit, eine weitere Waffenruhe von drei bis fünf Tagen zu gewähren, damit die Iraner ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen können. Das wird nicht auf unbestimmte Zeit sein», sagte ein Insider gegenüber «Axios».
Da Trump jedoch keine klare Frist genannt hat, sondern die Waffenruhe verlängern will, bis die iranische Führung sich auf einen Vorschlag geeinigt hat, liegt das Momentum nun gleichwohl in Teheran. Dies kritisierte Seth Moulton, demokratischer Abgeordneter aus Massachusetts: Er sagte gegenüber CNN, nicht die USA, sondern der Iran habe die Kontrolle über die Situation. Die Iraner verstünden offensichtlich deutlich besser, wie Trump ticke, als Trump die Iraner verstehe. Moulton geht davon aus, dass Trump sich Zeit verschaffen will. Der Präsident habe keine Ahnung, was er als Nächstes tun solle; er selbst wisse nicht, wie er da wieder rauskommen solle. Es gebe keinen Plan und es habe nie einen Plan gegeben.
Trumps Taktik ist gescheitert
Trumps neuerlicher Rückzieher zeigt zumindest eines deutlich: Seine Taktik, Teheran durch massive militärische Drohungen zum Nachgeben zu bringen, ist gescheitert, und dies bereits mehrfach. Vermutlich gibt es in den Reihen der überlebenden Vertreter des iranischen Regimes kaum noch jemanden, der die Eskalationsdrohungen des US-Präsidenten noch ernst nimmt. Mahdi Mohammadi, ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten und Chefunterhändlers Mohammad Ghalibaf, bezeichnete die USA auf X sogar als «unterlegene Seite»:
Trump’s ceasefire extension “means nothing”, says Mahdi Mohammadi, adviser to Iran’s parliament speaker. pic.twitter.com/QG7rOhT476
— برهان الدین | Burhan uddin (@burhan_uddin_0) April 21, 2026
Die Zeit arbeitet eher für Teheran
Die Blockade der Strasse von Hormus, die Mohammadi in seinem Post erwähnt, wertet das Regime in Teheran als Verletzung der Waffenruhe, die ein zentrales Hindernis für weitere Verhandlungen darstellt. Trump führt die Blockade weiter, um den Druck auf das Regime zu erhöhen, dem dadurch die Einnahmen aus dem Öl-Export wegbrechen. Tatsächlich dürfte es für die iranische Führung zusehends schwierig werden, Gehälter für Militär und Polizei zu bezahlen, wie Trump auf Truth Social euphorisch behauptet. Doch das Regime, das bereits im Januar bei der blutigen Niederschlagung der Proteste äusserst skrupellos vorgegangen ist, wird wohl keine Rücksicht auf die Not der Bevölkerung nehmen.
Im Gegensatz dazu steht Trump unter zunehmendem innenpolitischem Druck – und dies auch von seiner eigenen Anhängerschaft. Die Aussicht auf einen weiteren endlosen Krieg in fernen Gegenden hat bereits einen Teil der MAGA-Bewegung von Trump entfremdet. Zudem schneidet sich der Präsident mit der Blockade der Strasse von Hormus ins eigene Fleisch. Der Anstieg der Ölpreise sendet Schockwellen durch die Weltwirtschaft und schlägt sich auch an amerikanischen Zapfsäulen nieder – nicht zuletzt dort, wo die MAGA-Bewegung dominiert. Teheran können die globalen Wirtschaftsprobleme hingegen egal sein.
Trump muss diesen Krieg beenden, und zwar ohne sein Gesicht zu verlieren. Da er das Regime in Teheran bisher nicht zur Aufgabe bomben konnte, ist er darauf angewiesen, eine Verhandlungslösung zu finden. Während Trump immer mehr unter Zugzwang gerät – ohne aber über sinnvolle Optionen für den nächsten Zug zu verfügen –, kann das iranische Regime eher auf Zeit spielen.
