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EU-Parlamentspräsident empört mit Aussage über Mussolini

European Parliament President Antonio Tajani speaks during a news conference at the foreign press association in Rome, Monday Feb. 4, 2019. A key group of European Union countries has endorsed Venezue ...
Antonio TajaniBild: AP/AP

«Er hat auch Gutes getan»: EU-Parlamentspräsident empört mit Aussage über Mussolini

14.03.2019, 04:16
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EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat mit einer Bemerkung über den faschistischen italienischen Diktator Benito Mussolini vielerorts Empörung ausgelöst. Tajani weist die Anschuldigungen aber zurück.

Mussolini habe vor der Einführung der Rassengesetze und vor der Kriegserklärung «an die ganze Welt» auch «einige positive Dinge getan», sagte Tajani in einem Interview mit Radio24.

UNSPECIFIED - CIRCA 1883: Benito Mussolini (1883-1945), Italian statesman. (Photo by Roger Viollet/Getty Images)
Undatierte Aufnahme von Benito Mussolini.Bild: Roger Viollet

Mussolini war von 1922 bis 1943 an der Macht. Italien trat 1940 an der Seite der Nationalsozialisten von Adolf Hitler in den Zweiten Weltkrieg ein.

«Ich bin kein Faschist. Ich war nie ein Faschist. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, hat er Strassen, Brücken, Gebäude, Sportanlagen gebaut», sagte der Italiener Tajani, der zur konservativen Partei Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört. «Wenn man ein historisches Urteil fällt, muss man objektiv sein.»

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Udo BullmannBild: EPA/EPA

Der Chef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Udo Bullmann, verlangte von Tajani «umgehend eine Erklärung». «Unglaubliche Zitate von Tajani über Mussolini: Wie kann der Präsident des Europäischen Parlaments den Charakter des Faschismus so verleugnen?», schrieb er am Mittwoch auf Twitter.

Politiker relativiert

Später twitterte Tajani, seine Aussagen seien manipuliert worden. «Ich bin entsetzt über die Manipulation meiner Äusserungen zum Faschismus. Ich bin immer ein überzeugter Antifaschist gewesen, ich erlaube niemandem, etwas anderes zu behaupten. Die faschistische Diktatur, Rassengesetze und Opfer sind das dunkelste Kapitel in der IT/EU Geschichte.»

Kritiker werfen Italien seit langem mangelnde Aufarbeitung des Faschismus' vor. Im ganzen Land kann man zum Beispiel noch Mussolini-Memorabilia kaufen. Und Berlusconi sagte 2013 am Holocaust-Gedenktag, dass Mussolini viele Dinge gut gemacht habe. (sda/dpa)

Der gruselige Faschismus-Kult in Italien:

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Der gruselige Faschismus-Kult in Italien
Mussolinis Geburtsort Predappio aus der Ferne. «Kaum vorzustellen, dass jedes Jahr Zigtausende Rechte hierher eilen, um ihresgleichen zu treffen und einen vor Jahrzehnten gestorbenen Diktator zu ehren», erklärt der Fotograf Giorgio Morra. (Bild: Giorgio Morra)
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Der berühmteste Wachmann der Welt entschuldigt sich:

Video: srf
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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FrancoL
14.03.2019 08:03registriert November 2015
Eine Aufarbeitung des Faschismus wird in IT nicht erfolgen. Forza Italia, Lega und kleinere rechtsradikale Parteien werden dies immer verhindern. Kommt dazu dass auch links stehende Bürger den starken Mann nicht ganz aus ihren Köpfen drängen mögen und ein starkes IT sich wünschen.
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