Kamelurin, Bleichmittel und Methanol: Falsche Corona-Heilmittel kosteten hunderte Leben
Mit der symbolischen Aushebung von 100 «Gräbern» am Strand von Copacabana haben Aktivisten gegen den Umgang der brasilianischen Regierung mit der Corona-Pandemie protestiert. keystone / Leo Correa
Am Strandabschnitt direkt vor dem berühmten Hotel «Copacabana Palace» schaufelten sie am Donnerstag Reihen von rechteckigen Löchern. keystone / Leo Correa
Darauf steckten die Aktivisten schwarze Kreuze mit kleinen brasilianischen Fahnen. keystone / ANTONIO LACERDA
Mit der Aktion solle der brasilianischen Opfer der Pandemie gedacht und zugleich die «Inkompetenz» der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro in ihrer Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus angeprangert werden, erklärten die Aktivisten. keystone / Leo Correa
Die Reihen von Löchern im Copacabana-Strand erinnern an die hastig geschaufelten Gräber in besonders hart von der Pandemie betroffenen brasilianischen Gegenden wie etwa der Amazonasmetropole Manaus. keystone / ANTONIO LACERDA
Vor der Ansichtskarten-Kulisse sei mit der Aktion reproduziert worden, «was wir auf unseren Friedhöfen sehen», sagte der Vorsitzende der Organisation Rio de Paz, Antônio Carlos Costa, der Nachrichtenagentur AFP. keystone / ANTONIO LACERDA
Costa appellierte an Bolsonaro, seine Haltung zu der Pandemie zu ändern. Der Staatschef müsse verstehen, dass «unsere Nation mit dem schwierigsten Moment ihrer Geschichte konfrontiert ist». keystone / ANTONIO LACERDA
Bolsonaro hatte in der Vergangenheit die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 als blosse «kleine Grippe» bezeichnet. keystone / ANTONIO LACERDA
Die von brasilianischen Bundesstaaten verhängten Corona-Restriktionen prangert er wegen ihres drosselnden Effekts auf die Wirtschaft an. keystone / Leo Correa
Die Zahl der verzeichneten Todesfälle durch Covid-19 überschritt am 11. Juni in Brasilien die Schwelle von 40'000. Die Zahl der registrierten Infektionen lag bei etwa 802'800. sda / Leo Correa
Fehlinformationen durch Gerüchte und Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit dem Coronavirus haben seit Beginn der Pandemie weltweit Hunderte Menschen das Leben gekostet.
Tausende Menschen mussten wegen der grösstenteils in sozialen Netzwerken verbreiteten Falschinformationen im Krankenhaus behandelt werden, ergab eine im «American Journal of Tropical Medicine and Hygiene» veröffentlichte Studie. Die von einem Team internationaler Wissenschaftler unter anderem aus Australien, Thailand und Japan zusammengetragenen Daten stammen aus dem Zeitraum zwischen Dezember 2019 und April 2020.
So sei Menschen in Indien empfohlen worden, Kuhurin oder -dung zu verzehren, um sich gegen eine Ansteckung zu wappnen. In Saudi-Arabien wurde Kamelurin mit Limone als Wunderwaffe gegen Sars-CoV-2 beworben. Der Konsum von hochkonzentriertem Alkohol zur vermeintlichen Desinfizierung des Körpers kostete weltweit sogar 800 Menschen das Leben. Rund 5900 landeten nach dem Trinken von Methanol im Krankenhaus, 60 erblindeten.
Die Forscher untersuchten auch mögliche Folgen von Stigmatisierung. So habe sich ein Mann in Indien das Leben genommen, weil er glaubte, mit Corona infiziert zu sein - und die mögliche Erkrankung als Schande empfand. Auch sei es immer wieder zu verbaler und physischer Gewalt gegenüber Menschen asiatischer Herkunft und Mitarbeitern des Gesundheitssystems gekommen, weil beide Gruppen für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht wurden. Die Wissenschaftler hatten mehr als 2300 Berichte in 25 Sprachen aus 87 Ländern untersucht.
Neben der Pandemie gebe es demnach auch eine «Infodemie», so die Forscher. Sie forderten Regierungen und internationale Organisationen auf, Corona-Fehlinformationen im Internet besser zu überwachen, als falsch zu entlarven und «mit Social-Media-Unternehmen zusammenzuarbeiten, um korrekte Informationen zu verbreiten.» (aeg/sda/dpa)
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