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Freiwillige desinfizieren die Strassen von Itaewon in Seoul. Bild: EPA

Südkorea verhindert zweite Welle nach Partynacht – die Zahlen dahinter sind gewaltig

Erinnerst du dich an den Corona-Ausbruch nach der einen Partynacht in Seoul? Diesen immensen Aufwand hat Südkorea betrieben, um das wieder in den Griff zu bekommen.

Publiziert: 26.05.20, 11:50 Aktualisiert: 27.05.20, 08:01

Was ist passiert?

Südkoreas Vorbildrolle in Bezug auf die Bewältigung der Coronakrise wurde in diesem Monat auf den Prüfstand gestellt.

Als die Zahl der täglichen Neuinfektionen in den einstelligen Bereich fiel, lockerte das Land die Corona-Massnahmen. Doch dann wurden mehrere Personen, die Nachtclubs im Seouler Ausgeh-Viertel Itaewon besucht hatten, positiv auf das Virus getestet.

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Der Ursprung dieses Anstiegs war ein einzelner infizierter Partygänger, der am ersten Maiwochenende eine Nacht durchgefeiert hatte. Tausende Südkoreaner waren an diesem Wochenende unterwegs und die Behörden befürchteten, dass das Cluster einen landesweiten Ausbruch auslösen könnte.

In den darauffolgenden Tagen wurden wieder täglich Dutzende Neuansteckungen gemeldet.

Wie reagierten die Behörden?

Südkoreas Antwort auf das Itaewon-Cluster ist ein Lehrstück in Sachen Contact Tracing. Seouls Bürgermeister liess in der Folge alle Bars und Nachtclubs schliessen, die Behörden ermittelten, wer alles an diesem Wochenende anwesend gewesen war und verfolgten die Kontakte. Die Zahlen haben es in sich:

82'000 Personen wurden getestet.
237 Fälle in Zusammenhang mit dem Itaewon-Cluster entdeckte man.
Bei nur 6,8 Prozent der Fälle ist der Ursprung der Infektion unbekannt.

Gemäss «Korea Herald» sind die täglichen Neuinfektionen im gesamten Land nun wieder unter 20. Die Behörden gehen mittlerweile davon aus, dass das Cluster unter Kontrolle ist.

Wie war das möglich?

Um den Ausbruch des Itaewon-Clusters zu bekämpfen, versuchten die Beamten, mit jeder einzelnen Person in Kontakt zu treten, die einen der Clubs im Ausgangsviertel besucht hatte. Das war möglich, weil Bars und Nachtclubs in Seoul von den Partybesuchern verlangten, vor dem Betreten ihren Namen und ihre Kontaktinformationen zu hinterlassen, berichtete etwa «Time».

Zumindest theoretisch.

Weil nicht alle Clubs die Daten lücken- und fehlerlos aufzeichneten, arbeitete die Polizei mit Mobilfunk-Providern zusammen, um anhand der Telefondaten herauszufinden, wer sich am Wochenende in Itaewon aufgehalten hatte.

Laut Seouls Bürgermeister war es den Beamten möglich, so die Hälfte der Club-Besucher zu erreichen – und das innerhalb weniger Tage.

Zusätzlich zu diesen Daten verwendeten die Contact Tracer GPS-Daten, Kreditkarten-Auszüge, Videoüberwachungs-Material und Interviews, um die Bewegungsabläufe nachzuverfolgen, schreibt etwa die Washington Post. Ein Vorgehen, das in der Schweiz aus Datenschutzgründen kaum möglich wäre.

Das ist aber noch nicht alles: Nachdem sich die Beamten ein klares Bild davon gemacht hatten, wie und wo sich eine infizierte Person bewegt hatte, veröffentlichte die südkoreanische Regierung diese Daten in anonymisierter Form auf einer öffentlichen Webseite, damit andere überprüfen können, ob sie dem Virus ausgesetzt waren.

Zusätzlich versendete die Regierung via Corona-Apps entsprechende Alarme. Alle, die zwischen dem 30. April und dem 5. Mai einen Club in oder in der Nähe von Itaewon besuchten, sollen sich testen lassen. Diese Tests sind gratis.

Covid-19: «Contact Tracing» einfach erklärt

Eine Smartphone-App kann Leute warnen, die mit einer infizierten Person in engerem Kontakt standen. So lässt sich die Verbreitung des Coronavirus wirksam eindämmen. (Screenshot: srf.ch)
Der Stadtstaat Singapur bekämpft Covid-19 mit der «TraceTogether»-App, die auf hunderttausenden iPhones und Android-Geräten installiert ist. Die Funktionsweise ist ganz einfach ... EPA / WALLACE WOON
1. Man lädt die App aus dem offziellen App Store herunter und öffnet sie.
2. Man wird gebeten, Bluetooth auf dem Mobilgerät zu aktivieren, und man soll einwilligen, Standortdaten mit dem Gesundheitsministerium zu teilen.
3. Nun wird erklärt, dass mithilfe von Proximity-Technologie gemessen werden kann, wie nahe sich App-Benutzer kommen.
4. Um mitzumachen, muss man nur die eigene Handynummer eingeben und erhält daraufhin zur Bestätigung einen PIN-Code.
Wichtig zu wissen: Die höchst sensiblen Daten werden nicht wie in China oder Südkorea verwendet, um auf öffentlichen Online-Karten den Aufenthaltsort von Virusträgern anzuzeigen. Es geht darum, dass potenziell Infizierte persönlich gewarnt werden.
Der Datenschutz kann laut Experten gewährleistet werden, wobei es eine sichere Server-Infrastruktur braucht. Und wenn die Pandemie beendet ist, kann auch die App von den Handys gelöscht werden. KEYSTONE / ANTHONY ANEX

Was sind die Lehren?

«Das Wichtigste ist, dass man die Übertragungskette so schnell wie möglich unterbricht, damit sich das Virus nicht ausbreitet», sagte etwa der hochrangige Gesundheitsbeamte Yoon Tae Hoe gemäss «Korea Herald». Und weiter: «Wir müssen das Contact Tracing und das Testen noch schneller machen.»

Konkret verlangt die südkoreanische Regierung ab kommendem Monat, dass die Club- und Barbetreiber die Personendaten zuverlässiger aufnehmen. Dies soll via Kundenprotokoll auf Basis von QR-Codes noch schneller und zuverlässiger werden.

In Anbetracht der jüngsten Zunahme an Fällen haben sich die Gesundheitsbehörden ausserdem entschlossen, die Richtlinien zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu überarbeiten. Ab Dienstag sind Schutzmasken in Bussen und Taxis obligatorisch, wer keine Maske hat, darf nicht einsteigen. Das Gleiche gelte ab Donnerstag auch für Flugzeugpassagiere. (jaw)

23 verrückt-kreative Wege, wie sich Leute vor Corona zu schützen versuchen

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So wirkt sich eine Maske auf die Verbreitung von Viren aus

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